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Ortenburg (Bautzen)
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Die Ortenburg liegt in der Bautzener Altstadt auf einem Felsplateau über der Spree. Sie war Jahrhunderte lang die Stammesburg der Milzener und die Hauptveste der Oberlausitz und befand sich im Besitz der jeweiligen Landesherren. Markantestes Gebäude des Burgkomplexes ist der spätgotische Matthiasturm.
Vor den Toren der Festung schloss sich in östlicher Richtung das Burglehn an. In dieser Siedlung wohnten ursprünglich die Adligen, die der Burgbesatzung angehörten. Das Burglehn lag außerhalb des Bautzener Stadtrechts. Die dortigen Häuser oder Grundstücke wurden vom Landesherren als Lehen vergeben.
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Burggeschichte
Der auf drei Seiten von der Spree umflossene Felssporn, auf dem sich heute die Ortenburg befindet, war aufgrund dieser Lage bereits in der Bronzezeit besiedelt. Der erste Wall wurde während der Eisenzeit aufgeschüttet. Nach der Eroberung des slawischen Gebietes Milzane durch König Heinrich I. gründete dieser 928 im Bogen der Spree eine Landesburg für den neuen Gau. Unter Heinrich I. wurde mit dem Bau einer Ringmauer begonnen, deren Bau unter seinem Sohn Otto I. beendet wurde. Neben der Ringmauer ließ Otto I. auf dem steilen rechten Spreeufer auch die Ortenburg errichten.
Nach jahrelangen Streitigkeiten um den Besitz der Oberlausitz wurde hier 1018 der Frieden von Bautzen zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Polen geschlossen. 1158 gerät die Oberlausitz als Lehen an Böhmen. Das „Castrum Budissin“ (die Bautzener Burg) wurde als ihr Verwaltungszentrum angesehen.
Die erste namentliche Erwähnung der Ortenburg stammt aus dem Jahre 1405.
Vom Ende des 13. bis zum ausgehenden 17. Jahrhundert war die Burg Sitz des Landvogts. Vom Ende des 17. bis ins 19. Jahrhundert beherbergte sie die Oberamtsregierung der Oberlausitz und heute das Sächsische Oberverwaltungsgericht. Auch das Sorbische Museum ist in einem Gebäude der Ortenburg untergebracht.
Bau
Ihre noch heute erhaltenen starken Befestigungen erhielt die Burg vor den Hussitenkriegen im 15. Jahrhundert. Nach den Stadtbränden in den Jahren 1401 und 1441 wurden ebenfalls größere Ausbauarbeiten getätigt. Nach dem Frieden von Olmütz (1479), durch den die Lausitz dem ungarischen König Matthias Corvinus zugesprochen wurde, wurde die Ortenburg in dessen Auftrag durch den Landvogt zwischen 1483 und 1486 im gotischen Stil neu aufgebaut. Aus dieser Zeit stammt auch der nach dem König benannte Matthiasturm mit dem Relief.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Ortenburg während zweier schwedischer Belagerungen (ab 1620 und ab 1634) in den Jahren 1621 und 1639 in Brand geschossen und schwer zerstört. Bereits 1635 begann man langsam mit dem Wiederaufbau. Nach 1648 wurde die Burg wieder vollständig aufgebaut, wobei 1672 erst die Hälfte des Daches gedeckt war. Den Abschluss fand dieser Bauabschnitt im Jahr 1698 mit der Vollendung der drei markanten Renaissance|giebel. Diese wurden 1698 von Ezechiel Eckhardt nach Plänen von Martin Pötzsch erbaut. Mit dem Wiederaufbau der Burg wurde das Hauptgebäude zur Stadtseite hin mit starken Mauern bewehrt. Vor diesen Mauern befand sich der Burggraben, woran noch heute der Straßenname Schlossgraben erinnert.
Durch das Matthiastor war die Burg von der Schlossstraße her zugänglich. Neben dem Matthiasturm gehört zu den auffälligen Teilen der Verteidigungsanlagen auch der Burgwasserturm. Ursprünglich befand sich noch am südlichen Ende der zur Stadt hin gewandten Mauer ein Wehrturm, der jedoch im 17. Jahrhundert in sich zusammengestürzt war und nicht wieder aufgebaut wurde. 1649 wurde das im nördlichen Teil der Burg befindliche Hofrichterhaus fertiggestellt.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Burggraben aufgefüllt (1782), die Burgmauer zum Burglehn hin durchbrochen (Neues Tor), das Kornhaus an der Südmauer, ein Magazingebäude und das Salzhaus errichtet. Im Jahr 1869 wurde das Salzhaus als Schwurgerichtsgebäude neu erbaut. Das Salzhaus wird seit 1971 vom Sorbischen Museum genutzt. 1907 wurde die Mauer zur Stadt hin teilweise abgetragen.
Durch den Zweiten Weltkrieg wurden 1945 die Fronfeste des Burgwasserturms, das Magazingebäude und das Kornhaus stark beschädigt.
In den Neunziger Jahren wurde die Burg rundum saniert. 2003 wurde der Bau des neuen Burgtheaters (Puppentheater des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters) am Platz des zerstörten Kornhauses fertig gestellt. Besonders interessant ist der hier aufgestellte Rietschelgiebel.
Von der mittelalterlichen Bausubstanz blieben lediglich der Burgwasserturm, der Matthiasturm und die Mauer erhalten.
