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Pitcairn
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| Pitcairn | |
|---|---|
| Bild:Flag of the Pitcairn Islands.svg | |
| Fläche | 5 km² |
| Größte Erhebung | 347 m |
| Einwohnerzahl | 45 (Stand Dezember 2005) |
| Bevölkerungsdichte | 10 Einwohner/km² |
| Hauptort | Adamstown |
| Telefonvorwahl | + 693 |
Pitcairn ist die Hauptinsel der Pitcairninseln (engl.: Pitcairn Islands Group) und liegt im Pazifik, jeweils etwa 5.500 km von Neuseeland und Südamerika entfernt. Sie ist die einzige bewohnte Insel des Archipels. Weitere Inseln der Gruppe sind Oeno mit dem dazugehörigen winzigen Sandy Island, Henderson und das Atoll Ducie.
Pitcairn wurde am 2. Juli 1767 von dem Seekadett Robert Pitcairn entdeckt und ist seit 1838 britische Kronkolonie. Die Pitcairninseln sind die letzte verbliebene Kolonie im Pazifik.
Bekannt ist die Hauptinsel wegen ihrer Einwohner, großteils Nachfahren der Meuterer von der Bounty und ihrer polynesischen Frauen.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie
Die 4,5 km² große Insel liegt isoliert im Südpazifik. Die nächstgelegenen bewohnten Inseln sind im Osten die Osterinsel in 2.000 km Entfernung und im Westen die Gambierinseln in 500 km Entfernung.
Pitcairn ist ein Monolith vulkanischen Ursprunges. Im Gegensatz zu vielen anderen Inseln des Südpazifiks fehlt der umgebende Korallensaum, sodass eine starke Brandung die ungeschützte Küste erreicht. Der Festlandssockel ist nur schmal und fällt bis in Tiefen von über 3.000 Meter abrupt ab. Die steilen Klippen der Insel erheben sich unmittelbar aus dem Meer, eine Küstenebene oder einen Strand gibt es nicht. Darüber befindet sich ein stark profiliertes Plateau mit den besiedelten und kultivierten Flächen. Die höchste Erhebung liegt 347 Meter über dem Meeresspiegel.
Vulkanische Schlacke verursacht die auffallend rote Färbung des Bodens. Die Erde ist fruchtbar und das feucht-subtropische Klima mit ergiebigen Regenfällen begünstigt ein üppiges Wachstum. Die Jahresniederschlagsmenge beträgt durchschnittlich 1.700 mm (zum Vergleich: Köln 700 mm) und bleibt mit ca. 140 mm pro Monat verhältnismäßig gleich, in manchen Sommern (d. h. im mitteleuropäischen Winter) kann es aber auch zu gelegentlichen Trockenperioden kommen. Es gibt keine ausgeprägten Jahreszeiten, die Temperatur liegt relativ gleich bleibend zwischen 19 und 24 °C.
Ganzjährig fließende Bäche, Flüsse und Seen fehlen, sodass die Einwohner zur Wasserversorgung auf Zisternen angewiesen sind, obwohl inzwischen auch ein Versuch unternommen wurde, nach Grundwasser zu bohren.
Die einzige Ansiedlung ist das auf dem Hochplateau oberhalb der Bounty-Bay gelegene Adamstown, in dem sämtliche derzeit 45 Einwohner der Insel wohnen.
Flora und Fauna
Flora
Die Reste des heimischen Waldes – den man zu den Bergregenwäldern zählen kann – werden von dem endemischen Baum Homalium taypau dominiert, von den Insulanern Sharkwood-Tree genannt, weil sich aus dem Holz Schnitzereien (Haie und Delfine) herstellen lassen. In abgelegenen, schattigen Taleinschnitten findet sich ein ausgedehnter Bewuchs mit Farnen. Endemisch und mittlerweile sehr bedroht ist der zu den Wurmfarngewächsen (Dryopteridaceae) gehörige Ctenitis cumingii.
Eine weitere endemische Pflanze ist der zu den Korbblütlern zählende Bodendecker Bidens mathewsii, der überwiegend in den Kliffs der Süd- und Westküste wächst.
Im Norden und Osten der Insel sind die verbuschten Flächen von Hibiskus sowie Pandanusbäumen durchsetzt, deren Blätter von den Insulanern zu allerlei Flechtwerk verarbeitet werden.
