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Opportunismus

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Bild:Disambig-dark.svg Dieser Artikel bezieht sich auf den gesellschaftlichen Aspekt. Für andere Bedeutungen, siehe Opportunist

Der Opportunismus bezeichnet die Anpassung an die opportune, das heißt an die zweckmäßige jeweilige Situation beziehungsweise Lage.

Inhaltsverzeichnis

Begriffserklärung

Opportun heißt "herangetragen" (wörtlich), "gelegen" (figurativ), und bezieht sich auf eine günstige Gelegenheit; der Opportunist geht allerdings viel weiter, er nutzt eine günstige Gelegenheit ohne Rücksicht auf Konsequenzen oder eigene Wertvorstellungen zu seinem Vorteil. Es ist ein überwiegend negativ besetzter Begriff: Der Opportunismus stellt die Zweckmäßigkeit über die Grundsatztreue. Eine abgeschwächte Form des Opportunismus findet sich im Pragmatismus oder eventuell auch Realismus wieder. Man kann als Gegenpol zum Opportunisten den Ideologen sehen. Überhaupt ist der Dogmatismus als der "Gegenspieler" des Opportunismus anzusehen. In diesem Begriffszusammenhang ist es schwierig, den Übergang zwischen Kompromissbereitschaft und Opportunismus zu definieren / festzulegen. Politischer Opportunismus nimmt unter Umständen langfristige Nachteile in Kauf, um kurzfristig Zustimmung zu erzielen und bedeutet oftmals das Aufgeben der eigenen Meinung - teilweise oder ganz - zum Vorteil einer anderen Meinung, welcher man größere Chancen auf allgemeine Zustimmung einräumt.

Die darwinsche Evolutionstheorie beschreibt beispielsweise ein opportunistisches Prinzip in der Natur. In der Ökologie bezeichnet Opportunismus ein Verhalten von an sich harmlosen Parasiten, die bei einer Abwehrschwäche des Wirtes zu gefährlichen Krankheitserregern werden (siehe unter Parasitismus).

In der Geschichte ist Adolf Hitler ein Beispiel für einen Opportunisten. In seinen propagandistischen Reden, mit denen er versuchte, neue Wähler zu gewinnen, versprach er beispielsweise Vermietern steigende Mieteinnahmen, den Mietern aber gleichzeitig sinkende Mieten, oder, wesentlich grundlegender, antikapitalistische Forderungen wie Verstaatlichungen und Gewinnbeteiligungen einerseits und Schutz des Privateigentums andererseits. Je nach Situation passte er sich also an, ohne dabei einer Linie treu zu bleiben. Die nationalsozialistische Herrschaft wies entsprechend dem Opportunismus seiner Führungskräfte keine widerspruchsfreie Programmatik auf.

Wirtschaft

In der Transaktionskostentheorie versteht man unter Opportunismus eine Verhaltensannahme, die die Suche des Eigennutzes unter Zuhilfenahme von List und Tücke zum Ziel hat. (Oliver E. Williamson)

Zitate

  • Opportunisten sind Prinzipienreiter, die leicht umsatteln. (Lothar Schmidt)
  • Der Politiker, der sich vom Opportunismus leiten läßt, ist wie ein Mensch, der kein Billard mehr spielt, weil er beim Billard verloren hat, oder der mit Golfspielen aufhört, weil er beim Golf geschlagen wurde. (Gilbert Keith Chesterton)
  • Menschlichkeit und Gerechtigkeit sind die Prinzipien, nach denen ein Staat geführt wird, doch nicht die Armee; Opportunismus und Flexibilität dagegen sind militärische, keine zivilen Tugenden. (Sun Tsu: "Die Kunst des Krieges")
  • By opportunism I mean self-interest seeking with guile. This includes but is scarcely limited to more blatant forms, such as lying, stealing, and cheating. Opportunism more often involves subtle forms of deceit. Both active and passive forms and both ex ante and ex post types are included. (Oliver E. Williamson (1985))
  • Ein Opportunist ist ein "Jenachdemer". (Wilhelm Busch)

Siehe auch

Weblinks

wikt:
Wiktionary
Wiktionary: Opportunismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
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