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Szientometrie

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Die Szientometrie (auch Scientometrie, wörtlich „Messen der Wissenschaft“) untersucht als quantitative Methode der Wissenschaftsforschung das wissenschaftliche Forschen. Dazu wird etwa die Anzahl von Wissenschaftlern und Fachzeitschriften betrachtet und die Publikationsleistungen von Autoren und Institutionen, sowie deren Resonanz gemessen (Bibliometrie). Ziel ist, die wissenschaftliche Arbeit einer ganzen Gruppe von Forschern (in einem Fachgebiet und/oder bestimmten Regionen und Zeiträumen) sowohl zu beschreiben als auch deren innere Struktur und Dynamik zu verstehen. Es soll unter Anderem die Frage beantwortet werden, wie und warum sich ein bestimmter Wissenschaftsbereich entwickelt. Die Scientometrie wurde im Wesentlichen von Derek de Solla Price und Eugene Garfield begründet. Letzterer gründete das Institute for Scientific Information, das die wichtigsten Datenbanken für szientometrische Analysen bereitstellt.

Der Begriff Szientometrie (russisch Naukometriya) stammt von Vasily V. Nalimov, der 1969 zusammen mit Mulchenko ein gleichnamiges Buch (in Russisch) veröffentlichte.

Inhaltsverzeichnis

Werkzeuge und Methoden

Methoden der Scientometrie sind unter anderem die Bibliometrie (Beobachtung der Publikationen und Zitierhäufigkeit), Informetrie (Verfolgen bestimmter Begriffe in ihrer Wanderung durch z.B. Zeitschriften und andere Medien) und die Webometrie (Untersuchung von Internet-Strukturen). Mittels Evaluationen wird versucht, Aussagen über die Qualität zu treffen.

Im Science Citation Index werden, ähnlich zur Suchmaschine Google, die Quellen gezählt, die die untersuchte Veröffentlichung zitieren. Die Anzahl der Referenzen bestimmen das Wichtigkeitsmaß (Impact Factor) einer Publikation gegenüber anderen. Je öfter eine Publikation zitiert wird, desto höher ist der Impact Factor.

Siehe auch: Zitationsanalyse, Zitationsdatenbank, CiteSeer, ISI Web of Knowledge

Typische Fragestellungen der Scientometrie

Typische Fragen der Scientometrie sind in der Regel bezogen auf bestimmte Fachgebiete und/oder geographisch/politische Einheiten (Regionen/Staaten/Institutionen)und lauten:

  • Wie gut ist die Qualität der Wissenschaft in der betreffenden Region?
  • Wie kann man wissenschaftliche Arbeit überhaupt messen und vergleichen?
  • Welche Faktoren beeinflussen die wissenschaftliche Quantität, Qualität?
  • Welche ökonomischen Wirkungen haben die wissenschaftlichen Erkenntnisse? (Umsetzung in Produkte, Patente)
  • Wie beeinflussen sich bestimmte Wissensgebiete gegenseitig? (Interdisziplinarität)
  • Welche Formen von Forschungsförderung sind wünschenswert? (Forschungsgemeinschaften, Veröffentlichungspolitik, Patentierungsstrategien, Kommerzialisierungsstrategien)

Ergebnisse

Viele Ergebnisse der Szientometrie sind in so genannten „Gesetzen“ formuliert, die allerdings nicht mit physikalischen Gesetzen zu verwechseln sind, sondern empirische Regelmäßigkeiten beschreiben; ob und wie weit diese Gesetze gelten ist Gegenstand der wissenschaftlichen Fachdiskussion. Wichtige Ergebnisse der Szientometrie sind:

