Das Fotonexus-Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Romanische Sprachen

Aus Fotonexus.

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die romanischen Sprachen bilden einen Zweig der indogermanischen Sprachen. Es gibt etwa 15 romanische Sprachen mit rund 700 Mio. Muttersprachlern, 850 Mio. inklusive Zweitsprechern. Die sprecherreichsten romanischen Sprachen sind Spanisch (330 Mio. Sprecher, 415 Mio. inklusive Zweitsprecher), Portugiesisch (175 Mio.), Französisch (80 Mio., 130 Mio. inklusive Zweitsprecher), Italienisch (62 Mio.) und Rumänisch (27 Mio.).

Im Gegensatz zu den meisten anderen Sprachgruppen ist die Ursprache des Romanischen gut bezeugt: es handelt sich um das gesprochene Latein der Spätantike (Volkslatein oder Vulgärlatein). Das Lateinische selbst gilt nicht als romanische Sprache, sondern wird zu den italischen Sprachen gerechnet, die heute alle außer den "Nachkommen" des Lateinischen - also den romanischen Sprachen - ausgestorben sind.

Inhaltsverzeichnis

Heutige Standardsprachen

Die heutigen romanischen Standardsprachen sind:

Sprache Verbreitung Muttersprachler
Spanisch (castellano, español) Spanien, Mittel- und Südamerika (außer Brasilien, Guyana, Surinam, Belize), Äquatorialguinea, Teile der Philippinen, Teile der USA  352.000.000
Portugiesisch (mit Brasilianisch; português) Portugal, Brasilien, Angola, Mosambik, Osttimor, Kap Verde, Guinea-Bissau, São Tomé und Príncipe, Macao 216.000.000
Französisch (français) Frankreich, Belgien (Region Wallonien), westliche Kantone der Schweiz, Antillen, Kanada (Québec, Teile von Ontario und Neubraunschweig), in ehemaligen französischen und belgischen Kolonien Afrikas 77.000.000
Italienisch (italiano) Italien, Schweiz (Tessin und südliches Graubünden), San Marino, Vatikanstadt, Korsika 70.000.000
Rumänisch (mit Moldawisch; română) Rumänien, Moldawien und andere Länder in Osteuropa (unter anderem Ukraine und Serbien) 26.000.000
Katalanisch (català) Katalonien einschließlich des Roussillon (Südfrankreich), Andorra, Balearen, Valencia und auf Sardinien in der Stadt L'Alguer/Alghero 8.200.000
Galicisch (galego) Galicien 3.000.000
Okzitanisch (occitan) südliches Drittel Frankreichs, Randgebiete Italiens (piemontesische Alpen) und Spaniens (Val d'Aran in Katalonien ) 2.800.000
Sardisch (sardo) Sardinien (Italien) 1.200.000
Furlanisch (furlan) Friaul (Italien) 350.000
Ladinisch (ladin dolomitan) Italien (Südtirol, Trentino, Venetien) 40.000
Rätoromanisch (Bündnerromanisch; Rumantsch/Romontsch/Rumauntsch) Schweizer Kanton Graubünden 27.000
Aragonesisch (Aragonés) Aragonien (Spanien)
Status als Standard umstritten
30.000

Romanische Sprachen nach Untergruppen

Die romanischen Sprachen lassen sich nach teilweise systemlinguistischen, teilweise geographische Kriterien in mehrere Untergruppen einteilen. Bei der folgenden Liste der romanischen Sprachen ist zu beachten, dass bei vielen romanischen Idiomen die Aufzählung schwierig ist, da sie je nach Quelle mal als eigenständige Sprachen, mal als Dialekte geführt werden. Das hängt damit zusammen, dass sie nicht über eine einheitliche Standardsprache verfügen, sondern überwiegend neben einer anderen Standardsprache vor allem in informellen Kontexten verwendet werden (Diglossie).

Mit Ausnahme des Sephardischen und des Anglonormannischen handelt es sich bei den hier aufgezählten um Sprachformen, die sich direkt und in ungebrochener zeitlicher Kontinuität aus dem gesprochenen Latein entwickelt haben. Sie bilden in Europa mit Ausnahme des Rumänischen auch ein räumliches Kontinuum. Man spricht aufgrund der zeitlichen und räumlichen Kontinuität auch von Romania continua.

Iberoromanische Sprachen

Zum Iberoromanischen gehören die spanische, die portugiesische, die galicische und die katalanische Standardsprache (die letztere einschließlich des Valencianischen). Das Katalanische nimmt dabei eine Übergangsstellung zwischen dem Iberoromanischen und dem Galloromanischen ein. Außerdem gehören zu den iberoromanischen Sprachen:

Galloromanische Sprachen

Auf fast dem gesamten Gebiet der galloromanischen Sprachen wird heute die französische Standardsprache verwendet. Nach systemlinguistischen Kriterien kann man die galloromanischen Sprachen zu drei Gruppen zusammenfassen:

Die Abgrenzung des Galloromanischen zum Iberoromanischen und zum Italoromanischen innerhalb des romanischen Dialektkontinuums ist nicht eindeutig. Das Katalanische nimmt eine Übergangsstellung zwischen Galloromanisch und Iberoromanisch ein, die galloitalienischen Varietäten haben rein systemlinguistisch betrachtet mehr mit dem Galloromanischen gemeinsam als mit dem übrigen Italoromanischen, zu dem sie aus geographischen und kulturgeschichtlichen Gründen meist gezählt werden. Die enge Verzahnung mit dem Romanischen des heutigen Frankreichs wird aber beispielsweise in den gallischen/keltischen Reliktwörtern des Galloitalienischen deutlich, die zum größten Teil auch im keltischen Reliktwortschatz der Transalpina zu finden sind[1].

