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Paul Feyerabend
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Paul Karl Feyerabend (* 13. Januar 1924 in Wien; † 11. Februar 1994 in Genolier/Schweiz) war ein österreichischer Philosoph und Wissenschaftstheoretiker.
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Überblick
Feyerabend gilt dem breiten Publikum zusammen mit Thomas Samuel Kuhn als ein Vertreter einer eher soziologisch orientierten Wissenschaftstheorie, die im berüchtigten Ausspruch gipfele: „Anything goes“. Feyerabend steht damit im Ruf, Verfechter eines erkenntnistheoretischen Relativismus, eines (Wissenschafts-)Anarchismus und/oder philosophischen Dadaismus zu sein.
Feyerabend lieferte jedoch für die Fortentwicklung einer wissenschaftstheoretischen Konzeption auf den Grundpositionen des Fallibilismus und vor allem des Theorienpluralismus wesentliche Einsichten. Seine zweifellos scharfe, oft vernichtende Polemik wandte sich gegen jede Form methodologischer Erstarrung.
Biografie und Werdegang
Paul Karl Feyerabend ist am 13. Januar 1924 in Wien geboren. Er beginnt 1946 in Wien, Theaterwissenschaft, Geschichte, Soziologie, Physik, Mathematik und Astronomie zu studieren. Nach seiner Promotion zum Dr. phil. beim letzten in Wien lehrenden Angehörigen des Wiener Kreises, dem Philosophen und Wissenschaftstheoretiker Victor Kraft, erhält er ein Stipendium des British Council und geht nach London. Er will dort eine Assistentenstelle bei Ludwig Wittgenstein antreten. Genau in dieser Zeit stirbt Wittgenstein, und Feyerabend entscheidet sich für eine Stelle bei Karl Popper. Feyerabend entwickelte sich, obwohl er nie Philosophie an sich studiert hatte, zu einem Anhänger Karl Poppers und des kritischen Rationalismus. 1951 erfolgt seine Promotion, daran anschließend Dozententätigkeit in Wien und Bristol sowie leitende Mitarbeit beim Europäischen Forum Alpbach.
1959–1990 ist Feyerabend Professor für Philosophie an der Universität von Kalifornien in Berkeley. Weitere Lehraufträge führen ihn nach Yale (1966–67), London (1965–68) und an die FU Berlin (1967–69). 1980–1990 hat er eine Professur für Philosophie der Wissenschaft inne an der ETH Zürich.
Zwischen 1955 und 1990 durchwandert er viele Stationen, u.a. Berkeley, Hamburg, Auckland, Kassel, New Haven, London und FU Berlin und übt schließlich zwei Professuren gleichzeitig aus, in Berkeley und an der ETH in Zürich. 1990 wird er in Berkeley wie in Zürich emeritiert.
Feyerabends wissenschaftstheoretische Einsichten
Zu Beginn seiner wissenschaftstheoretischen und wissenschaftlichen Laufbahn vertrat Feyerabend die wissenschaftstheoretischen Ansichten Karl Poppers bzw. des kritischen Rationalismus.Um 1968 ändert sich Feyerabends Wissenschaftsverständnis; fortan verstand er bestimmte Vernunftskriterien nur als eine mögliche Alternative unter vielen. Nach dieser wissenschaftstheoretischen Katharsis tritt Feyerabend als Kritiker des Rationalismus auf, insbesondere der vorherrschenden Wissenschaftstheorie und Methodologie. So bezeichnete er etwa den kritischen Rationalismus zuweilen als Law-and-Order-„Rationalismus”. Feyerabend rebellierte gegen den orthodoxen Dogmatismus der Wissenschaft, wobei er sich im Dienste der Provokation auch derart äußerte, Regentänze seien genausogut wie Wettervorhersagen und Wahlprognosen nicht besser als Astrologie. Feyerabend sah Wissenschaft, neben beispielsweise Religion oder Kunst, nur als eine von vielen Möglichkeiten, Erkenntnis zu gewinnen. Den verschiedenen Zugänge zur Wahrheit eine feste Wertigkeit zuzuordnen, war nach Feyerabend nicht möglich, teilweise auch deswegen, weil diese Wahrheitszugänge untereinander inkommensurabel seien.
Für Feyerabend lässt sich aus der Wissenschaftsgeschichte der Schluss ziehen, dass die Praxis der Erkenntnisgewinnung und Erkenntnisveränderung in oftmals irrationaler und anarchischer Weise bestehende wissenschaftstheoretische Grundsätze verletzt hat und eben darum erfolgreich war. Feyerabend betont die Bedeutung von Intuition und Kreativität als Voraussetzung des Erkenntnisgewinns und Erkenntnisfortschritts, beide dürfen nicht durch eine bestimmte dogmatische Rationalität und wissenschaftstheoretisch-methodologische Regeln und Zwänge, die ihrerseits nicht sakrosankt sind, sondern vielmehr im Erkenntnisprozess einem Wandel unterliegen, nutzlos und in irreführender Weise eingeschränkt werden. So prägte er den Begriff der Anti-Regel.
