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Polaroid
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Polaroid ist ein US-amerikanisches Unternehmen, welches durch seine Sofortbildkameras derart bekannt geworden ist, dass der Begriff Polaroid als Synonym für Sofortbild verwendet wird.
Inhaltsverzeichnis |
Anfänge
Der Physiker Edwin Herbert Land entwickelte Polarisationsfolien, für die er 1933 ein Patent erteilt bekam. Diese Polarisationsfilter basierten auf einer Polymer-Folie mit eingelassenen Kristallen. Mit ihnen machte sich Land im weiteren Verlauf selbständig, indem er 1937 in Boston eine eigene Firma gründete, die sich passend zum Produkt Polaroid nannte. Auch wurden die Folien unter diesem Namen angeboten, sie fanden sich unter anderem in Sonnenbrillen. Letztlich waren es jedoch die Worte seiner dreijährigen Tochter, die sich darüber beschwerte, das Foto, das er von ihr gemacht hatte, nicht sofort sehen zu können, welche Land zu dem inspirierten, was heutzutage unter dem Begriff Polaroid geläufig ist.
Sofortbildkameras
Trennbildfilm
Am 21. Februar 1947 stellte Land auf der Versammlung der Optical Society of America eine neuartige Kamera vom Typ folding („Land camera“) vor, der man kurz nach der Aufnahme ein fertiges Positivbild entnehmen konnte. Die eigentliche revolutionäre Neuerung jedoch lag weniger in der Kamera, als vielmehr im dazugehörigen Film: Erstmals kam ein Schnellentwicklungsverfahren zum Einsatz, das noch vor Ort und Stelle das belichtete Negativ auf ein Positiv übertrug. Die erste Kamera (Typ 95) verkaufte am 26. November 1948 die Jorden Marsh Company in Boston. Es wurde ein großer Erfolg, schon am 31. Dezember 1956 fand die einmillionste Polaroid (Typ 95 A) ihren Kunden. Handelte es sich zunächst nur um schwarzweiße, in den ersten Jahren genau genommen sepiafarbende (also ältlich aussehende) Bilder, erschien 1963 der Polacolor genannte Farbfilm. An der Filmhandhabung änderte sich damit jedoch nichts: Nach wie vor wurden die Polaroidbilder nach der Belichtung seitlich aus der Kamera gezogen, wobei der Film zwischen zwei Walzen hindurchlief, die wiederum die Entwicklerpaste zwischen Positiv und Negativ verteilten. Nach ungefähr 30 s bis 90 s Entwicklungszeit konnte man das fertige Positiv vorsichtig abziehen. Das Negativ ließ sich in der Regel nicht weiterverwenden, nur vereinzelte Schwarzweiß-Filmtypen (Polapan 55, 85, 665) lieferten ein nach spezieller chemischer Nachbehandlung (Fixierung) weiterhin für Drucke verwendbares Negativ. Generelle Schwachstelle der Filme war ihre ausgesprochen hohe Temperaturempfindlichkeit: Belichtungs- und Entwicklungszeit mussten bei niedrigen Temperaturen stark verlängert werden. Aus diesem Grunde hatten die Kameras gelegentlich eine entsprechende Vorrichtung an der Rückwand untergebracht, welche aus zwei Leichtmetallplatten bestand, die mit Tape an einer Seite verklebt waren. Diese Vorrichtung wurde vor dem Tätigen der Aufnahme in Körpernähe erwärmt (unter dem Arm, Brusttasche). Die der Kamera nach der Aufnahme entnommene Bildeinheit wurde sodann zwischen die vorgewärmten Platten gelegt, um die Entwicklungszeit zu verkürzen, bzw. je nach Außentemperatur überhaupt zu ermöglichen.
Der Trennbildfilm, auch Filmpack genannt ist von der Herstellung her ziemlich aufwendig und erklärt somit auch den hohen Preis. Das Gehäuse besteht aus Metall. In ihm sind die Bildeinheiten in zusammengelegter Form untergebracht. Beim Einlegen des Filmpacks werden die weissen Streifen so verlegt, daß diese nicht verklemmen. Die Rückwand der Kamera wird mit einem Klemmverschluß sicher geschlossen. Nach der Aufnahme wird zunächst ein weisser Streifen aus dem seitlich angebrachten Ausgabefach gezogen. Ihm folgt etwas versetzt aus einem weiteren Schlitz ein meist gelb schwarz gefärbter Reiter. Durch kontinuierliches Ziehen wird die Bildeinheit aus der Kamera entnommen, womit gleichzeitig der Entwicklungsprozess beginnt.
