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Minox 35
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Minox 35 ist der Name einer Baureihe von Kleinbild-Sucherkameras mit versenkbarem Objektiv. Die Minox 35-Kameras halten seit 1974 den Rekord für die kleinste Kleinbildkamera der Welt. Sie übernahmen den Titel von der Rollei 35, die 1966 vorgestellt worden war.
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Konstruktion
Der Körper der von Prof. Richard Fischer gestalteten und zusammen mit Walter Zapp entwickelten Kamera besteht aus glasfaserverstärktem Makrolon. Dadurch wird sie mit etwa 200 Gramm leicht genug, dass man sie bequem in der Hemdtasche tragen kann. Die Mechanik zum Bewegen des Objektivs ist mit einer Frontklappe gekoppelt, diese schützt im geschlossenen Zustand das Objektiv.
Das Objektiv Color-Minotar bzw. Minoxar (mehrschichtvergütet und um ein festes UV-Filter ergänzt) ist eine Minox-Konstruktion. Vom Grundtyp entspricht es dem Tessar von Zeiss. Die Brennweite beträgt bei allen Modellen 35 mm, die Lichtstärke f/2,8. Die Blende ist nicht wie sonst üblich als Irisblende ausgeführt, sondern besteht aus nur zwei Elementen, die eine variable, rautenförmige Öffnung bilden.
Blitzschuh, Rückspulkurbel und Transporthebel befinden sich anders als bei der Rollei 35 an den üblichen Stellen. Der Sucher liegt zentral über dem Objektiv. Beim Filmtransport muss der Transporthebel zweimal betätigt werden, was bei vielen Benutzern Verwirrung hervorrief. Sie meinten die Kamera sei defekt, da sie nach einmaligem Betätigen des Transporthebels nicht wieder aufnahmebereit ist.
Ausstattung
Alle Modelle verfügen über eine Belichtungsautomatik. Eine manuelle Belichtungssteuerung ist nicht vorgesehen. Mit der Zeitanzeige im Sucher sowie der manuellen Blenden- und Filmeinstellung der meisten Modelle ist sie indirekt allerdings möglich. Eine andere Möglichkeit der Einflussnahme ist die Betätigung des Schalters im Blitzschuh, damit wird die Belichtungszeit auf die Blitzsynchronzeit des jeweiligen Modells (z.B. 1/125s) festgesetzt und die Blende kann frei gewählt werden. Die Kameras besitzen einen elektronisch gesteuerten Zentralverschluss. Die automatische Lichtwertkorrektur der Blendeneinstellung erfolgt mechanisch durch Abschattung der Photozelle mit einem Grauverlaufsfilter, der mit dem Blendenring bewegt wird.
Eine Besonderheit ist der Verschluss der Minox 35 ML. Die Verschlusslamellen bilden bei Verwendung der Programmautomatik gleichzeitig die Blende, der Verschluss öffnet sich nur so weit, dass die benötigte Blendenöffnung erreicht wird.
Im Blitzschuh ist ein Schalter eingebaut, mit dem die Kameras automatisch auf die Blitzsynchronzeit umgestellt werden, sowie ein Blitzgerät aufgesteckt wird. Die genaue Position des Schalters variiert je nach Modell. Das erste Modell hatte eine Blitzsynchronzeit von 1/30s, spätere Modelle 1/90s bis 1/125s.
Die Entfernung muss geschätzt werden, kein Modell verfügt über einen Entfernungsmesser (was beim Erscheinen der Kamera nicht unüblich war). Das 35mm Objektiv besitzt als leichtes Weitwinkelobjektiv eine größere Schärfentiefe als Normalobjektive, was die Gefahr von Fehleinstellungen verringert.
Zubehör
Minox hat auch in Design und Größe angepasste Blitzgeräte herausgebracht. Dabei ist zu beachten, dass die Kameramodelle 35 ML, 35 MB und andere mit einem M in der Typbezeichnung eine andere Gehäuseform haben. Die Minox 35-Blitzgeräte mit einem M in der Typbezeichnung sind an diese Gehäuseform angepasst, die anderen Minox 35-Blitzgeräte lassen sich an 35 ML, 35 MB und den anderen M-Modellen der Kamera nicht verwenden. Blitzgeräte anderer Hersteller sind ohne Probleme an allen Modellen verwendbar.
Minox hat weiteres Zubehör speziell für die 35er-Modelle angeboten, darunter verschiedene Bereitschaftstaschen, Streulichtblenden und Filter. Für alle entsprechend kompakten Kameras nutzbar ist ein Taschenstativ von Minox, das zusammengesteckt etwa die Ausmaße eines Bleistifts hat.
