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Objektbeziehungstheorie
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Die Objektbeziehungstheorie ist eine auf Melanie Kleins Arbeiten zurückgehende Weiterentwicklung der psychonanalytischen Theorie. Unter dem Begriff Objektbeziehungstheorie werden unterschiedliche Ansätze zusammengefasst, denen vor allem die zentrale Bedeutung der frühen Mutter - Kind Interaktion als prägender Faktor für die später Beziehungsgestaltung und Persönlichkeitsentwicklung gemeinsam ist. Allen Objektbeziehungstheorien ist auch die zentrale Bedeutung der Übertragung - Gegenübertragung in der Ausgestaltung des psychotherapeutischen Konzeptes gemein.
Im weiteren Sinn des Begriffs werden auch Theorien aus dem Gebiet Ich-Psychologie (Sandler, Entwicklungsmodell von Margaret Mahler, Jacobson u.a.) zur Objektbeziehungstheorie gezählt.
Entwicklung der Objektbeziehungstheorie
Während die Psychoanalyse Freuds einen starken Schwerpunkt auf das Konzept der Triebe legte und den Menschen dadurch (tendenziell) als Einzelwesen betrachtete, lenkte Melanie Klein die Aufmerksamkeit der Psychoanalyse verstärkt auf frühkindliche Entwicklungen und die Eltern-Kind-Interaktion. Sie vertrat den Gedanken, dass die Art und Weise, wie ein Mensch die Welt wahrnimmt, und mit welchen Erwartungen er an sie herantritt, durch seine Beziehungen zu wichtigen frühen Bezugspersonen ("Objekten") geprägt wird. Diese Objekte können geliebt oder gehasst werden. Hier blieb Klein dem Freudschen Triebkonzept von Libido und Todestrieb treu.
Zwischen Melanie Kleins interpersonellem Ansatz und der dominierenden Schule Anna Freuds bildete sich eine weitere Strömung, die ideengeschichtlich zwischen diesen beiden Polen zu verorten ist. Eine zentrale Rolle spielte die sogenannte Britische Objektbeziehungstheorie um William R. D. Fairbairn (1889-1964) (dem "Vater" der britischen Objektbeziehungstheorie), Harry Guntrip (welcher Freuds Theorien als biologistisch und inhuman kritisierte), John D. Sutherland, Donald Winnicott (der die Idee des Übergangsobjekts einführte) und Michael Balint.
Fairbairn stellte sich anders als Klein auch gegen Freuds dualistisches Triebkonzept. Die von ihm eingeleitete radikale Wendung vom Trieb zu Objektbeziehungen wurde auch schon als "Kopernikanische Wende" der psychoanalytischen Persönlichkeitsforschung bezeichnet. Auf ihm bauten auch die Arbeiten von Daniel Stern und Otto F. Kernberg auf, die ein angeborenes Bedürfnis nach Beziehung und Bindung als grundlegend sowohl für die kleinkindliche Entwicklung als auch für die Therapie anerkennen. Sie können somit als Vordenker des Primats der Beziehungsgestaltung vor der Technik gelten, einem wichtigen Behandlungsprinzip der Traumatherapie.
Heinz Kohut entwickelte Kleins Ansatz zur Selbstpsychologie weiter. Diese untersucht, inwieweit ein Mensch Selbstobjekte (unterstützende Menschen, wichtige Gegenstände) benötigt, um die psychische Funktionsfähigkeit seines Selbst zu bewahren.
Die Ergebnisse moderner empirischer Säuglingforschung belegen nachträglich wichtige Annahmen der Objektbeziehungstheorie. Eine Verbindung zwischen diesen Theorien und der empirischen Forschung schafft auch die Bindungstheorie von John Bowlby.
Literatur
- William Fairbairn: Das Selbst und die inneren Objektbeziehungen. Giessen 2000.
- Otto F. Kernberg: Objektbeziehungen und Praxis der Psychoanalyse. Stuttgart 1992.
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