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Reisebüro

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Mehrere Reisebüros in einem Flughafen
Mehrere Reisebüros in einem Flughafen

Ein Reisebüro tritt als Reisevermittler[1] können zwischen verschiedenen Leistungsträgern und Endverbraucher auf.

Inhaltsverzeichnis

Rechtlicher Status eines Reisebüros

  • als Handelsvertreter tätig werden und Handelsvertreterverträge nach §§ 84 ff HGB abschließen; wesentliches Merkmal des Handelsvertreterstatus ist der so genannte Agenturvertrag mit Reiseveranstaltern, für die sie dann als so genannte Erfüllungsgehilfen auftreten; Handelsvertreter sind Abschluss bevollmächtigt; daraus ergibt sich auch eine höhere Reiseveranstalterbindung;
  • als Handelsmakler nach §§ 93 ff HGB, die ohne Agenturverträge einen interessensneutralere Stellung einnehmen; Handelsmakler besitzen keine Abschlussvollmacht, sondern sind nur berechtigt Vertragsangebote der Reiseinteressierten für den zu vermittelnden Reiseveranstalter entgegenzunehmen und weiterzuleiten;

Leistungsträger

Eröffnung eines Reisebüros

Die Gründung oder Eröffnung eines Reisebüros erfordert keine spezielle Qualifikation. Mit einer Anmeldung beim Gewerbeamt öffnet es bereits seine Pforten. Allerdings sind für Reiseveranstalter andere Voraussetzungen notwendig. Will also ein Reisebüro auch Reisen veranstalten, muss es sich um diese zusätzlichen Voraussetzungen kümmern Insolvenzversicherung).

Personalentwicklung

Die nach wie vor wichtigste Quelle für qualifiertes Personal in Reisebüros ist die Ausbildung in diesen selbst zur Reiseverkehrskauffrau/zum Reiseverkehrskaufmann und zur Reiseverkehrsassistentin. Aber auch mit zunehmenden Maß arbeiten auch Fachhochschulabsolventen bei großen Reisebüros.

Umsatz- und Ertragsentwicklung

Für die Vermittlung von Aufträgen erhalten Reisebüros je nach ihrem Status Provision von den jeweiligen Leistungsträgern, die je nach Reiseveranstalter zwischen 6% und 13% des Reisepreises liegen, in Ausnahmefällen auch höher. Dabei werden große Umsatzvolumen am Jahresende durch so genannte Overridings in Form von einem erhöhten Provisionssatz zusätzlich abgegolten.

In den letzten Jahren hat sich hier auch eine Entwicklung angebahnt, die Umsatzrückgänge in einem Jahr mit Provisionsrückzahlungen oder -kürzungen im nächsten Jahr nach sich ziehen, das so genannte 'Malus System'.

Diese wirtschaftlichen Instrumenten bringen jedoch auch Konsumenten Nachteile. Denn das Reisebüro als Reisevermittler[2] wird durch das Malus System gezwungen, nur die Produkte eines oder weniger Leitreiseveranstalter verstärkt anzubieten, um diese Umsatz- und Provisionsvorgaben erfüllen zu können. Dadurch tritt die Objektivität in der Beratung in den Hintergrund.

Seit den 1960er Jahren wuchs der Umsatz jährlich. Dadurch konnten Reisebüros, wie die Tourismusbranche insgesamt, bis zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vernünftig leben. Seither durchlebt die Branche einen tiefgehenden Wandel mit teils erheblichen Umsatzrückgängen, aber auch Einbußen bzw. völliger Wegfall (z. B. bei Flugtickets bei den Provisionen.

Diese Entwicklung wird durch weitere Faktoren verschärft:

  • Zunahme der Arbeitslosigkeit
  • Konsumzurückhaltung, Verunsicherung, Zukunftsangst
  • das rasante Wachstum der Kommunikationsmöglichkeiten (Internet, Fax, Telefonie)
  • Änderungen im Kaufverhalten der Konsumenten - Abnehmen der Treue zum Stammreisebüro

Veranstalter und Fluggesellschaften suchen nach neuen und kostengünstigeren Vertriebswegen wie

  • Internetauftritte (Kunden können direkt bei Leistungsträgern buchen)
  • Reisekanäle im TV
  • Callcenter
  • Absatzwege von Reisen z. B. über Supermärkte wie Tchibo oder Billa.

Damit geht das Reiseveranstaltergeschäft teilweise am Reisebüro vorbei.

