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Operation Vengeance

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Die Operation Vengeance (dt.: Rache) war ein von den Amerikanern während des Pazifikkriegs gestartetes Unternehmen in den Salomonen. Es fand am 18. April 1943 statt und führte zum Tod des japanischen Admirals Isoroku Yamamoto.

Bild:Yamamoto-Isoroku.jpg
Admiral Isoroku Yamamoto

Yamamoto galt bei den Amerikanern als der verantwortliche Admiral für den Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941. Als durch das Abhören und Dekodieren eines japanischen Funkspruchs eine Inspektionsreise des Admirals nach Bougainville in allen Zeitabschnitten den Amerikanern bekannt wurde, entschieden sich die Admirale Chester W. Nimitz und William F. Halsey ein Angriff auf Yamamoto auszuführen. Eine Langstreckenjägerstaffel, die von Henderson Airfield auf Guadalcanal startete, führte den Plan aus und schoss den Bomber mit dem japanischen Admiral an Bord nahe des Flugfeldes von Buin ab. Mit Yamamoto starben zwei Konteradmirale, sein Sekretär und der Pilot der Maschine.

Inhaltsverzeichnis

Der Funkspruch

Der Oberbefehlshaber der Kaiserlichen Japanischen Marine, Admiral Yamamoto, entschloss sich zur Hebung der Truppenmoral nach der Niederlage bei der Schlacht um Guadalcanal eine Inspektionsreise zu Stützpunkten auf den Salomonen und Bougainville zu unternehmen. Am 14. April 1943 fing der amerikanische Marine-Nachrichtendienst mit dem Decknamen "Magic" einen Funkspruch mit den Einzelheiten der Planung auf und entschlüsselte ihn.

Die Originalnachricht NTF131755 war an die Kommandantur der 11. Japanischen Luftflotte und der 26. Japanischen Luftflotte gerichtet und mit dem Schlüssel JN-25D kodiert. Drei "Magic"-Abhörstationen der USA, darunter die der Pazifikflotte, hörten den Funkspruch ab. In ihm war die Rede von einer geplanten Inspektionsreise des Admirals zu drei Frontstützpunkten im Raum um Bougainville. Die Ankunft- und Abflugzeiten an den Stützpunkten waren ebenso Inhalt des Funkspruchs wie die Anzahl und Typen der eingesetzten Flugzeuge. Der Flug war für den 18. April angesetzt.

Die über Nacht von Major Alva Lasswell entschlüsselte Nachricht wurde als erstes an Admiral Chester W. Nimitz übergeben. Dieser stellte sich zu Beginn seiner Überlegungen die Frage, ob irgendjemand der möglichen Nachfolger Yamamotos besser für diesen Posten geeignet sei als Yamamoto selbst. Nimitz hatte schon mehrfach betont, dass Yamamoto die größte Gefahr für ihn darstelle [1]. Er kam mit seinem Stab darüber überein, dass es keinen anderen hochrangigen japanischen Offizier gäbe, der es in strategischer und taktischer Brillianz sowie mit seiner Popularität bei Militär und Volk mit ihm aufnehmen könne. Yamamotos Tod würde für die Japaner unzweifelhaft einen harten Einschnitt im Hinblick auf Moral und Kampfkraft darstellen.

Nimitz besprach seine Ansichten kurz darauf mit seinem Kollegen Admiral William F. Halsey, der das Kommando im Raum der Salomonen innehatte. Auch Halsey war für die Abfangmission, zu der Konteradmiral Marc A. Mitscher empfahl, die auf Henderson Airfield stationierten P-38 einzusetzen. Frühere Annahmen, dass der Befehl dazu von oberster Stelle ausgegeben worden wäre, haben sich als haltlos erwiesen [2]. Nimitz und Halsey telegraphierten ihr Ansinnen zwar dem Marineminister William Knox zur Kenntnisnahme, doch weder Knox noch US-Präsident Roosevelt griffen in die Planung ein.

Die Planung

Nimitz autorisierte am Morgen des 17. April die Mission und überließ die Ausarbeitung der Planung Halsey, Mitscher und dessen Stab.

