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Wiesbaden
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| Wappen | Karte | |||||||||
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| Bild:Coa de-Wiesbaden.svg | [[Bild:Karte Deutschland.png
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| Basisdaten | ||||||||||
| Bundesland: | Hessen | |||||||||
| Regierungsbezirk: | Darmstadt | |||||||||
| Landkreis: | Kreisfreie Stadt | |||||||||
| Fläche: | 204,10 km² | |||||||||
| Einwohner: | knapp 287.000 (274.865 zzgl. ca. 12.000 amerikanische Staatsbürger) (30. September 2005) | |||||||||
| Bevölkerungsdichte: | 1.407 Einwohner je km² | |||||||||
| Ausländeranteil: | 17,7 % (Stand: 31. August 2006) | |||||||||
| Arbeitslosenquote: | 10,0 % (Stand: 31. August 2006) | |||||||||
| Höhe: | 115 m ü. NN | |||||||||
| Postleitzahlen: | 65001 - 65207 (alt: 6200) 55240 - 55246 (alt: 6502) 55247 - 55252 (alt: 6503) | |||||||||
| Vorwahlen: | 0611, 06122, 06127, 06134 | |||||||||
| Geographische Lage: | Koordinaten: 50° 05' N, 08° 15' O50° 05' N, 08° 15' O | |||||||||
| Kfz-Kennzeichen: | WI | |||||||||
| Gemeindeschlüssel: | 06 4 14.000 | |||||||||
| UN/LOCODE: | DE WIB | |||||||||
| Stadtgliederung: | 26 Stadtbezirke | |||||||||
| Adresse der Stadtverwaltung: | Schloßplatz 6 65183 Wiesbaden | |||||||||
| Offizielle Webseite: | www.wiesbaden.de | |||||||||
| Politik | ||||||||||
| Oberbürgermeister: | Hildebrand Diehl (CDU) | |||||||||
| Bürgermeister: | Dr. Helmut Müller (CDU) | |||||||||
| Regierende Parteien: | CDU, FDP, GRÜNE | |||||||||
| Karte | ||||||||||
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Wiesbaden ist die Landeshauptstadt Hessens und nach Frankfurt am Main zweitgrößte Stadt des Landes. Die Stadt mit 26 Thermalquellen ist eines der ältesten Kurbäder Europas.
Die Stadt hat mit den in Wiesbaden lebenden US-amerikanischen Staatsangehörigen, welche bei den Volkszählungen nicht berücksichtigt werden, knapp 287.000 Einwohner. Der Großraum Wiesbaden, neben der eigentlichen Stadt hauptsächlich aus dem angrenzenden Rheingau-Taunus-Kreis, den Städten Eppstein, Hochheim am Main, Hofheim am Taunus und den Gemeinden Bischofsheim und Ginsheim-Gustavsburg bestehend, zählt ca. 570.000 Einwohner. Wiesbaden bildet eines der neun Oberzentren des Landes Hessen und zählt ebenso wie Frankfurt am Main, Mainz, Darmstadt, Offenbach am Main und Hanau zu den Kernstädten des Rhein-Main-Gebiets.
Die Einwohnerzahl der Stadt Wiesbaden überschritt im Jahre 1905 die Grenze von 100.000.
Inhaltsverzeichnis |
Geographie
Allgemeines
Wiesbaden liegt am rechten Ufer des Rheins gegenüber der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz und zwar dort, wo der Rhein seine Hauptrichtung von Süden kommend nach Westen ändert. Nördlich der Stadt erstreckt sich das Mittelgebirge Taunus mit seinem in nordöstlicher Richtung verlaufenden Hauptkamm. Wiesbaden breitet sich in einer Gebirgsmulde zwischen diesem Höhenzug und dem Fluss aus, wobei zwischen der Innenstadt und dem Rheinufer ein höher gelegenes Plateau zu überwinden ist. Höchster Punkt des Stadtgebietes ist mit 608 m über NN der Gipfel der Hohen Wurzel auf dem Rheinhöhenweg, tiefster Punkt die Hafeneinfahrt von Schierstein mit 83 m über NN. Die Innenstadt (Schloßplatz) liegt auf 115 m über NN.
Das Stadtgebiet hat eine Größe von 204 Quadratkilometern, misst von Nord nach Süd 17,6 Kilometer und von West nach Ost 19,7 Kilometer. Im Norden wird es von ausgedehnten Waldgebieten (27,4% des Stadtgebietes), im Westen von Weinbergen und im Osten von landwirtschaftlich genutzten Flächen (31,1%) umgeben. Von der 79 Kilometer langen Stadtgrenze bildet der Rhein 10,3 Kilometer.
Östlich, aber auch westlich und auf dem Stadtgebiet, erstreckt sich der Rheingau, der zu den bekanntesten Weinanbaugebieten in Deutschland zählt (vgl. auch Rheingau (Weinbaugebiet)). Auch innerhalb der Stadtgrenzen wird Wein angebaut (Dotzheim, Frauenstein, Kostheim, Neroberg, Schierstein).
Klima
Ihre Lage in der Gebirgsmulde am Südfuß des Taunus, im Norden und Westen durch den Höhenzug geschützt, verleiht Wiesbaden ein mildes Klima: Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 9,5 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge 622 Liter pro Quadratmeter, und die durchschnittliche Sonnenscheindauer im Jahr liegt bei 1.565 Stunden. Wiesbaden zählt damit zu den wärmsten deutschen Städten. Durch die Lage in einer Talmulde und ungünstig platzierte Hochhäuser ist der Luftaustausch in der Innenstadt jedoch eingeschränkt.
Nachbargemeinden
Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Landeshauptstadt Wiesbaden oder werden nur durch den Rhein von ihr getrennt; sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt:
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Stadtgliederung
Das Stadtgebiet von Wiesbaden ist in 26 Stadt- beziehungsweise Ortsbezirke aufgeteilt. Jeder Ortsbezirk hat einen Ortsbeirat mit Ortsvorsteher, welcher Vorsitzender des Ortsbeirats ist. Zu den einzelnen Ortsbezirken gehören teilweise auch Wohnplätze mit eigenem Namen. Von den 26 Bezirken zählen fünf zur Inneren Stadt, die übrigen 21 wurden in insgesamt vier Phasen zwischen 1926 und 1977 eingemeindet. Die ehemals rechtsrheinischen Mainzer Vororte Amöneburg, Kastel und Kostheim (kurz: „AKK“) gehören seit 1945 zu Wiesbaden (siehe hierzu auch AKK-Konflikt).
