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West-Neuguinea

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West-Papua
Bild:Westpapua.png
Bezeichnung Die einheimischen Papua nennen das Gebiet West-Papua, die indonesische Regierung verwendet die Bezeichnung Papua, früher Irian Jaya
Status Indonesische Provinz mit besonderer Autonomie
Fläche 421.981 km²
Höchster Punkt 5.030 m (Puncak Jaya)
Sprachen Indonesisch und weitere 268 verschiedene Sprachen und Idiome
Einwohner 2,93 Millionen davon ca. 52 % Papua, 48 % indonesische Immigranten (2002)
Ermordete seit 1963 über 100.000 durch indonesische „Sicherheitskräfte“
Bevölkerungsdichte 6,9 Einwohner je km²
Religionen 1,8 Millionen Christen, 0,5 Millionen Muslime, 7.000 Hindus, 4.000 Buddhisten.
Lebenserwartung 64 Jahre
Hauptstadt Jayapura
Gouverneur Barnabas Suebu
Militärkommandant Generalmajor Zamroni
Wirtschaft Tropenholz (Merbau), Öl, Erdgas, Kupfer und Gold. 80 % der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze in traditioneller Subsistenzwirtschaft
Internet www.papua.go.id
Zeitzone UTC+9
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Die Westhälfte des äquatornahen Neuguinea ist bekannt als West-Neuguinea, West Papua oder Irian Jaya (Westirian). Sie grenzt im Norden an den Pazifik, im Süden an die Arafurasee. Die Ostgrenze am 141. Längengrad bildet Papua-Neuguinea. Die 2,4 Millionen Einwohner sprechen 269 verschiedene Sprachen. Viele der indigenen Stämme leben in steinzeitnahen Kulturen. Die traditionellen, melanesischen Bewohner bezeichnen sich als Papua. Der letzte intakte tropische Regenwald Asiens beherbergt die größte Biodiversität außerhalb des Amazonas. Neben mehr als 4000 Meter hohen Gletschern befinden sich reiche Kupfervorkommen und die größte Goldmine der Welt. Die weltgrößten Mangrovensümpfe an der Südküste beherbergen große Erdgasvorkommen. An der Vogelkopf-Halbinsel befindet sich eines der reichsten und best erhaltenen Korallenriffe der Welt.

Indonesiens Übernahme West Papuas durch den Act of Free Choice genannten Wahlbetrug von 1969 brachte viel Leid unter die melanesische Bevölkerung. Militärs verschleppten und ermordeten ein Siebtel der Bewohner und sind aktiv beteiligt am illegalen Holzeinschlag, der West Papua zum weltgrößten Lieferanten des wertvollen Tropenholzes Merbau macht und dabei den Lebensraum der indigenen Bevölkerung zerstört. Durch Umsiedlung ist ein großer Bevölkerungsteil heute indonesisch. Die 2003 vorgenommene Unterteilung in die Provinzen Irian Jaya Barat und Papua untergräbt den Autonomiestatus. Aus Sicht vieler Papua regiert Indonesien wie eine Kolonialmacht. Indonesien fürchtet eine Unabhängigkeit West Papuas und ist aufgefordert, seine Politik militärischer Repression und Gewalt zu beenden, die geschätzte 100.000 Tote gekostet hat. Das straffrei agierende Militär erhöht noch immer die Anzahl stationierter Soldaten. Seit 2003 erhalten Journalisten keinen Zutritt mehr zu West Papua um internationale Aufmerksamkeit für Menschenrechtsverletzungen zu verhindern.

Während der Verlust Osttimors eine nationale Demütigung war, ist Papua von weit größerer politischer, ökonomischer und ideologischer Bedeutung für Indonesien. Es wird von Jakarta als integraler Bestandteil der Republik betrachtet. Anders als die Unabhängigkeit Osttimors würde der Verlust West Papuas die Legitimität und Einheit des indonesischen Staates bedrohen.

Inhaltsverzeichnis

Benennung

West Neuguinea war die niederländische Bezeichnung (deutsch auch Niederländisch Neuguinea) bis 1962 die Indonesier es Irian Barat (Westliches Irian) nannten. 1973, bei der Eröffnung der Freeport-Mine durch Suharto wurde die Provinz in Irian Jaya (Siegreiches Irian) umbenannt. 1999 unter zunehmenden Druck in Richtung Unabhängigkeit nannte Präsident Wahid die Provinz Papua (1. Januar 2001). Die traditionellen Bewohner nannten ihr Land 1961 West Papua [1]. Die Suharto-Regierung machte keine ethnischen Unterscheidungen, alle Bewohner waren irian - indonesischer Herkunft. Die Begriffe „Papua“, „West Papua“ und „Melanesisch“ war verboten, da verbunden mit der Freiheitsbewegung, deren Existenz die indonesische Regierung nicht anerkannte. [1] Nach der Unterteilung West Papuas in die zwei Provinzen Irian Jaya Barat und Papua wird von Indonesien auch die aus dem kulturellen und religiösen Bereich stammende Bezeichnung Tanah Papua (Land Papua) verwendet um auf West-Neuguinea als Ganzes zu verweisen.

Papuas sagen, Irian steht für „Ikut Republik Indonesia Anti Nederlands“ - deutsch: folge der Republik Indonesien gegen die Niederlande.

Papua bedeutet kraushaarig, das typische Erscheinungsbild der melanesischen indigenen Bevölkerung.

Geografie

Bild:WestPapua topo.jpg
West Papua Topografie

Das 421.981 km² große West Papua (1,2-fache Fläche von Deutschland) liegt auf der nach Grönland zweitgrößten Insel der Welt Neuguinea. Die Bevölkerungsdichte ist mit etwa sechs Einwohner/km² vergleichsweise niedrig, entspricht aber der Subsistenzwirtschaft der traditionellen Einwohner von denen einige noch Jäger und Sammler sind und keine Landwirtschaft kennen.[1] Die einheimische Bevölkerung besteht zum großen Teil aus Papua, Einwanderer aus dem Rest Indonesiens sind heute aber in der Mehrheit. Die Hauptstadt ist Jayapura.

Das Klima mit durchschnittlich 25 °C wird weniger von der Temperatur als von den Regenfällen bestimmt. Regen- und Trockenperioden sind wegen der zentral die Insel nord-südlich teilenden Berge regional unterschiedlich. Jährliche Niederschlagsmengen liegen typischerweise zwischen 2000 und 4000 mm. Einzelne Gegenden weisen bis zu 11.000 mm Regen jährlich auf. In vier Stunden können 400 mm Niederschlag herunterkommen.

Der höchste Berg ist mit 4884 Metern der Puncak Jaya, der höchste Berg Ozeaniens, der zu den höchsten Bergen der sieben Kontinente, den Seven Summits gezählt wird.

Das Gelände ist entweder sumpfig oder zerklüftet, so dass Straßenbau oft schwierig und kostspielig ist. Entsprechend ist das Straßennetz nur wenig ausgebaut. Der papuanische Dschungel gilt als der undurchdringlichste der Welt. Am erschlossensten sind die Küstenregionen.

Gelegen auf dem pazifischen Feuerring gehört West Papua zu den erdbebenaktivsten Zonen der Welt.

Städte: Jayapura, Biak, Sorong, Manokwari, Fak-Fak, Merauke, Timika, Kuala Kencana [1], „Kupferstadt“ Tembagapura [1], Wamena, Nabire, Enarotali.

Flüsse: Mamberamo (870 km), Digul (800 km), Waipoga (570 km) [1]. Nach häufig vorkommenden schweren Regenfällen können sie stark ansteigen.

Inseln: Biak (internationaler Flugplatz), Japen, Numfor, Waigeo, Misool, Raja-Ampat Inseln (siehe Vogelkop), Gag (Nickel-Vorkommen).

Geschichte

Bild:NetherlandsNewGuinea-1916.jpg
Niederländisch Neuguinea 1916

Zentraler Artikel: Act of Free Choice

Papua und Melanesier bewohnten die Insel seit mindestens 40.000 Jahren. Als erster Europäer erreichte der spanische Seefahrer Íñigo Ortiz de Retez 1545 das Gebiet, er segelte die Nordküste bis zur Mündung des Mamberamo entlang. 1660 versuchte die niederländische Ostindienkompanie vergeblich, das rohstoffreiche Neuguinea zu besetzen, es folgten weitere Entdeckungs- und Erkundungsfahrten. Im 19. Jahrhundert machten die Niederlande erneut ihre Besitzansprüche auf Neuguinea geltend und nahmen am 24. August 1828 die Region unter ihre Herrschaft. Die Ostgrenze verläuft entlang des 141. Längengrades, eine niederländische Siedlung entsteht bei Fort Du Bus in der Tritonbucht. 1885 und 1895 erkannten die Briten und die Deutschen, die die Osthälfte Neuguinea besetzt hatten (das heutige Papua-Neuguinea), die Zugehörigkeit zu Niederländisch Ostindien an.

