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Zyklon B
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Zyklon B war der Handelsname für ein Schädlingsbekämpfungsmittel mit dem Wirkstoff Blausäure (chemisch Cyanwasserstoff, Summenformel HCN). Es wurde zwischen 1941 und 1945 auch zum Massenmord in deutschen Konzentrationslagern benutzt.
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Produkt
Zyklon B bestand aus einem Substrat (Discoids aus Zellstoff, die wie Bierdeckel aussehen) oder Pellets (erbsengroßen gipshaltigen sog. Erco-Würfeln), die mit der Blausäure sowie dem Riechstoff Bromessigsäuremethylester (als Warnfaktor) getränkt waren und aus denen die Blausäure langsam und kontrolliert austrat. Vor 1938 wurde die Blausäure für eine sicherere Handhabung auch in Kieselgur gebunden. Als Stabilisator werden Oxalsäure und Chlorsäureethylester zugesetzt; die Haltbarkeit wurde für die Dauer von drei Monaten nach Auslieferung garantiert. In der Praxis konnte Zyklon B mehrere Jahre gelagert werden, wenn die Dosen vor zu hohen Temperaturen und vor Feuchtigkeit geschützt wurden.
Eine Sonderform war Zyklon B ohne Warnstoff, das zur Behandlung von Lebensmitteln und anderen anfälligen Stoffen hergestellt wurde. Dies war auf dem Etikett mit der Bezeichnung "Vorsicht, ohne Warnstoff" vermerkt.
Ausgeliefert wurde Zyklon B in luftdichten Blechdosen in den Größen 200g, 500g, 1000g, 1200g und 1500g. Um dem Innendruck des Zyklon B von 0,25-1 Bar widerstehen zu können, waren die Blechdosen aus 0,4 mm starkem Blech gefertigt. Die Verschlüsse waren absolut gasdicht ausgeführt und wurden im Werk durch Erhitzen getestet.
Das Zellgift Blausäure ist wegen seines niedrigen Siedepunktes von 25,7 °C gefährlich zu handhaben. Auch unterhalb dieser Temperatur wird Cyanwasserstoff (HCN) freigesetzt, da Blausäure einen hohen Dampfdruck hat. Des Weiteren ist das entweichende Gas an der Luft in hohen Konzentrationen, die 56.000 ppm (5.6%) übersteigen, feuergefährlich und hochexplosiv. Bei Begasungen von Schiffen und Silos war eine derartig hohe Konzentration nicht erforderlich und erreichte nur das Zweihundertstel davon,[1] so dass es bei Entwesungen normalerweise nicht zu Explosionen kommen konnte. Lediglich in den USA kam es 1947 durch unsachgemäße Anwendung zu einem Unfall, bei dem ein hermetisch abgeriegeltes Holzhaus wegen einer zu hohen Konzentration von Blausäuregas explodierte.
Hersteller
Die Erfindung des Verfahrens zur Absorption von Blausäure in Kieselgur ermöglichte es ein effizientes und handhabungssicheres Schädlingsbekämpfungsmittel herzustellen. Das Reichspatentamt gab am 27. Dezember 1926 das Patentdokument mit der Nummer 438.818 an die "Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung mbH" (kurz Degesch). Es wurde der Patentinhaberin rückwirkend auf den 20. Juni 1922 erteilt. Als Erfinder wurde Walter Heerdt angegeben.[2]
Der Wirkstoff wurde von den „Dessauer Werken für Zucker-Raffinerie GmbH“, Dessau, und ab 1935 auch bei der „Kaliwerke AG“ in Kolín, Tschechien im Auftrag der „Degesch“ hergestellt, einer Tochterfirma der Degussa und der I.G. Farben. Zyklon B wurde über die Handelsfirmen Tesch & Stabenow („Testa“) und Heerdt Lingler („HeLi“) vertrieben.
Die Geschäftsberichte der Degesch weisen für den Zeitraum von 1938-1943 Produktionsmengen zwischen 160,0 Tonnen und 411 Tonnen aus.[3] Für Rüstungsaufträge wurde 1943 der Preis je kg auf 4,55 RM gesenkt.[4] Die Dessauer Werke wurden im März 1944 bombardiert und dabei schwer beschädigt, so dass die gesamte Jahresproduktion auf 231 Tonnen sank. Am 7. März 1945 wurden die Dessauer Werke und das Lager bei Luftangriffen völlig zerstört.
In der DDR wurde von 1952 bis 1969 Zyklon B als Entwesungssmittel durch die „VEB Gärungschemie Dessau“, dem Nachfolgebetrieb der „Dessauer Werken für Zucker-Raffinerie GmbH“, weiter hergestellt. Es wurde unter dem Namen Cyanol vertrieben. Nach 1969 wurde es in Schwedt hergestellt[5].
In der Bundesrepublik wird es nach 1945 unter dem Namen Cyanosil und Zedesa Blausäure im Inland und unter dem Namen Zyklon im Ausland vertrieben. Hersteller sind die Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung mbH, die Detia Freyberg GmbH und die Desinsekta GmbH.[6].
Auswirkung von Blausäuregas auf den Organismus
Die Wirkung des Produkts ist im Artikel zum Hauptwirkstoff Cyanwasserstoff (Blausäure) beschrieben.