Details zu Größe und Einwohnerzahl der Bezirke sind der Liste der Stadtbezirke von Wiesbaden zu entnehmen.
Stadtbild
Grundsätzliches
Das heutige Stadtbild von Wiesbaden wird maßgeblich durch drei Punkte geprägt:
Zum Einen ist die Mehrzahl der Gebäude der Innenstadt in einer Zeitspanne von nur etwa 60 Jahren entstanden (ungefähr zwischen 1850 und dem Beginn des Ersten Weltkrieges 1914). Für die Stadtplanung waren im Wesentlichen nur zwei Baumeister verantwortlich, nämlich Christian Zais zu Beginn des 19. Jahrhunderts und Felix Genzmer zu dessen Ende.
Zweitens zog Wiesbaden in dieser Zeit neben dem kaiserlichen Hofstaat zahlreiche einkommenstarke Gäste an, die ihrem Wunsch nach Repräsentation in der Stadt Rechnung trugen.
Drittens ist die Wiesbadener Innenstadt während des Zweiten Weltkrieges weit weniger zerstört worden als die anderer Städte. Der Zerstörungsgrad lag bei ca. 30 %, die wichtigsten, das Stadtbild prägenden Gebäude und Straßenzüge blieben erhalten.
Diese drei Faktoren führten dazu, dass die Wiesbadener Innenstadt heute ein sehr einheitliches Erscheinungsbild bietet, dessen Gebäude fast alle dem Klassizismus, Historismus und Jugendstil zuzurechnen sind. Ende des 19. Jahrhunderts wurden großzügige Wohngebiete mit aufwendigen Fassaden und Alleen angelegt (wie zum Beispiel das Rheingauviertel und das Feldherrnviertel, das Dichterviertel und das Gebiet um die Wiesbadener Ringstraße). Durch ihren Ruf als Weltkurstadt entstanden in der Innenstadt zudem viele repräsentative öffentliche Gebäude wie das Kurhaus (1907), das Hessische Staatstheater (1894), die Marktkirche (1853 bis 1862) und die Ringkirche (1894), sowie ausgedehnte Parkanlagen wie der Kurpark, der Warme Damm, die Reisinger-Anlagen und das Bowling Green. Heute gilt Wiesbaden deshalb als Musterbeispiel des Historismus. Auf Initiative des Vorsitzenden der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow, hat die Stadt sich deshalb im Jahre 2005 auch für den Status eines UNESCO-Weltkulturerbes beworben [1].
Je weiter man sich von der Innenstadt entfernt, desto mehr wird das Bild der Altbauten durch Häuser der Nachkriegszeit verdrängt, welche im Rahmen der Stadterweiterung entstanden. Darunter fallen beispielsweise ehemalige Siedlungen und Kasernen der in Wiesbaden stationierten US-Armee (Siedlungen Aukamm, Hainerberg, Crestview), die ab den 1960er Jahren entstande Trabantensiedlung Klarenthal sowie weitere Wohnviertel mit Bauten aus den 1960er bis 1990er Jahren.
Städtebauliche Gliederung der Innenstadt
Das Stadtbild lässt sich in mehrere Bereiche gliedern: die geschlossene Bebauung breitet sich weitgehend auf dem Grund der Talmulde am südlichen Fuß der Taunushänge aus. Sie lässt sich wiederum folgendermaßen einteilen:
Im Bereich des Historischen Fünfecks ist das alte Zentrum der Stadt zu finden. Hier lässt sich noch der unregelmäßige Grundriss der Straßen erkennen. Mittelpunkte sind hier der Schloßplatz (siehe Sehenswürdigkeiten) sowie der Mauritiusplatz. Das enge Bergkirchenviertel im Nordwesten des Historischen Fünfecks liegt auf einer Anhöhe.
Der Bereich um das Historische Fünfeck bis zur Ringstraße (1. Stadtring) wurde als schachbrettartige Anlage der umliegenden Straßen und Plätze vom Stadtbaumeister Christian Zais geplant. Dies betrifft neben den Stadtteilen im Westen (Westend, auch Feldherrnviertel) und der südlichen Innenstadt auch den Kurbezirk im Nordosten. Herausragende städtebauliche Elemente sind hier neben dem Ensemble um das Bowling Green die Wilhelmstraße, die Rheinstraße, die Bahnhofsstraße, die Adolfsallee und der Luisenplatz.
Die Ringstraße und Bereiche außerhalb dieser sind als geschwungene Straßenzüge vorwiegend als Alleen angelegt und lassen die Handschrift des Stadtbaumeisters Felix Genzmer erkennen. Hier finden sich Beispiele prachtvoller Bürgerhäuser des Historismus (siehe auch Rheingauviertel, Feldherrnviertel, Dichterviertel, sowie Ringstraße). Hervorzuheben sind hier der Sedanplatz, der Blücherplatz mit der Blücherschule, der Gutenbergplatz mit der Gutenbergschule sowie die Ringkirche, die Lutherkirche und die Dreifaltigkeitskirche.
Außerhalb dieser geschlossenen Bebauung schließen sich an den Hängen der Talmulde ausgedehnte Villengebiete an, die ebenfalls im ausgehenden 19. Jahrhundert entstanden. Dies betrifft das Nerotal und seine Umgebung, den Philippsberg nördlich der Emser Straße, den Stadtteil Sonnenberg und das so genannte Villengebiet Ost, östlich von Wilhelmstraße und Friedrich-Ebert-Allee. Im Südosten der Innenstadt (um Gustav-Stresemann-Ring und Berliner Straße) entstanden seit den 1950er Jahren moderne Verwaltungsgebäude.
Außenbezirke
Außerhalb der Innenstadt finden sich ehemals selbständige Städte und Gemeinden, die zum Teil mittlerweile mit der Kernstadt verwachsen sind (Dotzheim, Schierstein, Sonnenberg und Rambach). Die Stadtteile Biebrich, Bierstadt, Kastel und Kostheim haben dabei kleinstadtähnlichen Charakter. Die Vororte im Osten (Naurod, Auringen, Breckenheim, Medenbach, Kloppenheim, Heßloch, Igstadt, Nordenstadt, Erbenheim und Delkenheim) besitzen trotz der Eingemeindung in den 1970er Jahren einen dörflichen Charakter. Frauenstein ist neben Dotzheim der einzige Vorort im Westen.
