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Schleswiger Dom

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Bild:Schleswig WT2005.jpg
Blick über die Schlei auf Schleswig mit dem Dom
Bild:Schleswiger Dom.jpg
Der Hauptturm des Doms

Der St. Petri-Dom zu Schleswig zählt zu den bedeutendsten Baudenkmälern Schleswig-Holsteins.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgeschichte

850 entstand die Missionskirche in Haithabu. In den Jahren 947/49 richtete Otto I. drei Bistümer auf der kimbrischen Halbinsel ein: das Bistum Ripen, 947 das Bistum Schleswig und 948 das Bistum Aarhus. Nach der Gründung des Bistums Schleswig 947 wurde der erste Dom in Schleswig gebaut, von dem man weder die Lage noch die Größe kennt.

Baugeschichte

1134 wurde der Grundstein für die neue dreischiffige romanische Basilika gelegt. Die Bauarbeiten an der romanischen Basilika wurden erst um 1200 abgeschlossen, weil zusätzlich das heute noch erhaltene romanische Querschiff gebaut wurde. Als Baumaterial wurden Granit, Tuffstein aus dem Rheingebiet und Backstein verwendet. Im Jahr 1134 erschlugen die Mitglieder einer Schleswiger Kaufmannsgilde im St. Petri-Dom den dänischen König Niels. Dort liegt auch König Friedrich I. von Dänemark.

Nach dem Einsturz zweier Türme und einiger Teile der Basilika im Jahr 1275 entstand bis 1300 der hochgotische Hallenchor und der Schwahl.

Die spätgotische Hallenkirche wurde von 1200 bis 1408 errichtet und im 16. Jahrhundert vollendet. 1894 erhielt diese Backsteingotik-Kathedrale ihre endgültige äußere Form. Erst 1888, als Schleswig Provinzhauptstadt geworden war, begann auf Wunsch des preußischen Königs die Errichtung des neugotischen Westturmes, der mit 112 Metern im Verhältnis zu den Proportionen des Domes allzu hoch geriet und 1894 fertiggestellt wurde. Auf dem Turm befindet sich in 65 Metern eine Aussichtsplattform mit Blick auf Schleswig, die Schlei und die ehemalige Fischersiedlung Holm. Im Rahmen spezieller Führungen ist sogar eine Besichtigung der Glocken oberhalb der Aussichtsplattform möglich.

Neben dem gotischen Dreikönigsaltar (um 1300) im südlichen Nebenchor, einer Bronzetaufe im Hochchor aus dem Jahr 1480 von Ghert Klinghe und der über vier Meter hohen geschnitzten Holzplastik mit der Gestalt des Christophorus ist das Prunkstück dieses Domes der berühmte Bordesholmer Altar.

Architektur

Das Petri-Portal

Bild:Petri-portal-domkirken-slesvig.jpg
Das Petri-Portal von ca. 1180

Durch das romanische Petri-Portal, das aus der Zeit um 1180 stammt, betritt man den Dom.

Für das Portal wurden unterschiedliche Baumaterialien verwendet: Granit, roter Sandstein aus Schonen, Kalkstein aus Gotland und Tuff aus dem Rheinland.

Auf dem Tympanon ist Christus zwischen Evangelisten und Heiligen abgebildet. Vermutlich ist derjenige, der den Schlüssel erhält, der Jünger Simon Petrus, und der andere, dem Christus das Schriftband mit dem Missionsauftrag übergibt, Paulus.

Neben dem Petri-Portal eine verwitterte Löwen-Plastik, eine weitere ist in die Außenwand der Kanonikersakristei eingelassen.

Die Sakristei

Die Kanonikersakristei aus der Zeit um 1480 war anfangs Sakristei und Versammlungsraum des Domkapitels, ab 1567 Hörsaal der Domschule. Nach der Reformation erfolgte der Umbau zur Fürstengruft als Grablege der Gottorfer Herzöge.

Der Hohe Chor

Der Bischof Berthold ließ den Hohen Chor gegen Ende des 13. Jahrhunderts erweitern und ausmalen. Die Motive der Fresken sind Verkündigung, Marienkrönung, St.Katharina, St. Philippus, St.Petrus, Deesis, Engel. Das Chorgestühl wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts von einem unbekannten Künstler unter dem Pseudonym Magister rusticus angefertigt.

Der Schwahl

Der dreiflügelige Kreuzgang, der sich an der Nordseite des Kirchenschiffes befindet, wurde 1310 bis 1320 aus Backstein gebaut. Er wird der Schwahl (dänisch: Svalen) genannt. Dieser Name bedeutet im Dänisch-Niederdeutschen kühler Gang. Es handelt sich um einen Prozessionsgang, der aus der Kirche heraus- und wieder in die Kirche hineinführt. Hier befinden sich restaurierte Fresken aus der Erbauungszeit. Sie zeigen in den einzelnen Wandfeldern das Leben Jesu und in den Gewölben Fabelwesen. In der Vorweihnachtszeit findet hier ein Kunsthandwerker-Markt statt.

Der Brüggemann- oder Bordesholmer Altar

Bild:Brueggemann-altar.jpg
Der Altar, den der Holzschnitzmeister Hans Brüggemann von 1514 bis 1521 anfertigte, ist das bekannteste Merkmal dieses Sakralbaus im Norden Europas

Der von Hans Brüggemann von 1514 bis 1521 aus Eichenholz gefertigte Altar ist 12,60 Meter hoch und schildert (nach Holzschnitten aus Dürers Kleinen Passion) mit 392 Figuren die biblische Passionsgeschichte von der Gefangennahme Jesu bis zu Christi Himmelfahrt. Im Mittelfeld sind Kreuztragung und Höllenfahrt durch größere Formate hervorgehoben. Himmelfahrt und Pfingsten werden auf den Seitenflügeln abgebildet. Neben dem hochgezogenen Mittelteil sind Adam und Eva dargestellt. Über allem schwebt Christus als Pantokrator.