Verwendung in Industrie und Konzentrationslagern
Zyklon B wurde hauptsächlich für die Durchgasung von Schiffen, Kühlhäusern und Getreidemühlen sowie die Entwesung von Massenunterkünften und die Entlausung von Bekleidung eingesetzt. Nach 1939 stieg der Bedarf durch den Einsatz bei der Wehrmacht und in Lagerunterkünften von Zwangs- und Fremdarbeitern steil an.
Zyklon B wurde im KZ Auschwitz-Birkenau auch verwendet, um Lagerinsassen massenhaft in Gaskammern zu ermorden. Erste Versuche dazu hatten schon Ende 1941 im KZ Auschwitz I (Stammlager) stattgefunden. In weitaus geringerem Maße wurde Zyklon B auch in den Lagern KZ Majdanek, KZ Mauthausen, KZ Sachsenhausen, KZ Ravensbrück, KZ Stutthof und KZ Neuengamme zu Tötungszwecken benutzt. In den meisten Vernichtungslagern wurden Motorabgase, manchmal auch reines Kohlenstoffmonoxidgas verwendet.
Jean-Claude Pressac recherchierte von 1979-1985 detailliert die Verwendung von Zyklon B im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Dabei stellte er fest:
- Zyklon B wurde von der Wehrmacht und den Konzentrationslagern in erheblichen Mengen zur Entwesung von Kleiderläusen benötigt.
- Die weitaus größte Menge des Zyklon B, das nach Auschwitz gelangte, wurde tatsächlich auch dort bestimmungsgemäß zur Entwesung eingesetzt, um Läuse als Überträger von Seuchen abzutöten.
- Eine prozentual geringe Menge des gelieferten Zyklon B reichte jedoch aus, um den Massenmord an Menschen durchzuführen: Auf warmblütige Lebewesen wirkt Blausäure schon in geringer Dosis tödlich (1/22 der Dosis für Wirbellose).
Im Prozess gegen den Geschäftsführer der Degesch wurde berechnet, dass vier Kilogramm Zyklon B zur Vergasung von eintausend Menschen ausreichten.[7]
Durch kriegsbedingten Mangel wurde der Anteil des Warn- und Reizstoffes im Zyklon B herabgesetzt; ab Juni 1944 entfiel der Zusatz gänzlich.[8] Bereits ab Juni 1943 gab es Lieferungen von Zyklon B ohne Warnstoff nach Auschwitz. Laut Urteilsbegründung im Prozess gegen den Geschäftsführer der Degesch/HeLi ist nicht mit Sicherheit nachweisbar, ob diese von Kurt Gerstein angeforderte "schonende" Sonderform dort zur Tötung von Menschen Verwendung fand.
Strafrechtliche Verfolgung
Bei der Beschaffung im Konzentrationslager Auschwitz war SS-Obersturmführer Robert Mulka tätig, der auch Opfer in die Gaskammern führte und unter anderem deswegen beim Frankfurter Auschwitz-Prozess verurteilt wurde. Auch die Verantwortlichen der Lieferfirmen Degesch/HeLi und Testa standen vor Gericht. Bruno Tesch und sein Geschäftsführer wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. Das Urteil gegen Gerhard F. Peters von der Degesch wurde später aufgehoben.
Quellen
- ↑ Forschungsgruppe Zyklon B / Dessau abgerufen 18. Januar 2007
- ↑ Kalthoff/Werner: Die Händler des Zyklon B... S. 234
- ↑ Kalthoff/Werner: Die Händler des Zyklon B... S.120,126,151,218
- ↑ Kalthoff/Werner: Die Händler des Zyklon B... S.124
- ↑ http://www.rc-dessau.de/bode.htm
- ↑ Bundesinstitut BgVV (2000) Zugriff am 7. März 2007
- ↑ Jörg Friedrich: Die kalte Amnestie. Frankfurt/M 1984 ISBN 3-596-24308-4, S. 207
- ↑ Kalthoff/Werner: Die Händler des Zyklon B. S. 180
Literatur
- Dr. Gerhard Peters: Blausäure zur Schädlingsbekämpfung. Verlag Ferdinand Enke, Stuttgart 1933
- Jean-Claude Pressac: Auschwitz. Technique and operation of the Gas Chambers. (Beate Klarsfeld Foundation) New York 1989 - online unter [1].
- Jean-Claude Pressac: Die Krematorien von Auschwitz: Die Technik des Massenmordes. Piper Verlag, Neuauflage München 1995, ISBN 3-492-12193-4
- Jürgen Kalthoff, Martin Werner: Die Händler des Zyklon B. Tesch & Stabenow. Eine Firmengeschichte zwischen Hamburg und Auschwitz. Hamburg 1998, ISBN 3-87975-713-5
- Jörg Friedrich: Die kalte Amnestie. NS-Täter in der Bundesrepublik. Fischer TB 4308; Frankfurt/M 1984 ISBN 3-596-24308-4
Weblinks
| <imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden | Commons: Zyklon B – Bilder, Videos und/oder Audiodateien |
- Zyklon B - Mahnung und Erinnerung
- Überblicksartikel zu Zyklon B bei Shoa.de
- Komplettes Buch Blausäure zur Schädlingsbekämpfung, Gerhard Peters
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