Im Zweiten Weltkrieg besetzten die Japaner die Insel, wurden aber 1944 von den Alliierten vertrieben. Danach erlangten erneut die Niederländer die Herrschaft über das als Holländisch Neuguinea [1] bekannte Gebiet. Indonesien ertrotzte 1949 seine Unabhängigkeit und beanspruchte auch West-Neuguinea, das Gebiet blieb allerdings holländisch. 1952 erhielt West-Neuguinea innere Selbstverwaltung, Indonesien erneuerte seine Ansprüche. Im Oktober 1961 wurde ein Parlament, der Nieuw Guinea Raad, gebildet. Die Niederlande und die Lokalverwaltung vereinbarten die Unabhängigkeit West-Neuguineas für 1970. Am 1. Dezember 1961 wurde die Flagge West Papuas zum ersten Mal öffentlich gehisst: „Großer Jubel herrschte im Land, die Menschen tanzten, sangen und feierten den Beginn einer neuen Ära.“ [1]

Durch die Papuanischen Unabhängigkeitsbestrebungen alarmiert versuchte Indonesien im Frühjahr 1962 auf West-Neuguinea Truppen zu landen, um das Ziel eines Territorium in den Grenzen Niederländisch-Ostindiens von 1942 zu realisieren. Auf Druck der USA wurde am 15. August unter Vermittlung des US-Diplomaten Ellsworth Bunker zwischen den Niederlanden und Indonesien das New Yorker Abkommen geschlossen, welches den Übergang West-Neuguineas in den indonesischen Herrschaftsbereich regelte. Die Vereinten Nationen übernahmen am 1. Oktober die Verwaltung des Inselteiles und übergaben es am 1. Mai 1963 an Indonesien. Kurze Zeit später begannen die ersten Umsiedlungsaktionen, welche die einheimischen Papua aus Gebieten vertreiben sollten, die für die Besiedelung durch Indonesier vorgesehen waren.

Bild:Act of Free Choice.jpg
Die UNO unterstützte den Act of Free Choice genannten Wahlbetrug zur Legitimation von West Papuas Anschluss an Indonesien

Im Jahr 1964 gründete sich die Papuanische Freiheitsbewegung Organisasi Papua Merdeka (OPM) um den Willen nach politischer Selbstbestimmung gegen Indonesien durchzusetzen. Der militärische Erfolg der OPM blieb begrenzt. Es waren immer wieder die Fehler der indonesischen Regierung und ihrer Militärs, die Unmut hervorbrachten und Zulauf zur OPM erzeugten. [1]

Der im New Yorker Abkommen vorgesehene Volksentscheid, Act of Free Choice genannt, über einen Verbleib bei Indonesien ergab im Sommer 1969 ein einstimmiges Votum für Indonesien durch eintausend ausgesuchte Wahlmänner und ist allgemein als Act of No Choice (Wahl ohne jede Wahl) bekannt. Die Wähler waren durch Geschenke und Folterandrohung beeinflusst worden, nicht Kooperationswillige wurden durch andere ersetzt. Die UNO unterstützte den Betrug, bemühte sich das Problem möglichst schnell loszuwerden und sah ihre Rolle im New Yorker Abkommen als erfüllt an.[1]

Bis heute haben etwa 300.000 von ehemals 700.000 Papuas durch Gewalt ihr Leben verloren. Etwa 800.000 Indonesier sind mittlerweile nach West-Neuguinea eingewandert; Grundlage dafür ist eine Politik, die Transmigrasi genannt wird. Die Ausrufung der unabhängigen Republik West-Papua 1971 wurde von Indonesien nicht anerkannt. 1973 wurde der Name in Irian Jaya („Siegreiches Irian“) geändert.

2000 kam es zu einer erneuten Proklamation der Unabhängigkeit von West-Papua, die erneut von Indonesien nicht anerkannt wurde. Dafür erhielt die Provinz am 1. Januar 2001 innere Autonomie. Am 10. November 2001 hatten Mitglieder der Kopassus-Einheiten den Unabhängigkeitsführer Theys Eluay [1] verschleppt und ermordet. Sein Fahrer ist seitdem ebenfalls verschwunden. Am 7. Januar 2002 wurde die Provinz in Papua umbenannt. 2003 erfolgte schließlich unter erheblichen Protest der lokalen Bevölkerung die Aufteilung auf die zwei Provinzen Irian Jaya Barat und Papua. Nach dem speziellen Autonomiegesetzt hätten die Vertreter West Papuas konsultiert werden müssen. Megawatis Alleingang wird von den Papua als Strategie des Teilens und Herrschens empfunden.[1] Seit 2003 erhalten Journalisten keinen Zutritt zu West Papua.

Indonesische Herrschaft

Unter der Niederländischen Verwaltung und ihrem ehrgeizigen Entwicklungsprogramm bis 1962 fühlten sich die Papua nicht als Kolonie. Die Indonesier dagegen demontierten nach ihrem Einmarsch 1963 überall holländische Ausrüstung und schafften sie nach Java. Bücher über Papua wurden verbrannt, das Singen von Liedern über Papua verboten. Wer Bücher über Papua besaß wurde verdächtigt und bedroht. Die Bezeichnung Papua war verboten. Während in ganz Indonesien Rassenzugehörigkeiten genannt wurden, musste es in West Papua „Indonesier aus West Irian“ heißen. Seit 2001 hat sich die Pressefreiheit wieder verschlechtert.

Indonesische Herrschaft über West Papua brachte was vorher schwer vorstellbar war: die Idee einer nationalen Einheit von 250 verschiedenen und oft zerstrittenen Papua-Stämmen. Statt der in der Pancasila-Ideologie formulierten Einheit Indonesiens war das Gegenteil erreicht worden. Die Idee der Unabhängigkeit West Papuas ist heute wesentlich populärer als sie es 1963 gewesen ist.

Bedeutung West Papuas für Indonesien

Bild:Indonesia SabangMerauke.PNG
Indonesien „von Sabang bis Merauke
West Papua ist wie Aceh zentral für die Legitimität und Einheit Indonesiens. (Bild nach einer Briefmarke vom 1. Mai 1963)

Das ethnisch zersplitterte und mit militärischer Gewalt zusammengefügte Indonesien wird symbolisch von der Formel „von Sabang bis Merauke“ zusammengehalten: Alles was Niederländische Kolonie war, soll das von kolonialer Macht befreite Indonesien sein. Während der Verlust Osttimors eine nationale Demütigung war, ist Papua von weit größerer politischer, ökonomischer und ideologischer Bedeutung für Indonesien. Es wird von Jakarta als integraler Bestandteil der Republik betrachtet. Anders als die Unabhängigkeit Osttimors würde der Verlust West Papuas die Legitimität und Einheit des indonesischen Staates bedrohen. [1]

Zudem befindet sich mit Freeport der größte Steuerzahler Indonesiens in West Papua. [1]. Auch ein Großteil des Flüssigerdgases des Exportweltmeisters Indonesien befindet sich hier. Der Gewinn aus Holzeinschlag wird auf 100 Millionen bis über eine Milliarde Dollar jährlich geschätzt.

Militär und Polizei

Militär-Zitate
Der Kostrad-Kommandeur West Papuas zum Mord an Theys Eluay durch indonesische Soldaten:
Manche sagen, sie handelten falsch, brachen das Gesetz. Welches Gesetz? ... Für mich sind sie Helden, weil die Person, die sie töteten ein Rebellenführer war“.

Stabschef General Ryamizard Ryacudu zu Soldaten und Offizieren (2002):

Habt keine Angst vor Vorwürfen, ihr würdet das Gesetz brechen oder Menschenrechtsverletzungen begehen. Wenn ihr Angst habt, dann werdet ihr irritiert und an eurer Pflichterfüllung gehindert sein.[1]

Indonesien hatte nie einen ernsthaften äußeren Feind, dadurch sind innere Konflikte eine wichtige und ganz wesentliche Begründung für die Verstärkung der Macht der indonesischen Militärs. Gleichzeitig sieht sich das Militär als Gründer des indonesischen Staates und fühlt sich diesem nicht rechenschaftspflichtig. Vergehen werden nur selten bestraft und es trifft höchstens niedere Ränge. Diese Straffreiheit verbunden mit der inneren Notwendigkeit militärischer Konflikte hat zu dem Effekt geführt, der als Staatsterrorismus wahrgenommen wird: die sogenannten Sicherheitskräfte sind die eigentliche Bedrohung und Auslöser von Angst, Repression und Mord. Seit Jahrzehnten flüchten Papuas aus ihren Dörfern, wenn indonesische Militärs und die Mobile Polizeibrigade (Brimob) anrücken. Verfolgt wird eine Strategie der Erzeugung von Konflikten, der Destabilisierung und der Beseitigung jeglicher Unabhängigkeitsbestrebungen.