Exponentielle Zunahme des Wissens
Die Menge an publizierter Information wächst seit dem 17. Jahrhundert exponentiell mit einer Verdoppelungsrate von etwa 10 bis 20 Jahren, was einer Zunahme von mindestens 3,5% pro Jahr entspricht. Diese Gesetzmäßigkeit wurde 1944 von Fremont Rider für Bücher[1] und 1963 durch Derek de Solla Price für die Wissenschaft im Allgemeinen festgestellt.[1] Diese Entwicklung wird auch als „Informationsexplosion“ bezeichnet. Die Anzahl der Wissenschaftler nimmt nach de Solla Price ebenfalls zu und zwar schneller als die der Weltbevölkerung, so dass ein steigender Anteil von Personen wissenschaftlich tätig ist. Die Produktivität wissenschaftlicher Autoren bleibt allerdings in etwa gleich.
Lotka's Law
Wie Alfred James Lotka 1926 feststellte[1] ist die Produktivität von Wissenschaftlern gemessen an der Anzahl ihrer Publikationen schief nach einem Potenzgesetz verteilt. Demnach ist Anzahl der Autoren, die n Publikationen aufweisen, in etwa konstant mit 1/na mit rund a=2.
Bradfords Gesetz
die 1934 von Samuel C. Bradford festgestellte Gesetzmäßigkeit[1] beschreibt die Verteilung von Literatur zu einem Thema über verschiedene Fachzeitschriften. Demnach finden sich die gleiche Anzahl von Aufsätzen in Gruppen von jeweils Parser-Fehler (Das temporäre Verzeichnis für mathematische Formeln kann nicht angelegt oder beschrieben werden.): n^0
(Kernzeitschrift), Parser-Fehler (Das temporäre Verzeichnis für mathematische Formeln kann nicht angelegt oder beschrieben werden.): n^1
(verwandten Zeitschriften), Parser-Fehler (Das temporäre Verzeichnis für mathematische Formeln kann nicht angelegt oder beschrieben werden.): n^2
(restliche Zeitschriften) etc. Das Potenzgesetz ist unter Anderem relevant für die Recherche und Erwerbung.
Garfieldsches Gesetz
Eugene Garfield stellte fest, dass es zwischen Zitationen und Zeitschriften eine ähnliche Abhängigkeit gibt, wie beim Bradfordschen Gesetzt für Artikel und Zeitschriften. In einer Verteilung von 1 : 4 : 16 sind die Zeitschriften in Kern-, Mitte- und Randzone aufgeteilt, auf jede Zone entfallen gleich viel Publikationen.
Ortega-Hypothese
Jonathan und Stephen Cole stellten 1972 die Hypothese auf,[1] dass der wissenschaftliche Fortschritt auf der Arbeit einer kleinen Elite von Wissenschaftlern basiert. Die Benennung dieser Hypothese nach José Ortega y Gasset beruht nach Endre Száva-Kováts jedoch auf einer Missinterpretation des spanischen Philosophen[1] und ist ebenso wie die Hypothese selbst umstritten.
Zunahme der Mehrautorenschaft
Wie 1963 von Derek de Solla Price in Little Science, Big Science bemerkt, nimmt die durchschnittliche Anzahl von Autoren pro wissenschaftlicher Publikation zu. Während früher Monographien üblich waren, gibt es inzwischen wissenschaftliche Aufsätze mit im Extremfall bis zu mehreren Hundert Autoren. Die Zunahme fällt je nach Fachgebiet etwas unterschiedlich aus.
Halbwertszeit von Literatur
Als Halbwertszeit wissenschaftlicher Publikationen gilt in der Szientometrie die Zeit, nach der die Hälfte nicht mehr nachgefragt wird.[1] Demnach nimmt die Anzahl der Zitationen auf eine Publikation im Mittel exponentiell mit einer Halbwertszeit von 5 Jahren ab.[1]
Impact Factor
Eine der einflussreichsten Entwicklungen der Scientometrie ist der von Eugene Garfield entwickelte Impact Factor,[1] der den Einfluss einer Fachzeitschrift gemessen an der Anzahl von Zitationen beschreibt. Der Impact Factor ist ein inzwischen ein ebenso übliches wie umstrittenes Instrument zur Evaluation von Forschung.
Unmittelbarkeitsfaktor
Der Unmittelbarkeitsfaktor (Immediacy Index) gibt für eine Fachzeitschrift an, wie viele ihrer Artikel noch innerhalb desselben Jahres zitiert werden. Er ist damit ein Maß dafür, wie schnell sich die Informationen durchschnittlich verbreiten. Vermutlich ist der Unmittelbarkeitsfaktor mit Zunahme der Dokumentation durch Fachdatenbanken, neue Medien und Preprints gestiegen
Matthäus-Effekt
Robert K. Merton stellte 1968 die nach (([[Evangelium nach Matthäus
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)

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) benannte Hypothese auf,[1] dass bekannte Autoren häufiger zitiert werden und dadurch noch bekannter werden („success breeds success“). Im Zitierverhalten ist der Matthäus-Effekt allerdings nicht direkt nachzuweisen, da unter Anderem aufgrund der von Eugene Garfield beschriebenen Uncitedness Publikationen auch aufgrund ihrer Bekanntheit irgendwann nicht mehr zitiert werden.[1]

Zahlen und Größenordnungen
Die Szientometrie versucht auch die Menge publizierter Information und vorhandenen Wissens zu quantifizieren. Die Anzahl der weltweit je erschienenen Buchtitel liegt in der Größenordnung von 100 Millionen

Forschung und Lehre

Scientometrie wird an einigen Hochschulen im Rahmen von Studiengängen der Bibliotheks- und Informationswissenschaft gelehrt. Auch gehören Grundlagen der Zitationsanalyse zusammen mit Anleitungen zum wissenschaftlichen Arbeiten teilweise zum Curriculum anderer Fächer. Die Kernzeitschrift für scientometrische Forschung ist die 1978 in Ungarn gegründete Fachzeitschrift Scientometrics (ISSN 0138-9130

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). Wichtigste Fachkonferenz ist die seit 1987 zweijährlich stattfindende International Conference of the International Society for Scientometrics and Informetrics, die von der International Society for Scientometrics and Informetrics (ISSI) organisiert wird. Auf der Konferenz wird auch der Derek der Solla Price Award verliehen. Bisherige Preisträger waren:[1]

Siehe auch

Quellen


Literatur

  • Walther Umstätter: Szientometrische Verfahren. In: Rainer Kuhlen (Hrsg.): Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation. 5. Auflage, Saur, 2004, ISBN 3-598-11675-6 (Band 1) S. 237-243 [1]
  • Derek de Solla Price: Little Science, Big Science, Suhrkamp, 1974 [2] (im Englischen erstmals 1963 publiziert)
  • A. Schubert, W. Glanzel, T. Braun: Scientometric Datafiles - a Comprehensive Set of Indicators on 2649 Journals and 96 Countries in all Major Science Fields and Subfields 1981-1985. In: Scientometrics 16 (1-6): 3-& JUN 1989
  • S.D. Haitun:Stationary Scientometric Distributions 1.-3. In: Scientometrics 4: 5-25, 89-104, 181-194 1982

Weblinks

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