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Regiomontanus

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Johannes Regiomontanus

Johannes Müller aus Königsberg (* 6. Juni 1436 in Königsberg in Unterfranken; † 6. Juli 1476 in Rom), kurz Hans Müller, latinisiert Johannes Molitoris, später Regiomontanus (deutsch Königsberger) , war ein bedeutender Mathematiker, Astronom und Verleger des Spätmittelalters.

Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf

Regiomontanus muss sehr früh astronomische Kenntnisse erworben haben, da er bereits für 1448, als er 12 Jahre alt war, ein astronomisches Jahrbuch errechnete, wie man es für die Erstellung von Horoskopen benötigte. In der Forschung nimmt man sogar an, dass er identisch sein könnte mit einem Johannes Molitoris, der sich bereits ein Jahr zuvor (1447) an der Universität Leipzig einschrieb. 1450 immatrikuliert er sich an der Wiener Universität, deren Artistenfakultät zu dieser Zeit eine der bedeutendsten mathematisch-astronomischen Schulen war. 1452 wurde er Baccalaureus, 1457 Magister und lehrte Mathematik und Philologie im Rahmen des Wiener Lehrprogramms der Artes.

Einblick in seine Wiener Studien gewährt eine als "Wiener Rechenbuch" bekannte, in den 50er-Jahren des 15. Jahrhunderts begonnene Sammelhandschrift Regiomontans, die Abschriften und Exzerpte fremder Werke sowie eigene Notizen und Entwürfe enthält. Darunter befinden sich unter anderem der im 13. Jh. von einem Magister Gernardus verfasste (zeitweise Jordanus de Nemore zugeschriebene) Algorismus demonstratus zum Erwerb von Grundkenntnissen in Ziffernrechnen und Arithmetik, Notizen und Auszüge zur Geometrie aus oder nach Euklid, Archimedes, Apollonios von Perge und den Gebrüdern Banu Musa, zur Musik -- die im Rahmen des Quadriviums ebenfalls zum Artes-Studium gehörte -- die Musica speculativa von Johannes de Muris, sowie Schriften zur Mechanik von Thabit ibn Qurra und Jordanus de Nemore.

Regiomontan stand in Wien in Beziehung zum kaiserlichen Hof, wo er für Friedrich III. ein Horoskop über dessen Braut Eleonore von Portugal und später für diese selbst ein Horoskop über den Thronfolgers Maximilian I. erstellte. Prägend wurde für Regiomontanus in Wien aber besonders der Einfluss des Humanismus, insbesondere die Beziehung zu Georg von Peuerbach, der in Wien 1448 Baccalaureus und 1453 Magister geworden war, und dessen Vorlesung von 1454 über Planetentheorie Regiomontan später unter dem Titel Nova theorica planetarum (1574) im Druck herausgab. Entscheidend wurde auch die Begegnung mit Kardinal Basilius Bessarion, der sich 1461 in Wien aufhielt, um am Kaiserhof im Auftrag des Papstes für Unterstützung im Kampf gegen die Türken zu werben. Bessarion hatte aus Byzanz eine Sammlung griechischer Handschriften nach Italien mitgebracht und besaß unter anderem eine griechische Handschrift des Almagest von Ptolemaios, von der er selber eine lateinische Übersetzung begonnen hatte, welche er mit der Hilfe Peuerbachs fortsetzen wollte.

Als Bessarion Peuerbach und Regiomontan nach Rom einlud, Peuerbach aber im selben Jahr unerwartet verstarb, begab sich Regiomontan 1461 alleine mit dem Kardinal nach Rom, wo er die Arbeit am Almagest weiterführte und 1463 zum Abschluss brachte. Später unter dem Titel Epytoma in almagestum Ptolomei (Venedig 1496) gedruckt, wurde sie zu einem der grundlegenden Werke für die Astronomie der Renaissance, das unter anderem auch von Kopernikus und Galilei benutzt wurde. Es folgten Aufenthalte in Ferrara, in Venedig (1463), wo er eine Handschrift von Diophants Arithmetika entdeckte, und in Padua, wo er 1464 eine Vorlesung über Alfraganus hielt (gedruckt 1537). Während der Zeit in Italien verfasste er außerdem die Schrift De triangulis omnimodis (1462-1464, gedruckt 1533), mit der er die neuzeitliche Trigonometrie begründete.

1467 begab er sich nach Ofen (Ungarn), wo ihn der Erzbischof von Gran mit der Erstellung astronomischer Tafeln beauftragte. Hier konstruierte er eigene Beobachtungsinstrumente und erstellte mit Unterstützung des Polen Marcin Bylica (1433-1493), Hofastronom des ungarischen Königs Matthias, Sinus- und Tangententafeln (bis zu sieben Stellen Genauigkeit). Regiomontanus war in dieser Zeit auch als Astrologe tätig.

Um 1470 erfindet er den Jakobsstab

1471 zog er nach Nürnberg. Hier eröffnete er eine eigene Druckerei, in der er seine Tabellenwerke in bester Qualität herstellen wollte, ein Projekt, das sein früher Tod vereitelte. 1472 veröffentlichte er dort Peuerbachs Theoricae novae Planetarum und das Lehrgedicht Astronomica von Manilius. Auch errichtete er eine Sternwarte mit – in eigener Werkstatt gefertigten – Instrumenten, die hohe wissenschaftliche Ansprüche erfüllten. Nachdem er von Papst Sixtus IV. zur Mitarbeit an der anstehenden Kalenderreform eingeladen worden war, ging er 1475 nach Rom. Auf dem Weg konnte er noch die Veröffentlichung seines Calendariums (s. u.) in der Offizin von Erhard Ratdolt in Venedig in die Wege leiten (erschienen 1476). Bereits ein Jahr später (1476) starb er (wahrscheinlich an einer Seuche) im Alter von nur 40 Jahren. Seine astronomischen Beobachtungen wurden von seinem Schüler Bernard Walther über viele Jahre fortgesetzt. Walther hatte den Nachlass Regiomontans erworben, gestattete aber niemandem Einsicht. Ein Teil der Manuskripte wurden später von Walthers Schüler Johannes Schöner publiziert.

Der latinisierte Name „Regiomontanus“ (für Königsberger) wurde von ihm selber und seinen Zeitgenossen noch nicht gebraucht, sondern soll erstmals 1531 von Melanchthon verwendet worden sein.

Wirken

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Gedenkplatte für Regiomontanus auf dem Campo Santo Teutonico in Rom

Regiomontanus gilt als bedeutendster Mathematiker (u. a. Begründer der modernen Trigonometrie) seiner Zeit und früher Reformator des Julianischen Kalenders.

1468 erschienen seine Tabellen für die Sonnendeklination (Tabula primi mobilis). Sein Calendarium für die Zeit von 1475 bis 1531 mit neu berechneten Positionsangaben von Sonne und Mond, einschließlich präzisen Zeitbestimmungstabellen, sowie die Ephemerides astronomicae ab anno 1475–1506 wurden für die Seefahrer seiner Zeit unverzichtbare Hilfsmittel – auch wegen der Zuverlässigkeit seiner Berechnungen und der Druckqualität. Seine Ephemeriden (Sterntafeln) haben durch die verbesserten Navigationsmöglichkeiten die Entdeckungsfahrten von Seefahrern wie Christoph Columbus oder Vasco da Gama erheblich erleichtert.

Januar und Februar 1472 beobachtete er den Kometen C/1471 (Regiomontanus). Seine erst posthum 1532 von Johannes Schöner publizierte Abhandlung Problemata XVI de cometae (1472) magnitudine longitudineque ac de loco ejus vero ist nach Edmund Halley die erste wissenschaftliche Beschreibung eines Kometen (zumindest in Europa). Es sei anzumerken, dass in vielen Webseiten behauptet wird, dass Regiomontanus den Halleyschen Kometen beobachtete. Dieser erschien aber schon 1456. Er wurde von Toscanelli beobachtet, dessen Beschreibung aber z.B. Halley nicht bekannt war.

Regiomontanus war ein typischer Vertreter des Humanismus der Renaissance: Eigene Beobachtung und Vergleich mit den Ergebnissen der antiken Wissenschaft (Aristoteles) sollten nach seiner Ansicht die Astronomie erneuern und helfen, „die Wahrheit“ zu finden. Mit dieser Haltung wurde er neben Nikolaus von Kues der wesentliche Wegbereiter des kopernikanischen Weltbildes.

Die Genauigkeit seiner astronomischen Beobachtungen wurde erst von Tycho de Brahe übertroffen. Seine Beiträge zur Geometrie und Trigonometrie waren wegweisend.

Die Gregorianische Kalenderreform mit dem einmaligen Fortfall von zehn Kalendertagen und der Einführung einer Schaltjahr-Regelung erfolgte erst über 100 Jahre nach seinem Tod. Regiomontanus’ Nachlass an wissenschaftlichen Instrumenten wird heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg als Leihgabe der dortigen Stadtbibliothek aufbewahrt.

Die IAU benannte ihm zu Ehren einen Mondkrater. Die Nürnberger Volkssternwarte ist ebenso nach ihm benannt wie das Regiomontanus-Gymnasium in Haßfurt und die Regiomontanus-Schule in Coburg. Auch trägt die astronomische Zeitschrift Regiomontanusbote seinen Namen.

Literatur

  • Rudolf Mett: Regiomontanus. Wegbereiter des neuen Weltbildes. B.G.Teubner Verlagsgesellschaft, Stuttgart/Leipzig 1996, ISBN 3-8154-2510-7
  • Helmuth Gericke: Mathematik im Abendland: Von den römischen Feldmessern bis zu Descartes. Springer Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-540-51206-3
  • Günther Harmann (Hrsg.): Regiomontanus-Studien. (= Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte, Bd. 364; Veröffentlichungen der Kommission für Geschichte der Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin, Heft 28-30), Wien 1980. ISBN 3-7001-0339-5

Weblinks

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