Die Papuanischen Opposition meidet militante Auseinandersetzungen und strebt statt dessen die Schaffung einer stabilen und sicheren Friedenszone an. Die gewalttätigen Konflikte der letzten Jahre wie in Wasior 2001, die Erschießung zweier US-Bürger bei der Freeport-Mine 2002 bis hin zu den Konflikten Ende 2006 in Mulia verweisen allesamt auf gezielte Provokationen durch indonesische Militärs oder von indonesischem Militär kommandierten paramilitärischen Kräften, die offiziell als Aktionen der Befreiungsbewegung OPM dargestellt werden. [1] Der Sturz Sukarnos 1965 verlief bereits nach diesem Muster: ein scheinbar widersinniger Angriff auf die eigenen Kräfte wurde den Kommunisten angehängt. In der folgenden großen Militäroperation konnte die starke kommunistische Partei Indonesiens komplett ausgelöscht und Sukarno aus der Macht gedrängt werden. Die Militärs haben keine Scheu, ein Blutbad wie in Osttimor in West Papua zu wiederholen. Einzelne hohe Offiziere haben das bereits angedroht.

Militärkommandeure [1]
2001 Mahidin Simbolon
2003 Nurdin Zainal
2005 George Toisutta
2006 Zamroni

Seit dem Act of Free Choice 1969 bis 1998 war West Papua als „Militärisches Operationsgebiet“ unter vollständiger Kontrolle der TNI-Streitkräfte, die 1977 nicht vor dem Einsatz von Napalm zur Bombardierung von Dörfern der Baliem-Hochebene zurückschreckten. Mitte der 1990er Jahre war West Papua das am höchsten militarisierte Gebiet Indonesiens. Soldaten erhielten doppelten Sold. 1998 erhielt das Gebiet den Status einer „überwachten Unruheprovinz“. Nach der Unabhängigkeit Osttimors wurden dort stationierte Einheiten nach West Papua verlegt. Der frühere Polizeichef Osttimors, Timbul Silaen, wurde 2003 zum Chef der Polizei West Papuas ernannt. 2006 hatte sich die Anzahl der Soldaten auf über 30.000 erhöht, was die mit der Sicherung der Grenze nach Papua-Neuguinea begründet wird. TNI und Kopassus kontrollieren inzwischen selbst Vanimo, die Hauptstadt der Provinz Sandaun in Papua-Neuguinea. Flüchtlinge werden nach Papua-Neuguinea verfolgt, wie mehrere hundert Studenten der Universität Jayapura (UNCEN), von denen 200 als ermordet gelten.[1]

Der auch in West Papua viel zu knappe Sold hat dazu geführt, das Militärs bei praktisch jedem lukrativen Unternehmen dabei sind, insbesondere beim illegalen Holzeinschlag (Merbau für eine Milliarde Dollar jährlich), Schmuggel geschützter Tierarten und in der Vergnügungsindustrie (Alkohol, Prostitution, Casinos). Schutzgelder werden eingefordert und z.B. von Freeport reichlich bezahlt. 80 % der Einkünfte der Soldaten stammen aus solchen illegalen Aktivitäten. [1]. Oft kommt es zu gewalttätigen Rivalitäten um lukrative Ressourcen. Um die reiche Freeport-Mine in der Timika-Region haben sich diese militärischen und Polizei-Aktivitäten und Rivalitäten besonders verdichtet.

Das in West Papua stationierte Militärkommando heißt Trikora (Kodam XVII).

Menschenrechte

Militäroperationen [1]
1965-1967 Operasi Sadar (Bewusstsein)
1967 Operasi Brathayudha ungefähr 3500 Tote
1969 Operasi Wibawa (Autorität) ca. 30.000 Menschen wurden seit 1963 ermordet
1977 Operasi Tumpas (Vernichtung) 12.397 Tote
1981 Operasi Sapu Bersih I dan II (Säuberung I und II) 3.500 Tote
1982 Operasi Galang I dan II (Verstärkung I und II)
1983-1984 Operasi Tumpas (Vernichtung)
1985 Operasi Sapu Bersih (Säuberung) 517 Tote, 200 Häuser niedergebrannt
1996 Mapnduma: 158 Tote, 166 Häuser und 13 Kirchen zerstört
2001 Wasior (Manokwari): 4 Tote, 5 Verschwundene, 6 Folterungen
2003 Wamena: 9 Tote, 38 Folterungen, Tausende Vertriebene, zerstörte Häuser, Kirchen, Krankenhäuser
2004 Puncak Jaya: über 6000 Flüchtlinge und 35 Tote
2006-2007 Mulia, Puncak Jaya: 5000 Flüchtlinge, bisher ein Toter
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Ein indonesischer Soldat kann einen Papua zu jeder Zeit, an jedem Ort, aus jedem beliebigen Grund ungestraft töten.“ (Neles Tebay) [1]

Die Repression ist geringer als in den 1960er, 1970er und Anfang der 1980er Jahre. Mord, Folter und Verhaftungen sind jedoch immer noch an der Tagesordnung.[1] Wieviele Todesopfer die Übernahme West Papuas durch Indonesien kostete ist nicht genau bekannt. Häufig wird die Schätzung von 100.000 Toten angegeben. [1] Nach der Absetzung von Präsident Wahid im August 2001 endete der 1999 begonne kurze politische „Frühling“ und die Menschenrechtslage verschlechterte sich erneut.

Während einige Berichte wie der Yale Report 2003 [1] oder eine Studie der Universität Sydney 2005 [1] von Völkermord sprechen, meint die International Crisis Group das die Kultur der Straflosigkeit die Militärs zu übermäßigen Gewaltreaktionen veranlasst hat. [1] Einige Papua behaupten, die Situation sei schlimmer als in Ost-Timor, da die Bildung der Papua gering ist und durch das zergliederte, unzugängliche Terrain das Militär leicht in einem Tal einen der 250 Stämme auslöschen kann und es nicht einmal bemerkt wird. [1] Kuegler schreibt, dass es sich bei den Vorfällen in Wasior 2001 (s.u.) nach indonesischen Gesetzen um Völkermord handelt. [1]

Angriffe auf die Sicherheitskräfte werden mit strengen Vergeltungsmaßnahmen an der Zivilbevölkerung geahndet. Oft sind ganze Dörfer auf der Flucht. Straffrei und unbeobachtet schießt das Militär aber auch schnell auf Papua, die es wagen, gegen Holzeinschlag auf ihrem Besitz zu protestieren. In Wasior hatten 2001 Militärs vereinbarte Holzeinschlagrechte nach vier Jahren immer noch nicht bezahlt. Es kam zu Kritik der Papua und zu Rivalitäten zwischen Militär und der Brimop-Spezialeinheit der Polizei, die sich auch gegen die Papua richteten. Ein Anwalt und ein papuanischer Regierungsmitarbeiter wurden gefoltert. Ein Lehrer starb unter der Folter. Berichtet wurde, das die Brimob ein siebenjähriges Kind köpften und seine schwangere Mutter brutal ermordeten. 5000 Menschen befanden sich auf der Flucht. [1]

Im August 2002 wurden auf der vom Militär kontrollierten privaten Zugangsstraße zur Freeport-Mine zwei US-Amerikaner und ein Indonesier getötet. Trotz FBI-Hilfe wurde das Verbrechen nicht aufgeklärt und es gibt Gerüchte über die Urheberschaft des Militärs um Schutzgeldzahlungen einzufordern. Ende 2001 wurde der Papua-Führer Theys Eluay von Kopassus-Soldaten ermordet obwohl er mit Militärs befreundet war. Die zu ein bis dreieinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilten Soldaten bezeichnete der Generalstabschef der indonesischen Armee öffentlich als Helden. Theys Eluay wurde zum Symbol des gesetzlosen Handelns des Militärs, das jeden Papua bedroht.

Selbst die Kirchenleiter der Evangelischen Kirche Papuas fürchten „abgeschlachtet“ oder entführt zu werden. Sie stehen auf Todeslisten und werden vom Indonesischen Geheimdienst observiert. Pastor Herman Awom, Mitglied des Papua-Rates und Stellvertretender Vorsitzender der Evangelischen Kirche ist schon mehrmals entführt worden. Zwischen 2002 und 2005 hat das indonesische Militär 23 Kirchen abgebrannt. Ein Pastor wurde von Soldaten beschuldigt, Mitglied der OPM zu sein und getötet. [1] Sabine Kuegler berichtete 2006, dass bei nächtlichen Stromausfällen Leute spurlos verschwinden. Die Menschen werden schnell und professionell getötet, die Leichen sind nicht auffindbar. Die Täter haben aus Osttimor gelernt, keine Spuren, wie Massengräber zu hinterlassen. Fischer haben stattdessen zerstückelte Leichen im Meer gefunden.