Trennbild-Filme gab und gibt es in mehreren Ausführungen und Formaten. Die allerersten Polaroidkameras verwendeten eine Art Rollfilm, mit der Polaroid Automatic 100 ging man 1963 aber auf Packfilme über. Auch noch heutzutage Verwendung finden vor allem Packfilme (8,2 x 10,8 cm² und 8,2 x 8,6 cm²), die u.a. in speziellen Polaroid-Rückteilen für diverse Mittelformatkameras zur Geltung kommen, sowie die etwas weniger verbreiteten Planfilme (10,2 x 12,7 cm² und 20,3 x 25,4 cm²), deren Einsatzbereich ausschließlich in der Großformatfotografie liegt. (Eigens auf dieses Filmformat zugeschnittene Polaroidkameras gibt es nicht.)
Schon 1957 stellte Polaroid einen Diafilm vor, mit dem man binnen 2 min projektionsfähige Diapositive herstellen konnte. 1959 kam mit dem Typ 3000 ein derart hochempfindlicher Fim auf den Markt, dass man bei Innenaufnahmen auf ein Blitzgerät verzichten konnte. 1961/62 folgte mit der Mehrzweckkamera MP 3 ein Gerät, mit der man auch hochwertige Reproduktionen erstellen konnte, beispielsweise in Bibliotheken von alten Schriften. 1964/65 kam mit dem Typ 413 ein infrarotempfindlicher und mit dem Typ XR 7 ein Röntgenfilm auf den Markt. Und ein spezielles System erlaubte es, in 2 min fälschungssichere Ausweise herzustellen.
Einen besondereren künstlerischen Reiz übt der Trennbildfilm dadurch aus, dass er sich auf vielfältigste Weise zu nachträglichen Manipulationen eignet. So lässt sich etwa mit dem Image Transfer-Verfahren das Bild vom sofort abgezogenen Negativ auf jede beliebige aufnahmefähige Oberfläche übertragen, oder beim Emulsions-Lift die Farbschicht vom Fotopapier ablösen und wie ein dünner Film verwischen und verzerren.
Integralfilm
Mit einer aufwendigen Entwicklung versuchte man, die Wartezeit und das Zwischennegativ zu umgeben, das Ergebnis demonstrierte Edwin Land am 25. April 1972 auf einer Generalversammlung, indem er innerhalb von 10 s fünf Bilder belichtete, die sich binnen 4 min selber entwickelten. Das System nannte sich SX 70, es handelte sich um jenen firmeninternen Codenamen, der bereits für die Entwicklung des Sofortbildverfahrens in den 1940er Jahren benutzt wurde. Es erschien zur Jahreswende 1972/73 auf dem amerikanischen und 1974 auf den europäischen Markt. Die Filmkassette enthielt 10 Farbbilder im Format 7,8 x 7,9 cm² (Bildbereich), unter denen eine Polapulse genannte, besonders flache Batterie lag. Die Kameras für das SX 70-System schoben das gerade belichtete Bild stets motorisch unmittelbar nach der Aufnahme heraus, dann konnte man beobachten, wie sich das Bild in den nächsten Minuten entwickelte. Vorgestellt wurde SX 70 mit einer faltbaren Spiegelreflexkamera, für die Einsteiger-Modelle hielt man zunächst noch am Trennbildverfahren fest, erst 1977 stellte man mit der Polaroid 1000 vollkommen auf das neue System um, für die Hansjörg Felmy in einer groß angelegten Kampagne warb. Der SX-70-Film lieferte Fotos von ausgezeichneter Qualität, besaß aber nur einen geringen Belichtungsspielraum. Er musste infolgedessen sehr genau belichtet werden und verlangte deswegen bereits bei der billigsten Kamera nach einer Belichtungssteuerung.
Als Nachfolger erschienen zur Jahreswende 1981/82 der Film Typ 600, der mit ISO 640 / 29° anstatt ISO 160 / 23° lichtempfindlicher war, aber nach einem eigenen Kameratyp verlangte, und dann der Image Film mit dem Format 7,9 x 9,1 cm² und einem weiteren Kameramodell. Die Filme folgten der gleichen Konstruktion mit Polapulse-Batterie, die aber nun mehr Kapazität besaß und den Elektronenblitz mit versorgen konnte. Mit dem Vision 95 erschien dann noch ein kleineres Format (7,3 x 5,5 cm²), wobei die zugehörigen Kameras eine integrierte Bildbox für alle zehn Bilder des Films besaßen.
