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Trümmerfrau

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Als Trümmerfrauen werden die Frauen bezeichnet, die nach dem Zweiten Weltkrieg die deutschen Innenstädte von den Trümmern der zerbombten Gebäude befreiten.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Im Zweiten Weltkrieg waren etwa 3,5 Millionen Wohnungen in Deutschland durch alliierte Luftangriffe zerstört worden. Auch andere Gebäude lagen in Trümmern − Schätzungen sprechen von mehr als 400 Millionen Kubikmetern Schutt im Deutschland des Jahres 1945.

Da viele Männer gefallen, verletzt, in Kriegsgefangenschaft oder vermisst waren, mussten vor allem Frauen die schwere Arbeit der Trümmerbeseitigung mit schlechter Ausrüstung und primitiven Werkzeugen übernehmen. Sie schufen damit die Grundvoraussetzung für den Fortbestand der Innenstädte, für die Wiederherstellung der ersten Verkehrsverbindungen sowie für die notdürftige Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, Wasser und Strom. In Berlin beispielsweise gab es 60.000 Trümmerfrauen. Um den Männermangel auszugleichen, wurden sogar teilweise Arbeitsschutzbestimmungen der Frauen aufgehoben.

Es gab im Wesentlichen drei Gründe, die Arbeit mit Spitzhacke, Putzhammer und Schubkarre aufzunehmen:

  • Die Alliierten Besatzungsmächte (USA, Frankreich, Großbritannien und Sowjetunion) hatten entsprechende Befehle herausgegeben, wonach alle Frauen zwischen 15 und 50 Jahren sich zu dieser Arbeit zu melden hatten.
  • Frauen, die dem Naziregime in irgendeiner Weise nahe gestanden hatten, wurden zwangsverpflichtet (in einem Bericht wird von Sühnearbeit gesprochen).
  • Für alle mit der Trümmerbeseitigung beauftragten Personen gab es Lebensmittelkarten der Schwerarbeiterstufe.

Die Enttrümmerungstätigkeiten wurden mit etlicher Technik unterstützt, ja waren tw. erst damit möglich, z. B. durch Einsatz der Trümmerbahn.

In allen betroffenen Städten − überwiegend in Deutschland, aber auch in Österreich und wahrscheinlich in Polen und der Tschechoslowakei − dauerten die Arbeiten durchschnittlich 10 Jahre, sodass zwischen 1952 und 1956 die Kriegsruinen zum größten Teil abgetragen waren.

In der Sowjetischen Besatzungszone, der späteren DDR, wurde 1951 das Nationale Aufbauwerk gegründet, das die Arbeit der Trümmerfrauen koordinierte, den ehrenamtlichen, nun Aufbauhelfern genannten, Personen moralische und materielle Anreize schaffte und die schweren Arbeiten dann auch professionellen Firmen übertrug.

In der Bundesrepublik (alt) wurden die Enttrümmerungsarbeiten als Notstandsarbeiten weitergeführt.

Die große Tragweite dieses stillen Heldentums würdigte man bald durch staatliche Maßnahmen, z. B. Feierstunden, durch Errichtung von Denkmälern, die Organisation von Ausstellungen, die Aushändigung von Auszeichnungen.

Zu den ersten erwähnenswerten Maßnahmen gehört mit der Einführung der Deutschen Mark 1949 die Gestaltung des Bildes der neuen 50-Pfennig-Stücke in der BRD: es zeigte eine Eichen-Pflanzerin, mit der sowohl an die in der Wiederaufforstung tätigen Waldarbeiterinnen wie auch an die Trümmerfrauen erinnert werden sollte.

Ab 1967 – also erst 22 Jahre nach den ersten Enttrümmerungsarbeiten – wurden die Frauen für ihren Dienst am Gemeinwohl entlohnt: man erkannte ihnen eine Zusatzrente an.

Trümmerfrauen in Berlin

In allen vier Sektoren Berlins musste enttrümmert werden, etwa 10 % des gesamten Gebäudebestandes war irreparabel zerstört, in den Innenstadtbezirken (Mitte, Kreuzberg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Tiergarten, Wedding) waren es sogar bis zu 20 %.

Mit eigener Kleidung mit raffiniert geschlungenen Tüchern oder Schals auf dem Kopf gingen die Frauen ans große Aufräumen. Oft passierten Unfälle, da an richtigen Arbeitschutz nicht zu denken war.

So sorgten die mindestens 60.000 Berliner Trümmerfrauen für das Wiederauferstehen der deutschen Hauptstadt.

Ehrungen für die Arbeit der Trümmerfrauen in Berlin

1946 gab die Alliierte Kommandantur für ganz Berlin eine neue Briefmarkenserie, die sogenannten Bärenmarken heraus. Hier gestalteten die Grafiker Alfred Goldhammer und Heinz Schwalbe 4 Motive mit Symbolen des Wiederaufbaus wie Bär mit Ziegelstein, Bär mit Schippe, Bär mit Balken und eine junge Eiche vor einer Ruinenkulisse.

Denkmäler und Gedenksteine

in chronologischer Folge

Bild:Trümmerfrau Hasenheide.JPG
Denkmal Trümmerfrau im Volkspark Hasenheide, Berlin. Von Katharina Singer, 1955.
Denkmal von Fritz Cremer in Berlin-Mitte
Denkmal von Fritz Cremer in Berlin-Mitte
  • Auf Anregung des Dichters Bertolt Brecht und des Architekten Hermann Henselmann fertigte der Bildhauer Kohl 1952 einige Sandsteinfiguren an, die beim Neubau in der damaligen Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee) an den Häusern Nummer 24 und 131 angebracht wurden, eine Figur ist eine Trümmerfrau.
  • 1952 wurde im Humboldthain, Bezirk Wedding, ein Dank für die Notstandsarbeiter auf der Rückseite des Gedenksteins für Alexander von Humboldt eingraviert.
  • Um 1952 wurde im Bezirk Pankow in der Ossietzkystraße ein kleines Trümmerfrauendenkmal aufgestellt, hergestellt von der Bildhauerin Gertrud Claas. Das Denkmal verschwand in den 70-er Jahren im Archiv und wurde erst nach 1990 wieder auf den noch vorhandenen, aus Ziegelsteinen gemauerten, Sockel gesetzt.
  • 1952 erhielt die Bildhauerin Katharina Singer den Auftrag zur Gestaltung eines Trümmerfrauen-Denkmals, bis 1955 schuf sie dann aus Muschelkalk das nebenstehend abgebildete Denkmal. Es wurde im Volkspark Hasenheide aufgestellt und am 30. April 1955 feierlich enthüllt.
  • Für den Bezirk Wedding führte der Bildhauer Gerhardt Schulze-Seehof aus alten Ziegelsteinen eine mehrfarbige, 12 m hohe Trümmerstele aus, die am 20. Juni 1954 zur Erinnerung an die Aufbauleistungen der Trümmerfrauen feierlich eingeweiht wurde.
  • Als 1955 die Enttrümmerung des ehemaligen Kasernengeländes im Karree Rathenower, Krupp-, Lehrter- und Seydlitzstraße im Bezirk Tiergarten beendet und ein neuer Park (der heutige Fritz-Schloß-Park) entstanden war, wurde ein von dem Bildhauer Alfred Frenkel auf einem bei der Enttrümmerung gefundenen großen Kalkstein gestaltetes Relief mit dem Titel "Denkmal für die Notstandsarbeiter" am Parkeingang feierlich enthüllt.
  • 1958 wurden vor dem Berliner Roten Rathaus zwei Bronzestatuen des Bildhauers Fritz Cremer aufgestellt: die Aufbauhelferin (siehe nebenstehendes Bild) und der Aufbauhelfer. Diese Statuen stehen für die vielen namenlosen Enttrümmerungs- und Aufbauhelfer in Berlin.
  • Seit 1968 steht in einer Parkanlage im Bezirk Weißensee (Albertinen-/Ecke Amalienstraße) eine Plastik, die eine junge Frau aus Bronze als Symbol der Trümmerfrauen darstellt. Der Bildhauer war Eberhard Bachmann.
  • 1969 wurde im Bezirk Treptow (Ortsteil Johannisthal) am Sterndamm eine Bronzeplastik zur Ehrung der Trümmerfrauen aufgestellt. Die Plastik stammt von dem Bildhauer Gerhard Thieme.
  • Nachdem durch Schutt- und Trümmerablagerungen im Volkspark Prenzlauer Berg ein neuer Berg entstanden ist, wurde 1975 ein von der Bildhauerin Birgit Horota geschaffener Bronzefries am Eingang zum Park in der Oderbruchstraße angebracht. Darin würdigt ein Abschnitt auch die Arbeit der Trümmerfrauen mit den Motiven Schippen, Steine klopfen, Steine stapeln.

Trümmerfrauen in anderen deutschen Städten

Chemnitz

Im Jahre 2001 wurde ein figürliches Glockenspiel am Turm des Alten Rathauses in Betrieb genommen. Von den 6 Figuren, die dreimal täglich herausgeführt werden, ist eine als Trümmerfrau ausgebildet. Die Figuren sind Teil des Gesamtprojekts Turmglockenspiel und wurden von dem Bildhauer Johannes Schulze (Plauen) geschaffen.

Dresden

Bild:Trümmerfrau Dresden 1.JPG
Trümmerfrauen-Denkmal in Dresden

Der Bildhauer Walter Reinhold schuf 1952 aus Eisenguss ein Denkmal für die Trümmerfrauen, für das Frau Erika Hohlfeld Modell stand. Das Denkmal wurde in einer Grünanlage auf dem Rathausplatz aufgestellt. 1967 musste das Original durch einen Bronze-Abguss ersetzt werden, nach 1991 wurde es restauriert.

Frankfurt am Main

Im Jahre 2005 machte sich der Bürgerverein Oberrad für ein Trümmerfrauen-Denkmal stark.

Halberstadt

Anlässlich des 60. Jahrestages der Zerstörung Halberstadts im Zweiten Weltkrieg wurde den Trümmerfrauen vor der Westfassade des Rathauses auf dem Holzmarkt ein Denkmal gesetzt.