Zu den kultivierten Pflanzen gehören Kokosnuss, Ananas, Zitrusfrüchte, Banane, Papaya, Melone, Guave (die sich inzwischen ausgewildert hat), Zuckerrohr, Yams, Taro, Süßkartoffel und Brotfrucht.
Fauna
Die ursprüngliche Fauna an Land beschränkt sich auf Insekten, Schnecken und kleine Reptilien. Alle anderen Tiere sind von den Europäern eingeführt. Eine große Plage ist inzwischen - seit sie ausgewildert ist und nicht mehr als Nahrungstier kontrolliert gehalten wird - die von den ersten polynesischen Siedlern eingeführte Pazifische Ratte (Rattus exulans). Für den Menschen gefährliche Tiere oder Krankheitsüberträger gibt es nicht.
Pitcairn verfügt über eine interessante, aber nicht sehr artenreiche Vogelwelt. Einzigartig und mittlerweile bedroht ist der Pitcairn Reed Warbler (Acrocephalus vaughani), ein zu den Sperlingsvögeln zählender, auf Pitcairn und Tubuai endemischer Landvogel.
Insbesondere auf den vorgelagerten steilen Klippen nisten zahlreiche Arten von Seevögeln in bedeutenden Populationen. Eine vollständige Bestandsaufnahme steht noch aus.
Durch das Fehlen eines Korallensaumes überwiegen in der Umgebung Pitcairns Hochseefische und Riffbewohner. Die unregelmäßig erscheinende Inselzeitung "The Pitcairn Miscellany" listet akribisch auf, welche und wie viele Fische die Bewohner gefangen haben. Darunter befinden sich hauptsächlich Haie, Doraden, Barracudas, Red Snapper, Thunfische und gelegentlich ein Marlin. Am Schelf kann man auch Hummer und Langusten finden. Einmal im Jahr kommen Buckelwale auf ihrem Zug durch den Pazifik vorbei, immer eine große Attraktion für die Schulkinder.
Geschichte
Vorgeschichte
Als die Bounty-Meuterer die Insel betraten, waren noch Spuren der Ureinwohner sichtbar, darunter Standbilder, die, obwohl grober behauen, der Beschreibung nach eine gewisse Ähnlichkeit mit Bildwerken der Marquesas und der Osterinsel aufwiesen. Überreste davon konnte der britische Forscher Frederick William Beechey noch finden, als er im Rahmen einer Südseeexpedition 1826 die Insel Pitcairn besuchte. Er schreibt dazu in seinem Buch Narrative of a Voyage to the Pacific and Berings Strait, 1825-1828:
- "Linkerhand von „The Rope“ ist ein Hügel von beträchtlicher Höhe, der die Bounty-Bay überragt (gemeint ist wahrscheinlich St. Pauls Point). Auf dieser Anhöhe fanden die Meuterer bei ihrer Ankunft vier etwa sechs Fuß (2 m) hohe Standbilder auf einer Plattform, die - gemäß der Beschreibung von Adams - den Moais der Osterinsel nicht unähnlich, jedoch wesentlich kleiner waren. Eines dieser Standbilder, als einziges noch erhalten, war das grobe Abbild eines Menschen bis zur Hüfte und aus einem einzigen Stück roter Lava gehauen. In der Nähe dieser Figuren, so erzählte man uns, wurden menschliche Knochen und Steinbeile ausgegraben, aber wir konnten lediglich noch zwei Knochen finden, von denen wir annahmen, dass sie von den Ureinwohnern stammten. Es waren dies ein Oberschenkelknochen und ein Teil des Schädels von ungewöhnlicher Größe und Dicke. Die Steinbeile, von denen wir mehrere unterschiedliche fanden, waren aus einer kompakten, feinkörnigen Basalt-Lava gefertigt, zweckmäßig bearbeitet und mit harter, fein polierter Oberfläche."
Der belgische Geschäftsmann und Ethnologe Jacques-Antoine Moerenhout (1797-1879, Konsul in Valparaiso und Papeete), der noch die Gelegenheit hatte, persönlich mit John Adams zu sprechen, beschreibt die gleiche Zeremonialplattform in seinem Buch Voyages aux îles du Grand Océan, erschienen 1837 bei Adrienne Maisonneuve in Paris.