Bemerkenswert ist, dass sich im eigentlichen Innenstadtgebiet von Wiesbaden so gut wie keine Industrie- oder ausgedehnte Gewerbegebiete befinden. Eine Ausnahme bildet lediglich der Bereich um die Mainzer Straße, welcher mit dem Hochhaus „Mainzer 75“, diversen Autohäusern, ehemaligen Fabriken und Restaurants von Fast-Food-Ketten sowie Elektronikmärkten eines der wenigen Gewerbegebiete in der Nähe der Wiesbadener Innenstadt darstellt.
Landwirtschaft wird in nahezu allen Außenbezirken betrieben. Frauenstein ist mit den Weinlagen Herrnberg, Homberg und Marschall das Zentrum des Wiesbadener Weinbaus und zählt auch landschaftlich bereits zum Rheingau. Weinlagen gibt es außerdem in Kostheim (St. Kiliansberg, Steig, Weiß Erd), Schierstein (Dachsberg und Hölle) und Dotzheim (Judenkirsch).
Die Haupt-Industriegebiete befinden sich in den südlichen Stadtteilen am Rhein, wie in den ehemaligen Rheinufer- und Hafenorten Schierstein und Biebrich sowie den AKK-Vororten. Kleinere Industriegebiete finden sich in den östlichen Vororten Erbenheim und Nordenstadt, deren wirtschaftlicher Vorteil die direkt an den Stadtteilen vorbeilaufende Bundesautobahn 66 ist.
Mehrere Gebiete der innenstadtnahen Außenbezirke werden bzw. wurden als US-Militärstützpunkt genutzt. Als Wohngebiete für die amerikanischen Streitkräfte des Militärflugplatzes Erbenheim dienen auch heute noch die nordöstliche gelegenen US-amerikanischen Housings Aukamm, Crestview und Hainerberg Village. Aus dem Camp Pieri in Dotzheim und dem Camp Lindsey (heute: Europaviertel) in der westlichen Innenstadt sind die US-Amerikaner 1993 abgezogen. Diese ehemaligen Kasernen werden seitdem zivil genutzt und wurden in den 1990ern mit einer Vielzahl moderner Eigentumswohnungen bebaut. Auf dem ehemaligen Camp Lindsey befinden sich heute eines der drei Wiesbadener Standorte des Bundeskriminalamts, die Volkshochschule sowie mehrere städtische Behörden, unter anderem das Einwohnermeldeamt. In den Gebäuden des „Camp Pieri“ befindet sich heute eines der Studierendenwohnheime der Fachhochschule.
Geschichte
Überblick
Siehe hierzu auch Hauptartikel Geschichte der Stadt Wiesbaden.
Die Geschichte von Wiesbaden beginnt spätestens in der Antike [2] [3] Schon den Römern waren die heißen Quellen der Stadt bekannt. Sie ließen in ihrer Nähe um 6 bis 15 nach Christus eine Befestigung errichten. Die Quellen wurden erstmals 77 nach Christus im Werk Naturalis historia von Plinius dem Älteren beschrieben. Es entstand eine römische Siedlung mit dem Namen „Aquae Mattiacorum“ (lat.: „Die Wasser der Matthiaker“, daher die Aufschrift auf dem Wiesbadener Kurhaus „Aquis Matthiacis“, d.h. „den Wassern der Mattiaker geweiht“), der auf den Namen des chattischen Stamms der Mattiaker anspielte.
Im Jahre 828/830 erwähnte Einhard, der Biograf Karls des Großen, erstmals den Namen Wisibada (das Bad in den Wiesen). Um 1170 erwarben Nassauer Grafen Reichsbesitz in und um das heutige Wiesbadener Stadtgebiet.
1232 wurde Wiesbaden vermutlich Reichsstadt. Dies könnte ein Grund für den Befehl zur Zerstörung der Stadt Wiesbaden 1242 durch den Mainzer Erzbischof gewesen sein. 1296 stiftete der römisch-deutsche König Adolf von Nassau das Kloster Klarenthal. 1318 fand eine vergebliche Belagerung der Stadt durch die Truppen von König Ludwig dem Bayern statt. Plünderungen und Verwüstungen erfassten das Kloster Klarenthal und das Umland.
Während des Bauernkrieges erhoben sich 1525 auch die Wiesbadener und verloren nach ihrer Niederschlagung alle erteilten Privilegien, welche sie erst 1566 zurückerhielten. Mit der Ernennung von Wolf Denthener zum evangelisch-lutherischen Pfarrer wurde 1543 die Reformation in Wiesbaden durchgeführt.
Von 1609 bis 1610 wurde das Alte Rathaus erbaut, das älteste noch heute existierende Gebäude in Wiesbaden. Die meisten älteren Gebäude sind zwei Bränden in den Jahren 1547 und 1561 zum Opfer gefallen. 1744 wurde das Schloss Biebrich Hauptresidenz des Hauses Nassau, 1806 wurde Wiesbaden Regierungssitz und Hauptstadt des Herzogtums Nassau, unter dessen Herrschaft Wiesbadener Männer in den Napoleonischen Kriegen kämpfen mussten. In Wiesbaden steht heute am Luisenplatz ein Denkmal für die nassauischen Gefallenen der Schlacht bei Waterloo im Jahre 1815.
Im 19. Jahrhundert begann Wiesbadens glanzvolle Zeit und ihr Aufstieg zur Weltkurstadt. Sie wurde als Kurbad, Kongressstadt und Verwaltungssitz weiter ausgebaut und erlebte einen großen Aufschwung. Das „Nizza des Nordens“ wurde regelmäßig von Kaiser Wilhelm II. zur Sommerfrische besucht und bald als „Kaiserstadt“ bezeichnet. Im Gefolge des kaiserlichen Hofstaats kamen zahlreiche Adlige, Künstler und wohlhabende Unternehmer in die Stadt und ließen sich dort nieder. Zahlreiche repräsentative Bauten entstanden, darunter das Kurhaus Wiesbaden mit seiner Spielbank und das Hessische Staatstheater an der Wilhelmstraße.
Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums in der Zeit der Industrialisierung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs die Stadt rasch. Die Einwohnerzahl stieg zwischen 1840 (rund 11.650) und 1910 (rund 109.000) um nahezu das Zehnfache. Umfangreiche Stadterweiterungen wurden notwendig, es entstanden zahlreiche neue Stadtgebiete mit repräsentativen Gebäuden im Stil des Historismus, Klassizismus und Jugendstils. Wiesbaden wurde in dieser Zeit durch Millionärsfamilien und Großfirmen, die sich ansiedelten, zur Stadt mit den meisten Millionären Deutschlands.