Die immer größere Reiseerfahrung der Kunden und der schwindende Informationsvorsprung des Reisebüros stellen die Existenz vieler Reisebüros mittelfristig in Frage. Heute können sich Kunden per Internet detailliert über Hotels, Sehenswürdigkeiten, Transportmöglichkeiten in alle Welt informieren, einst eine klassische Kernfunktion des Reisebüros.

Null-Provision in der Luftfahrt

Im Jahre 2003 kündigte die Lufthansa als erster bedeutender Partner im Tourismus den Reisebüros den traditionellen Vermittlerstatus auf. Die Reisebüros sind damit gezwungen worden, die Flugtickets bei der Lufthansa netto einzukaufen (d. h. das Reisebüro erhält keine Provision mehr von der Lufthansa) und mit einem Aufschlag (Serviceentgelt, Bearbeitungsgebühr, Buchungsgebühr, Handling-Fee) an den Kunden weiter zu verkaufen.

Andererseits bieten Fluggesellschaften ihre Tickets im Direktverkauf (Call-Center, Internet teilweise preiswerter als im Reisebüro an. Allerdings mit der Einschränkung, dass sie nur ihre eigenen Verbindungen und Preise anbieten können und nicht wie Reisebüros, auch Tarife anderer Fluggesellschaften auf einen Blick in ihren Computersystemen sehen können.

Bei dieser Entwicklung spielte die Lufthansa lediglich eine Vorreiterrolle. 99% der Fluggesellschaften haben sich dieser Praxis angeschlossen. Auch die Deutsche Bahn AG hat den DB Agenturen die Grundprovision seit Anfang 2005 auf 6% reduziert. Auch hier sind die Agenturen gezwungen, sich einen Teil der entgangenen Provision vom Kunden in Form von Serviceentgelten kompensieren zu lassen, um diese Leistungen überhaupt noch im stationiären Reisebürovertrieb anbieten zu können.

Ein weiteres Szenario für Reisebüros könnte mittelfristig auch der Wegfall von Provision von Reiseveranstaltern sein. Dies hätte zur Konsequenz, dass Kunden nur dann noch im Reisebüro buchen werden, wenn sie für das vom Reisebüro erhobene Serviceentgelt eine erfahrbare, nachvollziehbare Zusatzleistung oder Zusatznutzen erhalten. Wie zum Beispiel eine überaus detaillierte und fundierte Beratung mit Spezialkenntnissen zum gewünschten Reiseziel. Denkbar wäre auch, dass Reisebüros für Beratung, unabhängig von einem Abschluss, Gebühren verlangen.

Computersysteme im Reisebüro

Wichtige Buchungssysteme auf dem deutschen Markt sind gegenwärtig noch Amadeus (ehmals START - Marktführer in Deutschland) mit der Flugbuchungsmaske "AMADEUS" und der Touristikbuchungsmaske "TOMA". Daneben gibt es weitere Buchungssysteme, wie beispielsweise Sabre, Merlin, Worldspan oder Galileo, die vom klassischen Voll-Reisebüro eher selten benutzt werden. Darüber hinaus gibt es Hilfssysteme, die Preisvergleiche anstellen, noch buchbare Angebote heraus filtern und nach den Urlaubswünsche der Kunden Pauschalreisen bei den Veranstaltern finden.

Arten von Reisebüros

Reisebüro

Volle Lizenzierung: IATA, Bahn, DER sowie mindestens ein Leitveranstalter. Das Vollreisebüro verkauft also neben den normalen Reisen/Pauschalreisen, auch Linienflugscheine und Bahnwerte. Das Vollreisebüro vertritt außerdem meist einen Großveranstalter wie TUI , REWE Touristik oder Thomas Cook, sowie viele kleinere Reiseveranstalter.

Merkmale: Meist Kettenreisebüro, Jahresumsatz über 5 Mio €, kann auch hohen Umsatzanteil im Firmengeschäftsbereich haben

reines Touristik-Reisebüro

Die Vermittlungsleistung beschränkt sich auf die Angebote der Reiseveranstalter und anderen Leistungsträgern wie Hotels, Fluglinien oder Reiseversicherungen. Touristik-Reisebüros sind meist nur Reiseveranstalteragenturen, sie sind auf den Verkauf von Pauschalreisen spezialisiert.