1934/35 hielt sich eine französisch-belgische Expedition, die von der Osterinsel kam, unter der Leitung von Alfred Métraux auf Pitcairn auf. Der belgische Archäologe Henri Lavachery untersuchte bei Down-Rope, einer nur schwer zugänglichen Bucht im Süden der Insel und einzige Lagerstätte für Obsidian auf Pitcairn, Felsritzungen mit Darstellungen von Tieren, Menschen und grafischen Symbolen. Sie sind heute noch dort sichtbar.
Die Bevölkerung Pitcairns betrug in polynesischer Zeit wahrscheinlich nicht mehr als 100 Personen, bei Ankunft der Europäer war die Insel bereits unbewohnt.
Der Archäologe Marshall Weisler von der Universität von Otago in Neuseeland, hat im Rahmen neuerer Forschungen Handelsbeziehungen zwischen Mangareva, Pitcairn und Henderson nachgewiesen. Seine Forschungen belegen den Export von Austernschalen zur Fertigung von Schmuck und Angelhaken von Mangereva nach Pitcairn und Henderson einerseits und den Import von Steinwerkzeugen aus Pitcairn sowie wahrscheinlich Vogelfedern und Schildkröten aus Henderson andererseits. Das dicht besiedelte Mangareva dürfte die Drehscheibe für diesen Dreieckshandel, der auch die Gesellschaftsinseln und Tubuai umfasste, gewesen sein. Die Handelsbeziehungen endeten – offenbar plötzlich – um 1500 n. Chr., die Gründe lassen sich nicht mehr ermitteln. Der Evolutionsbiologe Jared Diamond vermutet in seinem Buch Kollaps eine von Menschen ausgelöste ökologische Katastrophe auf Mangereva als Ursache.
Entdeckungsgeschichte
Das erste europäische Schiff, das Pitcairn erreichte, jedoch wegen der starken Brandung nicht landen konnte, war 1767 HMS Swallow, unter Kapitän Philip Carteret. Er benannte die von dem 14-jährigen Seekadetten Robert Pitcairn entdeckte Insel Pitcairn’s Insel. Carteret konnte jedoch wegen des Längenproblems die Position nur ungenau bestimmen, der Längenfehler betrug 340 km. Dies führte dazu, dass die Insel zwar in den Seekarten verzeichnet war, jedoch mit der falschen Position, weitab von der tatsächlichen.
James Cook hatte Carterets Logbuch gelesen und beabsichtigte auf seiner zweiten Südsee-Expedition 1773 die Insel aufzufinden. Das Auftreten von Skorbut auf dem Begleitschiff Adventure verhinderte jedoch eine langwierige Suche durch „Absegeln der Breite“ und Cook lief stattdessen direkt Tahiti an.
Besiedelung durch die Bounty-Meuterer
Christian erkundete mit zwei Gefährten die Insel zwei Tage lang und fand sie unbewohnt, aber bewohnbar: Es gab Kokospalmen und Brotfruchtbäume, und er hatte auch Anzeichen früherer polynesischer Siedler gefunden. Schweine, Ziegen, Hühner, Yamswurzeln und Süßkartoffeln führte die Bounty mit.
Es wurde beschlossen, das Schiff auf Grund zu setzen, um das Anlanden der mitgebrachten Versorgungsgüter zu erleichtern. Christian fand für diese absichtliche Strandung den idealen Platz, nämlich die heutige Bounty-Bay. Ausrüstungsgegenstände und Schiffsteile der Bounty wurden in den folgenden zwei Tagen an Land gebracht. Aus der Siedlung, die die Meuterer bereits am ersten Tag errichteten, entstand das heutige Adamstown.
Nach Debatten steckte der Matrose Matthew Quintal am 23. Januar 1790 auf eigene Faust das Schiff in Brand und versenkte es dadurch. Die Gefahr der Entdeckung oder des möglichen Verrats durch Flüchtige war damit nahezu ausgeschlossen.
Das Zusammenleben der Siedler orientierte sich allerdings am Wertebild der Europäer, war also konfliktbeladen: Jeder Europäer hatte eine Gefährtin, die sechs Polynesier mussten sich die übrigen drei Frauen teilen und wurden auch ansonsten eher wie Sklaven behandelt.