Mit Ende des Ersten Weltkriegs endete Wiesbadens Zeit als populäre Kurstadt. 1918 wurde sie von der französischen Armee besetzt, und 1921 wurde das „Wiesbadener Abkommen“ über die deutschen Reparationszahlungen an Frankreich geschlossen. 1925 wurde Wiesbaden Hauptquartier der britischen Rheinarmee und blieb es bis zum Abzug der Besatzungsmächte aus dem Rheinland 1930.
Seit 1933 wurden in der Stadt zahlreiche Dienststellen des NS-Regimes angesiedelt, darunter im Oktober 1936 das Generalkommando des XII. Armeekorps. In der Reichspogromnacht, am Morgen des 10. November 1938, wurden die beiden Synagogen der Stadt zerstört. Dazu gehörte auch die 1869 von Philipp Hoffmann im maurischen Stil erbaute große Synagoge am Michelsberg. Während des „Dritten Reiches“ wurden insgesamt etwa 1200 Wiesbadener Juden deportiert und ermordet. Dabei wurden einige Wohnhäuser in der Innenstadt als sogenannte „Judenhäuser“ genutzt, in denen Juden zwangseinquartiert wurden, bevor man sie zum Schlachthof transportierte. Dieser, in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof gelegen, war dann die letzte Station vor der Deportation. Der Wiesbadener Ludwig August Theodor Beck war am 20. Juli 1944 am Attentat auf Hitler beteiligt und bezahlte dies mit seinem Leben. Ihm zu Ehren verleiht die Stadt jährlich den Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage. Martin Niemöller, Widerstandskämpfer, Mitgründer des Pfarrernotbundes und Ehrenbürger von Wiesbaden, hielt in der Marktkirche die letzte Predigt vor seiner Verhaftung.
Im Zweiten Weltkrieg blieb Wiesbaden von den alliierten Bombenangriffen weitgehend verschont, Der schwere Bombenangriff in der Nacht vom 2. auf 3. Februar 1945 verfehlte aufgrund der schlechten Wetterlage die geplante Wirkung. Am 28. März 1945 wurde Wiesbaden von US-amerikanischen Truppen besetzt [4]. Die rechtsrheinischen Mainzer Vororte Amöneburg, Kastel und Kostheim wurden durch Anordnung der Militärregierung dem Stadtkreis Wiesbaden zugeordnet, welches eine Ursache der heutigen Rivalität zwischen Mainz und Wiesbaden wurde. General Dwight D. Eisenhower gründete das Land Groß-Hessen, Wiesbaden wurde dessen Hauptstadt.
Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949 wurde Wiesbaden Landeshauptstadt des neuen Bundeslandes Hessen und Sitz zweier Bundesbehörden: 1953 wurde mit dem Bundeskriminalamt die erste Bundesbehörde in Wiesbaden gegründet. 1956 wurde das Hochhausgebäude für das Statistische Bundesamt in der Nähe des Wiesbadener Hauptbahnhofes fertig gestellt [5].
Ab dem Jahre 1948 gehörte das Army Airfield in der Nähe von Wiesbaden-Erbenheim zu den acht Versorgungsflughäfen, die über eine Luftbrücke nach West-Berlin in der Zeit der sowjetischen Blockade vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 mit Lebensmitteln versorgten.
Im Jahr 1957 wurden die Rhein-Main-Hallen als Messezentrum eröffnet und in den 1960er Jahren erstanden erste Hochhaussiedlungen am Gräselberg, in Klarenthal und am Schelmengraben. Nach dem sich das ZDF 1961 für Mainz als Hauptsitz entschieden hatte, dort aber noch Räumlichkeiten fehlten, wurde Wiesbaden provisorischer Verwaltungssitz des neuen Fernsehsenders.
Von 1969 bis 1974 wurde die Wiesbadener Fußgängerzone geschaffen. Das erste Teilstück wurde an der Faulbrunnenstraße angelegt, mit der Fertigstellung wurde am 14. September 1974 zum ersten Mal das Schlossplatzfest gefeiert.
Am 2. April 1970 eröffnete die Deutsche Klinik für Diagnostik in der Nähe der Aukamm Housings.
Am 1. Januar 1977 wurden die Orte Auringen, Breckenheim, Delkenheim, Medenbach, Naurod und Nordenstadt im Rahmen der Hessischen Gebietsreform als östliche Vorstädte nach Wiesbaden eingemeindet. Die Bevölkerungszahl stieg um mehr als 20.000 Einwohner.
Im Jahre 2003 entbrannte ein Streit zwischen Politikern und Bürgerinitiativen um den Umzug des Bundeskriminalamtes nach Berlin, der bis heute nicht beigelegt ist.
Einwohnerentwicklung
Siehe auch Hauptartikel: Einwohnerentwicklung von Wiesbaden
Der Verlauf der Einwohnerentwicklung zeigt, dass ein Großteil des Bevölkerungswachstums in der Zeit von der Industrialisierung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges stattfand. Von 1800 bis 1939 wuchs die Bevölkerung von 2.239 Einwohnern auf 191.955 Einwohner. Dies war durch die wirtschaftlich günstige Lage am Rhein und der Nähe zum Ruhrgebiet begünstigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs Wiesbadens Bevölkerung vor allem durch die Eingemeindung östlicher Vorstädte und Zuwanderung von Gastarbeitern und Ausländern.
Im Jahre 2002 betrug der Anteil der Einwohner ohne deutschen Pass 17,5% und lag damit deutlich niedriger als die jeweiligen Anteile in Frankfurt (26,4%) und in Offenbach (31,2%). Allerdings ist der Anteil der ausländischen Bevölkerung in Wiesbaden seit 1980 (11,3%) um etwa 55% gestiegen.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1833 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst. Die Angaben beziehen sich ab 1843 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1843 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.
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Eingemeindungen
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¹ diese Stadtbezirke gehörten bis 1945 zu Mainz. Die Militärverwaltungen der Besatzungsmächte Frankreich und USA legten jedoch den mitten durchs bisherige Mainzer Stadtgebiet verlaufenden Rhein als Grenze zwischen ihren Besatzungszonen und folglich auch der neu gegründeten Länder Hessen und Rheinland-Pfalz fest. Drei der sechs rechtsrheinischen Stadtteile von Mainz wurden deshalb der Stadt Wiesbaden zugeordnet. Sie behielten jedoch ihre bisherige Bezeichnungen „Mainz-“.