Ausländische Menschenrechtsorganisationen werden seit 2003 von Indonesien nicht mehr nach West Papua gelassen. Auch das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen UNHCR erhält keinen Zutritt. 2002 betrug die Prämie für die Exekution eines Unabhängigkeitsaktivisten 240 Euro. [1]

Flagge

Bild:Flag of West Papua.svg
Die verbotene Morgenstern-Flagge

Die noch vor dem New Yorker Abkommen vom Ersten Papua Kongress am 19. Oktober 1961 gewählte Flagge wird Morgenstern (Bintang Kejora) genannt und besteht aus einem weißen Stern auf rotem Grund mit blauen und weißen horizontalen Streifen, die vom Flaggenmast wegzeigen. Diese Flagge (Niederländisch: „Morgenster“) wurde 1961 gemeinsam mit der niederländischen Regierung als Symbol und erster Schritt zur geplanten Selbstregierung der Papua-Bevölkerung eingeführt.[1] Nach dem öffentlichen Hissen am 1. Dezember 1961 begriffen die indonesischen Nationalisten die drohende Unabhängigkeit Papuas, die die Idee der Einheit Indonesiens von Sabang in Aceh bis Merauke in West Papua gefährdete. Der Zusammenhalt des Vielvölkerstaates war in Gefahr. In der Trikora-Rede am 19. Dezember gab Sukarno den „Befehl zur Befreiung West Irians“ [1], der letztlich 1962 zum New Yorker Abkommen führte. Unter der Suharto-Regierung hatte das Hissen der Flagge Gefangenschaft, Folter oder sogar Tod zur Folge. Auch seit dem Ende der Regierung Wahids ist das Zeigen des Morgensterns wieder lebensgefährlich geworden [1] und wird mit Hochverrat und Freiheitsentzug bis zu 20 Jahren bestraft. [1] Der 1. Dezember symbolisiert seit 1963 für die Papua den Wunsch nach Beendigung der indonesischen Gewaltherrschaft. Indonesien realisierte aus Sicht der Papua keine befreiende Dekolonisation sondern herrscht als neue Kolonialmacht.

Merdeka

Für Indonesien zentral ist die Befreiung von der niederländischen Kolonialherrschaft. Befreiung - indonesisch Merdeka kann auch mit Freiheit oder Unabhängigkeit übersetzt werden. „Indonesia merdeka, dari Sabang sampai Merauke“ (ein freies Indonesien von Sabang bis Merauke) war ein Slogan der indonesischen Revolution 1945 - 1949. Der indonesische Präsidentenpalast trägt den Namen Merdeka. In der Trikora-Rede 1961 gab Sukarno den „Befehl zur Befreiung West Irians“.

In West Papua dagegen wird der Begriff Merdeka nicht für die Einheit Indonesiens verwendet. Die Papuanische Bewegung der Unabhängigkeit von Indonesien (Organisation Papua Merdeka) hat ihn im Namen. Und beim Hissen der verbotenen Morgenstern-Flagge (als Hochverrat bestraft) wird Merdeka gerufen.

Außenpolitik

Schon 1962 war erfolgreiche indonesische Außenpolitik der Schlüssel zur Eroberung West Papuas. Während die militärischen Angriffe gegen die Niederlande wenig Erfolg zeigten, gaben die Holländer ihre Pläne der Unabhängigkeit West Papuas sehr schnell auf, als die USA den indonesischen Anspruch auf West Papua unterstützten.

Die 1994 gegründete US-Indonesische Gesellschaft sagt von sich selbst, sie sei eine Nichtregierungsorganisation, ist jedoch von Großkonzernen wie Texaco, Mobile, General Electric, Chevron, American Express und Freeport dominiert. Mitglieder sind aus der indonesischen Elite, sowie Botschafter und andere Spitzenbeamte. Laut Denise Leith macht die Gesellschaft eine effektive Lobbyarbeit um Gefahren z.B. durch Menschrechtsgruppen und Gewerkschaften abzuwenden. Ende 2005 konnte ein Gesetzentwurf im US-Kongress verhindert werden, der sich mit der Gültigkeit des Act of Free Choice von 1969 und der Sonderautonomie West Papuas beschäftigen sollte (HR 2601).

Freeport ist nicht nur reicher Steuerzahler, sondern war mit seinen guten Kontakten in Washington von Anfang an ein Lieblingskind der Suharto-Regierung und machte internationale Lobbyarbeit für Indonesien um nach den Enteignungen internationaler Konzerne und dem Blutbad von 1965 ausländisches Kapital ins Land zu holen und Indonesien internationale Anerkennung zu verschaffen.

Henry Kissinger war laut 2002 veröffentlichten Geheimdokumenten sowohl 1969 beim Act of Free Choice hilfreich, wie auch beim Einmarsch Indonesiens in Osttimor 1975. Später war der frühere US-Außenminister Vorstandsmitglied bei Freeport und verhinderte kritische Untersuchungen durch Präsident Abdurrahman Wahid bezüglich Freeports gravierender Umweltverschmutzung in West Papua durch die Grasberg-Mine und ihren gewaltigen Abraum.

Auf Druck Indonsiens hat Australien die OPM als Terroristische Organisation eingestuft, was Australiern und Papua, die sich für eine friedliche Konfliktregelung einsetzen erschwert, öffentlich zu arbeiten. Australien unterstützt offiziell die indonesische Linie. Nur kleine Teile der australischen Opposition unterstützen eine friedliche Lösung des West Papua Konfliktes.

Internationale Isolierung

Indonesien betreibt seit Jahrzehnten gegenüber ausländischen Kritikern das Prinzip der Zwangsausweisung Cekal (cegah tangkal: Listen der Einwanderungsbehörde, welche Indonesier das Land nicht verlassen, und welche Ausländer das Land nicht betreten dürfen). Daher haben sich alle internationalen Vertreter und Organisationen, die mit Indonesien kooperieren möchten angewöhnt, zu Schweigen. Das betrifft selbst den Vatikan. [1] Auch Deutschland schweigt während es Rüstungsgüter exportiert und bei technologischen Großprojekten wie dem umstrittenen Staudammbau am Mamberamo hilft (gestoppt aus finanziellen Gründen).

Auf Grund mangelnder kritischer Informationen können sich von staatlicher Seite in Umlauf gesetzte Gerüchte schnell verbreiten und die gesellschaftliche Stimmung stark beeinflussen. Öffentliche Desinformation ist traditionell eine Grundlage indonesischer Innenpolitik.

Insbesondere West Papua wird seit Jahren durch Indonesien vom Ausland isoliert. Ins Land darf nur wer Geschäfte mit der indonesischen Regierung oder dem Militär betreibt oder als Tourist sich an strenge Auflagen hält: eine Aufenthaltsgenehmigung mit genauer Reiseroute (surat jalan) beantragt und sich unterwegs bei jeder Polizeistation meldet. Keine Einreiseerlaubnis erhalten ausländische Journalisten und Medien, UN-Organisationen (konkret UNHCR), internationale Menschenrechtsorganisationen und Umweltschutzorganisationen. Auch Diplomaten berichten, dass ihnen der Besuch West Papuas jahrelang durch Jakarta verboten wurde. [1] Nach mehrjähriger Berichterstattung über West Papua und Aceh wurde 2004 auch die International Crisis Group ausgewiesen.

Mit ihrem Buch „Dschungelkind“ avancierte die in Papua aufgewachsene Sabine Kuegler 2005 zur Bestsellerautorin. Krisiert für die fehlende Darstellung der politischen Situation fuhr Kuegler 2006 nach West Papua, traf sich heimlich mit verbotenen Gruppierungen (einige dieser Menschen wurden kurz darauf ermordet), notierte Augenzeugenberichte und publizierte anschließend das Buch, „Ruf des Dschungels“. Eine erneute Einreise nach West Papua ist Kuegler nicht mehr gestattet.

Die bisher nicht verbotenen Kirchen sind daher momentan das wichtigste Bindeglied für die Papuas zum Ausland.

Korruption

Korruption ist weit verbreitet in Asien. Besonders in der Suharto-Zeit war Indonesien viele Jahre das korrupteste Land Asiens und wird von Transparency International unter den korruptesten Nationen der Welt gelistet. Die Region mit der höchsten Korruption in Indonesien aber ist West Papua. [1] Korruption, Kollusion und Nepotismus, abgekürzt als KKN bekannt, waren lange akzeptierter Bestandteil der indonesischen Machtausübung und Wirtschaftskultur. Sie wurden von Indonesiern und ihren Miltiärs nach West Papua gebracht und haben sich auch unter mit Ämtern betrauten Papuas verbreitet. Bis 1997 deckte die Weltbank die indonesische Korruption und gestattete die Fälschung ihrer einflussreichen Länderberichte. [1]

Ebenso ist die indonesische Justiz auf jeder Stufe des Rechtsprozesses, von der Polizei über die Staatsanwaltschaft bis zu den Richtern von Korruption durchsetzt. Wie bei den Militärs nicht für den Lebensunterhalt ausreichende Bezüge werden durch Bestechungsgelder aufgebessert. Häufig treffen Richter Absprachen mit Staatsanwälten, die es den Richtern leicht machen, einen Angeklagten freizusprechen. Das indonesische Rechtssystem versagt insbesondere bei der Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen und unterstützt die Kultur der Straflosigkeit. [1]

Ingo Wandelt schreibt über das indonesische Militär:

Wohl und Sicherheit sind zur Ware verkommen. Die Bevölkerung weiß, dass die Streitkräfte käuflich sind und dass man sie kaufen muss, will man persönliche Sicherheit gewährleisten.[1]

Freeport hat sich immer an diese Regel gehalten und nachweislich bereits Millionen in die Sicherheitskräfte der Timika-Region investiert.