Funktionsweise des SX-70-Films
Das Magazin des SX-70-Film bestand aus Kunststoff. Im Boden waren äußerlich die beiden Pole der Polapulse Batterie erkennbar. Somit lag sie als unterstes im Magazin. Eine dünne Metallkonstruktion als Feder in der Größe des Magazins lag über der Batterie und diente dazu, die übrigen Bilder nach oben zu drücken. Den Abschluß bildete das Deckblatt als Lichtschutz, bestehend aus Pappe. Wenn das Magazin in die Kamera eingeschoben wurde, mußte dies über einen Widerstand hinaus erfolgen. Dadurch knickte eine ca. 2mm breite Kunststoffleiste nach vorne ab. Mit dem Schließen des Deckels wurde das Deckblatt automatsich ausgeworfen. An der Front des Magazin befand sich eine blaue Folienzunge, mit welcher das aufgebrauchte Magazin einfach und sicher aus der Kamera hervorgezogen werden konnte. Der SX-70-Film bestand aus insgesamt 16 Schichten, die sich aufteilten in die untenliegende Negativ- und die darüberliegenden Positivschicht. Die Positivschicht war zunächst durchsichtig und gab somit die Sicht zum Belichten des Negativs frei. Am unteren Bildrand befanden sich, an der Bildrückseite gut erkennbar, drei mit Chemikalien gefüllte Taschen. Beim motorischen Herausschieben aus der Kamera pressten zwei Walzen diese Chemikalien zwischen die beiden Schichten, wo sie eine Art „Vorhangpaste“ bildeten. Dies bedeutete, eine grünlichgraue, lichtundurchlässige Paste sorgt dafür, dass das Negativ auch bei strahlenden Sonnenschein nicht weiter belichtet wurde. Verschiedene Kameras verfügten über eine gerollte Folie, welche von dem ausgeschobenen Foto erfasst wurde und somit einen direkten Lichtschutz bildete. Die Folie schnellte unmittelbar nach der Ausgabe des Bildes wieder zurück. Alkalische Substanzen in der Paste setzten überdies die Entwicklung in Gang, wobei Farbstoffe freigesetzt wurden, so dass diese durch die Vorhangpaste hindurch in die Positivschicht gelangten und dort das Foto bildeten. Die Vorhangpaste wurde schließlich strahlend weiß und gab damit einen idealen Bildhintergrund ab.
Der SX-70-Film ist 1975/76 zum ersten Mal verbessert worden und dann noch einmal mit dem Time Zero Supercolor von 1980. Time Zero bedeutete dabei, dass sich das Bild schon innerhalb einer Minute entwickelte, nun war außerdem die Vorgangpaste schon von Beginn an weiß. Beide Male ist die Bildqualität verbessert worden. Die Produktion des Films wurde Anfang 2006 eingestellt.
SX70-Film eignet sich für verschiedene Kreativitätstechniken, z.B. Verschieben der Entwicklerpaste, Durchreiben von Strukturen, Erhitzen.
Kameras
Da bei den Polaroid-Kameras keine Abzüge vergrößert, sondern das Positivbild direkt belichtet wurde, handelte es sich um Mittelformatkameras. Eine Ausnahme stellten die speziellen Modelle für Passbilder zum Mitnehmen dar, hierfür baute Polaroid Kameras mit vier Objektiven, die ein Satz von vier Passbildern gleichzeitig erzeugen konnten. Die normalen Kameras hatten Objektive von etwa 115 mm Brennweite und einem Öffnungsverhältnis um die 1 : 9, wobei man die Erfahrungen mit den Polarisationsfolien nutzte und sehr früh Kunststofflinsen einsetzte. Bei den Trennbildkameras erhielten die besseren Modelle eine Zeituhr, die mit einen Signalton an das Herausziehen des Bildes erinnerte – 1966 kam mit der Swinger die erste Sofortbildkamera unter 100 DM auf den Markt. Neben den Amateurkameras hielt man auch welche mit Wechselobjektiven für den professionellen Einsatz. Die Polaroid 600 SE wurde von Mamiya gefertigt, sie verwendete Packfilm in der Größe 8,5 x 10,5 cm² und für sie gab es drei Wechselobjektive, mit 75 mm (f/5,6), 127 mm (f/4,7) und 150 mm (f/5,6) Brennweite. Da das große Format auch große Apparate bedingte, stellte man auch immer wieder Faltkameras vor.
