Das Fotonexus-Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Tankstelle

Aus Fotonexus.

Wechseln zu: Navigation, Suche
Bild:WslErsteTanke.jpg
„Erste Tankstelle der Welt“ in Wiesloch mit Bertha-Benz-Denkmal im Vordergrund

Eine Tankstelle ist eine Anlage, an der Kraftfahrzeuge mit den Kraftstoffen Benzin und Diesel, teilweise auch mit Flüssiggas, Erdgas oder Wasserstoff, versorgt werden können. Derzeit gibt es in Deutschland knapp unter 15.000 Tankstellen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vom Anfang des Motorisierungszeitalters, bis weit ins 19. Jahrhundert, konnte man Benzin und andere Treibstoffe nur in der Apotheke kaufen. Als Standort der ersten Tankstelle der Welt wird vielfach die Stadt Wiesloch genannt, da Bertha Benz dort bei der ersten Automobil-Überlandfahrt von Mannheim nach Pforzheim in einer Apotheke den nötigen Treibstoffnachschub einkaufte. Das dort verkaufte Benzin diente in erster Linie der Reinigung von Kleidung.

Das zur damaligen Zeit verkaufte Benzin wurde in beliebige Behälter abgefüllt, die den heutigen Sicherheitsvorschriften in keiner Weise entsprachen. Häufig dienten nicht mehr benötigte Milchkannen oder Flaschen zu diesem Zweck. Die Folge waren schwere Unfälle durch Entzündung des Treibstoffes, vor allem wenn beim Umfüllen in den Fahrzeugtank geraucht wurde. Erst langsam etablierten sich im Tankstellenbereich die auch heute noch gültigen Normen wie beispielsweise die Verordnung über brennbare Flüssigkeiten.

Bild:Historische Zapfsaeule.jpg
Historische Zapfsäule

Mit dem Aufkommen des motorisierten Verkehrs kamen auch die ersten Tankstellen, meist im Zusammenhang mit den Autowerkstätten, die sich oft aus einer Schmiede oder Schlosserei entwickelten. Die erste Tankstelle wurde 1922 im Deutschen Reich von der Mineralölfirma Olex eröffnet. Im Geschäftshaus der Firma wurde in Berlin-Schöneberg an der Mühlenstraße eine Serviceeinrichtung als öffentliche Kraftstoffstation errichtet. Jetzt betankte man die Autos direkt durch den Füllrüssel und der Tankwart brauchte nicht mehr umständlich mit den Kanistern zu hantieren.

Die „Standard Oil of Indiana“ als Vorläufer der BP stellt 1917 den Einheitstyp der Tankstelle vor, der unter Abwandlungen bis heute gültig geblieben ist. Die Zapfsäulen und die tankenden Kunden werden von einem frei stehendem Dach gegen Regen geschützt, das zu den Zapfsäulen hin voll verglaste Kassenhäuschen befindet sich einige Meter abseits.

Die Tankstellen wurden zum Zeichen der Entwicklungskünste, besonders die Ausfallstraßen aus den Städten wurden von ihnen gesäumt. Durch Zentralisierung wurden zahlreiche Tankstellen eingespart, die heute leerstehen oder z.B. als Getränkemarkt eine neue Nutzung gefunden haben. Die übrig gebliebenen entwickeln sich mehr und mehr zu modernen Drive-in-Dienstleistungszentren mit angeschlossenem Supermarkt, teilweise auch einem Bistro. Waren früher Tankwarte üblich, die den Kunden nicht nur den Tank auffüllten, sondern auch die Windschutzscheibe putzten, Öl kontrollierten, etc., so sind die Tankstellen meist reine Selbstbedienungstankstellen, wo man selbst bei den Zapfsäulen tankt und nur zum Zahlen nicht nur bar, sondern auch mit Scheckkarte oder Kreditkarte an die Kasse geht. Allerdings ist v.a. bei Markentankstellen in der letzten Zeit wieder ein Trend hin zur wahlweisen Bedienung durch Tankwarte zu erkennen.

