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Rundling

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Bild:Rundplatz.jpg
Vereinfachtes Beispiel eines Rundplatzdorfes mit einer Zuwegung

Der Rundling, auch als Rundlingsdorf, Rundplatzdorf bezeichnet, ist eine norddeutsche oder westslawische Siedlungsform.

Typisch für Rundlinge sind drei oder mehr Hofstellen, die um den Dorfplatz (dem Anger oder Plan) gruppiert sind. Häufig waren und sind sie nur über einen einzigen Zufahrtsweg - in diesem Fall spricht man auch häufig von einem Sackplatzdorf - zu erreichen, vor allem, wenn sie erhöht in sumpfigen Niederungen lagen.

Eine Sonderform des Rundlings ist das Wurtendorf, das auf einem künstlich aufgeschüttetem Hügel (dem Wurt) angelegt wurde. Beispiele dafür sind die Ortsteile Grabau und Nienwedel der Stadt Hitzacker im Landkreis Lüchow-Dannenberg.

Typische Rundlinge findet man zum Beispiel im Wendland (vgl. Drawehn, Jameln, Schreyahn), in Mecklenburg oder in Brandenburg.

Der Ursprung der Rundlinge ist umstritten, da sie von Germanen gegründete Siedlungen sein können, die später von Slawen übernommen wurden. Andererseits nimmt die Wissenschaft an, dass dies von Slawen selbst gegründete Dörfer sind. Da Hofstellen beispielsweise nach Brand und Zerstörung meist an der gleichen Stelle wieder aufgebaut worden sind, kann nicht immer genau rekonstruiert werden, zu welcher Ethnie die Hausbesitzer beziehungsweise -nutzer gehörten.

Der Landkreis Lüchow-Dannenberg als Hauptverbreitungsgebiet der Rundlinge

Der Landkreis Lüchow-Dannenberg (auch Hannoversches Wendland) ist das Kerngebiet der Rundlinge. Bei über 100 Dörfern ist diese Siedlungsform noch heute im Ortsbild ablesbar. Aber auch die Altmark sowie östliche Teile der Landkreise Lüneburg, Uelzen und Gifhorn weisen ebenfalls eine erhebliche Zahl von Rundlingen auf. Diese sind aber im Gegensatz zu denen des Hannoverschen Wendlandes häufig stärker überformt und die historischen Bauernhäuser sind nur in geringerem Maße erhalten geblieben. Dies gilt auch für einige Ortsteile der Stadt Wolfsburg und den Ort Velpke im Nordkreis Helmstedt. Ein gut erhaltender Rundling findet sich außerdem in Hamburg-Rahlstedt.

Es gibt unter den gewachsenen und geplanten bäuerlichen Siedlungsgebilden der europäischen Landschaften keine Dorfform, die eine derart überzeugende bauliche Geschlossenheit bietet. Die Ausrichtung aller Höfe mit den hohen Giebeln der Hauptgebäude zum Dorfplatz hin ist ein städtebaulich besonders charaktervoller Ausdruck dieses bäuerlichen Lebensraumes.

Über die Entstehungszeit der meisten Rundlinge ist wenig bekannt. Die ältesten Rundlinge tauchen bereits in Urkunden des 9. Jh. im Ilmenaugebiet (Kreis Uelzen) an der Westgrenze des slawischen Siedlungsgebietes auf, im Wendland stammen die ersten Erwähnungen aus dem 11. und 12. Jh. Eine erstmalige urkundliche Nennung von Ortsnamen ist zumeist für das 14. Jh. nachweisbar. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass vom 8. bis zum 11. Jh. eine kontinuierliche slawische Bevölkerung für das ganze Gebiet zwischen Elbe und Ilmenau angenommen werden kann. In der Zeit der frühen Ostkolonisation im 12. Jh. erfolgte eine Ordnung der slawischen Kleinsiedlungen unter deutschem Einfluss. Zur Regelung von Abgaben und Diensten wurden innerhalb eines Dorfes in der Größe etwa übereinstimmende Höfe (Vollhufner) gebildet. Zur Verbindung zwischen den slawischen Bauern und der deutschen Grundherrschaft wurde in jedem Ort ein Dorfschulze eingesetzt (Burmesterhof).