Mit dem System SX 70 erschien eine raffinierte und in der Fachwelt vielbeachtete Spiegelreflex-Faltkamera. Sie enthielt einen großen, doppelseitigen Spiegel, dessen Oberseite den Strahl vom Objektiv in den Sucher lenkte. Hochgeklappt reflektierte seine Unterseite den Strahl auf den waagerecht liegenden Film. Diese Kamera wurde unter den Namen Revue auch von Foto Quelle angeboten. Die Spiegelreflex-Kamera gab es noch für den Filmtyp 600 als 680 SLR, mit dem Image-Film ging man aber auf eine vergleichsweise primitive Sucherkamera als Topmodell über.
Polaroid hat sogar der Kameratechnik unabhängig vom Sofortbild Impulse gegeben: Die Electric Eye 900 von 1960 verwendete als erste vollautomatische Kamera Cds- anstatt Selenzellen zur Belichtungsmessung und die Automatic 100 von 1963 besaß eine vollelektronische Verschlusssteuerung. Vor allem aber sind die Autofokus-Modelle Sonar (Sound Navigation and Rangefindeing-System) von Bedeutung. Der Polaroid-Mitarbeiter Dr. Conrad Biber stellte bereits 1967 einen Prototypen des nicht genehmigte Projekts Bat-Ray (Fledermaus-Strahlen) E. H. Land vor, fand aber kein Gehör. Erst 1976 konnte er doch eine Serienfreigabe einleiten, so dass ab 1978 Sofortbildkameras damit erschienen. Die Kamera sendet dabei einen bis zu 10 m weit reichenden Ultraschall-Impuls von 1/1000 s Dauer aus und berechnet aus der Laufzeit bis zum Wiedereintreffen der vom Motiv reflektierten Schallwellen die Entfernung. Im Falle der Spiegelreflexkameras ließ sich die Fokussierung naturgemäß im Sucher beobachten.
Die Polaroid 660 fokussiert durch Verändern der Brennweite mittels verschiedener Linsen: Zum Objektiv gehört ein bewegliches Segment mit vier Linsen, mit denen sich folgende Brennweiten ergeben: 107 mm (ab 3,9 m Motiventfernung), 105 mm (1,5 m bis 3,9 m), 99 mm (0,9 m bis 1,5 m) und 90 mm (0,6 m bis 0,9 m). So brauchen keine Linsen längs zur optischen Achse verschoben werden. Das Prinzip Fokussieren durch Brennweitenänderung nennt sich Innenfokussierung.
Außerdem hatte Polaroid noch Kameras für die Dokumentation und Archivierung im Programm, wie die MP4, die CU5 oder die Makro 5 SLR. Diese Kameras wurden hauptsächlich im medizinischen Bereich und in der chemischen Analytik (Gelchromatografie, Elektrophorese) eingesetzt.
Sofortbild-Rückteile und Sonderkameras
Für Mittelformat-Kameras waren Sofortbild-Rückteile erhältlich, die anstelle der Rollfilm-Kassetten angesetzt werden konnten. So konnten Beleuchtung und einwandfreie Funktion der Kamera überprüft werden, ein unter Studiofotografen äußerst populäres Vorgehen. Verschiedene Firmen boten Sofortbildkameras für Spezialanwendungen an, die Polaroid-Kassetten aufnahmen. Darunter insbesondere Oszilloskop-Hersteller, die damit das Archivieren von Bildschirm-Darstellungen ermöglichten. Der Polaprinter fertigte Sofortbilder von gewöhnlichen Kleinbild-Diapositiven an.