Religion
Das Gebiet der heutigen Stadt Wiesbaden gehörte ursprünglich zum Bistum Mainz[6]. 1543 wurde durch das damalige nassauische Herrscherhaus die Reformation eingeführt. Vorherrschend war das lutherische Bekenntnis, doch gab es seit dem 18. Jahrhundert auch reformierte Gemeindeglieder. 1817 wurde in Herzogtum Nassau die Union zwischen lutherischen und reformierten Gemeinden durchgeführt. Sie gehörten somit zur Evangelischen Landeskirche in Nassau, die 1934 beziehungsweise 1945/46 mit der Evangelischen Landeskirche in Hessen (Darmstadt) zusammengeschlossen wurde. Innerhalb dieser Landeskirche gehören die Gemeindeglieder zum Dekanat Wiesbaden der Propstei Süd-Nassau. Als Reaktion auf die Union 1817 entstanden Evangelisch-Lutherische (altlutherische) Kirchengemeinden, die ihren lutherischen Glauben im Gottesdienst und Lehre leben wollten. So auch in Wiesbaden. Die Evangelisch-Lutherische Christusgemeinde Wiesbaden gehört heute zum Kirchenbezirk Hessen-Süd der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, deren besonderes Kennzeichen die Lutherischen Hochmessen sind.
Seit dem 18. Jahrhundert gab es auch vereinzelt wieder katholische Gemeindeglieder in Wiesbaden, die anfangs der Kirche in Frauenstein eingepfarrt waren. Seit 1791 konnten sie auch in Wiesbaden wieder öffentlich Gottesdienst feiern und 1801 erhielten sie ihr eigenes Bethaus. Später bauten sie sich wieder eigene Kirchen. Sie gehören zur Diözese Limburg, die 1827 für das damalige Herzogtum Nassau neu gegründet wurde. Innerhalb des Bistums Limburg gehören die Pfarrgemeinden der Stadt Wiesbaden (mit Ausnahme der ehemals zur Stadt Mainz gehörigen Gemeinden, welche zum Bistum Mainz gehören) zur gleichnamigen Region Wiesbaden.
Die jüdische Gemeinde in Wiesbaden konnte im Jahr 1869 ihre prächtige Synagoge, die im maurischen Stil erbaut worden war, auf dem Michelsberg einweihen. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurden Wiesbadener Juden in Wehen auf dem dortigen jüdischen Friedhof beigesetzt. In der Nacht der Novemberpogrome 1938 wurde auch diese Synagoge zerstört. Heute erinnern nur noch Gedenktafeln und ein nachgezeichneter Grundriss auf der Straße. Doch schon im Dezember 1946 wurde eine neue Gemeinde gegründet. Das neue Gotteshaus der jüdischen Gemeinde befindet sich in der Nähe der Polizeistation in der Friedrichstraße in einem stark gesicherten Hinterhof. Am Stadtrand existiert ein jüdischer Friedhof. Durch den Zuwachs aus Osteuropa hat die Gemeinde heute über 700 Mitglieder.
Heutige Religionsgemeinschaften in Wiesbaden:
- Alt-Katholische Kirche
- Anglikanische Kirche
- Apostolische Gemeinde Wiesbaden
- Arabische Gemeinde Gnade und Weisheit (evangelische Freikirche)
- Bahai
- Baptisten (eine deutsche und zwei amerikanische Gemeinden)
- Christian Science
- Evangeliumschristen-Baptisten (mehrere russische Gemeinden)
- Evangelisch-methodistische Kirche
- Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (unierte Kirche; Gliedkirche der EKD)
- Freie Christengemeinde
- Freie Evangeliumschristen Alpha und Omega
- Freie Evangelische Gemeinde
- Freirelgiöse Gemeinde
- Griechisch-Orthodoxe Kirche
- Jüdische Gemeinde
- Kirche des Nazareners
- Mormonen (mit Genealogischer Forschungsstelle)
- Neuapostolische Kirche
- Rhein-Main Christian Fellowship
- Römisch-Katholische Kirche (mehrere Gemeinden)
- Russisch-Orthodoxe Kirche im Ausland
- Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche frühere Kirchenbezeichnung: Evangelisch-Lutherische (altlutherische) Kirche
- Siebenten-Tags-Adventisten
- Zeugen Jehovas (mehrere mehrsprachige Gemeinden)
Politik
Funktion als Landeshauptstadt des Bundeslandes Hessen
Seit 1949 ist Wiesbaden Landeshauptstadt des Bundeslandes Hessen; hier sind alle Organe der Hessischen Landesregierung angesiedelt. Dazu gehören der Landtag, die Staatskanzlei als Sitz des Hessischen Ministerpräsidenten sowie alle Landesministerien.
Verwaltung der Stadt Wiesbaden
An der Spitze der Stadt Wiesbaden standen über viele Jahrhunderte der Schultheiß und die Schöffen des Stadtgerichts. Ihnen standen zwei Bürgermeister zur Seite, welche das eigentliche Organ der Selbstverwaltung darstellten. Seit dem 15. Jahrhundert traten die Bürgermeister oftmals als eigentliche Stadtvorstände in Erscheinung, wurden dann aber wieder vom Schultheiß abgelöst. 1775 erhielt das Stadtgericht durch Fürst Karl Wilhelm von Nassau den Ehrentitel Stadtrat. Dieser stellte später jedoch die staatliche Polizeidirektion dar.
Neben dem Gericht gab es seit dem 15. Jahrhundert auch einen Rat. Die Bürgermeister erhielten in preußischer Zeit den Titel Oberbürgermeister. Heute wird der Oberbürgermeister direkt vom Volk gewählt. Die ebenfalls vom Volk zu wählende Stadtverordnetenversammlung umfasst seit der letzten Kommunalwahl 81 Sitze, die sich wie folgt verteilen:
Stadtverordnetenversammlung (Kommunalwahl 2006)
Die Sitzverteilung der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung, welche im Neuen Rathaus am Schloßplatz tagt, sieht wie folgt aus [7]:
| CDU | SPD | GRÜNE | FDP | REP | LiLi | BLW | Gesamt | |
| 2006 | 29 | 25 | 10 | 7 | 4 | 3 | 3 | 81 |
| 2001 | 30 | 28 | 8 | 10 | 4 | 1 | - | 81 |
Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden
Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden ist seit 1997 Hildebrand Diehl (CDU). Seine Amtsvorgänger sind in nachfolgender Liste aufgeführt [8]. Derzeitige Stadtverordnetenvorsteherin ist Angelika Thiels (CDU).