Aus dem entschlüsselten Funkspruch ging hervor, dass Admiral Yamamoto am 18. April von Rabaul aus zum Flugfeld Ballalae südlich von Bougainville in den Nördlichen Salomonen aufbrechen würde. Yamamoto und seine Begleiter sollten mit zwei mittleren Bombern des Typs Mitsubishi G4M Betty der 205. Kokutai Marineflugeinheit fliegen, die von sechs Mitsubishi A6M Zeros der 204. Kokutai Marineflugeinheit als Schutz begleitet werden würden. Als Abflugzeit war 6:00 Uhr Tokioter Zeit und als Ankunftszeit 8:00 Uhr Tokioter Zeit angegeben.

Bild:Lockheed P-38 Lightning USAF.JPG
Eine Lockheed P-38 Lightning der US-Luftwaffe

Der Kommandeur der 339. Jägerstaffel auf Guadalcanal, Major John W. Mitchell, erhielt von Konteradmiral Mitscher den Auftrag, mit seinen P-38 Jägern die Mission auszuführen. Am Nachmittag des 17. April saßen Mitchell, Thomas Lanphier, einer der besten Piloten der Einheit, und der Nachrichtenoffizier Joe McGuigan zum Kartenstudium zusammen. Es wurde ein Kurs ausgearbeitet, der die Jäger in einer niedrigen Flughöhe von nur wenigen Metern über der Wasseroberfläche in etwa 80 Kilometern Entfernung an den japanisch besetzten Inseln des New-Georgia-Archipels vorbei in Richtung Bougainville führen sollte. Bei einer Routenlänge von rund 645 Kilometern sollte der Flug zwei Stunden dauern und der errechnete Treffpunkt um 9:35 Uhr erreicht werden. Da die Führung von einem unbedingtem Erfolg gesprochen hatte, beschloss Mitchell 18 P-38 für die Mission einzusetzen.

Das Reichweitenproblem der zu fliegenden fast 1.300 Kilometer, plus einer angemessenen Warte- und Suchzeit, sollte mit zusätzlich montierten Abwurftanks gelöst werden.

Die Jäger wurden von Mitchell in drei Gruppen aufgeteilt, deren Piloten von Mitchell kurz vor Mitternacht in Kenntnis gesetzt wurden. Vier Maschinen bildeten die sogenannte Killergruppe, die aus den Piloten Thomas Lanphier, Rex Barber, McLanahan, und Moore bestand. Die sechs Jäger der Deckungsgruppe wurden von Mitchell selbst, Doug Canning, Jack Jacobson, Goerke, Frank Holmes und Hine geflogen, wobei die letzten beiden die Alternative für die Killergruppe bildeten. Die zweite Deckungsgruppe wurde von acht Piloten der 12. Staffel gebildet, die von Louis Kittel geführt wurden.

Die Ausführung

Am frühen Morgen des 18. April montierten die Bodentechniker auf Henderson Airfield die neuen Zusatztanks unter die Flugzeuge, die beim Morgengrauen einsatzbereit waren. In einer nach dem Frühstück anberaumten Besprechung erläuterte Mitchell noch einmal den Plan und befahl absolute Funkstille.

Um 7:00 Uhr starteten die P-38 Lightnings, wobei sie die volle Länge der Startbahn nutzen mussten, da sie so schwer beladen waren. Zwei Maschinen mussten sofort wieder umkehren; McLanahan platze ein Reifen beim Start und der Zusatztank der Maschine von Moore ließ sich nicht aktivieren. Daher ersetzten Hine und Holmes die beiden in der Killergruppe. Die übrigen 16 P-38 gingen auf Nordwestkurs und versuchten eine gefährliche Flughöhe von nur knapp 10 Metern über der Wasseroberfläche einzuhalten.

Nach einer Flugstunde waren die Maschinen noch etwa 460 Kilometer von ihrem Zielpunkt entfernt. Zu diesem Zeitpunkt hoben die Bomber und Jäger der Japaner in Rabaul ab und begannen den Flug in Richtung Bougainville, um den ersten Stützpunkt um 10:00 Uhr zu erreichen. Im zweiten Bomber begleitete Admiral Matome Ugaki, Yamamotos Stabschef, den Admiral auf seiner Inspektionsreise.