Als der Schmied John Williams verwitwete und eine der drei den Polynesiern „gehörenden“ Frauen übernahm oder von den Weißen „zugeteilt bekam“, eskalierte der Konflikt: Am 20. September 1793 töteten die Polynesier Williams und drei weitere Meuterer, am 3. Oktober Fletcher Christian. Bald darauf waren auch alle polynesischen Männer und eine Frau ermordet. 1794 lebten nur noch Young, der die Führung übernommen hatte, Adams, Quintal, McCoy, zehn Frauen und deren Kinder.
Der Schotte McCoy begann aus der zuckerhaltigen Wurzel der Keulenlilie (Cordyline fruticosa) Schnaps zu brennen, verfiel dem Alkohol und stürzte von den Klippen zu Tode. Nachdem der ebenfalls dem Alkohol verfallene, gewalttätige Quintal gedroht hatte, alle Kinder umzubringen, beseitigen ihn 1799 Young und Adams gemeinsam.
Als Edward Young am 25. Dezember 1799 an Asthma starb, blieb John Adams als einziger erwachsener Mann übrig, zusammen mit zehn Polynesierinnen und inzwischen 23 Kindern der Europäer. Die polynesischen Männer hatten keine Nachkommen hinterlassen.
Young hatte kurz vor seinem Tod dem ungebildeten Adams anhand der Bounty-Bibel das Lesen beigebracht. Dieser las dann die Bibel, begann ein gottesfürchtiges Leben, hielt an jedem Sabbat Gottesdienst und verbot den Alkohol. Am 5. März 1829 starb er als angesehenes Oberhaupt der kleinen Gemeinde eines natürlichen Todes.
Die Admiralität hatte im November 1790 die Fregatte HMS Pandora unter Kapitän Edward Edwards ausgesandt, um die Meuterer aufzuspüren und festzunehmen. Auf der Hinreise kam Edwards zwar der Insel Pitcairn nahe, sichtete sie jedoch nicht. Er nahm alle vierzehn noch in Tahiti lebenden Mannschaftsmitglieder der Bounty gefangen und durchkreuzte auf der Rückreise die weiter westlich gelegenen polynesischen Inseln auf der erfolglosen Suche nach weiteren Meuterern, bevor die Pandora am Barriereriff havarierte und sank. Dabei ertranken vier der Gefangenen; die zehn überlebenden Männer der Bounty erreichten im September England, wo ihnen der Prozess gemacht wurde. Drei wurden letztlich gehängt.
Wiederentdeckung
Wieder entdeckt wurde Pitcairn von Mayhew Folger, einem amerikanischen Robbenjäger, der auf seinem Schiff Topaz am 6. Februar 1808 eine Insel sichtete, die es auf dieser Position eigentlich nicht geben dürfte. Nach der Beschreibung vermutete er, dass er Carterets Insel entdeckt hatte. Allerdings wunderte er sich über den Rauch auf der als unbewohnt beschriebenen Insel. Als die Topaz in der Bounty-Bay ankerte, ruderten drei junge Eingeborene zum Schiff, die Folger auf Englisch mitteilten, dass sie Nachkommen der Bounty-Meuterer seien. Folger war einige Tage Gast in der 35 Personen zählenden Kolonie und führte mit Adams lange Gespräche. Zum Abschied schenkte ihm Adams den Kompass und den Kendall-Chronometer der Bounty. Folgers Bericht, den er nach seiner Rückkehr an die britische Admiralität sandte, stieß aber dort auf wenig Interesse. Die Flotte Großbritanniens war zu jener Zeit im Seekrieg mit dem napoleonischen Frankreich gebunden.
Eingliederung in das Vereinigte Königreich
Am 17. September 1814 kamen die beiden Kriegsschiffe HMS Briton und HMS Tagus vor Pitcairn an. Die Kapitäne Staines und Pipon, die von der Entdeckung Folgers sechs Jahre zuvor nichts wussten, waren beeindruckt von der friedvollen und gottesfürchtigen Gemeinschaft, die sie vorfanden. Adams wollte freiwillig mit nach England zurück segeln und sich dem Seegericht stellen, aber die Bewohner flehten die Kapitäne an, ihn auf der Insel zu lassen. In seinem späteren Bericht an die Admiralität schrieb Staines, dass es ein Akt von großer Grausamkeit gewesen wäre, den letzten noch lebenden Meuterer gefangen zu nehmen.