Rätoromanische Sprachen

Unter der Bezeichnung alpenromanische oder rätoromanische Sprachen werden manchmal das Furlanische, das Bündnerromanische und das Ladinische zusammengefasst. Sie sind von den galloitalienischen Idiomen gleichsam abgesondert worden, nachdem diese bzw. ihre Sprecher sich mehr südlich an den zentralitalienischen Mundarten orientierten.

Italoromanische Sprachen

Die einzige italoromanische Standardsprache ist das Italienische. Die übrigen italoromanische Sprachen gehören mit Ausnahme des Istriotischen, Korsischen und des Monegassischen alle zum Geltungsbereich der italienischen Standardsprache und werden deshalb oft auch als italienische Dialekte klassifiziert. Sie lassen sich in drei Untergruppen einteilen, zwischen denen große Unterschiede bestehen:

  • Die Varietäten der nördlichen Gruppe, die von manchen zusammenfassend auch als Padanisch bezeichnet werden, nehmen eine Übergangsstellung zum Galloromanischen ein. Während das Venetische größere Gemeinsamkeiten mit dem übrigen Italoromanischen aufweist, haben die übrigen norditalienischen Varietäten, die zusammenfassend auch als Galloitalienisch bezeichnet werden, auf dem Gebiet der Lautentwicklung, der Morphologie und des Wortschatzes mehr mit dem Galloromanischen gemeinsam als mit dem übrigen Italoromanischen. Zur nördlichen Gruppe gehören:
  • Mittelitalienische Varietäten werden in den Regionen Toskana und Umbrien und im größten Teil von Latium und Marken gesprochen. Die Grenze zu den norditalienischen Varietäten folgt ungefähr der Linie La Spezia-Rimini, die Grenze zu den süditalienischen Varietäten der Linie Rom-Ancona. Sie bilden die Grundlage der italienischen Standardsprache. Das Korsisch auf Korsika, das dort neben dem Französischen auch in begrenztem Maße offizielle Anerkennung erlangt hat, gehört systemlinguistisch betrachtet auch zu den mittelitalienischen Varietäten, hat jedoch aus geographischen und kulturgeschichtlichen Gründen eine Sonderstellung.

Sardisch

Das Sardische auf Sardinien lässt sich keiner der Untergruppen zuordnen. Es besitzt derzeit keine einheitliche Standardsprache, muss jedoch aufgrund seines Systemabstandes zu den übrigen romanischen Sprachen auf alle Fälle als eigenständige Sprache klassifiziert werden.

Balkanromanische Sprachen

Zur Balkanromanischen Sprachgruppe, von denen die meisten auch als ostromanische Sprachen klassifiziert werden, gehört als größte Standardsprache das Rumänische (auch als Dakorumänisch bezeichnet). Die Amtssprache im Nachbarland Moldawien nennt sich Moldauisch, dies ist aber eine nur aus politischen Gründen erfundene Alternativbezeichnung für die rumänische Sprache, mit der sie bis auf wenige Unterschiede identisch ist.

Zur Gruppe der Balkanromania gehören zudem mehrere in Südosteuropa gesprochene Kleinsprachen:

Siehe auch Walachen und den Hauptartikel Balkanromanische Sprachen

Ausgestorbene romanische Sprachen

Heute ausgestorbene romanische Sprachen (Romania submersa, untergegangene Romania) sind:

Kreolsprachen auf romanischer Grundlage

Manche Linguisten rechnen auch die romanisch-basierten Pidgins und Kreolsprachen zu den romanischen Sprachen. Diese "neuromanischen Sprachen" (Romania nova) lassen sich einteilen in:

  • Lingua Franca (Pidgin)
  • französisch-basierte Kreolsprachen
  • spanisch-portugiesisch-basierte Kreolsprachen

Siehe auch: Liste der Kreolsprachen

Plansprachen auf teilweise romanischer Grundlage

Unter romanischem Einfluss sind verschiedene sogenannte „Konstruierte Sprachen“ entwickelt worden. Interlingua fast zur Gänze aus Elementen der romanischen Sprachen (und Latein) gebildet, Esperanto bezieht mehr als die Hälfte seines Vokabulars aus ihnen.

Literatur

Umfassende wissenschaftliche Werke

  • Harris, Martin and Nigel Vincent (Hrsg.): The Romance Languages. Oxford University Press, London 1988.
  • Posner, Rebecca: The Romance Languages. Cambridge University Press, Cambridge 1996.
  • Tagliavini, Carlo: Einführung in die romanische Philologie. Francke, Bern 1998 (2. verbesserte Auflage. Erstauflage 1972).

Kürzere Einführungen

  • Kuhn, Alwin: Die romanischen Sprachen. Francke, Bern 1951.
  • Lindenbauer, Petrea und andere: Die romanischen Sprachen. Eine einführende Übersicht. G. Egert, Wilhelmsfeld 1995.
  • Schlösser, Rainer: Die romanischen Sprachen. Beck, München 2001.
  • Vossen, Carl: Mutter Latein und ihre Töchter. Fischer, Frankfurt 1968.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Joachim Grzega: Romania Gallica Cisalpina: Studien Etymologisch-geolinguistische Studien zu den oberitalienisch-rätoromanischen Keltizismen, (Beihefte zur Zeitschrift für romanische Philologie 311), Tübingen: Niemeyer 2001

Siehe auch

hsb:Romaniske rěče nov:Latinidi lingues

[[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]: convert: unable to open image `/var/www/fotonexus/w/images/c/ca/Wikipedia_lexikon3e.jpg': No such file or directory.
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Romanische_Sprachen, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge