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Transneptunisches Objekt
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Bild:TheTransneptunians 73AU.svg Als Transneptunisches Objekt (TNO) oder auch seltener Transneptun bezeichnet man Himmelskörper, die sich außerhalb der Umlaufbahn von Neptun, dem äußersten Gasplaneten, um die Sonne bewegen.
Die meisten TNOs werden im Kuipergürtel vermutet, deswegen wird der Begriff Kuipergürtelobjekt (KBO, von englisch Kuiper Belt Object) auch synonym für Transneptunisches Objekt verwendet. Heute kennt man einige hundert TNOs, vermutet aber allein einige zehntausend Objekte, deren Durchmesser über 100 km groß ist.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Von etwa 1900 bis 1930 stand das Wort „Transneptun“ für einen hypothetischen neunten Planeten, der (irrtümlich) für kleine Bahnstörungen der Planeten Uranus und Neptun verantwortlich gemacht wurde. Der Marsforscher Percival Lowell (1855-1916) hatte lange selbst nach ihm gesucht und dafür das „Lowell-Observatorium“ bei Flagstaff finanziert.
Der schließlich am 18. Februar 1930 entdeckte Pluto ist bislang das einzige Transneptunische Objekt, das den Status eines Planeten hatte - dieser Status wurde mittlerweile auf Zwergplanet zurückgestuft - und erhielt seinen Namen unter anderem wegen der Initialen Lowells. Ab etwa 1950 suchte man nach einem Transpluto, doch wählte man 1977 nach der Entdeckung des ersten Zentauren eine andere Terminologie.
Eigenschaften
Die bisher entdeckten Transneptunischen Objekte sind in ihrer Zusammensetzung kometenähnlich. Viele bekannte Kometen stammen nach Bahn-Messungen aus den 1970er Jahren eher aus dem Kuipergürtel, als, wie lange Zeit vermutet, aus der Oortschen Wolke.
Die Transneptune werden als spezielle Gruppe der Asteroiden angesehen und unterscheiden sich von jenen im Hauptgürtel vor allem durch
- ihre sonnenfernen und oft sehr langgestreckten Umlaufbahnen
- ihre kohlenartige dunkle Farbe (Albedo nur etwa 0,04)
- ihre Zusammensetzung aus Lockergestein und Eis, die gleichzeitig den Übergang zu Kometenkernen darstellt.
Objekttypen
Die Transneptune kreisen großteils im Kuipergürtel zwischen 30 und 50 AE, sammeln sich aber vielfach zu speziellen Gruppen.
Resonante KBOs
Ein Drittel aller Kuipergürtel-Objekte steht in Bahnresonanz zum Planeten Neptun, wie zum Beispiel die Plutinos, die sich alle auf stabilen, allerdings wesentlich exzentrischen Bahnen, in 3:2-Resonanz zu Neptun befinden. Der hellste dieser ist der Zwergplanet Pluto. Weiter außerhalb befinden sich die Twotinos, die in 2:1-Resonanz zur Neptunbahn stehen. Es existieren auch Objekte mit anderen Resonanzen, wie z. B. 5:2 und 3:1.
Klassische KBOs (Cubewanos)
Eine andere wichtige Gruppe ist die der C-KBOs (klassische Kuipergürtelobjekte, auch Cubewanos). Sie bewegen sich mit kleinen Exzentrizitäten auf nahezu kreisförmigen Bahnen zwischen 42 und 50 AE mit Bahnneigungen von bis zu 30°. Etwa 2/3 der bekannten KBOs bewegen sich auf einer solchen kreisähnlichen Bahn um die Sonne. Zu dieser Gruppe gehören die 1000-km-Objekte Quaoar und Varuna.
Scattered Disk
Gestreute KBOs (oder auch Scattered Disk Objects, SDOs) bewegen sich mit großen Exzentrizitäten auf Bahnen mit Periheldistanzen nahe 35 AE und Apheldistanzen bis 1000 AE. Bis jetzt sind erst wenige dieser gestreuten KBOs bekannt (zum Beispiel 1996 TL66 mit einer stark elliptischen Bahn und einer Bahnneigung von 24°).
Sedna
Ende 2003 wurde ein Objekt in doppelter Pluto-Entfernung entdeckt, das sich auf einer äußerst langgezogenen Ellipse weit außerhalb des Kuipergürtels, allerdings noch nicht in der Oortschen Wolke bewegt und einen neuen Prototyp darstellt. Es ist rund 1500 km groß und wurde nach einer sagenhaften Inuit-Göttin Sedna genannt. Dieser oder ein anderer noch unentdeckter „Transpluto“ könnte für die langsame Loslösung von Kometen aus der Oortschen Wolke verantwortlich sein.
Bekannte Objekte
Die hellsten bekannten TNOs (mit absoluter Helligkeit < 4,0):
| Name | Vorläufige Bezeichnung | Absolute Helligkeit | Albedo | Äquator- durchmesser (km) | Große Halbachse (AU) | Gruppe | Entdeckung | Entdecker | Durchmesser- bestimmung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| (136199) Eris | 2003 UB313 | −1,2 | ~0,55 ± 0,15 (thermal) | 2400 ± 100 | 67,7 | SDO | 2005 | M. Brown, C. Trujillo & D. Rabinowitz | Wärmestrahlung (thermal) |
| (134340) Pluto | −1,0 | 0,49 – 0,66 | 2306 ± 20 | 39,4 | KBO (Plutino) | 1930 | C. Tombaugh | Bedeckung | |
| (136472) | 2005 FY9 | −0,3 | 0,8 ± 0,2 (geschätzt) | 1800 ± 200 | 45,7 | KBO | 2005 | M. Brown, C. Trujillo & D. Rabinowitz | geschätzte Albedo |
| (136108) | 2003 EL61 | 0,1 | 0,7 ± 0,1 | ~1500 | 43,3 | KBO | 2005 | M. Brown, C. Trujillo & D. Rabinowitz | Mondumlauf und Lichtwechsel |
| Charon | S/1978 P 1 | 1 | 0,36 – 0,39 | 1205 ± 2 | 39,4 | KBO (Plutomond) | 1978 | J. Christy | Bedeckung |
| (90377) Sedna | 2003 VB12 | 1,6 | > 0,2 (geschätzt) | < 1800, > 1180 | 502,0 | Anomalie? | 2003 | M. Brown, C. Trujillo & D. Rabinowitz | thermal |
| (90482) Orcus | 2004 DW | 2,3 | 0,1 (geschätzt) | ~1500 | 39,4 | KBO (Plutino) | 2004 | M. Brown, C. Trujillo & D. Rabinowitz | geschätzte Albedo |
| (50000) Quaoar | 2002 LM60 | 2,6 | 0,10 ± 0,03 | 1260 ± 190 | 43,5 | CKBO | 2002 | C. Trujillo & M. Brown | optische Auflösung |
| (28978) Ixion | 2001 KX76 | 3,2 | 0,25 – 0,50 | < 822 | 39,6 | KBO (Plutino) | 2001 | Deep Ecliptic Survey | thermal |
| (55636) | 2002 TX300 | 3,3 | > 0,19 | < 709 | 43,1 | CKBO | 2002 | NEAT | thermal |
| (55565) | 2002 AW197 | 3,3 | 0,14 – 0,20 | 650 – 750 | 47,4 | CKBO | 2002 | C. Trujillo, M. Brown, E. Helin, S. Pravdo, K. Lawrence & M. Hicks / Palomar Observatorium | thermal |
| (55637) | 2002 UX25 | 3,6 | 0,08? | ~910 | 42,5 | CKBO | 2002 | A. Descour / Spacewatch | geschätzte Albedo |
| (20000) Varuna | 2000 WR106 | 3,7 | 0,12 – 0,30 | 1060 ±180-220 | 43,0 | CKBO | 2000 | R. McMillan | thermal |
| 2002 MS4 | 3,8 | 0,1 (geschätzt) | 730? | 41,8 | KBO | geschätzte Albedo | |||
| 2003 MW12 | 3,8 | 0,1 (geschätzt) | 730? | 45,5 | KBO | geschätzte Albedo | |||
| 2003 AZ84 | 3,9 | 0,1 (geschätzt) | 700? | 39,6 | KBO | geschätzte Albedo | |||
| (84522) | 2002 TC302 | 3,9 | > 0,03 | < 1211 | 55,1 | SDO | 2002 | NEAT | thermal |
Sonstiges
In der Astrologie wird der Name „Transneptuner“ vereinzelt für einige fiktive Himmelskörper verwendet. Man schreibt ihnen symbolische Eigenschaften zu, die von den klassischen Planeten nicht abgedeckt werden.
Siehe auch
Weblinks
- List Of Transneptunian Objects (Englisch)
Zentralgestirn: Sonne
Planeten:
Merkur |
Venus |
Erde |
Mars |
Jupiter |
Saturn |
Uranus |
Neptun
Zwergplaneten: Ceres | Pluto | Eris
Sonstige Objekte: Asteroiden | Asteroidengürtel | Kleinkörper | Kometen | Kuipergürtel | Monde | Oortsche Wolke
Siehe auch: Heliosphäre | Interplanetarer Staub | Transpluto
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