In den Folgejahren gab es weitere Besuche. Walfänger nutzten die Möglichkeit, sich mit frischem Gemüse zu versorgen. In den Berichten, die sporadisch in der Presse erschienen, wurde die isolierte Gemeinschaft romantisch verklärt und daher von frommen Spendern mit Bibeln, Gesang- und Gebetbüchern, aber auch mit Hausrat und Werkzeug versorgt.
1823 blieb als erster Siedler nach den Meuterern der Schiffszimmermann John Buffet auf der Insel, 1828 George Nobbs, der angeblich uneheliche Sohn eines Marquis, der sich als Prediger etablierte.
1831 wurden alle Bewohner nach Tahiti evakuiert. Nachdem dort etliche Pitcairner, darunter Fletcher Christians Sohn Thursday October, an Infektionskrankheiten gestorben waren, kehrten 65 Überlebende bereits im September 1831 auf ihre isolierte Insel zurück.
Nach Übergriffen vorbeifahrender Walfänger strebten die Bewohner den Schutz durch die britische Krone an. Mit Unterstützung des Kapitäns Elliot vom britischen Walfänger Fly formulierten sie eine Insel-Verfassung, die am 30. November 1838 an Bord der Fly unterzeichnet wurde. Dieser Schritt hatte letztlich den Status einer britischen Kolonie zur Folge.
Emigration nach Norfolk
1856 hatte Pitcairn bereits 194 Einwohner, mit zunehmender Tendenz. Da man nach einigen Naturkatastrophen befürchten musste, die inzwischen beträchtlich angewachsene Inselgemeinde könne sich nicht mehr selbst ernähren, wurden die Bewohner 1856 erneut evakuiert, dieses Mal auf die 6.000 Kilometer westlich gelegene, zu Australien gehörende Norfolkinsel.
1858 kehrten 16 Emigranten unter der Führung von Moses und Mayhew Young zurück, 1864 folgten vier weitere Familien. Die restlichen Familien blieben zurück, heute besteht ein Drittel der Bevölkerung von Norfolk aus deren Nachkommen.
Die sehr frommen Pitcairner hatten die Schriften, die ihnen von den Siebenten-Tags-Adventisten zugesandt worden waren, eifrig gelesen, zudem verbrachte 1888 der adventistische Missionar John I. Tay fünf Wochen auf der Insel. Daher war ein im Jahre 1890 ankommendes amerikanisches Missionsschiff sehr willkommen und die wirtschaftliche Unterstützung, die mit der Missionierung einherging, gewiss nicht weniger. Sämtliche Einwohner ließen sich taufen, ihre Nachkommen sind heute noch Adventisten.
Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gab es dank der weltweiten Spenden der Adventisten auf der Insel bereits eine Zeitung, eine Schule und einen Kindergarten.
20. Jahrhundert
Mit der Öffnung des Panama-Kanales 1914 endete die Isolation, denn Pitcairn lag auf der Schiffsroute nach Neuseeland. Nahezu jede Woche besuchte ein Schiff die Insel. Im Zweiten Weltkrieg stationierte die britische Marine Funkbeobachter auf Pitcairn. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen die Interessen Großbritanniens nach, sodass, in Ermangelung eines Hafens und eines Flugplatzes, eine erneute relative Isolierung einsetzte. Heute wird Pitcairn durchschnittlich vier- bis sechsmal im Jahr von einem Containerschiff angefahren, das die lebensnotwendigen Güter und Post überbringt. Gelegentlich kommt auch ein Kreuzfahrtschiff zu Besuch.
Pitcairn heute
Politik
Die Pitcairninseln sind die letzte britische Kolonie im Südpazifik. Obwohl Großbritannien aus Kostengründen diesen Status gerne ändern würde, wehren sich die Bewohner seit Jahren erfolgreich dagegen, denn nur mit britischer Unterstützung ist ihr Verbleib auf der Insel gesichert. Nach außen werden die Pitcairninseln vom britischen Gouverneur in Neuseeland vertreten, die Verwaltung erfolgt durch einen High-Commissioner in Auckland.
Der Magistrat und ein Bürgermeister verwalten die Pitcairninseln intern. Nachdem als Interimslösung erstmals eine Frau, Brenda Christian, vom November bis Dezember 2004 die Insel verwaltet hatte, ist seit dem 15. Dezember 2004 Jay Warren gewählter Bürgermeister. Die Legislative wird von Inselrat (Island Council) gebildet, der auch gleichzeitig judikative Befugnisse hat. Er besteht aus zehn Personen, vier davon werden direkt gewählt.