Reisebüroketten

Wie in anderen Bereichen der Wirtschaft, hat vor Jahren die Konzentration auch in der Reisebranche begonnen. Der ursprüngliche Zweck dieser Zusammenschlüsse war es, bessere Einkaufsbedingungen bei den Leistungsträgern zu erhalten ("Gemeinsam sind wir stark!"). Doch reichte bei vielen der finanzielle Hintergrund nicht für das Überleben aus und so wurde ein Teil der bestehenden Reisebüroketten von den großen Reiseveranstaltern aufgekauft und in deren Vertriebsnetz integriert. Und dieses dann weiter ausgebaut.

So teilen sich drei große Reisebüroketten im Privatkundengeschäft mehr als 2/3 des Umsatzes. Zu den Marktführeren zählen:

  • die Vertriebsmarken der REWE-Touristik - ca. 600 Reisebüros der Marken DER Reisebüro, DERPART und ATLASREISEN zzgl. ca. 1200 Kooperationsreisebüros
  • TUI Leisure Travel mit Reisebüros der Marken Hapag Lloyd, FIRST, TUI Reisecenter und deren Franchise und Kooperationspartner
  • Thomas Cook / Neckermann sowie deren Franchise und Kooperationspartner

Buchungsstelle

Sie sind dadurch charakterisiert, das sie ausschließlich Reisen eines einzigen Veranstalters verkaufen. Es können zwei Typen von Buchungsstellen unterschieden werden,

die unternehmenseigene Buchungsstelle eines Reiseveranstalters

z. B. Verkaufsbüro eines Sportreiseunternehmens am Ort des Firmensitzes, hier wird im direkten Vertrieb die Leistungen des Reiseveranstalters vertrieben

„Reiseabteilungen“ in branchenfremden Unternehmen

z. B. Tankstellen, Banken, Buchclubs, Lottoannahmestellen u. a.

Consolidator

Die Tätigkeit eines Consolidators umfasste bis vor wenigen Jahren u. a. den Verkauf von so genannten Graumarkttickets. Dies sind Linienflugtickets, die zu Sondertarifen, d. h. Preisen "inoffiziell", aber mit Duldung unterhalb der staatlich genehmigten Flugpreise, verkauft werden.

Durch die rasante Veränderung am Flugpreismarkt (Freigabe aller Preise= Wegfall der Genehmigungspflicht innerhalb des gesamten europäischen Flugverkehrsgebietes)haben aber Graumarkttarife ihren Stellenwert verloren. Für Langstreckenverbindungen wurden sie ersetzt durch a) verhandelte Netotarife zwischen Consolidator oder Kette oder auch grossen Firmen auf der einen Seite und Fluggesellschaften auf der anderen und b)Tarife, die nur zusammen mit dem Verkauf einer Landleistung (Hotel,Mietwagen)gelten.

Trotzdem haben Consolidator durchaus noch ihre Daseinsberechtigung. Denn mehr als zwei Drittel aller Reisebüros haben keine Lizenz zum Ausstellen von Flugtickets (so genannte IATA-Agenturen). Diese Reisebüros müssen beim Consolidator ihre Tickets beziehen. Auch die meisten Internetportale wickeln ihre Reisen nicht selbst ab, sondern beauftragen hiermit Consolidator oder andere Dienstleiter, man spricht dann von Fulfilment Center.

Für Privatkunden macht es keinen Sinn, mit der Vorstellung, einen günstigeren Preis zu erzielen, zu versuchen, einen Consolidator ausfindig zu machen. Erstens ist durch die heute weitgehend vollautomatisierte Abwicklung die Spanne mit um die 5€ zu gering, als das sich das lohnt, zweitens ist keine Infratruktur für die nötige Beratung vorhanden.

Incoming-Agentur

Diese Agentur ist in touristischen Zielgebieten angesiedelt und vermittelt Reiseleistungen der Standortregion an ortsfremde Reiseveranstalter und Gäste. Die Incoming Agentur steht den Gästen vor Ort zur Verfügung. Auch als Zielgebietsagentur bezeichnet.

Outgoing-Agentur

Diese Art von Reisebüro erstellt Reiseprogramme im In- und Ausland für ihre eigenen Kunden. Auch hinaus gehender Tourismus bezeichnet.

Firmenreisebüro

Dieses Reisebüro wird entweder als eigenständiges Unternehmen oder als Abteilung eines Vollreisebüros ( in diesem Fall jedoch als „Firmendienst“ vom Publikumsverkehr des Vollreisebüros räumlich getrennt) auf die Anforderungen des Geschäftsreiseverkehrs der Firma spezialisiert. Meistens werden neben der Reisevermittlung weitere Serviceleistungen wie Reiseplanung oder Dienstreiseabrechnung der Mitarbeiter erbracht. Der Begriff „Implant“ bezeichnet eine Reisebürofiliale in einem fremden Unternehmen.

Firmenreisestelle

Im Unterschied zu anderen Reisebüros, handelt es sich bei der Reisestelle um kein touristisches Unternehmen, sondern um eine Abteilung eines nichttouristischen Unternehmens. Reisestellen besitzen, bzw. können auch keine Lizenzen für den Verkauf von Flugscheinen und Fahrkarten erwerben, und arbeiten daher meist mit dem Firmendienst eines Vollreisebüros zusammen.

Onlinereisebüro

Onlinereisebüros verzeichnen in den vergangenen Jahren große Umsatzzuwächse. Sie bieten dem Nutzer die Möglichkeit, sich selbst einen Marktüberblick zu verschaffen und eine Reise auch nach Feierabend oder am Wochenende zusammen zu stellen und per Mausklick zu buchen. Viele Onlinereisebüros bieten auf Ihren Internetseiten zudem umfangreiche Informationsangebote, so zum Beispiel Hotelbewertungen oder Ausflugstipps.

Ein wesentlicher Grund für den Erfolg von Onlinereisebüros ist die Vorstellung vieler Reisender, im Internet sei ihr Urlaub günstiger zu bekommen. Dem ist aber meist nicht so. Anders als gemeinhin bekannt, sind die Angebote seriöser Veranstalter bei virtuellem und dem klassischem Reisebüro identisch. Zudem müssen beim Onlinereisebüro oft versteckte Kosten und häufig äußerst nachteilige Geschäftsbedingungen beachtet werden. Eine persönlich Beratung entfällt bei Onlinereisebüros weitgehend, auch wenn viele Anbieter dazu übergegangen sind, entsprechende Service-Hotlines anzubieten.

Spezialreisebüro

Das sind Reisebüros, die ihre Angebote bewusst auf spezielle Zielgruppen zuschneiden. Dies können z.B. Behinderte, Senioren oder Rollstuhlfahrer, Pflegebedürftige, Dialysepatienten etc. im Speziellen sein. Dabei bedienen sich diese Reisebüros entweder Spezialreiseveranstatler wie z.B. HandicapNet, Mare-Nostrum, Süße-Reisen etc. oder werden selbst als Reiseveranstalter mit Spezialreisen tätig. Der Vorteil für betroffene Reisegäste ist, das speziell auf ihre Zielgruppe zugeschnittene Angebote offeriert werden, die spezifisch erforderliche Rahmenbedingungen bewusst aufzeigen.

Zukunft

„Durch die vielfältigen Informations- und Serviceangebote der Online-Reisebüros rechnen Experten mit einer Veränderung der Vertriebswege, insbesondere zu Lasten der klassischen Reisebüros. Andererseits kann die Beraterfunktion in kleineren Reisebüros durch den Einsatz der IKT unterstützt werden. Besonders bei anspruchsvollen Reiseberatungen stellen aktuelle Zielgebietsinformationen eine wertvolle Hilfe dar.“ Zitat aus der 'Berliner Wirtschaft#

Sonstiges

Reiseveranstalter bieten Mitarbeitern von Reisebüros mehrere Möglichkeiten, ihre Produkte persönlich kennenzulernen:

a) Informationsreisen - die jedoch in Deutschland unter bestimmten Bedingungen als Teil der Bezahlung vom Finanzamt betrachtet werden und versteuert werden müssen. Liegt ein zeitstraffes Besichtigungs- und Bildungsprogramm ohne Freizeitcharakter vor, wird diese Art von Weiterbildung steuerfrei anerkannt.

b) Ermäßigungen auf reguläre Buchungen, die die vereinbarte Provision übersteigen: darunter fallen auch so genannte PEP-Angebote; viele Veranstalter gewähren jedoch diese zusätzlichen Preisnachlässe nur Mitarbeitern von Vermittlungsbüros, die einen gewissen (Mindest-)Umsatz pro Geschäftsjahr bei dem Reiseveranstalter buchen.

c) Programmpräsentationen in Urlaubsgebieten

Siehe auch

Weblinks

Fußnote

  1. da mehrmalige Erklärungsversuche im wikipedia LA zum Opfer gefallen sind, gibt es die Erklärung auf einer privaten Reiserecht-Seite: [1]
  2. da mehrmalige Erklärungsversuche im wikipedia LA zum Opfer gefallen sind, gibt es die Erklärung auf einer privaten Reiserecht-Seite: [2]
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