Hamm

Ein Denkmal für die Hammer Trümmerfrauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Knochenarbeit leisteten, den von Bomben und Granaten hinterlassenen Schutt aufzuräumen, steht in der Gabelung von Widumstraße und Marker Allee vor dem alten Hochbunker. Die Spuren der furchtbaren Zerstörungen in Hamm waren noch in den 50-er Jahren im Stadtbild zu erkennen.

Köln

Ein Viertel der städtischen Kriegstrümmer wurde auch hier von Trümmerfrauen und –männern weggeräumt. Weil die Arbeit nicht immer freiwillig war, gibt es Probleme in der Stadtverwaltung, eine Zustimmung zum Bau eines Denkmals auf dem Trümmerberg des Hiroshima-Nagasaki-Parks zu erlangen.

Leipzig

1961 wurde eine Gedenkplakette aus wertvollem Meißner Porzellan anlässlich des 10. Jahrestages des nationalen Aufbauwerks herausgegeben mit dem Motiv Bauarbeiter, Trümmerfrau und Architekt vor Leipziger Opernhaus.

Magdeburg

Bereits 1983 gedachte man hier der Trümmerfrauen. Der Magdeburger Bildhauer Heinrich Apel hatte zwei kleine Bronzeplastiken hergestellt: Mutter mit Kind und Trümmerfrau. Diese Figuren wurden vor dem Portal der Johanniskirche aufgestellt.

Mannheim

Bild:Truemmerfrauen-Denkmal Mannheim.jpg
Der Trümmerfrauen-Gedenkstein in Mannheim

Hier ist es der privaten Initiative der Künstlerinnen Maritta Kaltenborn und Waltraud Suckow sowie zahlreichen Spendern zu verdanken, dass 1995 am Schillerplatz ein Gedenkstein für die Trümmerfrauen aufgestellt werden konnte.

München

In der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit wird ein gedrucktes Material angeboten mit dem Titel "Trümmerfrauen in München".

Prüm

Die Errichtung eines Frauendenkmals am Duppborn wurde 2006 von der Gemeinde beschlossen, das auch ausdrücklich an die Arbeit der Trümmerfrauen erinnern soll.

Weimar

Im Frühjahr 1989 fand im historischen ACC-Haus eine Ausstellung des Künstlers Hans Lück statt, die das Motto "Trümmerfrauen" präsentierte.

Wiesbaden

Ein im Jahre 2004 gestellter Antrag für ein Trümmerfrauen-Denkmal wurde von der Stadtverwaltung abgelehnt, da er eine Kopplung mit der Kennzeichnung authentischer Orte von Bombenangriffen vorsah.

Unter dem Motto Hessen – Eine starke Geschichte; 60 Begegnungen mit unserem Land seit 1945 lief 2005 im Wiesbadener Museum eine Ausstellung mit Bildern, Filmen und Tondokumenten, die auch gebührend die Arbeit der Trümmerfrauen darstellte.

Trümmerfrauen in Österreich

Im Zeitraum 1945 bis 1950 sind vor allem in der Hauptstadt Wien die Trümmerfrauen im Einsatz, sie schupften ... händisch ... Ziegel, um die zerstörten Häuser abzutragen, das war etwa 20 % des gesamten Gebäudebestandes in der Innenstadt.

Ehrungen für die österreichischen Trümmerfrauen

Konkrete Denkmäler sind wahrscheinlich nicht errichtet worden.

  • In einem Film des Regisseurs Josef Vilsmaier mit dem Titel "Rama Dama" (1991) wird das Leben der Wiener Trümmerfrauen einfühlsam dargestellt.
  • Eine Klang-, Licht- und Medieninstallation Woman of the Ruins mit dem Bericht der Trümmerfrau Victoria setzt diesen fleißigen Frauen ein angemessenes audiovisuelles Denkmal, es wurde von den Wiener Künstlerinnen Mia Zabelka und Zahra Mani sowie dem Serbo-Kroaten Arsenje Jovanovich gestaltet.
  • 2005 beschloss die österreichische Regierung die Zahlung einer Einmalprämie an jede noch lebende Trümmerfrau in Höhe von 300 Euro, jedoch nur, wenn sie bis 1951 mindestens ein Kind geboren hatte und heute als bedürftig gilt. - 2007 berichtet eine amtliche Stelle, dass bereits an 44.000 Trümmerfrauen dieser Betrag ausgehändigt wurde.

Literatur

  • Trude Unruh (Hrsg.): Trümmerfrauen - Biografien einer betrogenen Generation. Klartext-Verlag: Essen 1987, ISBN 3-88474-420-8
  • Angela M. Arnold (Hrsg.): Trümmerbahn und Trümmerfrauen. OMNIS Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-933175-57-7
  • Angela M. Arnold, Gabriele von Griesheim: Trümmer, Bahnen und Bezirke. Berlin 1945-1955. Eigenverlag, Berlin 2002, ISBN 3-00-009839-9
  • Lexikon Geteiltes Deutschland 2003

Weblinks

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