Wirtschaft
Die Bewohner sind überwiegend Selbstversorger. Hauptnahrungsmittel sind Fische. In den Haushalten werden auch Ziegen und Hühner gehalten. Der fruchtbare Boden und das milde Klima ermöglichen den Anbau von Ananas, Kokospalmen, Zuckerrohr, Yams, Taro, Brotfrüchten, Süßkartoffeln, Bananen, Papayas und Zitrusfrüchten. Die Orangen von Pitcairn, so behaupten die Einwohner, seien die besten der Welt. Zweifelsohne sind sie die exklusivsten.
Haupteinnahmequelle ist der Vertrieb der schön gestalteten und bei Sammlern begehrten Briefmarken, die in Neuseeland gedruckt werden. Inzwischen sind auch Telefonkarten hinzu gekommen. Ein Pitcairn-Dollar wird als Sammlermünze in Gold und Silber (in Deutschland) geprägt.
Honig, Trockenfrüchte, Schnitzereien und in Asien hergestellte T-Shirts werden an die Kreuzfahrttouristen verkauft und in geringem Umfang auch exportiert. Der Vertrieb erfolgt über die Pitcairn Island Producers Cooperative (kurz: PipCo). Man kann die Produkte auch über das Internet bestellen.
Den wesentlichen Beitrag zum Staatshaushalt leisten jedoch die Subventionen von Großbritannien und der Europäischen Union. Das selbst erwirtschaftete Haushaltsvolumen der Insel beträgt jährlich eine Viertelmillion US-Dollar, dem stehen Subventionen von 1,1 Millionen US-Dollar pro Jahr gegenüber. [1]
Infrastruktur
Die Stromversorgung erfolgt durch zwei Dieselgeneratoren, die jedoch Energie nicht „rund um die Uhr“ liefern. Ein wesentlicher Kostenfaktor für die kleine Gemeinde ist der Treibstoff für die Generatoren, so dass ein gelegentlich von einem Kreuzfahrtschiff als Gastgeschenk überreichtes Fass Diesel hoch willkommen ist.
Die Häuser sind mit Inseltelefon im UKW-Netz verbunden. Die Installation einer internationalen Erdbebenwarte mit der Notwendigkeit ständiger Datenübertragung hatte zur Folge, dass mittlerweile auch weltweiter E-Mail- und Telefonverkehr über Inmarsat möglich ist. Die Funkstation der Insel betreibt amtlichen Funkverkehr, es gibt aber auch private Kurzwellenverbindungen mit Pitcairn (21348 und 14181 kHz, Rufname VP6TC oder auf 21325 und 21348 kHz, VP6YL und einige mehr).
Die einzige befestigte Straße der Insel ist seit 2005 der von der Landestelle den Hill of Difficulties nach Adamstown hinaufführende, betonierte Weg. Hauptverkehrsmittel sind Quads und Motordreiräder, die schon von den Kindern virtuos gefahren werden.
Pitcairn hat weder Hafen noch Flugplatz. Von Zeit zu Zeit wird über den Bau eines Airstrip diskutiert, bislang jedoch ohne konkrete Umsetzung. Die gesamte Versorgung erfolgt mit Frachtschiffen, normalerweise Containerschiffe im Verkehr zwischen Neuseeland und dem Panamakanal, neuerdings auch von Französisch-Polynesien. Das Schiff liegt auf Reede und die Güter werden in oft gefährlichen Manövern mit den beiden rund 12 Meter langen Aluminium-Arbeitsbooten (Longboats) der Pitcairner überstellt.
Die Inselschule in einem 2006 neu errichteten Gebäude ist recht fortschrittlich mit Computer, Video und DVD-Player ausgestattet. Die Lehrerin wird für zwei Jahre verpflichtet und kommt meist aus Neuseeland. Kinder, die auf weiterbildende Schulen gehen möchten, besuchen Internate in Neuseeland.