Justizwesen

Vor Gericht gestellte Papua erwarten keine rechtsstaatlichen Prozesse. Verhandlungen finden typischerweise in einer Atmosphäre von Einschüchterung, Angst und Repression statt. Angeklagte in Polizeigewahrsam werden häufig von den indonesischen „Sicherheitskräften“ gefoltert und unter Druck gesetzt um z.B. falsche Geständnisse zu erpressen. Der Kontakt mit Anwälten wird systematisch verhindert. Erst mit Hilfe von internationalem Druck werden von den Angeklagten gewählte Rechtsanwälte zugelassen und ist es möglich, dass die Anwälte Fragen stellen können und ihre Plädoyers zu Ende zu lesen dürfen.

Zeugen werden ebenfalls bedroht und eingeschüchtert. Auf einen Zeugen im Mordfall Theys Eluay wurde von einem indonesischen Sicherheitsbeamten ein Mordanschlag verübt. 2006 überfielen Polizisten eine Gruppe von Zeugen nach einer Gerichtsverhandlung und störten selbst die medizinische Behandlung von Verletzten. Zeugen verstecken sich daher oder gehen auf die Flucht, da sie Schlimmstes für sich und ihre Familien befürchten.[1]

Bevölkerung

Auf Neuguinea sind die weitaus meisten der bekannten, noch in steinzeitlichen Kulturen lebenden Völker der Welt ansässig. In West Papua gibt es hunderte von Gruppen mit über 250 unterschiedlichen Sprachen (Papua-Sprachen und austronesische Sprachen), die sich als (Jäger und Sammler) ernähren, sowie teils noch in Höhlen leben. Bekannter sind die Dani [1], die Asmat und die Fayu [1] sowie wegen wiederkehrender Konflikte mit der Grasberg-Mine die Kamoro und Amungme. In den 1970er Jahren wurden im West Iran Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft u.a. die im Bergland lebenden Eipo und Mek erforscht.

Die traditionelle Bevölkerung schwebt zu Teilen in Gefahr, da die Regierung in Jakarta Konzessionen für den Holzeinschlag und für den Minenbau ausgibt und hiermit die ortsansässige Bevölkerung zur Vertreibung seitens der Konzessionsnehmer preisgibt, indem diese mit Schmiergeld, Korruption oder Erpressung vorgeht und bewaffnete Einheiten des indonesischen Militärs oder andere Angehörige von anderen berüchtigten Spezialeinheiten bezahlt.

Im Jahr 2002 lebten etwa 1.242.000 Einheimische und 1.146.000 Zuwanderer in West Papua. [1] Fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung besteht demnach aus Migranten und deren Nachkommen. 73 Prozent der Gesamtbevölkerung leben auf dem Land. Die Zuwanderer sind meist in den Städten und ihrem Hinterland konzentriert. Der Anteil der Papua an der städtischen Bevölkerung wird auf weniger als 20 Prozent geschätzt. Zuwanderer aus anderen Teilen Indonesiens lassen sich an ihrer gelblich bis mittelbraunen Hautfarbe und meist glattem Haar erkennen, während die Papua eine dunkelbraune bis schwarze Hautfarbe und Kraushaar haben. [1] Die Verkehrssprache ist Indonesisch.

Die Lebenserwartung der Papua beträgt 40-45 Jahre. Im Hochland erleben die meisten Papua nicht das 45. Lebensjahr. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch. 2006 hat West-Papua die höchste Rate an HIV-Infektionen (Aids) in Indonesien. Mit 49 Aids-Fällen auf 100.000 Einwohner ist die Rate doppelt so hoch wie in Jakarta und beträgt beinahe das zwanzigfache des nationalen Durchschnitts (2,6). [1] Nach Malaria ist Tuberkulose die zweithäufigste Krankheit.

Zur Geringschätzung der Papua schreibt Müller:

Papua sind in Indonesien „Bürger zweiter Klasse“ — Gerechtigkeit gegenüber und Gleichbehandlung von Papua sind nicht immer gegeben. Seitens der Indonesier, die von außerhalb Papuas stammen, herrscht vielfach Rassismus gegenüber den Papua. Sie werden als minderwertig, primitiv und dumm angesehen. Zum einen hat das mit der schwarzen Hautfarbe der Papua zu tun. Das indonesische Ideal ist, eine helle Hautfarbe zu haben. Deshalb rangieren Papua ganz unten in der Werteskala. Zum anderen hängt ihnen der Geruch des Primitiven an, weil viele Papua im Hochland auf Steinzeitniveau und so gut wie unbekleidet leben. Im Vergleich zur javanesischen Kultur sind Papua meist direkter und werden deshalb als grob angesehen. Die geringe Beherrschung moderner Kulturfertigkeiten und die häufig schlechtere Schulausbildung von Papua führen zu dem Vorurteil, daß sie dumm seien. Aber scheinbar selbst da, wo Papua gut ausgebildet sind, werden sie als dumm angesehen. ... Aufgrund der geringen Wertschätzung gegenüber den Papua liegt auch die Hemmschwelle im Hinblick auf die Bereitschaft zu Menschenrechtsverletzungen durch die indonesische Regierung niedrig.[1]

Religion

Verbundensein mit den Ahnen
Was Gunter Konrad über die Asmat schreibt ist typisch für die Stämme Papuas:

In der Auffassung der Asmat existiert der Mensch im irdischen Dasein niemals isoliert, auf sich allein gestellt. Er ist untrennbar mit der Welt der Ahnen verbunden, einem unendlichen Reservoir von Mächten. Je enger er diese Verbindung zu dieser anderen Welt knüpfen kann, um so größer ist seine Kraft und seine Sicherheit, einen erfolgreichen Lebenssweg zu gehen. Dies ist der Schlüssel zu einer Späre eines religiösen Gefühls, das den Asmat das Bewußtsein verleiht, einen festen Platz in der Welt zu besitzen. Aus dem Bestreben heraus, die Beziehungen zwischen der Welt der Irdischen und jener der Ahnen zu intensivieren, greift er zu Reliquien und schöpft Kraft aus ihnen. Er schläft mit dem Ahnenschädel unter dem Kopf oder hat den Halswirbel als Amulett um den Hals hängen.[1]

Die Schnitzkunst der Asmat hat hier ihre Wurzel. Das Dingiso-Baumkänguru (nur in West Papua vorkommend) wird von den Moni als einer ihrer Ahnen angesehen und daher nicht gejagt. Die Fayu nahmen die Toten gar mit in ihre Hütten und ließen sie dort verwesen. Stolz wurden dem Besucher die Ahnen anhand ihrer Knochen vorgestellt. [1]

Missionierung
Am 5. Februar 1855 landeten die beiden Deutschen Ottow und Geißler als erste Missionare im Gebiet Niederländisch-Neuguineas auf der Insel Mansinam. Rund um Ottows Grab entstand später die erste Stadt Neuguineas: Manokwari. Christen stellen heute mit 78 % die Mehrheit (davon 54 % protestantisch und 24 % katholisch), 21 % sind Muslime (meist Einwanderer aus Java). Daneben gibt es vereinzelt auch Hindus und Buddhisten. Animistische Praktiken und Traditionen sind weitverbreitet. Ein großer Teil der Bevölkerung wurde nur oberflächlich christianisiert. Als entscheidendes Moment für den Siegeszug des Christentums in West Papua gilt der „Schweinekult“ - die große Bedeutung der Schweine in der Kultur der Papua.[1]

Benny Giay, Papua und protestantischer Theologe, zum Cargokult:

Der Begriff „Cargoismus“ stammt von westlichen Sozialwissenschaftlern und Missionaren, ist aber abgeleitet von einem Traum der Papuas auf eine bessere Zukunft.
Die Menschen hier stellen sich Geschichte als Abfolge von Epochen vor. Als die Missionare im Hochland mit Flugzeugen eintrafen, brachten sie viele Güter mit, und die Leute dachten: Ah, eine neue Epoche bricht an, mit einem Überfluss an Waren, an Luftfracht: „Cargo.“
So entstand dieser Begriff: Die Missionare kamen immer mit Cargo. Religion kann man ja nicht sehen, nur in Reflexion dessen, was Menschen tun, was sie besitzen. Und unsere Leute dachten, dieser Christengott ist irgendwie verbunden mit materiellen Gütern. Wenn wir ihm folgen, werden wir wie diese Missionare sein. Deswegen wurden die Meisten Christen. Später waren sie dann enttäuscht, denn sie wurden natürlich nicht reich wie weiße Missionare. Daraufhin begannen sie ihre eigenen Theorien zu entwickeln. Auf der Basis ihrer alten Annahme, dass eine neue Ära anbrechen würde, dachten sie nun, die Missionare enthielten ihnen einen Teil der neuen Religion vor: jenen, der mit Gütern zu tun hatte. Es schien ein Geheimnis zu geben, das sie uns nicht verraten wollten.
Amerikanische Missionare betrachten uns nun leider nur unter diesem Aspekt. Das ist nicht fair: die Wahrheit ist doch, dass die Kirche, die Mission uns Zugang zu anderen Aspekten des Wissens verweigert hat. Sie hat uns Bibeln gebracht und uns dann zurückgelassen, damit die Indonesier uns umbringen….
Ich denke, auf diese Weise schickt man uns zur Hölle.
[1]