Das Sortiment beinhaltete zuerst nur schlichte Bürgersteigpumpen, Brennstoffe und Schmieröle, Reifen, Zündkerzen und Zubehör, teilweise gab es auch eine Werkstatt. Später kamen noch Autoradios und Musikkasetten dazu, heute stehen ganze Supermärkte neben den Säulen. Verkauft wird "Reisebedarf", wie Kraftstoff, Bier und frische Brötchen bis in die Nacht, teilweise sogar rund um die Uhr.

Auf den Autobahnen haben sich den Tankstellen oft große Restaurants und Motels angeschlossen. Diese Autobahnraststätten waren die ersten Tankstellen, die 24 Stunden geöffnet hatten.

Ende der Neunziger Jahre sorgten schärfere Gesetze dafür, dass alle Tankstellen den Anforderungen des Umweltschutzes sorge tragen mussten. Im Rahmen dieser Umbaumaßnahmen wurde viele Tankstellen erweitert, aber auch viele kleine Tankstellen geschlossen. Damit setzt sich ein seit Jahrzehnten anhaltendes Tankstellensterben fort. Um 1968 gab es in der alten BRD einen Höchststand mit 47 000 Tankstellen. Jährlich wurden etwa 350 Stationen geschlossen. Dieser Prozess hat sich 2006 auf etwa 150 weniger zugelassene Tankstellen verlangsamt.

Am 12. November 2004 hat die Deutsche BP in Berlin Deutschlands erste öffentliche Wasserstofftankstelle in Betrieb genommen. Dort kann sowohl flüssiger als auch gasförmiger Wasserstoff getankt werden (siehe auch: Wasserstoffwirtschaft).

Besonders in strukturschwachen ländlichen Regionen sind Tankstellen in den letzten Jahren auch zu wochenendlichen Treffpunkten für die örtliche Jugend avanciert.

Tankstellen als Supermärkte

In Deutschland wie auch in der Schweiz sind die Tankstellen-Läden in der Praxis vom Ladenschlussgesetz ausgenommen; daher verdienen viele Tankstellen inzwischen den größeren Teil ihres Einkommens nicht mehr mit Kraftstoff, sondern mit den Supermarkt-Artikeln. Viele Unternehmer im Einzelhandel sehen hierin eine nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung.

Markentankstellen

Bild:GasStationHiroshima.jpg
Tankstelle in Japan

Markentankstellen sind an bestimmte Ölkonzerne wie etwa Shell, Esso, Total, Fina oder BP gebunden. Im Branchen-Jargon werden sie Farbengesellschaften genannt. Sie können entweder Eigentum eines Einzelnen oder von der Mineralölgesellschaft gepachtet sein. Markentankstellen sind an die Preise gebunden, die von den Ölkonzernen vorgegeben werden. In Österreich gibt es derzeit Diskussionen, ob diese Tankstelleneigentümer durch ihre Weisungsgebundenheit steuer- und sozialversicherungsrechtlich wie Angestellte des Konzerns zu behandeln sind.

Markennamen von Tankstellen sind unter anderem Agip, Aral, AVIA, BayWa, BP, Classic, Esso, Elf, Fina, HEM, JET, Minol, OMV, Orlen, Q1, Q8, Shell, Sprint, Star, Total und Westfalen.


Freie Tankstellen

Bild:Tanke.JPG
Freie Tankstelle in München

Freie Tankstellen, in Österreich auch Diskonttankstellen genannt, sind Tankstellen, die keiner Marke angehören.

Bei den Freien Tankstellen unterscheidet man zwischen so genannten Weißen Tankstellen und tatsächlich Freien Tankstellen. Eine Weiße Tankstelle bezieht den Kraftstoff von großen Markenkonzernen, verkauft also Markenware lediglich mit dem Unterschied, dass sie nicht offiziell als Markentankstelle auftritt. Eine tatsächlich Freie Tankstelle wiederum bezieht ihren Kraftstoff vom günstigsten Kraftstoffanbieter, um möglichst niedrige Preise kalkulieren zu können. Kraftstoffe Freier Tankstellen mit mehreren Lieferanten unterliegen natürlicherweise Qualitätsschwankungen. Das wiederum bedeutet aber nicht, dass die Kraftstoffe dort zwangsläufig qualitativ schlechter sind. Kraftstoffe aller Marken stammen letztlich aus nur wenigen großen Raffinerien. Rund 600 Freie Tankstellenbetreiber sind im deutschen Bundesverband freier Tankstellen zusammengeschlossen.