Kodak Instant
Kodak stellt auf der Photokina 1976 ebenfalls Sofortbild-Kameras vor, zunächst die EK-Serie (EK2, ein sehr einfach gestricktes Modell mit Fixfocus und manuellem Filmauswurf mittels Kurbel, EK4 EK6 mit Fokussierungsmöglichkeit und elektrischem Filmtransport und EK8, einer hochwertigen faltbaren Kamera mit Gummibalg. Nach einer 1978 erfolgten Modellgepflege wurde die EK2 in EK20 umbenannt, die EK4 in EK100 und EK6 in EK200, an Stelle der EK8 wurde eine EK200 mit elektronischem Blitz unter der Bezeichnung EK300 als Spitzenmodell eingeführt. Im Jahr darauf wurden die Modelle EK100 und EK200 durch die moderner gestaltete EK160 abgelöst (wenn auch noch eine zeitlang parallel angeboten), diese gab es nun optional ähnlich der EK300 mit einebautem Blitz mit der Bezeichnungserweiterung EF (für Eletronic Flash). 1980 wurde auch die inzwischen durch ihr beige-braunes Kunstleder-Design altbacken wirkende EK300 durch die EK260-EF abgelöst.
1982 wurde die EK-Serie schließlich durch die Kodamatic-Serie ersetzt. Bei diesen Kameras handelte es sich ausnahmslos um Falt-Kameras mit Gummibalg, zudem boten alle elektrischen Filmtransport. Das "kleinste" Modell Kodamatic 930 verfügte lediglich über Fixfocus und hatte auch keinen eingebauten Blitz, über den das nächsthöhere, sonst aber baugleiche Modell Kodamatic 950 schon verfügte. Diese beiden Modelle wurden in der Bundesrepublik gefertigt, die höherwertige Serien Kodamatic 970L und 980L hingegen in den USA. Beide verfügten über einen elektronischen Blitz, die Kodamatic 970L über einen Fixfocus mit Makro-Option, die 980L über einen Autofocus.
Alle Kodak Sofortbildkameras der EK-Serie nutzten den zunächst als PR-10, später als PR-144-10 bezeichneten Film mit einer empfindlichkeit von 150 ASA, die Kodamatic-Serie den neu entwickelten HS-144-10 mit 300 ASA. Da die Kassetten die gleichen Abmessungen besaßen konnte man die Filme jedoch auch in der jeweils anderen Serie nutzen, allerdings nach einer entsprechenden Anpassung der Helligkeitseinstellung. Beide Filme funktionierten ähnlich den Integralfilmen von Polaroid, auch sie hatten eine Tasche mit Entwicklerflüssigkeit, die beim Auswerfen zwische Positiv und Negativ gedrückt wurde. Allerdings gab es auch deutliche Unterschiede. Zum einen war das Format der Kodak-Filme länglich (ähnlich dem späteren Image-Film von Polaroid), zum anderen war die Oberfläche nicht glänzend sondern seidenmatt. Dies wurde durch die Tatsache ermöglicht, dass die Negative anders als bei den Polaroid Integralfilmen nicht von vorne, also durch das Positiv hindurch belichtet wurden, sondern direkt von hinten. Ein weiterer Vorteil der Kodak Instantfilme war Ihre bessere Haltbarkeit. Setzt man Polaroid Integralfilme mechanischem Stress aus, so können sich leicht die Farbschichten des Positivs voneinander lösen, das Bild wirkt dann wie ein zerbrochener Spiegel. Ähnliche Probleme gab es bei den Kodak Instantfilmen nicht. Zudem ermöglichte es die von Kodak genutzte Technik beim HS-144-10-Film das Negativ zu einem beliebigen Zeitpunkt, nachdem die Entwicklung komplett abgeschlossen war, vom Positiv zu trennen, man hatte somit ein Photo, das nicht dicker war als herkömmlich Negativ-Abzüge.
Die Kodamatic-Serie verkaufte sich bis Mitte der 1980er Jahre gut, dann allerdings zeichnete sich ab, dass Kodak im Patentstreit mit Polaroid unterliegen würde, was im Verlauf des Jahres 1985 dann auch eintrat. Kodak kaufte dann ab dem 9. Januar 1986 über den Handel seine Sofortbildcameras zurück, entweder gegen Erstattung des Kaufpreises oder über die Möglichkeit eine Kodak Sofortbildkamera gegen ein gleichwertiges Produkt der Marke Polaroid zu tauschen.