Vor einigen Jahren wurde die Krankenstation modernisiert. In dem neu errichteten Gebäude unterhalb des Dorfes sind ein Behandlungszimmer mit Röntgeneinrichtung, ein Zahnbehandlungsraum, Labor und Medikamentendepot sowie ein Krankenzimmer untergebracht. Die Insel hat keinen Arzt. Krankenschwester ist normalerweise die Ehefrau des adventistischen Pfarrers. Inzwischen hat sich aber auch die Pitcairnerin Meralda Warren zur Krankenschwester ausbilden lassen. Ein besonderes gesundheitliches Problem auf Pitcairn ist die Häufigkeit von Diabetes mellitus. Die Ursache dafür ist vermutlich das Zusammenwirken von genetischer Veranlagung und Fettleibigkeit.
In einem Coop-Laden können die Inselbewohner Güter kaufen, die sie nicht selbst herstellen können, allerdings ist das Angebot sehr beschränkt, insbesondere, wenn das Versorgungsschiff wegen ungünstiger Witterung nicht entladen werden konnte.
Mit Mitteln aus Großbritannien und der EU wurde 2005 im Rahmen der Verbesserung der Infrastruktur auch die Landestelle (The Landing) in der Bounty-Bay renoviert und ausgebaut.
Tourismus
Zum Betreten der Insel ist die Erlaubnis des Magistrates erforderlich, die für Kreuzfahrttouristen problemlos erteilt, Besuchern, die länger bleiben wollen, jedoch meist verweigert wird. Man hat mit einigen „Aussteigern“ in den letzten Jahren schlechte Erfahrungen gesammelt. In Adamstown gibt es ein Regierungs-Gästehaus, das offiziellen Besuchern vorbehalten ist, andere Gäste müssen privat unterkommen.
Hauptattraktion ist wohl die Insel selbst mit ihren Bewohnern, und das Wissen zu den wenigen Menschen zu gehören, die Pitcairn jemals betreten haben.
- 2005 wurde ein kleines Museum eingerichtet. Es zeigt fein gearbeitete Steinwerkzeuge aus der Zeit der polynesischen Besiedelung, einige Relikte der Bounty, persönliche Besitztümer der Meuterer, die Schiffsbibel der Bounty und eine Sammlung der begehrten Briefmarken.
- Oberhalb von Adamstown liegt in einem steilen Felsen Christians Cave, eine flache Höhle mit überwältigendem Blick über die Insel und das Meer. Hierhin soll sich Fletcher Christian zurückgezogen haben, um nach britischen Schiffen Ausschau zu halten.
- Am nördlichen Dorfrand befindet sich der kleine Friedhof, romantisch verwittert und mit blühenden Schlingpflanzen überwuchert. Außerhalb des Friedhofes, im Westen des Dorfes, liegt das Grab von John Adams, der neben seinen Frauen bestattet ist. Es ist das einzige erhaltene Grab eines Meuterers der Bounty.
- Der Hauptplatz, ein befestigter Platz in der Dorfmitte, wird umrahmt von der Kirche, der Post, dem Gemeindehaus und dem Gemeindesaal. Vor dem Gemeindehaus sind ein Anker und einer der Vierpfünder der Bounty ausgestellt. Eine weitere Kanone der Bounty befindet sich vor dem Haus des Pitcairners Len Brown.
Der Vergewaltigungsprozess
Nach Gerüchten über Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch von Minderjährigen wurde 1999 eine britische Polizistin nach Pitcairn entsandt, um Ermittlungen einzuleiten. Nach Auftauchen konkreter Beschuldigungen wurden auch Sozialarbeiter eingeschaltet. Die Erhebungen führten zu Strafverfahren gegen sieben von damals zwölf auf der Insel lebenden erwachsenen Männern. Angeklagt wurde in insgesamt 55 Fällen, die bis zu vierzig Jahre zurückreichten.
Die Angeklagten erstritten zunächst das Recht, das Verfahren auf der Insel abhalten zu lassen, statt in Neuseeland, wie 2002 vom britischen Parlament vorgeschlagen. Um Zeugen aus Norfolk und Neuseeland per Videoübertragung vernehmen zu können, wurde die bestehende Satelliten-Übertragungsanlage ausgebaut. Weitere Baumaßnahmen wurden unter anderem erforderlich, um die Verdopplung der Einwohnerzahl der Insel während der siebenwöchigen Verhandlungen zu bewältigen. Zuletzt wurden Richter, Gerichtsbeamte, Polizisten, Verteidiger und Staatsanwalt auf die Insel verschifft; auch sechs Journalisten reisten an. Die Kosten des Verfahrens werden laut New Zealand Press Association am 3. November 2006 mit nahezu 17 Millionen Dollar beziffert (Anmerkung auf der höchst ausführlichen Seite en:Pitcairn sexual assault trial of 2004).