Kirchen heute
Die Kirchen sind heute die größten sozialen, nichtstaatlichen Organisationen im Lande. Die Mehrzahl der Flugstrecken wird von den Flugdiensten der christlichen Missionen bedient. Die Kirchen sind äußerst engagiert beim Schutz der Menschenrechte und daher auch selbst häufig Ziel von Zerstörungen, Morddrohungen, Entführungen und Mord. Unter der gezielten Isolation West Papuas vom Ausland durch Indonesien sind die Kirchen das wichtigste internationale Verbindungsglied für die Papua geworden, denn die Kirchen sind bisher zwar verfolgt aber nicht verboten worden.

Während früher den Papua die Ausübung traditioneller Bräuche häufig von Missionaren verboten worden war, sind die Kirchen heute zunehmend Bewahrer der traditionellen Kultur Papuas.

Bekannte Persönlichkeiten der Kirchen Papuas sind z.B. Benny Giay, Hermann Saud, Herman Awom und Neles Tebay.

Presse

Die beherrschende Tageszeitung ist die Cenderawasih Pos. [1] Die dem Militär nahestehende Zeitung hat sich einer Selbstzensur unterworfen. [1]

Wöchentlich erscheint in Jayapura die kritische Tifa Irian.

Seit 2003 werden keine ausländischen Journalisten mehr ins Land gelassen, damit „Einheit und Zusammenhalt Indonesiens nicht gefährdet sind“, so die offizielle Begründung. Einige Korrespondenten aus Jakarta haben die Einreiserlaubnis erhalten, dürfen aber nicht über Politik und Menschenrechtsfragen berichten. Verteidigungsminister Juwono Sudarsono begründet das Verbot aller ausländischen Medien, Kirchen und NGOs aus Sorge das ihre Anwesenheit in West Papua „zu Menschenrechtskampagnen ermutigen würde“. [1]

Zu einem indonesischen Journalisten sagten Militärs:

„Machst du ein Problem? Wir töten dich - kein Problem!“. [1]

Wirtschaft

Transportprobleme
Kein Land der Erde verfügt über mehr Flugpisten oder mehr Fluggesellschaften pro Kopf der Bevölkerung als der Welt zweitgrößte Insel. Nirgendwo liegen die Ticketpreise höher, und vermutlich sind die Flugpisten auch nirgendwo in schlechterem Zustand.

Du kommst ohne Flieger nirgendwo hin. Post geht per Flieger. Medikamente, Kranke, Regierungsbeamte, Lebensmittel, Baumaterialien, nenn, was du willst, es muss geflogen werden.
Die Bevölkerungsdichte ist aber dermaßen niedrig, dass keine gewerbliche Fluglinie solche Leistungen erbringen könnte: wir sprechen von dem Erhalt einer 350 Meter langen Piste und der Bereitstellung eines Fliegers für Regionen, in denen gerade mal 2000 Menschen leben. Da ist nichts zu verdienen...
[1]

Die indigenen Stammesvölker betreiben Subsistenzwirtschaft - verbreitet ist der Anbau von Süßkartoffeln - oder sind gar Jäger und Sammler wie die Fayu. Typisches Zahlungsmittel z. B. für Brautpreise sind Wildschweine. Gemüseproduktion für Märkte ist die Ausnahme (Wamena) und scheitert häufig ebenso wie der Verkauf von Fisch (z. B. Kamoro in Timika) an Transportproblemen. In den traditionellen Kulturen Papuas wird Eigentum nicht vererbt, sondern verteilt.

In West Papua gibt es kein durchgängiges Straßensystem. Von dem 16.000 km langen Straßennetz waren 2000 lediglich 25 % asphaltiert. Viele Gebiete können nur per Flugzeug erreicht werden. Der Schiffsverkehr entlang der Küsten, ausgenommen die größeren Häfen, ist spärlich verglichen mit der Zeit bis Mitte der 1960er Jahre. Durch die schlechte Erreichbarkeit sind die Produktionskosten im Vergleich mit anderen Gebieten Indonesiens hoch. [1] Woanders ist es billiger, tropische Landwirtschaft kommerziell zu betreiben. Es gibt nur einen kleinen Agrarbusiness-Sektor, z. B. Ölpalmenplantagen. Vor allem in Transmigrationsgebieten versorgen Kleinbauern die Märkte mit landwirtschaftlichen Produkten. [1]

Kleinhandwerk, Kleinhandel, Transport, Klein- und Straßenrestaurants werden von indonesischen Einwanderern beherrscht. Die großen und größeren Privatunternehmen werden meist von Indonesiern chinesischer Abstammung geführt. Wenige Papua sind wirkliche Unternehmer. Unter den Arbeitern und Angestellten sind Papua meist nur auf den unteren Ebenen zu finden. Nur Vorzeigepositionen wie das Amt des Gouverneurs sind häufiger mit Papuas besetzt. [1]

„Im Jahr 2004 startete die evangelische Synode eine Wirtschaftskooperative am Mamberamo Fluss. Sie errichtete ein kleines Flugfeld und entsandte einen Pfarrer, der den Einwohnern beibrachte, ihren Fisch zu vermarkten. Bis dahin hatten Indonesier den Handel kontrolliert.
Das Projekt trug Anfang 2005 Früchte, im April mussten die Indonesier ihren Geschäftsbetrieb einstellen. Sie haben daraufhin zehn Militärs eingeladen und den Pfarrer beschuldigt, Terrorist zu sein. Die Militärs haben das Gebäude der Kooperative zerstört, die Kirche, das Haus des Pfarrers und haben ihn und seine Frau bedroht. Die Kooperative wurde eingestellt, der Handel wird jetzt wieder von Indonesiern kontrolliert.“
[1]

Das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt West Papuas betrug 1999 rund 1.085 Dollar. Unter den 26 Provinzen Indonesiens war das Platz vier. Ohne den mit 63 % großen Anteil des Bergbaus am Bruttoinlandsprodukt liegt West Papua unter dem Durchschnitt der indonesischen Provinzen.

Entlang der Inseln Kabra, Misool, Batanta und Waigeo bei der Vogelkop Halbinsel befinden sich an den Flussausläufen große Perlzuchtanlagen, die laut Heiko Bleher die gesamte Umwelt verschmutzt haben. [1]

Holzeinschlag

„Neben Konzernen wie Freeport oder BP herrscht auf Neuguinea die Kettensäge. Die deutsche Marke Stihl ist bekannter als Mercedes, Hitler oder Beckenbauer. Das Heulen der Säge hat den Ruf des Paradiesvogels ersetzt.“ [1]

Holzeinschlag ist der Rohstoffsektor mit den größten geografischen Auswirkungen auf West Papua. Die Suharto-Regierung verteilte Holzeinschlaglizenzen unter Geschäftsfreunden, Militärs, hohen Beamten und ihren Familien. Für 130.000 km² (von den 422.000 km² West Papuas) sind Konzessionen vergeben. 220.000 km² sind als Nutzgebiet klassifiziert in Abgrenzung zu Schutzgebieten. [1] Größte Firma ist die Djajanti Group zu deren Besitzern Suhartos Cousin Sudwikatomo gehört. Eine weitere große Firma, Barita Pacific Timber wird durch Suhartos Geschäftsfreund Prayogo Pangestu geleitet. Die kleinere Hanurata wird durch die Suharto-Familie kontrolliert.

Bild:MerbauFloor2.jpg
Merbauparkett

Merbau
Trotz eines Exportverbots seit 2001 ist West Papua die weltgrösste Quelle des äußerst hochwertigen Tropenholzes Merbau (intsia bijuga), das zu 90 Prozent illegal geschlagen wird. Hauptabnehmer sind China und Japan. Einzig die Unzugänglichkeit des Terrains durch Sümpfe und Zerklüftung sind ein gewisser Schutz, wenn dadurch der Strassenbau für den Holzabtransport zu teuer wird. Die illegale Ausfuhr in den Häfen wird nicht ausreichend überwacht.[1] Das Risiko erwischt zu werden ist gering, eine vergleichsweise niedrig ausfallende Strafe noch seltener. 2002 soll Gouverneur Solossa unter Druck von Holzfirmen Exportgenehmigungen für Merbau ausgestellt haben.