Matthiasturm
Der Matthiasturm (sorb. Maćijowa wěža) wurde im Rahmen des Neubaus der Ortenburg in der Zeit von 1483 bis 1486 auf der Grundlage des Matthiastores im spätgotischen Stil erbaut. Benannt wurde der Turm nach dem ungarischen König Matthias Corvinus, welcher von 1469 bis 1490 als Landesherr der Oberlausitz im Besitz der Burg war.
Bereits im Jahre 1225 wurde im zweiten Geschoß des damaligen Matthiastores eine Schloßkapelle eingerichtet, die der Meißener Bischof Bruno II. einweihte. Die St. Georgskapelle wurde im 15. Jahrhundert durch Arnold von Westfalen weiter ausgestaltet. Im Dreißigjährigen Krieg brannte die Schloßkapelle aus und wurde nicht wieder restauriert.
An der Stadtseite des Turms befindet sich seit 1486 ein monumentales, 9 Meter hohes und 4 Meter breites Relief aus Sandstein von Briccius Gauske, das den Ungarnkönig Matthias Corvinus zu Pferde darstellt. Das Abbild des Königs wird von zwei Engeln sowie von zwei Sandsteintafeln mit Wappen flankiert. Das Denkmal wurde 1925/26 erneuert. 1993 wurden beim Relief die fehlenden Wappen der ungarischen Provinzen Kroatien, Dalmatien, Österreich, Schlesien, Steiermark, Mähren und der Lausitz wieder ergänzt. Nachbildungen dieser Originaldarstellung befinden sich in Budapest (Ungarn), Szeged (Ungarn) und Kralova Lehota (Slowakei).
Burgwasserturm
Der Burgwasserturm (sorb. Hrodowa wodarnja) befindet sich am äußersten Westrand des Felsplateaus, auf dem die Ortenburg erbaut ist.
Er wurde zur Wasserversorgung der Burg erbaut. Der untere Teil des Burgwasserturmes stammt vermutlich bereits aus dem frühen 14., der obere Teil aus dem 15. Jahrhundert. Er ist der älteste Teil der Burganlage.
1535 wurde die Spree umgebettet, wodurch der Burgwasserturm seine ursprüngliche Bedeutung verlor. Infolge nutzte man den Turm als Verteidigungsturm. Zwischen dem Turm und dem Burghof befindet sich ein Verbindungsgebäude, das seit 1740 als Fronfeste diente. In dieser Fronfeste waren bspw. in der Zeit von 1800 bis 1803 der Räuberhauptmann Johannes Karasek und von 1813 bis 1815 der Anführer der Lausitzer Räuberbande Wenzel Kummer eingesperrt. Das Gefängnis wurde um 1900 aufgelöst. Im Zweiten Weltkrieg wurden 1945 der Innenraum und das Dach des Burgwasserturms zerstört. Im Jahr 2000 wurde das zerstörte Dach rekonstruiert.
Hofrichterhaus
Im Zuge des Wideraufbaus der Ortenburg wurde 1649 das Hofrichterhaus errichtet.
Die Hofrichter waren Lausitzer Adlige. Sie wurden vom Landesherrn bzw. Landvogt eingesetzt und übten die Gerichtsbarkeit über Adels- und andere Standespersonen, sowie über städtische Beamte aus. Zudem richteten sie bspw. wegen Mordes, Straßenraubes oder Fehde auch über alle übrigen Personen.
Im Hofrichterhaus befand sich später das Militärarresthaus.
Auffällig ist der zierliche Schornstein im Stil der Spätrnaissance.
Neben dem Hofrichterhaus befindet sich eine Ausfallpforte, die 1639 während der schwedischen Doppelbelagerung geschaffen wurde. An der Ausfallpforte beginnt der Osterweg, der als Aufsichtsweg für die Wächter der Fronfeste diente. Der Osterweg führt um die Burganlage herum zum Durchgang vor dem Neuen Tor der Ortenburg.
Salzhaus
Das Salzhaus wurde im Jahr 1782 errichtet.
Der Grund für die Errichtung dieses Salzmagazins war eine Anordnung aus dem Jahr 1779, nach der eine Salzniederlage in Budissin errichtet werden sollte. Der Salzschank wurde im Jahr 1834 in das Rathaus von Bautzen verlegt.
Im Jahre 1835 wurden in dem Gebäude die Kreisdirektion, das Königliche Kreisamt und das Königlich-Sächsische Appellationsgericht zu Budissin eingerichtet. Das Königlich-Sächsische Appellationsgericht war die oberste Justizbehörde der Oberlausitz.
1869 wurde das Gebäude umgebaut. Das Appellationsgericht wurde im Jahre 1879 zum Landgericht umbenannt. Seit dem ist das Gebäude auch als Schwurgerichtsgebäude bekannt. Das Landgericht verblieb dort bis ins Jahr 1907.
In der Zeit des Nationalsozialismus richtete die Gestapo einen Sitz in diesem Gebäude ein.
1971 wurde im Salzhaus das Sorbische Museum eingerichtet.
1986 bis 1989 wurde das Salzhaus umfassend restauriert.
Der ehemalige Verhandlungssaal des Schwurgerichts ist mit klassizistischen Wandbemalungen versehen.
Siehe auch
Weblinks
- http://www.bautzen.de/tourismus.asp?mid=21&iid=203
- Die Ortenburg – Geschichte, Infos und Bilder
- http://www.justiz.sachsen.de/gerichte/homepages/ovg
Literatur
- Dr. Wolfgang Roch: Bautzen. Die Hauptstadt des königlich sächs. Markgraftums Oberlausitz. Bautzen 1914, Wellersche Buchhandlung (Oskar Roesger).
Koordinaten: 51° 10′ 59" n. Br., 14° 25′ 13" ö. L.
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