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Wappen
Bild:Coa de-Wiesbaden.svg Das Wappen der Stadt Wiesbaden zeigt in Blau drei (Oben zwei, unten eine) goldene Lilien, auch Fleur-de-Lis genannt. Die Stadtflagge ebenso wie das Wappen ein blaues Tuch mit den drei goldenen Lilien, welche im 16. Jahrhundert erstmals in den Stadtsiegeln auftauchten und französischer Herkunft sein sollen. Die drei Lilien sind auch im Familienwappen der Bourbonen und deshalb auch im Wappen Spaniens enthalten.
Die Stadtfarben Blau/Gelb stammen noch aus der Zeit des Herzogtums Nassau, deren Residenz Wiesbaden lange Zeit war. Die heutige Form des Wappens wurde 1906 amtlich festgelegt.
Städtepartnerschaften
Wiesbaden unterhält mit folgenden Städten Städtepartnerschaften [9]:
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Patenschaft
Wiesbaden ist Patenstadt der heimatvertriebenen Karlsbader (seit 1953).
Wirtschaft und Infrastruktur
Allgemeines
Wiesbaden als Teil des Rhein-Main-Gebietes ist in erster Linie eine Dienstleistungsstadt, auch aufgrund des hohen Verwaltungsanteils als Landeshauptstadt. Der Anteil der verarbeitenden Industrie ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen, er macht mittlerweile etwas weniger als ein Drittel der Wiesbadener Wirtschaftsleistung aus. Neben den üblichen Landesverwaltungen und Ministerien haben auch das Bundeskriminalamt, das Landeskriminalamt Hessen, das Statistische Bundesamt, das hessische Statistische Landesamt und die Deutsche Klinik für Diagnostik ihren Sitz in Wiesbaden. Des Weiteren ist Wiesbaden Sitz zahlreicher anderer Organisationen, wie des Karl-Bräuer-Instituts des Bundes der Steuerzahler und der Gesellschaft für deutsche Sprache.
Der Tourismus, vor allem im Kur- und Kongressbereich, hat einen nicht unerheblichen Anteil am wirtschaftlichen Leben, ist jedoch kein bestimmendes Element.
Insgesamt haben etwa 12.000 Unternehmen vom Handwerksbetrieb bis zu größeren Konzernen ihren Sitz in Wiesbaden, darunter auch so bekannte Firmen wie Abbott, CSC Ploenzke AG, Dyckerhoff (Bezirk Amöneburg), Ferrari Deutschland (Bezirk Schierstein), Linde AG (Bezirk Kostheim) oder die R+V Versicherung.
Thermalquellen, Kurbetrieb und Gesundheitswesen
Wiesbaden ist unter anderem berühmt für seine vielen kochsalzhaltigen Thermalquellen, die für vielfältige Kuren genutzt werden. In erster Linie werden sie bei rheumatischen Erkrankungen und Katarrhen der Atmungsorgane eingesetzt. Die Anwendung erfolgt in erster Linie durch Badekuren und Bewegungstherapie sowie durch Trinkkuren und Schwimmen im Thermalwasser.
In der Innenstadt gibt es 26 heiße Quellen mit Temperaturen zwischen 46 und 66 °C. Mit einer Ergiebigkeit von etwa 2 Millionen Litern täglich ist Wiesbaden damit das bei weitem ergiebigste deutsche Heilbad (zum Vergleich: an zweiter Stelle steht Baden-Baden mit 800.000 Litern täglich). Schon seit der Zeit der Römer sind in der Stadt Bäder in Betrieb, und bis heute sind einige Quellen öffentlich zugänglich, wie zum Beispiel der Kochbrunnen (66 °C), der mit alleine fast 500.000 Litern täglich die ergiebigste Quelle ist. Das römisch-irische Kaiser-Friedrich-Bad wird durch die Adlerquelle (64,4 °C, 167 l pro Minute) versorgt. Ebenso wird das städtische Thermalbad im Aukammtal aus natürlichen Quellen gespeist. Daneben gibt es private Badehäuser, heute in der Regel Hotels, die Thermalbäder betreiben (Badehaus Rose, Schwarzer Bock, Goldenes Ross, Bären und Nassauer Hof). Neben dem Kochbrunnen gibt es noch einige weitere öffentliche Trinkhallen wie den Bäckerbrunnen (49 °C, 65 l pro Minute) und Wiesbadens 27. Quelle, den Faulbrunnen (14 °C – 17 °C, 27 l pro Minute), der seinen Namen Schwefelverbindungen mit ihrem typischen Geruch verdankt, aber wegen seiner geringen Temperatur nicht als Therme bezeichnet wird.
Besucher wie Johann Wolfgang von Goethe, Fjodor Dostojewski, Richard Wagner, Johannes Brahms oder Alexej von Jawlensky haben wegen der Quellen und der Spielbank in Wiesbaden Station gemacht.
Nach dem Ersten Weltkrieg, als Wiesbaden seinen Ruf als Weltkurstadt verlor, wurde der bis dahin vorherrschende Kurbetrieb als Amüsementbetrieb auf die klinifizierte Kur umgestellt. Heute gibt es zahlreiche Kur- und Spezialkliniken. Von allgemeinmedizinischen Krankenhäusern bis zu kosmetischen Privatkliniken sind es insgesamt 18 an der Zahl. Die bekannteste ist sicher die Deutsche Klinik für Diagnostik. Die großen allgemeinmedizinischen Krankenhäuser sind die Dr. Horst-Schmidt-Kliniken (HSK), das St. Josefs-Hospital und die Asklepios Paulinen Klinik. Zu den großen Kurkliniken zählen die Aukamm-Klinik und die Klinik am Bingert. Daneben gibt es zahlreiche Spezial- und Privatkliniken.
Wein und Sekt
Wiesbaden liegt im Weinbaugebiet Rheingau, was sich am deutlichsten während der Rheingauer Weinwoche widerspiegelt, wenn der Schloßplatz am alten Rathaus für ein paar Tage zur „größten Weintheke der Welt“ wird, wie der dazugehörige Slogan lautet. Auch das Weingut am Neroberg, die vielen mittelständischen Winzer oder Sektkellereien wie Henkell, Söhnlein oder Fürst von Metternich zeigen dies.
Das kulturelle und vor allem das gastronomische Leben in Wiesbaden wird von Wein und Sekt mitgeprägt, was die Stadt in dieser Hinsicht von anderen Großstädten abhebt.
Verkehr
Die Stadt Wiesbaden ist gut an das deutsche Verkehrsnetz angeschlossen. Durch das südliche Stadtgebiet führt in West-Ost-Richtung die Bundesautobahn A 66 aus dem Rheingau in Richtung Frankfurt am Main. Von ihr zweigen in Richtung Süden die A 643 nach Mainz und in Richtung Südosten die A 671 nach Hochheim ab. Im Osten führt die A 3 vom Frankfurter Kreuz in Richtung Köln vorbei. Folgende Bundesstraßen führen durch das Stadtgebiet: B 54, B 262, B 263, B 417 und B 455.