Feyerabend fordert eine scharfe Trennung von Staat und Wissenschaft, darüber hinaus wandte er sich gegen den Überlegenheitsanspruch von Experten und Wissenschaftlern.
Sein Ziel war eine freie Gesellschaft, in der Bürger und Politiker direkt, ohne weitere administrative Umwege über abstrakte Theorien, am Erkenntnisprozess teilhaben. Eine objektive, von Lebens- und Erfahrungspraxis in einer freien Gesellschaft abgetrennte (und damit die bislang herrschende) Rationalität — in Form der Logik, Wissenschaftstheorie und bestimmter Sozialtheorien — soll durch Beteiligung der Bürger ersetzt werden.
Feyerabends Kritik an Popper
Für Feyerabend spielt Vernunft eine andere Rolle als bei Popper. Und sodann funktioniert Wissenschaft nach Feyerabends Ansicht anders, als Poppers methodologische Untersuchungen dies nahelegten.
Wissenschaftler stellen selbst fest, nach welchen Maßstäben eine bestimmte Wissenschaft abzulaufen hat, und wann es erforderlich ist, nicht nur Theorien, sondern auch methodologische Grundsätze und Regeln abzuändern oder auszuwechseln.
Mittels Beispielen aus der Wissenschaftsgeschichte will Feyerabend belegen, dass sich faktisch Wissenschaftler häufig nicht an feste Regeln halten und dennoch oder gerade deswegen zum Erfolg gelangen. Besser als sich auf die Schaffung einer bestmöglichen Methodologie zu konzentrieren sei es demnach, sich grundsätzlich opportunistisch zu verhalten, also überspitzt formuliert: Alles geht! Feyerabends Anarchismus verkündet also nicht die Regellosigkeit als Ziel, sondern fordert nicht nur einen Theorienpluralismus, sondern ebenfalls einen Methodenpluralismus.
Werke
- Wider den Methodenzwang (Against Method. Outline of an Anarchistic Theory of Knowledge). Frankfurt/M. 1975. ISBN 3518281976
- Erkenntnis für freie Menschen Frankfurt/M. 1980). ISBN 351811011X
- Wissenschaft als Kunst. Frankfurt/M. 1980. ISBN 351811011X
- Zeitverschwendung (Autobiographie). Frankfurt/M. 1995. ISBN 3518392220
- zus. mit Hans Albert: Briefwechsel. Frankfurt/M. 1997 ISBN 359613434X
- Widerstreit und Harmonie, Hg. von Peter Engelmann, Wien: Passagen Verlag 1998. ISBN 3-85165-305-X
- Conquest of Abundance (posthum veröffentlicht von Bert Terpstra). Chicago 2001 ISBN 0226245349
- Wissenschaftstheoretische Plaudereien. Originaltonaufnahmen 1971-1992, hrsg. v. Klaus Sander. Audio-CD, 60 Minuten und Booklet, 24 Seiten. Köln: supposé 2000. ISBN 3-932513-15-0
- Stories from Paolino's Tapes. Private Recordings 1984-1993, hrsg. v. Grazia Borrini-Feyerabend und Klaus Sander. Audio-CD, 68 Minuten. Köln: supposé 2001. ISBN 3-932513-19-3
- Die Vernichtung der Vielfalt. Ein Bericht, Hg. von Peter Engelmann, Wien: Passagen Verlag 2005., ISBN 3-85165-633-4.
Literatur
- Eberhard Döring: Paul K. Feyerabend zur Einführung, Hamburg: Junius, 1998,ISBN 3885069806
- Thomas Sukopp: Anything goes? – Paul K. Feyerabend als Elefant im Popperschen Porzellanladen. Aufklärung und Kritik, 1/2007 14. Jg. ISSN 0945-6627
Weblinks
- Literatur von und über Paul Feyerabend im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eintrag (englisch) in der Stanford Encyclopedia of Philosophy (inkl. Literaturangaben)
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- Eintrag über Paul Feyerabend im Österreich-Lexikon von aeiou
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- http://www.philosophenlexikon.de/feyerab.htm – Kurzinhalte einiger seiner Werke
- http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/philarchiv/bestaende/Feyerabend.htm – Nachlass, Manuskripte, Korrespondenz und Handbibliothek Paul Feyerabends im Philosophischen Archiv der Uni Konstanz
- Passagen Verlag - Das Verlagsprogramm, mit Werken von Paul Feyerabend
- Paul Hoyningen-Huene: Paul Feyerabend – ein postmoderner Philosoph?
- Das „Testament“ des Paul Feyerabend
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Feyerabend, Paul Karl |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Philosoph und Wissenschaftstheoretiker |
| GEBURTSDATUM | 23. Jänner 1924 |
| GEBURTSORT | Wien, Österreich |
| STERBEDATUM | 11. Februar 1994 |
| STERBEORT | Genolier, Schweiz |
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