Treibstoffarten

Klassische und neue Treibstoffe

Tankstelle bieten meistens Zapfstellen für verschiedene Kraftstoffe an. Benzin, Superbenzin (unterschiedliche Oktanwerte) und Dieselkraftstoff sind seit der Anfangszeit bis heute am meisten verbreitet. Im landwirtschaftlichen Bereich kann es sein, dass an einer "Tanke" nur Diesel amgeboten wird. Die Beimengung von Blei in den Benzinsorten führte in den 90er Jahren zu einem zeitweisen nebeneinander von Benzin-Zapfstellen mit und ohne Blei.

Hinzu kamen ab den 1980er Jahren Flüssiggas, Erdgas und Wasserstoff für spezielle Motoren.

Pflanzenöltankstellen

Hierbei handelt es sich um Tankstellen, an der reines Pflanzenöl getankt werden kann.Sofern Pflanzenöl nach V-Norn 51506 gelagert wird ist aufgrund der thermischen Behandlung (Raffinat) die WGK 1 anzunehmen. Damit gelten die gleichen wasserrechtlichen Vorschriften wie auch bei Bio-Diesel.

Das bedeutet im Klartext: Mindestens in Straßenbauweise befestigte Fläche, verschließbare Bodeneinläufe, Lagerbehälter und sonstige Bauteile müssen über eine DIBT-Zulassung verfügen.

Die Installation der Anlagenbauteile muss durch einen Fachbetrieb nach § 19 L WHG (Fachbetriebspflicht) erfolgen.

Sofern Pflanzenöl verkauft werden soll, sind die Abgabeeinrichtungen eichpflichtig und durch die zuständige Eichbehörde abnehmen zu lassen.

Im Prinzip kann jeder Dieselmotor für den Betrieb für reines Pflanzenöl umgerüstet werden. Nach der Umrüstung ist es möglich, weiterhin auch Diesel zu tanken. Das heißt man kann Pflanzenöl und Dieselkraftstoff beliebig mischen.

Stromtankstelle

Eine Stromtankstelle ist im Prinzip eine öffentlich zugängliche Steckdose, sinnvollerweise mit Fehlerstromschutzschalter, an der ein Solar-/Elektromobil aufgeladen werden kann. Es gibt kostenpflichtige und sogar zahlreiche kostenlose Stromtankstellen.

Funktionsweise

Bei einer Solartankstelle ist der Betreiber zusätzlich dafür verantwortlich, dass der entnommene Strom per Solaranlage umweltfreundlich erzeugt wurde.

Da ein Elektromobil in der Regel sehr energieeffizient ist, muss an einer Stromtankstelle nur eine kleine Energiemenge "getankt" werden. Durch Verzicht auf aufwendige Technik und mit einfachsten organisatorischen Maßnahmen, wie der pauschalen Verrechnung der bezogenen Energie, werden die Kosten bei den meisten Stromtankstellen niedrig gehalten.

Die Stecker und Kabel entsprechen den üblichen Normen für elektrische Geräte.

Siehe auch

Literatur

  • Joachim Kleinmanns: Super, voll! Eine kleine Kulturgeschichte der Tankstelle. Jonas-Verlag, 2002. ISBN 3-89445-297-8
  • Bernd Polster: Super oder Normal. Tankstellen – Geschichte eines modernen Mythos. DuMont Reiseverlag, Köln 1996, ISBN 3-77013-516-4

Weblinks

<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden Commons: Tankstelle – Bilder, Videos und/oder Audiodateien
[[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]: convert: unable to open image `/var/www/fotonexus/w/images/c/ca/Wikipedia_lexikon3e.jpg': No such file or directory.
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Tankstelle, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge