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Ogaden
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Ogaden (somali: Ogaadeeniya) ist eine historische Provinz Äthiopiens. Sie bildete in etwa ein Dreieck, von dem zwei der drei Seiten an Somalia (bzw. Somaliland im Norden) grenzen. Hauptstadt der Provinz war Jijiga. Das Zentrum des Islam in Äthiopien, die Stadt Harar, lag ebenfalls in dieser Provinz. Heute entspricht die Region Somali in etwa dem Ogaden, welcher sich jedoch in den nördlichen Gebieten auch auf die Regionen Oromiyaa und Harar erstreckt.
Analog den früheren Kolonialbezeichnungen Französisch-Somaliland (Dschibuti), Britisch-Somaliland (Nordsomalia) und Italienisch-Somaliland (Zentral- und Südsomalia) wurde Ogaden früher auch als Äthiopisch-Somaliland bezeichnet. Sie umfasste ungefähr 370.000 Quadratkilometer, was etwa der Größe Deutschlands entspricht.
Befürworter eines Groß-Somalia wollen den Ogaden an Somalia angliedern, was zu Spannungen und Konflikten zwischen Somalia und Äthiopien geführt hat. Sie verwenden für Ogaden auch die Bezeichnung West-Somalia.
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Zwischen Adal und Abessinien
Trotz seiner großen Fläche wird Ogaden nur von etwa sechs Millionen Menschen, mehrheitlich muslimischen Somali, bewohnt, die seit dem 16. Jahrhundert aus dem Sultanat Adal eingewandert waren. Wegen wiederholten Konflikten mit der christlichen äthiopischen Regierung wurden die Provinzgrenzen mehrfach verändert und beschnitten. Während der kommunistischen Herrschaft war Ogaden bis 1987 in die Provinzen Harar (Harrar, Harerge) und Bale aufgeteilt. 1987–91 wurden daraus gar sechs kleinere Provinzen (Ost-Harerge, West-Harerge, Bale, Ogaden, Dire Dawa, Borena). Heute hingegen gehört die wichtigste Stadt der Region, Harar, nicht mehr zur Somali-Region, sondern bildet eine separate Verwaltungseinheit (mit den Aderi als Titularnation), ebenso wie Dire Dawa.
Zwischen Äthiopien und Italienern
Aber nicht nur innerhalb Äthiopiens, sondern auch die Außengrenzen Ogadens gegenüber „Erbfeind“ Somalia wurden oftmals verändert und überrannt. Vor dem Britisch-Äthiopischen Teilungsabkommen von 1897 hatte Äthiopiens Ostgrenze am Fluss Shebeli gelegen, 1907 erkannte auch Italien die neuen, faktisch bis heute gültigen Grenzen an. Seit 1930 jedoch beanspruchte das italienische Mussolini-Regime Teile Ogadens. Nach einem „Grenzzwischenfall“ bei Walwal (Ualual) Anfang November 1934, fast 100 Kilometer tief in Äthiopien, besetzte Italien im Dezember kurzerhand jene Gebiete etwa jenseits (östlich) einer Linie von Dolo (somalisch-äthiopisch-kenianisches Dreiländereck) im Süden bis Bohotle bzw. Boosaaso (Küstenstadt in Puntland an der Grenze zwischen Somaliland und Rest-Somalia im Norden). Das mündete im Oktober 1935 in den Italienisch-Äthiopischen Krieg, für den Kriegsverlauf spielte General Grazianis Südfront in Ogaden jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Während der italienischen Besetzung 1936–1941 wurden auch die Gebiete etwa bis zur Linie Negele-Hargeisa aus Äthiopien ausgegliedert und der Kolonie Italienisch-Somaliland direkt angegliedert - prinzipiell entsprechend einer zuvor von den Appeasement-Premiers Frankreichs (Pierre Laval) und Großbritanniens (Samuel Hoare) vorgeschlagenen Grenzveränderung zuungunsten Äthiopiens (allerdings hätte dieser Note entsprechend zumindest Assab im Austausch an Äthiopien fallen sollen). Die bei Kriegsende bzw. 1950 wiederhergestellte Grenze wurde 1955 zugunsten Äthiopiens begradigt bzw. korrigiert.
Ogaden-Krieg 1976–1978
Hauptartikel: Ogadenkrieg
Noch weiter nach Westen verschoben die Somali unter Siad Barre die Grenze während ihrer Invasion gegen das kommunistische Regime in Addis Abeba. Bereits 1964–67 war es zu einem Grenzkrieg gekommen, seit 1976 befand sich Ogaden im Aufstand. Zusammen mit somalischen Rebellen drangen somalische Truppen etwa bis zu einer Linie vom Turkanasee im Süden (äthiopisch-kenianisch-somalisches Dreiländereck) bis nahe Dire Dawa (äthiopisch-somalisch-dschibutisches Dreiländereck) vor. Sie eroberten 1977 Gode (am Shebeli) und Jijiga. Damit kontrollierten sie 90 % Ogadens und zudem den Großteil der Provinz Sidamo, doch Harar konnten sie nicht erobern. Dort hatten sich 50.000 Äthiopier, Kubaner und Südjemeniten verschanzt, die von der Sowjetunion ausgerüstet wurden. Zahlenmäßig waren die Somalier von Anfang an unterlegen, allmählich errang auch die äthiopische Luftwaffe – durch sowjetische MiG-21 verstärkte alte amerikanische F5-Jäger – die Herrschaft über veraltete somalische MiGs, obwohl Somalia wiederum massiv von den USA unterstützt wurde. 1978 konnten die Äthiopier schließlich alle Städte Ogadens innerhalb nur einer Woche zurückerobern. 1984 bombardierte die äthiopische Luftwaffe vermeintliche Rebellenlager in Saylac (Zeila) und anderen nordsomalischen Städten. 1986 kam es nach dem Scheitern von Friedensverhandlungen erneut zu Grenzscharmützeln, der Frieden wurde erst 1988 geschlossen. Doch noch im gleichen Jahr kam es zu neuen Kämpfen mit somalischen Rebellen in Ogaden, die mindestens bis 2002 anhielten.
Zwischen Unabhängigkeit und Bürgerkrieg
1989 misslang in Harar (2. äthiopische Revolutionsarmee) und Asmara (1. Armee) ein Umsturzversuch, weil die zuvor bereits in Addis Abeba gescheiterten Putschisten sich nicht rechtzeitig zu einem Zusammengehen mit somalischen und eritreischen Rebellen hatten durchringen können. Doch auch nach dem Sturz der Kommunisten 1991 in Äthiopien, dem Auseinanderbrechen Somalias 1992 und der Unabhängigkeit Eritreas 1993 setzen einige Rebellengruppen mit Hilfe aus Eritrea, Somaliland (Nordsomalia) und Rest-Somalia den bewaffneten Kampf für die Selbständigkeit Ogadens bzw. seine Angliederung an ein „Groß-Somalia“ bis heute fort. Umgekehrt unterstützt Äthiopien Rebellengruppen in den Nachbarländern und einige Fraktionen im somalischen Bürgerkrieg, etwa Aidid jr. oder Separatisten in Puntland bzw. Südwestsomalia. 1996–2002 hatten äthiopische Truppen auch direkt einige südwestsomalische Städte besetzt und an Kämpfen der Warlords gegen die somalische Übergangsregierung teilgenommen.
2006 übernahm die Union islamischer Gerichte die Kontrolle über große Teile Somalias und rief zum „Dschihad“ gegen Äthiopien auf, um den Ogaden zu erobern. Daraufhin erklärte Äthiopien ihr den Krieg und marschierte in Somalia ein.
Siehe auch
- Haud (Teilgebiet des Ogaden)
- Ogadenkrieg
- Ogaden National Liberation Front
- Geschichte Äthiopiens
- Geschichte Somalias
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