Gegen 8:20 Uhr unternahmen die tieffliegenden amerikanischen Jäger eine erste Kurskorrektur und drehten etwas weiter in Richtung Norden. Nachdem sie die Insel Vella Lavella im Norden des New-Georgia-Archipels hinter sich gelassen hatten, wurde eine zweite Korrektur wiederum nach Norden vorgenommen. Die dritte Kurskorrektur erfolgte dann um 9:00 Uhr. Mit einer leichten Drehung nach Nordosten flogen die Maschinen jetzt direkt auf die Insel Bougainville zu, die nur noch etwa 65 Kilometer entfernt war. Zugleich begannen die Jäger mit dem Steigflug und testeten die Funktion ihrer Bordwaffen.

Bild:G4M-49.jpg
Mitsubishi G4M - US-Kodename: Betty
Bild:Mitsubishi-zero-replica-l.jpg
Mitsubishi A6M - US-Kodename: Zero

Als eine halbe Stunde später die Berge von Bougainville in Sichtweite kamen, stiegen die Jäger der beiden Deckungsgruppen höher, um die Abfanggruppe vor möglichen anfliegenden japanischen Jägern zu schützen. Doug Canning sichtete um 9:34 Uhr in nordwestlicher Richtung die anfliegende Gruppe um den Bomber mit Admiral Yamamoto an Bord. Die Amerikaner warfen ihre Zusatztanks ab und drehten für den Angriff auf die anfliegenden Japaner zu. Holmes und Hines hatten Abwurfprobleme, so dass nur Barber und Lanphier schnell hinter die japanischen Bomber kamen. Alle anderen Jäger behielten ihren Kurs zur Deckung bei.

Die dann folgenden Vorgänge während der Attacke liegen bis heute in Ungewissheit und werden kontrovers diskutiert. Lamphier und Barber beanspruchten beide einen Bomber über dem Dschungel der Insel abgeschossen zu haben. Frank Holmes hingegen gab an, einige Minuten später eine Betty über dem Wasser getroffen zu haben, die in der Folge abstürzte.

Japanische Quellen, darunter das Tagebuch des überlebenden Admirals Ugaki, berichten folgende Fakten: In den Kampf waren nur zwei Bomber involviert. Die G4M1 Betty Modell 11 mit der Fabrikationsnummer 2656 Ruder T1-323 mit Admiral Yamamoto, Commander Ishizaki, Commander Toibana, Konteradmiral Kitamura, Konteradmiral Takata und dem Piloten Takeo Koyani an Bord, sowie eine zweite baugleiche Betty mit nicht genannter Fabrikationsnummer, die Admiral Matome Ugaki, Commander Hiroaki Tanimura, den Piloten Hiroshi Hayashi und einen nicht namentlich bekannten weiteren Passagier an Bord hatte. Yamamotos Bomber stürzte in den Dschungel bei Moila Point, einige Kilometer entfernt von der Straße zwischen Panguna und Buin, wo sie noch heute liegt. Es gab keine Überlebenden. Der zweite Bomber trudelte ins Meer. Der Pilot Hiroshi Hayashi und Admiral Ugaki überlebten und konnten an Land gelangen.

Die amerikanischen P-38 Jäger stürzten sich auf die japanischen Bomber und begannen sofort zu feuern. Wie jeder Luftkampf fand auch dieser bei hohen Geschwindigkeiten statt, war von kurzer Dauer und für die handelnden Personen verwirrend. Daher lassen sich die gegensätzlichen Aussagen kurz nach der Attacke erklären. Nach einigem zeitlichen Abstand sahen die Beteiligten bei Aussagen für Niederschriften der Nachrichtenoffiziere jedoch ein, dass die Annahme, ein dritter Bomber wäre abgeschossen worden, wohl nicht zutreffend war.

Nachspiel

Nachdem die Absturzstelle von den dort stationierten Japanern erreicht worden war, brachten sie Yamamoto Isorokus Leiche zur Kommandantur. Dort wurde sie am 20. April einer Autopsie unterzogen, die zeigte, dass die Todesursache des Admirals nicht der Absturz, sondern etliche Maschinengewehrtreffer waren. Yamamoto wurde danach unverzüglich eingeäschert, um seinen Tod geheim zu halten, da er für das japanische Volk eine große Führungs- und Identifikationsfigur war. Seine Asche wurde an Bord einer Betty nach Rabaul geflogen und von dort an Bord des Schlachtschiffs Musashi zur japanischen Hauptinsel gebracht. In Tokio erhielt er ein Staatsbegräbnis und große Ehrungen im Yasukuni-Schrein [3]. Als Nachfolger für den japanischen Oberbefehl wurde Admiral Mineichi Koga bestellt.

Auch die USA gaben den erfolgreichen Abschuss zunächst nicht bekannt, um den Japanern nicht preiszugeben, dass sie ihre verschlüsselten Funksprüche dekodieren konnten. Erst nach einigen Tagen berichteten die amerikanischen Medien vom Tod des Admirals. Die Mission wurde als sehr schwierig und als glücklicher Zufall dargestellt, da US-Küstenwächter im Raum Bougainville die anfliegenden Bomber sichteten und sich zufällig eine P-38 Jägerstaffel in diesem Luftraum aufhielt. Doch schon am 3. Mai lautete die Schlagzeile der New York Times: "READING JAPAN'S MAIL: JAPANESE CODES BROKEN" [4].

Die drei an den Abschüssen beteiligten Piloten Lamphier, Barber und Holmes stritten sich ihr Leben lang darum, den Erfolg des Abschusses von Yamamoto zugeschrieben zu bekommen. Als 1969 das Tagebuch des überlebenden Admirals Ugaki erschien, stellte sich heraus, dass Holmes definitiv einen der Bomber für sich verbuchen konnte, nämlich den ins Meer gestürzten. Um Lamphiers und Barbers in der Öffentlichkeit ausgetragenen Streit um den zweiten Bomber zu schlichten und keinen der beiden zu diskreditieren, schrieb die US-Marine den beiden kurzerhand je einen halben Abschuss zu.

Quellen

  1. Death of Yamamoto due to 'Magic' unter: http://www.chinfo.navy.mil/navpalib/wwii/facts/yamadies.txt; Abgerufen 16. Juli 2006
  2. The Yamamoto Shootdown unter: http://www.microworks.net/pacific/intelligence/yamamoto_shootdown.htm; Abgerufen 16. Juli 2006
  3. Website zur G4M1 Model 11 Betty Manufacture Number 2656 Tail T1-323 (Yamamotos Bomber) unter: http://www.pacificwrecks.com/aircraft/g4m/2656.html; Abgerufen 16. Juli 2006
  4. StrategyPage unter: http://www.strategypage.com/htmw/htiw/articles/20060423.aspx; Abgerufen 16. Juli 2006

Literatur

  • Donald A. Davis, Lightning Strike: The Secret Mission to Kill Admiral Yamamoto and Avenge Pearl Harbor, St. Martin's Griffin, 2006, ISBN 0312309074
  • John Stanaway, Tom Tullis, P-38 Lightning Aces of the Pacific and CBI, Osprey Publishing, 1997, ISBN 1855326337
  • Carroll V. Glines, Attack on Yamamoto, Schiffer Publishing, 1993, ISBN 0887405096
  • Donald M. Goldstein, Katherine V. Dillon, Fading Victory: The Diary of Admiral Matome Ugaki, 1941-45, University of Pittsburgh Press, 1992, ISBN 0822954621
  • R. Cargill Hall, Lightning over Bougainville: The Yamamoto Mission Reconsidered (Smithsonian History of Aviation and Spaceflight Series), Smithsonian Institute Press, 1991, ISBN 1560980125
  • Burke Davis, Get Yamamoto, London: Barker, 1973, ISBN 0213003481

Weblinks

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