Von 1998 bis 2001 erhöhte sich der Merbau-Export von 50.000 m³ auf 660.000 m³. Seit dem offiziellen Exportverbot wird mit Hilfe von korrupten Beamten und Militärs das Holz über Malaysia geschmuggelt. 2005 verließen monatlich etwa 300.000 m³ Merbau das Land. Bei 400 Dollar je Kubikmeter sind das über eine Milliarde Dollar im Jahr. Deutschland verbrauchte 2005 rund 4.500 m³ Merbau vorzugsweise für Holzfußböden. Merbau gehört heute zum Standardsortiment im Parkettangebot deutscher Baumärkte. Die deutsche Tarkett behauptete sogar, FSC-zertifiziertes Merbau im Angebot zu haben, ebenso die Baumarktkette Hellweg Ende 2006. Merbau angeblicher Herkunft aus Malaysia kommt in der Regel aus West Papua. In allen anderen Ländern sind die natürlichen Standorte von Merbau durch exzessiven Abbau schon lange erschöpft. Papua Neuguineas Export betrug 2004 lediglich 11.000 m³, weniger als der Verbrauch der EU.

Andere Baumarten
West Papua verfügt über ein äußerst breites Spektrum wertvoller aber oft wenig bekannter Baumarten, z.B. Dracontomelum, Araukarien, Kauri-Bäume, Steineiben oder einige Pterocarpus-Arten (auch Padauk und rotes Sandelholz). [1] Beliebte Schmuggel- und Handelsware ist auch das äußerst kostbare, in Indonesien gaharu genannte Adlerholz, ein seltenes Duft- und Räucherholz aus den Tieflandregenwäldern z.B. der Asmat und Mappi, das auf den internationalen Märkten den Preis von Gold übertreffen kann.

Korruption und Gewalt
Kein Holzeinschlag in West Papua geschieht ohne Beteiligung des Militärs. Offiziere und Kommandeure arbeiten mit der Industrie zusammen, niedere Ränge machen mit anderen inoffiziellen Methoden Geld. Offiziell sind die Soldaten als Sicherheitskräfte stationiert. Firmen bezahlen Bestechungsgelder damit das Geschäft reibungslos läuft. Lokale Papuas, die protestieren, werden eingeschüchtert, angeklagt, separatistischen Guerillas wie der OPM anzugehören, bedroht oder getötet. Bei gewalttätigen Ausschreitungen kam es 2001 in Wasior zu einer Reihe von Toten. Ein Gerücht über den unaufgeklärten Mord an dem mit Militärs befreundeten Papua-Führer Theys Eluay behauptet als Ursache eine Rivalität zweier hochrangiger Generäle in Jakarta über Holzeinschlagskonzessionen in West Papua. Kopassus-Einheiten, die Eluays töteten, nutzen Land von Hanurata als Basis. [1] Das Militär der Timika-Region ließ sich von Freeport einen eigenen Hafen bauen, mit dem es ungestört dem Schmuggel nachgehen kann.

Bergbau

Bild:Puncak Jaya Landsat.jpg
Die Freeport-Mine von oben

Hauptartikel: Freeport und Grasberg-Mine

Der Erzreichtum der Indonesien und Neuguinea durchziehenden Gebirgskette ist so sagenhaft, das Mitte der 1990er Jahre der größte Betrug im Bergbaugeschäft, die erfundene Behauptung der Firma Bre-X, in dieser Gegend die größten Goldvorkommen der Erde gefunden zu haben, selbst die großen, konservativen Minenkonzerne überzeugte. Selbst der nie an Bergbau interessierte Suharto-Clan rivalisierte intern heftig um den Fund, enteignete willkürlich Bre-X und zerstörte die international hoch angesehene indonesische Zuverlässigkeit im Bergbaugeschäft.

In West Papua ist seit den ersten Tagen der Suharto-Regierung die zu den größten Bergbaukonzernen zählende US-amerikanische Firma Freeport-McMoRan aktiv. Freeport betreibt in einer äußerst entlegenen Region nicht nur die größte Goldmine der Welt und die Kupfermine mit den niedrigsten Förderkosten, Freeport war von Beginn der Suharto-Ära an ein enger Verbündeter und Unterstützer der indonesischen Regierung und gehört seit 1973 zu den zehn nationalen Perlen Indonesiens. Seit den 1990er Jahren ist Freeport der größte Steuerzahler Indonesiens und erbringt mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes West Papuas. Freeports Lobbyisten wie der frühere US-Außenminister Henry Kissinger [1] und die US-Indonesische Gesellschaft [1] beeinflussten erfolgreich die US-amerikanische und die indonesische Regierung.

Nach der Veröffentlichung zahlreicher Menschenrechtsverletzungen durch das die Mine bewachende Militär geriet die Freeport-Mine seit 1995 zunehmend ins Zentrum der Aufmerksamkeit internationaler Menschenrechtsgruppen und wegen gravierender Langzeit-Umweltschädigungen unter besondere Beobachtung von Umweltschützern. Trotz umfangreicher Bemühungen des Konzerns in den letzten Jahren stufte der Norwegische Pensionsfond 2006 Freeport Aktien als ethisch nicht vertretbar ein.

Freeport ist eng mit dem indonesischen Militär TNI verbunden, das einerseits die Mine schützt, andererseits selbst reichlich von der Mine profitiert. Freeport liefert umfangreiche materielle und finanzielle Unterstützung und flog Militärs auch zu Kampfeinsätzen gegen lokale Dörfer der Bergpapua. Gelegentlich rivalisieren Militäreinheiten um Freeports großzügige Unterstützung.

Die enge Verbindung des international bedeutenden US-Konzerns mit der indonesischen Regierung und dem Militär aber auch die Finanzierung der Papuanischen Unabhängigkeitsbewegung führt Denise Leith zu der Schlussfolgerung, das das Schicksal Papuas untrennbar mit Freeport verbunden ist.[1]

Großabnehmer des papuanischen Kupferkonzentrats ist neben Japan auch die Norddeutsche Affinerie. [1]

Nickel

Auf der 12 mal 8 Kilometer großen Insel Gag im Raja Ampat Distrikt sind seit den 1950er Jahren reiche Nickelvorkommen bekannt. Nach Voiseys Bay, Kanada, und Goro, Neukaledonien soll es mit 216 Millionen Tonnen das drittgrößte Vorkommen der Welt sein. Indonesien stellte 1999 die Wälder unter Schutz, was Tagebau ausschließt. Die geplante Tiefsee-Entsorgung hat starke Kritik von Umweltschutzverbänden hervorgerufen. Das Firmenkonsortium mit BHP Billiton stoppte 2002 die Erkundungen.[1]

Erdgas

In der Berau/Bentuni Bucht an der Vogelkop-Halbinsel entwickelt BP mit einer Investition von drei Milliarden Dollar das Mammut-Projekt Tangguh zur Förderung von Flüssigerdgas. [1] Ziel sind 7 Millionen Tonnen Jahresproduktion. 2002 förderte Indonesien 23 Millionen Tonnen und stand damit an der Weltspitze. West Papua allein würde dann z. B. die Förderung von Russland bei weitem übertreffen.

West Papua hat geschätzte Reserven an Flüssigerdgas von 480 Millionen Tonnen, davon 280 Millionen Tonnen in der Tangguh-Region.[1]

Erdöl

Indonesien produziert ein Prozent der Welt-Öl-Förderung, ist aber Netto-Importeur seit 2004. Die geschätzten Reserven West Papuas liegen bei 109 Millionen Barrel. Aktive Öl-Förderverträge haben die staatliche indonesische Pertamina, Petrochina, ConocoPhillips, BP, CNOOC, KNOC, PT Waropen Perkasa u.a. Auch Shell, Amoco, BHP Billiton und Total förderten bereits Öl in West-Papua. Die kleine Raffinerie Kasim mit einer Kapazität von 100.000 Barrel/Tag verarbeitete 2004 rund 84.000 Barrel täglich.[1]

Flora und Fauna

West Papua zeichnet sich - mit nur wenigen Ausnahmen - durch das grundlegende Fehlen biologischer Informationen aus. Was jedoch bekannt ist, strotzt vor atemberaubender Fülle und Vielfalt. Die vorhandenen Ökosysteme bieten die reichhaltigste und vielfältigste Kombination im Tropischen Pazifik: Tieflandregenwald, Bergregenwald, Subalpine Vegetationszone, Torf- und Süsswasser-Sumpfwald, Savanne und Grasland, Mangroven und Meere (unterschieden werden muss wegen der trennenden Berge die Nord- und Südhälfte des Landes sowie die etwas separate Vogelkopf-Halbinsel). Viele Tiere und Pflanzen sind endemisch, kommen nur hier vor.

Der im Zentrum des Korallendreiecks gelegene Raja Ampat Inseldistrikt erwies sich 2001 [1] als eines der weltweit reichhaltigsten tropischen Korallenriffe mit über 75 % der weltweit bekannten Korallenarten und 1200 Fischarten. West Papua ist auch die Heimat von 250 Süßwasserfischen. Die bekanntesten Arten sind die Regenbogenfische und Blauaugen.