Dabei kam es Polaroid weniger auf die Kameras als auf die Filme an, hatte man doch schon in den frühen '70er Jahren der Firma Keystone Patente zur Herstellung von Sofortbild-Kameras erteilt, die kombatibel zu den 107/108'er respektive später 667/668/669'er Trennbildfilmen von Polaroid waren. Dies war aber nicht verwunderlich, denn die Haupteinnahmen kamen durch die hohen Preise der Filme (18 bis 27 DM für eine 8'er respektive 10'er-Kassette) zustande. Erst nach Ablauf des Patents kam dann mit Fujifilm (Fuji Instax) ein weiterer Anbieter hinzu, zu diesem Zeitpunkt war die große Zeit des Sofortbilds aber bereits vorüber.
http://www.kameramuseum.de/1-kameras-sofortbild.html
Verbreitung
Die Sofortbild-Fotografie war zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd so verbreitet, wie es sich Polaroid gewünscht hätte. Obwohl viele Gelegenheitsfotografen weder zusätzliche Abzüge noch große Formate bestellten (also von den Vorteilen des gewohnten Verfahrens keinen Gebrauch machten), hielten überwiegend am herkömmlichen Film fest. Die Gründe lagen vor allem im geringen Bedarf am sofort vorliegenden Bild, zudem sprachen die hohen Kosten dagegen: ein Foto kostete stets an die 2 DM. So wurden Sofortbildkameras vorwiegend als Zweitkameras für besondere Fälle gehalten, wobei speziell die Spiegelreflexkameras auch engagierte Amateure ansprachen. In der professionellen Anwendung kamen Sofortbildfilme indes häufig zum Einsatz, um Einstellungen und insbesondere die Ausleuchtung sofort zu kontrollieren. Auch beim Film wurden sie verwendet, um ein Szene festzuhalten und so Anschlussfehler zu vermeiden, im Fotostudio und auch im wissenschaftlichen Einsatz. Mit den Digitalkameras sind aber nahezu alle Anwendungsfälle entfallen.
Polavision
1977 stellte Polaroid auch einen 8-mm-Sofortbild-Film vor, hierzu gab es eine ausgesprochen primitive Kamera, die gerade einmal ein schwergängiges Zweifach-Zoomobjektiv mit zwei Entfernungseinstellungen besaß, welche spezielle Kassetten aufnahm. Nach dem Belichten wurden diese in ein Betrachtungsgerät gesteckt und beim Rückspulen binnen 90 s entwickelt und nach 45 s Wartezeit (zum Ausentwickeln) automatisch auf der 30 cm-Mattscheibe vorgeführt, ein Schneiden des Films war nicht vorgesehen. Eine Kassette enthielt 12 m Film entsprechend 2 min 35 s Spielzeit - wie bei Super 8 lief der Film mit einer Geschwindigkeit von 18 Bilder/s. Die Apparate wurden von der österreichischen Firma Eumig produziert. Eine Spezialfirma stellte sogar eine Hochgeschwindigkeitskamera für wissenschaftliche Zwecke vor, die mit 300 Bildern/s lief. Polavision fand im Hinblick auf die allmählich aufkommenden Videorecorder keine große Beachtung und so gut wie überhaupt keine Käufer. Heute gibt es keine Filme mehr dafür zu kaufen.
Digitalfotografie
Wenngleich Polarisationsfolien unverändert ihren Anteil am Umsatz hatten, geriet Polaroid mit dem Aufkommen der Digitalfotografie in große finanzielle Schwierigkeiten, da kaum noch jemand an den teuren Sofortbildern interessiert war. Allerdings versuchte das Unternehmen von vornherein, Digitalkameras anzubieten, seit 2004 kooperiert man dabei mit Praktica und der Foveon X3-Technologie von Sigma.
Polaroid Studio
Einige bekannte Künstler (u.a. Ansel Adams, der in den 60er Jahren für das Unternehmen tätig war) arbeiten mit Polaroid nicht wegen der Einfachheit des Systems, sondern da mit besonderen Kameras und Filmen aussergewöhnliche Aufnahmen möglich sind. Hier sei die Polaroid 20x24 Studio Kamera erwähnt, mit der Schwarzweiss-Aufnahmen im Format 20x24 Zoll (50x60 cm) gemacht werden können. [1] Dieses Format ist in Bezug auf die Auflösung und auch auf den Tonwertumfang kaum zu übertreffen.
Literatur
- Constance Sullivan (Hrsg.): Polaroid: Legacy of Light. New York: A Polaroid Book /A. Knopf 1987 – Sofortbildaufnahmen von 58 Künstler-Fotografen
Weblinks
- deutschsprachige Seite von Polaroid
- internationale Seite von Polaroid
- Polaroid-Community "Polanoid"
- Filme & Raritäten
- Mark-Steffen Göweckes "Polapola"-Projekt
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