Den öffentlichen Personennahverkehr bedienen Busse der ESWE Verkehrsgesellschaft mbH sowie andere im Auftrag der ESWE Verkehr tätigen Unternehmen. Wiesbaden war die erste deutsche Stadt und erste Großstadt der Welt, welche im Jahr 1929 den innerstädtischen Verkehrsbetrieb von Straßenbahnen auf Busse umstellte. Im Jahre 1955 wurde der Straßenbahnbetrieb endgültig eingestellt. Auch die Busspur ist eine Wiesbadener Erfindung. Von hier aus verbreitete sie sich über die ganze Welt.
Wiesbaden ist an das S-Bahn-Netz Rhein-Main angeschlossen. Der Hauptbahnhof ist Endhaltestelle der S-Bahn-Linien S 1, S 8 und S 9 aus Richtung Frankfurt am Main. Außerdem führt von Wiesbaden aus die rechte Rheinstrecke über Rüdesheim am Rhein bis nach Koblenz sowie die Ländchesbahn über die Vororte Erbenheim, Igstadt und Auringen/Medenbach nach Niedernhausen mit Anschluss nach Limburg an der Lahn. An Sonn- und Feiertagen im Sommerhalbjahr verkehren auf der 1983 stillgelegten Aartalbahn nach Bad Schwalbach und Hohenstein die Museumszüge der Nassauischen Touristikbahn. Weiterhin ist Wiesbaden seit der Fertigstellung der Neubaustrecke Rhein-Main - Köln an das ICE-Netz angeschlossen und damit seit 2002 wieder ein Fernbahnhof. Alle Linien im Wiesbadener und Mainzer Stadtgebiet sind zu einheitlichen Preisen innerhalb des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) zu benutzen. Für Verbindungen aus dem und in das Gebiet des Rhein-Nahe-Nahverkehrsverbunds (RNN) kann auch dieser Tarif bis Wiesbaden angewendet werden.
Vor einigen Jahren wurde eine Wiesbadener Stadtbahn als Ergänzung zum Busliniennetz als Idee eingebracht. Dieses Projekt fand sowohl Befürworter als auch Gegner. Einige Parteien sprachen sich in der Stadtpolitik für dieses Projekt aus. Die Firma ESWE plante, die Stadtbahn bis zum Ende des Jahrzehnts zu verwirklichen. Momentan wird das Projekt von der Mehrheit im Stadtrat abgelehnt.
In der Nähe der Stadt befindet sich das Funkfeuer WBD einer internationalen Luftstraße.
Siehe auch Artikel Nahverkehr in Wiesbaden und Straßenbahn Wiesbaden
Film und Medien
In Wiesbaden haben zahlreiche Medienunternehmen ihren Sitz. Beispielhaft sei hier der Standort Unter den Eichen genannt, von wo aus das ZDF von 1964 bis 1984 gesendet hat [10]. Heute ist hier noch die Taunusfilm GmbH angesiedelt, in der zahlreiche Fernsehproduktionen durchgeführt werden, sowie der Fachbereich 9 der Fachhochschule Wiesbaden, an der man den Studiengang Medienwirtschaft absolvieren kann. Seit 2002 befindet sich dort auch der nichtkommerzielle Lokalsender Radio RheinWelle 92,5.
Wiesbaden ist aber auch als Sitz von Filmverbänden und -institutionen von überregionaler Bedeutung. So befindet sich die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) ebenso in der hessischen Landeshauptstadt wie die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) oder die Filmbewertungsstelle (FBW). Ebenso die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, die einen Großteil des deutschen Filmerbes verwaltet, pflegt und erhält sowie das Archiv des Deutschen Filminstitutes.
Direkt im Wiesbadener Landtag unterhält der Hessische Rundfunk ein Fernseh- und Hörfunkstudio. Außerdem ist in der Nähe die Redaktion des TV-Politmagazins „de facto“ untergebracht. Nicht weit vom Landtag entfernt betreibt der private Radiosender Hit Radio FFH sein Regionalstudio.
Seit dem 20.02.2007 sendet der Stadtsender TV-Wiesbaden[11], ein Regionalprogramm in Wiesbaden.
Daneben sind zahlreiche Verlage in der Stadt ansässig (unter anderem Deutscher Genossenschafts-Verlag, Verlag Dr. Th. Gabler, Westdeutscher Verlag und Vieweg)
In Wiesbaden erscheinen die Tageszeitungen Wiesbadener Kurier und Wiesbadener Tagblatt.
Bildung
In Wiesbaden ist eine Fachhochschule, die Fachhochschule Wiesbaden, beheimatet. Diese wurde 1971 durch Zusammenschluss von Ingenieurschulen in Geisenheim, Idstein und Rüsselsheim sowie der Werkkunstschule Wiesbaden gegründet und ist eine Fachhochschule des Landes Hessen. Von den insgesamt circa 8.500 Studierenden der FH fallen etwa 5.500 dem Standort Wiesbaden zu [12]. In Wiesbaden findet sich keine Universität. Damit ist Wiesbaden die nach Einwohnern größte Stadt und neben Schwerin die einzige Landeshauptstadt in der Bundesrepublik Deutschland ohne eine solche Bildungseinrichtung.
An der direkt am Hauptcampus der FH angesiedelten Verwaltungsfachhochschule gibt es weitere 770 Studierende.
Es gibt Überlegungen der privaten European Business School, von Oestrich-Winkel nach Wiesbaden umzuziehen. Als Sitz ist die Villa Söhnlein-Pabst am Warmen Damm im Gespräch. Außerdem möchte sie das Fächerangebot ausweiten und sich als Universität anerkennen lassen.
Neben den Universitäten in Frankfurt, Mainz und Darmstadt ist in Idstein die Europa Fachhochschule Fresenius angesiedelt.
Die Größe des Bildungsangebotes zeigt sich in den über hundert staatlichen und privaten Schulen. Neben 40 Grundschulen gibt es 23 Berufsbildenden Schulen, 12 Gymnasien, 7 Realschulen, 7 Hauptschulen, 9 Sonderschulen und 7 Gesamtschulen).