Im Gegensatz zur Pflanzenwelt ist die Tierwelt Neuguineas eng verwandt mit der Australiens. Östlich der Wallace-Linie ist die Abwesenheit größerer Säugetiere charakteristisch. Anstelle von Affen gibt es eine große Vielfalt an Beuteltieren, etwa 70 Arten wie z. B. Kuskus, Opossum, Beutelmäuse, Bandikuts, Wallabys und Baumkängurus. Von den eierlegenden Säugetieren kommt der bedrohte Langschnabeligel vor. Bekannt sind 36 Paradiesvogelarten (indonesisch: cenderawasih), der giftige Pitohui, bis 1,80 Meter große Kasuare, Krontauben, Papageien, Großfußhühner wie das Buschhuhn, 70 Fledermausarten, Leisten- und Neuguineakrokodil, Schlangen und Warane. Das Lieblingswild der Papua sind Wildschweine. Unter den 455 Schmetterlingen finden sind auch sieben der großen Vogelfalter (Ornithoptera spp.).

Die einzigartige Flora zeichnet sich durch eine große Anzahl Palmenarten (Rotangpalmen, Sagopalme, Betelpalme, Nypapalmen) , Mangroven, Araukarien, Rhododendron, 1200 Baumarten (z. B. Schraubenbäume, Katappenbaum, Casuarinen, Merbau), Kletterpflanzen, Epiphyten, Farne und Orchideen aus. Conservation International schätzt 60-90 % der Pflanzenarten als endemisch ein.

Größte Gefährdung hat der am besten zugängliche Tieflandregenwald. Die Ausweisung eines Schutzgebietes wie des großen Lorentz-Nationalparks bedeutet in West Papua (Indonesien) wenig. Straßenbau zieht illegalen Holzeinschlag nach sich. Besonders empfindlich ist auch die Subalpine Vegetationszone.

Erst 1995 fand der Säugetierexperte Tim Flannery das schwarz-weiße Dingiso-Baumkänguru [1], das nur in der Bergregion um die Freeport-Mine vorkommt. 2006 wurden wieder mehrere neue Tierarten bei Expeditionen von Conservation International im Foja-Gebirge und im Raja-Ampat Gebiet entdeckt.

Tourismus

Beliebt sind Tauchausflüge, Vogelbeobachtungen (englisch bird watching), Reisen zu Eingeborenen mit Schweinefesten, Fahrten mit Einbäumen, Dschungeltreks und Bergbesteigungen der über 4000 Meter hohen Gipfel und Gletscher, insbesondere der 4884 Meter hohen Carstensz Pyramide (Puncak Jaya).[1] Angepriesen werden Reisen zu Kannibalen und gelegentlich Erstkontakte mit bisher unentdeckten Stämmen. Die Insel ist Malaria-Gebiet mit hohem Risiko. Erdbeben sind keine Seltenheit.

Neuginea ist berühmt für seine Schnitzereien. In West Papua sind besonders die Asmat für ihre Kunstfertigkeit bekannt.

Das Reisen in Papua ist streng reglementiert. Touristen benötigen eine polizeiliche Erlaubnis (Surat Jalan) um Ziele im Landesinneren besuchen zu können. Sämtliche Orte der Reise sind genau einzutragen. Reisende sind verpflichtet, sich mit diesem Formular an den Zielorten bei der Polizei zu melden. Kontakte zu lokalen Menschenrechtsgruppen, Vertretern der Unabhängigkeitsbewegung und Studentenbewegungen sind zu vermeiden. Eine Schweizer Ethnologe, der 2000 die Morgensternflagge fotografierte, musste im Gefängnis von Jayapura 12 Tage lang die blutige Folterung anderer Gefangener mitansehen, bei der ein 19-jähriger Student getötet wurde. [1] Als Touristen getarnte Journalisten wurden wiederholt ausgewiesen. Für viele Gebiete gibt es keine Zutrittsgenehmigungen für Ausländer.

Das Hochtal von Wamena wurde in den 1990er Jahren mit nackten und geschmückten Stammeskriegern eine von Indonesiens Hauptattraktionen und eine von Papuas größten Devisenquellen. Als die Einnahmen sanken verbanden sich Fremdenführer mit Beamten zu einer Art Mafia, die viele Besucher vergraulte.[1]

Quellen

Literatur

Online-Literatur

auf deutsch

  • Rainer Scholz: Wer frisst wen? Abgesang auf Neuguinea. Feature WDR 5, Mai 2006, Produktion WDR/NDR PDF 94 kb
  • Gesellschaft für bedrohte Völker: Westpapua. Paradies in Ruinen. 2003 PDF 300 kB
  • Müller, Martin: Kultur und ökonomische Entwicklung - Eine empirische Untersuchung kultureller Umwelt und unternehmerischer Fähigkeiten in der indonesischen Provinz Papua (West-Neuguinea). Marburg 2005 ISBN 3-89703-656-8, PDF 3,2 MB
  • Steffen Keulig: Situationsstudie zur demographischen Entwicklung in West Papua unter Einbeziehung des Faktors: „christliche Religion“. Freunde der Naturvölker e. V. 2003 PDF 1,4 MB
  • Zum Schweinekult der Bergpapua: HTML 50 kB (Studentische Arbeit ohne Autorangabe und Datum)

Politik und Geschichte

  • Neles Tebay: Gemeinsame Anstrengungen der Religionsgemeinschaften für den Frieden in West-Papua. Aachen 2006 ISNN 1618-6222, PDF 360 kb
  • International Crisis Group: Papua: Answers to Frequently Asked Questions. Crisis Group Asia Briefing N°53, 2006 PDF 515 kB
  • International Crisis Group: Resources and Conflict in Papua. Brussel 2002 PDF 737 kB
  • Richard Chauvel, Ikrar Nusa Bhakti: The Papua Conflict: Jakarta’s Perceptions and Policies. East-West Center Washington 2004 ISBN 1-932728-08-2 PDF 400 KB (englisch)
  • Blair A. King: Peace in Papua. Widening a Window of Opportunity. Council on Foreign Relations. New York April 2006 ISBN 0-87609-357-8, PDF 470 kB
  • Rodd McGibbon: Pitfalls of Papua: understanding the conflict and its place in Australia-Indonesia relations. 2006 Lowy Institute for International Policy, Sydney PDF 800 kB
  • Timo Kivimaki: Initiating a Peace Process in Papua: Actors, Issues, Process, and the Role of the International Community 2006, East-West Center Washington PDF 360 kB

Menschenrechte

  • Neles Tebay: Human Rights in Papua: An overview. Berlin 2003 html (Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung) Übersicht zu Menschenrechtsverletzungen bis 2001
  • Yale Law School: Indonesian Human Rights Abuses in West Papua: Application of the Law of Genocide to the History of Indonesian Control. 2003 pdf 360 kb
  • John Wing, Peter King: Genocide in West Papua? The role of the Indonesian state apparatus and a current needs assessment of the Papuan people. University of Sydney 2005. ISBN 0-9752391-7-1, pdf 2,3 MB
  • Nick Chesterfield: Terror-Razing the Forest: Guns, Corruption, Illegal Logging, JI & the Indonesian Military in Papua Niugini. Australien 2006 PDF 5,4 MB über indonesische TNI/Kopassus in der West-Sepik Region (Sandaun) Papua-Neuguineas
  • Elsham: End of Year 2006 Report. Dezember 2006 html

Natur

PapuaWeb der Universitäten West-Papuas und der Australian National University

Weblinks

  • naturvoelker.org Freunde der Naturvölker e. V. (FdN Menschenrechtsorganisation) mit Nachrichten und Filmen Als deutsche Sektion von Friends of Peoples close to Nature (FPCN)klick erhielt FdN im Februar 2007 als einzige Org. von der OPM (Organisasi Papua Merdeka) und von dessen neuen Führers Mathias Wenda das Mandat die Unabhängigkeitsbestrebungen West Papuas auf int. Ebene zu vertreten.
  • Katholische Diözese Jayapura: hampapua.org Menschenrechtssituation West Papua (englisch)
  • vermission.org West Papua Netzwerk (Vereinte Evangelische Mission)
  • reg.westpapua Neueste englischsprachige Informationen aus West Papua. (Newsgroup initiiert von Tapol. 2007 oft die erste Quelle von Neuigkeiten).
  • kabar-irian.com englische Nachrichten, aktuell und sehr informativ aber unübersichtlich.
  • West Papua Action Irland (englisch)
  • papuaweb.org Bibliografie, aktuelle Veröffentlichungen, deutsche, englische, indonesische Titel inklusive pdf-Dokumente (englischer Kommentar)
  • Karte der Bodenschätze 1994 JPG 165 kB
  • korowai.de West Papua Baumhausmenschen
  • travel-images.com West-Papua - Bilder

Einzelnachweise


Koordinaten: 5° S, 136° O

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