Die besondere Form der Dörfer hat zu verschiedenen Hypothesen über deren Entstehung geführt, deren wissenschaftliche Diskussion noch nicht abgeschlossen ist. Der bisherige Stand zeigt folgende Ergebnisse: Die Siedlungsform der Rundlinge ist weder im Gebiet der westdeutschen Altstämme noch in den Ursprungsgebieten der slawischen Völkergruppen anzutreffen. Runddörfer sind nahezu ausschließlich in den Durchdringungszonen der slawischen und deutschen Volksgruppen zu finden. Bisher konnte nicht nachgewiesen werden, dass im Wendland schon seit den ersten kolonisatorischen Vorgängen voll ausgebildete Rundlingsdörfer vorkamen. Bei der Ordnung der slawischen Kleinsiedlungen durch die deutsche Grundherrschaft scheinen vielfach kleine Halbrunde und Bogen, wohl auch sackgassenartige Anlagen entstanden zu sein. In ihnen wurden Slawen an- und umgesiedelt, später auch deutsche Zuwanderer angesetzt. Im gesamten deutsch-slawischen Grenzstreifen entwickelten sich aus ihnen Rundlinge, wenn der Anteil der slawischen Bevölkerung zur Zeit der deutschen Ostkolonisation größer war. Damit dürfte es sich um eine Siedlungsform der westslawischen Bevölkerung des östlichen Niedersachsen handeln.

Die Bevölkerung in den Dörfern wuchs, je besser der Boden und damit der Ertrag war. Besonders in der fruchtbareren niederen Geest kam es zu Nachsiedlungen und frühe Halbrunde wandelten sich zum vollausgebildeten Rundling, während sich in der hohen Geest mit leichten Böden die Halbrunden erhielten. Zu der Schicht der ersten Siedler, der Vollhufner, kamen seit dem 14. Jh. in den meisten Dörfern etwa einem Viertelhufner gleichgestellte Nachsiedler (Kossater), deren Ansiedlung oft den Abschluss des Dorfplatzes in runder Form bewirkte. Die im 15. bis 17. Jh. zu verfolgende Teilung der Vollhufen in Halb-, Drittel- und Viertelhufen führte dazu, dass zahlreiche Hauptgebäude auf die Hofplätze zurückgenommen werden mussten. Oft entstand dadurch aus kleinen Halbrunden ein wirklicher Rundling. Zu einer weiteren Verdichtung der eng bebauten Rundlinge trugen im 15.-17. Jh. weitere Nachsiedlungen durch Kossater sowie Brinksitzer, An- und Abbauer im 17.-19. Jh. bei. Zahlreiche Brände der weichgedeckten Häuser hatten meist verheerende Ausmaße und führten zur Ausdünnung der engen Bebauung, in einigen Fällen auch zur teilweisen oder völligen Neuordnung der Siedlungsform.

Der typische Wendland-Rundling liegt abseits von großen Verkehrswegen, ist ursprünglich mit drei bis zehn keilförmigen Vollhofstellen sehr klein und hat normalerweise nur einen einzigen Zugang. Die dicht nebeneinander stehenden niederdeutschen Hallenhäuser gruppieren sich um einen verschieden variierten rundförmigen Dorfplatz, die Wirtschaftsgiebel alle diesem Platz zugewandt.

Das heutige Erscheinungsbild der Rundlinge ist aber nicht nur durch die Siedlungsform, sondern ebenso sehr durch den Haustyp und seine Erhaltung geprägt. Die kulturhistorisch ansprechende, einmalig erhaltene Bausubstanz der heutigen Rundlinge entstand im Wesentlichen zwischen 1770 und 1870. Dies war die Zeit der großen Agrarreformen sowie der intensiven hausgewerblichen Leinwandherstellung. Nach dieser relativen wirtschaftlichen Blütezeit, in der sich ein verhältnismäßig wohlhabender Bauernstand entwickeln konnte, kam es nie wieder zu einer positiven Agrarkonjunktur im Wendland und das Ausbleiben neuer Bauphasen führte zum Erhalt der traditionellen vorindustriellen Siedlungs- und Bauformen.

siehe auch

Weblinks

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