Konkurrenzmodelle
Die Minox 35-Reihe war ein großer Erfolg, größer als von Minox zunächst erhofft. Sie kam als direkte Konkurrenz zur Rollei 35 heraus, die 1966 vorgestellt worden war und im Ruf größerer Zuverlässigkeit steht. Die Objektive der Rollei erreichten eine höhere Abbildungsleistung, besonders deren Modelle mit dem fünflinsigen Sonnar. Die Minox 35 ist andererseits deutlich leichter und verfügt, anders als die Versionen der Rollei 35, über eine Belichtungsautomatik. Spätere Varianten der Minox mit Minoxar-Objektiv und einer geänderten Filmandruckplatte erreichen hinsichtlich Schärfe, Vignettierung, Verzeichnung eine verbesserte Abbildungsleistung.
Bis zum Erscheinen der Autofokus-Kleinbildsucherkameras Mitte der 1980er Jahre stellte die Minox 35 praktisch das Synomym der modernen Kompaktkamera dar.
Es gab zahlreiche, meist technisch und auch qualitativ einfacher gehaltene Nachbauten anderer Hersteller. In der Ukraine wurde mit der Kiev 35A eine fast exakte Kopie der Minox 35 EL hergestellt, die technisch jedoch nicht an das Original heranreicht. Mit der Olympus XA kam 1979 ein ernsthafter Konkurrent auf den Markt, der jedoch etwas größer als die Minox 35 Modelle war. Die Olympus XA hat ein sechslinsiges Objektiv, Zeitautomatik und einen eingebauten Entfernungsmesser.
Ein wichtiger Zulieferer, die Fa. Balda in Bünde/Westfalen, ging eigene Wege und fertigte zeitgleich nicht nur die Minox-Gehäuseschalen, sondern mit der Balda CE35 komplett eigenständige Kameras nach dem Minox-Konzept (Kleinbildsucherkompakte mit Kunststoffspritzgussgehäuse, Klappdeckel und 35mm-Optik) unter ihrem Namen, die schließlich auch von Voigtländer unter dem Namen Vito C vertrieben wurde.
Nach der Verlagerung der Fertigungsanlagen nach China gab es Varianten dieser Kamera als Yangtse, umgangssprachlich als China-Balda bekannt.
Minox 35 heute
Lagerbestände der Minox 35 werden bis heute verkauft. Die ebenfalls produzierten Modelle der Gehäuseform M und die Modelle mit Fixfocus bzw. Autofocus erreichten jedoch bei weitem nicht die Verkaufszahlen der klassischen Modelle.
Mit jeder Modellreihe der "35" wurden Verbesserungen eingeführt, zu nennen sind etwa Selbstauslöser oder der Gegenlichtschalter; Sondermodelle mit veränderten Gehäusefarben und Schriftzügen ergänzten das Angebot. Wesentlich ist aber die Änderung einer geänderten, robusteren Verschlusssteuerung mit dem Modell GT-E.
Einige Modelle
(ohne Beachtung der zeitlichen Abfolge)
- Minox 35 EL – Ursprungsmodell mit Zeitautomatik
- Minox 35 GL – wie EL, zusätzlich "Gegenlichtschalter" (doppelte Belichtungszeit), stufenlose Einstellung der Filmempfindlichkeit
- Minox 35 GT – wie GL, zusätzlich Selbstauslöser
- Modell Sport
- Modell Decade
- Minox 35 GT-E
- Minox 35 GSE
- Minox 35 GT-E II
- Minox 35 GT-X
- Minox 35 GT-S
- Minox 35 PL – nur Programmautomatik
- Minox 35 PE – wie PL, mit eingebautem Elektronenblitzgerät (deutlich größer als PL)
- Minox 35 ML – Andere Gehäuseform, Zeit- und Programmautomatik, Messwertspeicher, andere Messzelle, Anzeige über LED statt Zeiger
- Minox 35 MB – wie ML, nur ohne Programmautomatik
- Minox 35 MB-Touring
- Minox 35 MD-C
- Minox 35 AL – Fixfocus
- Minox 35 AF – Autofocus
Die zusätzliche Bezeichnung FI steht für den Importeur Fowa, Italien.
Literatur
- Rolf Kasemeier: Minox 35, alle Modelle, G+G Urban Verlag 1986, ISBN 3-925334-02-5
Weblinks
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