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Oranische Heeresreform
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Als Oranische Heeresreform bezeichnet man eine Reform des niederländischen Heeres gegen Ende des 16. Jahrhunderts.
Voraussetzungen
Der Krieg in den Niederlanden entzündete sich in den 1560er Jahren sowohl an konfessionellen als auch rechtlichen Konflikten zwischen der spanischen Zentralmacht und den niederländischen Ständen. Was den Krieg, der sich von 1568, nur von einem Waffenstillstand 1609-21 unterbrochen, bis 1648, also 80 Jahre lang (siehe auch Achtzigjähriger Krieg) hinzog, auszeichnet, ist die Tatsache, dass es den Niederländern gelang, der damals noch unangefochtenen Militärmacht Spanien Paroli zu bieten und den ökonomisch weit entwickelten Norden der Niederlande zu behaupten. Dazu trugen besonders taktische Neuerungen bei, die der Heerführer des niederländischen Heeres, Moritz von Oranien, ab den 1580er Jahren einführte.
Die Reform
Schon das ganze 16. Jahrhundert hatte sich das Verhältnis von Piken und Musketen zugunsten Letzterer verändert. Während der Schweizer „Haufen“ und das spanische Tercio noch ein deutliches Übergewicht an Pikenieren hatten, rüsteten die Niederländer etwa die Hälfte ihrer Truppen mit Feuerwaffen aus. Um beide Waffengattungen besser zum Einsatz zu bringen, wurden die Einheiten auf Kompanien zu je 550 Mann verkleinert. Damit wurde die Tiefe der Einheiten reduziert, die quadratische Karreeformation mit bis zu 30 Linien zu einer nur mehr 10 bis 12 Linien tiefen Formation auseinander gezogen. Zudem wurde die Kampfkraft der Truppen optimiert, ebenso stiegen jedoch die Anforderungen an den einzelnen Soldaten. Während im Tercio üblicherweise nur der Teil der Truppe zum Kampfeinsatz gelangte, der sich in den vorderen Linien befand, standen bei den niederländischen Söldnern praktisch alle im direkten Kampfgeschehen.
Dies setzte ein erhöhtes Maß an Training, Disziplin und Drill voraus. Die niederländischen Söldner wurden daher zu Übungen verpflichtet, die sich an antiken Vorbildern orientierten und die die Handhabung der Waffen verbessern sollten. Eigene illustrierte Handbücher wurden verfasst, in denen jeder Schritt beim Umgang mit der Pike oder der Muskete abgebildet war, um einheitliche und effektive Manöver ausführen zu können und die Schussfolge der Musketiere zu erhöhen. Demselben Zweck der Erhöhung der Schussfolge diente der sogenannte Kontermarsch, bei dem sich die vorderste Linie der Musketiere nach Abgabe der Salve zwischen den Reihen zurückzog, um erneut mit dem Laden der Waffen zu beginnen. Währenddessen feuerten auch die anderen Linien ihre Waffen ab und stellten sich ebenfalls hinter der letzten Linie auf. Somit standen die Söldner wieder in vorderster Linie, sobald der Ladevorgang an ihren Waffen abgeschlossen war. Dies sollte es ermöglichen, ein kontinuierliches Feuer zu erhalten und damit jeden Angriff feindlicher Kräfte verhindern. Da sich die Linien dabei langsam zurückzogen, schreibt man dieser Taktik einen eher defensiven Charakter zu. Erst im Verlauf des 17. Jahrhunderts wurde der Kontremarsch "umgedeht" und auch offensiv eingesetzt.
Um diese Form intensiven Drills zu ermöglichen, wurde im niederländischen Heer die Anzahl der Offiziere erhöht, die sowohl in der Garnison als auch im Kampf die Einhaltung der taktischen Manöver überwachten. Der einzelne Söldner hingegen wurde zu einem Rädchen im Getriebe einer möglichst effektiv laufenden, militärwissenschaftlich fundierten Kriegsmaschine reduziert. Zudem waren die Anforderungen an den Einzelnen so gewachsen, dass nur noch Professionalisten, das heißt hauptberufliche oder längere Zeit dienende Söldner, diese erfüllen konnten, was neben finanziellen Erwägungen den Durchbruch für ein stehendes Heer mit sich brachte. Im Prinzip war damit aus rein militärtaktischen Erwägungen der erste und wichtigste Schritt zur Uniformierung und Disziplinierung des Söldners und zur Schaffung eines stehenden Heeres gemacht.
Literatur
- Michael Roberts: The military revolution, 1560–1660. In: Clifford J. Rogers: The military revolution debate. Readings on the military transformation of early modern Europe. Westview Press, Boulder, Colo. 1995, ISBN 0-8133-2053-4, S. 13-35.
- Charles Oman: A history of the art of war in the sixteenth century. Greenhill Books, London 1991, ISBN 0-947898-69-7
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