Der Altar wurde ursprünglich für die Chorherrenkirche des Augustiner-Stifts in Bordesholm angefertigt. Nachdem das Stift aufgelöst worden war, ließ der Gottorfer Herzog Christian Albrecht das Meisterwerk 1666 im Schleswiger Dom aufstellen. An der Restaurierung des Altars Ende des 19. Jahrhunderts in Flensburg war der junge Emil Nolde beteiligt.

Kenotaph Friedrichs I.

Im nördlichen Chorschiff befindet sich der elegante Renaissance-Kenotaph Friedrichs I., König von Dänemark und Norwegen, Herzog von Schleswig und Holstein. Das Grabmal, 1552 für den Chor geschaffen und dort aufgestellt, wurde 1901 aus ihm entfernt und an seinen heutigen Platz gerückt. Es ist eine der "Glanzleistungen niederländischer Renaissance-Kunst in Nordeuropa" (M. Mehling). Sein Schöpfer ist der flämische Bildhauer Cornelis Floris De Vriendt. Statt der sonst üblichen sieben Tugenden tragen den (leeren) Sarkophag nur sechs. Der wirkliche Ruheort Friedrichs I. im Schleswiger Dom ist nicht mehr bekannt.

Die Blaue Madonna

Jürgen Ovens (1623 - 1678) malte 1669 für den Dom seine "Blaue Madonna", die ursprünglich Heilige Familie mit dem Johannesknaben hieß. Sie befindet sich an einem Pfeiler zum nördlichen Seitenschiff. Die kostbar gerahmte "Blaue Madonna", die in der Zeit des Barocks entstanden ist, zeigt den Einfluss von Anthonis van Dyck.

Hauptturm

Hauptturm
Hauptturm

Der Hauptturm wurde von 1888 bis 1894 aus Backstein erbaut. Er ist mit 112 m der zweithöchste Kirchturm Schleswig-Holsteins nach der Marienkirche in Lübeck und das Wahrzeichen der Stadt Schleswig. Im Verhältnis zur Größe des Doms ist er überhöht. In 65 m Höhe befindet sich eine Aussichtsplattform. Der Turm wurde wegen seines schlechten Zustands 1953 bis 1956 neu mit Backstein verblendet und steht heute in etwas vereinfachter Form da.

Literatur

  • Reimer Pohl: Christiansen, Hartmut (Hrsg.): Deutsche Übersetzungen: der lateinische Text im Schleswiger Dom. Schleswig o.J.
  • Richard Haupt: Die Domkirche St. Petri zu Schleswig. Schleswig 1897.
  • Richard Haupt: Die Domkirche St. Petri zu Schleswig. Neubearbeitung Schleswig 1905.
  • Richard Haupt: Der Dom St. Petri zu Schleswig. Schleswig 1921.
  • Freerk Haye Hamkens: Der Bordesholmer Altar Meister Brüggemanns (Insel-Bücherei Nr. 495). Leipzig Insel Verlag (1936), 55 S.
  • Freerk Haye Hamkens: Der Truthahn im Dom zu Schleswig, in: Germanenerbe 5, 1940, 155-156.
  • Alfred Stange: Der Schleswiger Dom und seine Wandmalereien. Berlin 1940, 60, Tf. 15, Tf. 31 und Anm. 91.
  • Dr. Fritz Fuglsang: Der Dom zu Schleswig. 2. Aufl., Schleswig 1951
  • Hinnerk Scheper: Restaurieren und Berufsethos In: Deutsche Kunst und Denkmalpflege Jahrgang 1955 Seite 109 ff. Deutscher Kunstverlag München/Berlin 1955.
  • Joachim Goll: Kunstfälscher. E.A.Seemann Verlag Leipzig, 1. Aufl. 1962 (mit Literaturverzeichnis)
  • Dietrich Ellger: Die Kunstdenkmäler der Stadt Schleswig: Der Dom und der ehemalige Dombezirk. Bd. 2, Beseler, Hartwig (Hrsg.) München, Berlin 1966.
  • Adolf Rieth: Vorzeit gefälscht. Tübingen 1967, 144-148.
  • Ausstellungskatalog Essen und Berlin: Fälschung und Forschung. Hrsg.: Museum Folkwang, Essen, und Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin. 1976. ISBN 3-7759-0201-5.
  • Günter Grass: Werkausgabe Band 11 Die Rättin. Steidl Verlag, Göttingen 1997, 493 Seiten, ISBN 3-88243-492-9.
  • Baedeker (Allianz Reiseführer): Schleswig-Holstein. Verlag Karl Baedeker 1999.
  • Horst-Dieter Landeck: Schleswig. Ein Reisebegleiter durch die Kulturhauptstadt Schleswig Holsteins. Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co. Heide 2001. ISBN 3-8042-1009-0.
  • Marianne Mehling: Knaurs Kulturführer in Farbe - Schleswig-Holstein. München (Droemer) 1983 ISBN 3-426-26095-6
  • Claus Rauterberg Der St.-Petri Dom zu Schleswig DKV Kunstführer Nr. 161/0 München/Berlin 2000

Weblinks

Koordinaten: 54° 30' 48" N, 9° 34' 9" O

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