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Palichnologie

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Replik der Fährte eines bipeden Dinosauriers aus der spanischen Provinz La Rioja
Replik der Fährte eines bipeden Dinosauriers aus der spanischen Provinz La Rioja

Palichnologie (gr.: palaios: alt, íchnos: Fußspur, Fährte, -logie: Kunde, auch Paläoichnologie) ist das Teilgebiet der Paläontologie, das sich mit den Spurenfossilien (Ichnia) befasst. Fossile Lebensspuren von Organismen können, wie z. B. Trittsiegel und Fährten, die Sedimentoberfläche prägen oder, wie Grabgänge und Wohnbauten, oberflächennahe Horizonte tiefgehend durchdringen.

Inhaltsverzeichnis

Klassifikation fossiler Spuren

Die ethologische Klassifikation ordnet Typen von Spurenfossilien einem bestimmten Verhalten zu. Demnach werden Ruhespuren (Cubichnia), Kriechspuren (Repichnia), Weidespuren (Pascichnia), Fressspuren (Fodichnia), Wohnspuren (Domichnia), Fallen und Kultivierungsspuren (Agrichnia), Raubspuren (Praedichnia), Ausgleichsspuren (Equilibrichnia), Fluchtspuren (Fugichnia), über dem Substrat angelegte Spuren (Aedificichnia) und Brutstrukturen (Calichnia) unterschieden, wobei es eine Anzahl von Spurenfossilien-Arten gibt, bei denen das Verhalten, das die Spuren erzeugte, in Diskussion ist.

In der Beschreibung von Spurenfossilien werden derzeit offiziell nur Ichnogenera (Spurengattungen) und Ichnospezies (Spurenarten) verwendet, es werden also im Rahmen einer Parataxonomie entsprechende Formtaxa aufgestellt. Da unterschiedliche Organismengruppen Spuren des gleichen Typs erzeugen können und umgekehrt eine Art unterschiedliche Spuren hinterlässt, erfolgt die Klassifikation von Spurenfossilien gemäß der so genannten Ichnotaxonomie, unabhängig von und ergänzend zu der sonstigen Taxonomie fossiler Organismen. Die Benennung von neuen Spurenarten oder -gattungen (Ichnotaxa) erfolgt auf der Grundlage der allgemeinen Form, bei Gängen nach der Wandungsstruktur, nach der Geometrie und Anordnung im Raum und nach der Sedimentfüllung.

Ein bekanntes Beispiel für ein solches Ichnotaxon ist das Chirotherium, ein Vertreter der Archosauria aus der Untertrias (mittlerer Buntsandstein), das auf der Grundlage eines in Südthüringen bei Hildburghausen gefundenen Fährtenabdrucks auf einer Sandsteinplatte 1835 von Johann Jakob Kaup beschrieben wurde.

Spurenfossilien-Vergesellschaftungen und Bioturbationsgrad

Vergesellschaftungen von Spurenfossilien, die offenbar auf eine definierte Lebensgemeinschaft zurückgehen, werden als Palichnozönose bezeichnet. Oftmals zeigen Spurenvergesellschaftungen aufgrund unterschiedlicher Lebensweisen und Gewohnheiten seiner Erzeuger eine horizontale Abfolge innerhalb des Sediments, d. h. einen Stockwerkbau. Eine horizontale Abfolge unterschiedlicher fossiler Spuren im Gestein kann jedoch auch Sukzessionen, also eine zeitliche Abfolge unterschiedlicher Spurenfossilien-Vergesellschaftungen, repräsentieren.

Spurenfossilgemeinschaften, die im Verlauf der Erdgeschichte immer wiederkehrend für einen bestimmten Ablagerungsraum typisch waren, werden als Ichnofazies bezeichnet. Eine charakteristische Spuren-Vergesellschaftung kann demnach wichtig für die Interpretation der Genese eines Sedimentgesteins sein. Aussagen zu Umweltfaktoren wie Sauerstoffgehalt, Salinität und Sedimentationsrate in einem marinen Ablagerungsraum lassen sich aus der Analyse von Spurenfossilien-Vergesellschaftungen ableiten.

Die Zerstörung ursprünglicher Sedimentmerkmale durch grabende Organismen wird als Bioturbation bezeichnet. So kann z. B. ein ehemals geschichteter Sand durch Bioturbation homogenisiert werden, so dass die Schichtung komplett ausgelöscht wird. Der Bioturbationsgrad bezeichnet in einer Schicht den prozentalen Anteil des bioturbierten Sediments.

Literatur

  • R.G. Bromley(1999): Spurenfossilien: Biologie, Taphonomie und Anwendungen. – Springer, Berlin/ Heidelberg, 347 S.
  • H. Haubold (1984): Saurierfährten. Neue Brehmbücherei Bd. 479. – A. Ziemsen Verlag, Wittenberg, 230 S.

Weblinks

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