Sehenswürdigkeiten und Tourismus
Allgemeines
Wiesbaden und seine Umgebung bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten [13] [14] [15] . Siehe hierzu auch Liste der Sehenswürdigkeiten von Wiesbaden. Der Tourismus, verbunden mit der Funktion als Kur-, Kongress- und Landeshauptstadt, bietet einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor. Die Übernachtungszahlen liegen bei 962.000 Übernachtungen jährlich. Zum Vergleich: Berlin: 11,33 Millionen. Frankfurt am Main: 3,93 Millionen. Bremen: 1,04 Millionen. Heidelberg: 0,83 Millionen.
Es stehen in 67 Hotels und Pensionen circa 6.200 Betten zur Verfügung. Die Jugendherberge am Elsässer Platz ist eine der größten in Deutschland und hat 220 Betten. Hinzu kommen noch drei Campingplätze mit 6.400 Gästen beziehungsweise 11.800 Übernachtungen jährlich.
Schloßplatz
Als Mittelpunkt der historischen Altstadt innerhalb des Historischen Fünfecks bildet der Schloßplatz die Keimzelle des mittelalterlichen Wiesbadens und ein Ensemble von historischen Gebäuden. Hier stehen das älteste erhaltene Gebäude der Innenstadt, das Alte Rathaus, erbaut 1608 bis 1610, das heute als Standesamt dient, sowie das von Georg von Hauberrisser 1884 bis 1887 errichtete Neue Rathaus.
Die Nordseite des Platzes dominiert das ehemalige Stadtschloss der Nassauischen Herzöge aus den Jahren 1837 bis 1842, dessen erhaltene historischen Innenräume im Kontrast zu seinem schlichten Äußeren stehen. Während Wiesbadens Zeit als Weltkurstadt nutzte Kaiser Wilhelm II. das Stadtschloss bei seinen zahlreichen Aufenthalten als Wohnsitz. Heute ist hier der Hessische Landtag untergebracht. Der zugehörige Plenarsaal befindet sich im Innenhof.
Die 1853 bis 1862 von Carl Boos erbaute evangelische Marktkirche mit ihren 5 Türmen, von denen der 98 m hohe Hauptturm bis heute das höchste Gebäude der Stadt ist, wurde als „Nassauer Landesdom“ nach dem Vorbild von Schinkels Fiedrichswerderscher Kirche in Berlin als größter Backsteinbau Nassaus erbaut.
Den östlichen rechtwinkligen Abschluss des Schloßplatzes bildete die 1898 bis 1901 von Felix Genzmer erbaute Höhere Töchterschule. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, ebenso wie der Hauptgiebel des Neuen Rathauses. Südlich von Neuem Rathaus und Marktkirche befindet sich der historische Marktkeller, der von der Marktsäule gekrönt wird.
Siehe auch Hauptartikel Schloßplatz (Wiesbaden)
Wilhelmstraße und Kureck
Am östlichen Rand des Historischen Fünfecks verläuft die elegante Wilhelmstraße. Neben noblen Geschäften und Cafés stehen hier das Landesmuseum, der Nassauische Kunstverein, der sich auf junge zeitgenössische Kunst spezialisiert, das 1813 bis 1817 erbaute Erbprinzenpalais (heute Industrie- und Handelskammer) und die Villa Clementine, die 1888 Schauplatz des Wiesbadener Prinzenraubs wurde und später Kulisse für die Verfilmung von Thomas Manns „Buddenbrooks“ war. Das jährlich Anfang Juni ausgerichtete Wilhelmstraßenfest (offiziell: „Theatrium“) gilt als größtes Straßenfest Deutschlands.
An der Ostseite der Wilhelmstraße wurde 1860 der Landschaftspark Warmer Damm angelegt. An der östlich von ihm verlaufenden Paulinenstraße steht die Söhnlein-Villa, die wegen ihres Washingtoner Vorbilds auch „Weißes Haus“ genannt wird.
Am Nördlichen Ende der Wilhelmstraße befindet sich das so genannte Kureck. Mittelpunkt ist das Bowling Green, eine rechteckige Grünfläche mit zwei imposanten Kaskadenbrunnen, die von einem hufeisenförmigen Gebäudeensemble umschlossen wird: Den Blickfang im Osten bildet das 1905 bis 1907 von Friedrich von Thiersch erbaute Kurhaus, in dem u. a. die Spielbank untergebracht ist. Hinter dem Kurhaus erstreckt sich der circa 6,5 Hektar große, nach Vorbild englischer Gärten angelegte Kurpark. Im Norden des Bowling Greens stehen die Kurhauskolonnaden, mit 129 m Länge die längste Säulenhalle Europas. Ihr gegenüber die Theaterkolonnaden mit dem 1894 eröffneten Hessischen Staatstheater. Auf der anderen Seite der Wilhelmstraße, gegenüber des Bowling Greens, befindet sich ein Denkmal für Kaiser Friedrich III. sowie das Nobelhotel Nassauer Hof.
Ganz in der Nähe des Bowling Greens liegt der Kranzplatz mit dem Kochbrunnentempel. Der Kochbrunnen ist mit einer Förderleistung von ca. 500.000 Liter/Tag und einer Temperatur von 67 °C die ergiebigste Wiesbadener Thermalquelle. In der ehemaligen Trinkhalle am Westrand des Platzes befindet sich heute ein Restaurant. Um den Platz gruppierten sich einige der Wiesbadener Grandhotels: so des älteste Hotel Deutschlands, der bereits 1486 gegründete „Schwarze Bock“, das ehemalige „Palasthotel“ – es war das erste überhaupt mit Zimmertelefon – sowie das „Hotel Rose“, in dem seit September 2004 die Hessische Staatskanzlei residiert.
Sonstige Innenstadt
Unweit des Kranzplatzes steht das historische Kaiser-Friedrich-Bad von 1913, ein römisch-irisches Bad, das von den Thermalquellen mit Wasser beliefert wird, sowie das Römertor, an dem Reste der römischen Heidenmauer erhalten sind.
Die Adolfsallee sowie deren Verlängerung, die Adolfsstraße, führt auf den klassizistischen Luisenplatz. In der Sichtachse an seinem Kopfende steht die katholische St. Bonifatius-Kirche in neogotischem Stil mit ihren beiden 68 m hohen Türmen. Sie wurde von 1844 bis 1849 erbaut. Am Luisenplatz, der 1984 mit einer Tiefgarage versehen und nach historischem Vorbild wieder angelegt wurde, ist auch das Hessische Kultusministerium angesiedelt. Der Waterloo-Obelisk erinnert an die in den Befreiungskriegen 1815 gegen Napoleon gefallenen Nassauer.
Am Südrand des Luisenplatzes verläuft die Rheinstraße nach Westen