Die Verhandlung begann am 30. September 2004. Die Verteidiger argumentierten, die Insel unterliege nicht unbedingt britischem Recht; sexuelle Kontakte mit Minderjährigen entsprächen einem seit mehr als 200 Jahren bestehenden Gewohnheitsrecht.
Am 24. Oktober 2004 wurden für 35 der 55 untersuchten Fälle sechs der Angeklagten zu Strafen von 300 Tagen Arbeitsleistung bis zu 6 Jahren Haft verurteilt, freigesprochen wurde Jay Warren, jetzt Bürgermeister der Insel. Die Verteidiger legten Berufung ein, die ab dem 18. April 2005 am Supreme Court in Auckland, Neuseeland, verhandelt und am 2. März 2006 abgewiesen wurde. Zuletzt riefen die Verurteilten den britischen Kronrat Privy Council (London) an, der im Oktober 2006 die Anträge endgültig ablehnte.
Die Vollstreckung der Haftstrafe für einen Großteil der arbeitsfähigen männlichen Einwohner ergibt gravierende Probleme bei der Bemannung der Longboats und der Durchführung lebensnotwendiger Gemeinschaftsarbeiten. Bereits zu Beginn der Untersuchungen war also abzusehen, dass bei Verhängung von Haftstrafen zumindest einzelnen Verurteilten Freigang für unumgängliche Arbeitseinsätze erteilt werden müsse. Fraglos haben die geschilderten Ereignisse das Zusammenleben auf der Insel auf Jahre hinaus nachhaltig beeinflusst.
Pitkern
Pitkern (Pitcairn-Englisch) ist das auf der Insel bis heute gesprochene Idiom.
Quellen
Literatur
- Caroline Alexander: Die Bounty, Die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty. Berlin Verlag 2004.
- Dea Birkett: Schlange im Paradies, Albrecht Knaus 1997, ISBN 3-8135-0123-X
(beschreibt den Inselalltag aus der Sicht einer wenig beliebten Langzeitbesucherin) - Herbert Ford: Pitcairn: Port of Call, Hawser 1996; ISBN 0964964201
(englisch; Professor Ford ist Leiter des Pitcairn Islands Study Center, Pacific Union College [Adventisten]) - Henry Lavachery: Contribution à l´étude de l´archéologique de l’Île de Pitcairn, veröffentlicht im Bulletin der königlich belgischen Gesellschaft für Anthropologie und Vorgeschichte, Band V 51, 1936 (Ergebnisbericht der französisch-belgischen archäologischen Expedition, in französischer Sprache)
- Charles Nordhoff und James Hall: Meer ohne Grenzen, z. B. Verlag Maritim, Hamburg 2004 (Die Geschichte Pitcairns als Roman, deutsch; ISBN 3-89225-508-3)
- Jared Diamond: Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3100139046
Weblinks
- http://www.lareau.org/pitcairn2.gif Karte der Insel
- http://www.government.pn/ Pitcairns offizielle Website (englisch)
- http://www.jncc.gov.uk/pdf/OT_Pitcairn.pdf Untersuchung über die Flora und Fauna der Pitcairn-Inseln
- http://aob.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/92/1/31 Bestandsaufnahme der Flora Pitcairns
- http://library.puc.edu/pitcairn/pitcairn/index.shtml Informationen über die Pitcairn-Inseln (Pacific Union College; englisch)
- http://www.mare.de/mare/hefte/pitcairn.php Pitcairn-Kolumne und -Archiv in der Zeitschrift mare (dt.)
- http://www.koys.de/Pitcairn/ Pitcairn: Ein Bilderbuch zum Herunterladen (Ina Koys)
- http://onlinepitcairn.com/newslinks.htm Tagebuch des Pitcairners Mike Warren
- Interview mit einem Deutschen, der mit Frau und Kindern nach Pitcairn auswandern wollte und dort ein Jahr verbrachte (FAZ 2006)
- Pitcairn – Endstation der Bounty (Info zum Dokumentarfilm, BRD 1989/1990; Drehbuch und Regie Reinhard Stegen)
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Koordinaten: 25º 4' 14" s. Br., 130º 6' 16" w. L.
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