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Ministerium für Nationale Verteidigung

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Das Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV) war ein Ministerium im Ministerrat der DDR.

Das Ministerium für Nationale Verteidigung wurde durch das „Gesetz über die Schaffung der Nationalen Volksarmee und des Ministeriums für Nationale Verteidigung“ vom 18. Januar 1956 geschaffen. Die vorher als „Kasernierte Volkspolizei“ bezeichneten paramilitärischen Einheiten wurden nun direkt in die Armee übernommen. Durch Übernahme dieser Truppen war eine sofortige Stärke von über 100.000 Soldaten herstellbar. Am 1. März 1956 sollten alle Bereiche der NVA arbeitsfähig sein. Dieser Tag wurde ab 1957 als „Tag der Nationalen Volksarmee“ begangen. Ab Januar 1962 wurde in der DDR die Wehrpflicht eingeführt.

Der Sitz des Ministerium war in Strausberg bei Berlin. Zur Bewachung der dortigen Dienstobjekte gab es das spezielle WachregimentHugo Eberlein“. Das Ministerium führte einen eigenen Verlag (Verlag des Ministeriums für Nationale Verteidigung), in dem z.B. erstmals in deutscher Sprache der Strategieklassiker von Sunzi: Traktat über die Kriegskunst erschien. (Übersetzung aus dem Russischen)

Inhaltsverzeichnis

Minister der Verteidigung seit 1956 (DDR)

Gliederung des Ministeriums

Dem Ministerium für Nationale Verteidigung waren folgende Führungsorgane nachgeordnet:

Kommando Landstreitkräfte

Das Kommando Landstreitkräfte wurde am 1. Dezember 1972 als Führungsorgan für die Landstreitkräfte geschaffen. Der Sitz war Geltow.

Chefs des Kommando Landstreitkräfte

Kommando Luftstreitkräfte/Luftverteidigung

Die Vorgänger des Kommandos LSK/LV waren die 1956 geschaffenen Verwaltungen für Luftstreitkräfte und Luftverteidigung. Ein Jahr später wurden die Verwaltungen zum gemeinsamen Kommando LSK/LV mit Sitz in Eggersdorf zusammengefasst.

Chefs des Kommandos Luftstreitkräfte/Luftverteidigung

Kommando Volksmarine

Das Kommando Volksmarine mit Sitz in Rostock- Gehlsdorf ging aus der Verwaltung der Seestreitkräfte hervor. Das Kommando wurde im Frühjahr 1957 geschaffen. Nach der Verleihung des Titels Volksmarine am 3. November 1960 wurde das Kommando in Kommando Volksmarine umbenannt.

Chefs des Kommandos Seestreitkräfte/ Volksmarine

  • Konteradmiral Felix Scheffler 1. März 1956 bis 31. Dezember 1956; als Kommandeur Seestreitkräfte
  • Vizeadmiral Waldemar Verner 1. Januar 1957 bis 31. Juli 1959; als Kommandeur Seestreitkräfte
  • Konteradmiral Wilhelm Ehm 1. August 1959 bis 31. Juli 1961/ 25. Februar 1963 bis 30. November 1987
  • Konteradmiral Heinz Neukirchen 1. August 1961 bis 24. Februar 1963; mit der Führung beauftragt
  • Vizeadmiral Theodor Hoffmann 1. Dezember 1987 bis 17. November 1989
  • Vizeadmiral Hendrik Born 11. Dezember 1989 bis 2. Oktober 1990

Kommando Grenztruppen der DDR

Nach der Unterstellung der Deutschen Grenzpolizei unter das Ministerium für Nationale Verteidigung am 15. September 1961 wurden die Einheiten als Grenztruppen der NVA bezeichnet. Später setzte sich die Bezeichnung Grenztruppen der DDR durch. Das Kommando der Grenztruppen hatte seinen Sitz in Pätz.

Chefs des Kommandos Grenztruppen der DDR

Hauptverwaltung Zivilverteidigung

Chef der Hauptverwaltung Zivilverteidigung

  • Generaloberst Fritz Peter 1. Dezember 1976 bis 30. April 1990

Zu den Führungsgremien im Ministerium gehörten noch der Hauptstab, die Politische Hauptverwaltung und die Bereiche Rückwärtige Dienste sowie Technik und Bewaffnung.

Hauptstab

Chefs des Hauptstabes

Politische Hauptverwaltung

Chefs der Politischen Hauptverwaltung

  • Generalmajor Friedrich Dickel 1. März 1956 bis 24. August 1956
  • Oberst Gottfried Grünberg 25. August 1956 bis 27. November 1957
  • Generalmajor Rudolf Dölling 28. November 1957 bis 31. Juli 1959
  • Vizeadmiral Waldemar Verner 1. August 1959 bis 31. Dezember 1978
  • Generaloberst Heinz Keßler 10. Januar 1979 bis 3. Dezember 1985
  • Generalleutnant Horst Brünner 10. Dezember 1985 bis 31. Dezember 1989

Bereich Technik und Bewaffnung

Chefs des Bereiches Technik und Bewaffnung

  • Oberst Erwin Freyer 1. März 1956 bis 1. Mai 1957
  • Generalmajor Rudolf Menzel 1. Mai 1957 bis 14. Oktober 1959
  • Generalmajor Friedrich Dickel 15. Oktober 1959 bis 14. November 1963
  • Generalmajor Werner Fleißner 1. Februar 1964 bis 27. Dezember 1985
  • Generalleutnant Joachim Goldbach 1. Februar 1986 bis 18. April 1990

Bereich Rückwärtige Dienste

Chefs des Bereiches Rückwärtigen Dienste

  • Generalmajor Walter Allenstein 1. März 1956 bis 15. September 1972
  • Generalleutnant Helmut Poppe 15. September 1972 bis 26. Juli 1979
  • Generalleutnant Joachim Goldbach 16. Oktober 1979 bis 31. Januar 1986
  • Generalleutnant Manfred Grätz 1. Februar 1986 bis 31. Dezember 1989
  • Vizeadmiral Hans Hofmann 1. Januar 1990 bis 18. April 1990

Die Chefs der Kommandos und der anderen Führungsgremien waren in der Regel zugleich Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung.

Das MfNV hat mit fast allen anderen Ministerien der DDR so genannte geheime Vereinbarungen geschlossen. Diese Vereinbarung kennzeichneten die hervorgehobene Stellung der NVA. Inhalte dieser Vereinbarungen war die bevorzugte Behandlung der NVA bei der Lebensmittelvergabe, dem Befahren und Benutzen von Forsten und Freiflächen in der DDR.

Vereinbarung zwischen dem Ministerium für Nationale Verteidigung und dem Ministerium für Volksbildung (MfV)

Eine der folgenreichsten Vereinbarungen ist die

V e r e i n b a r u n g

zwischen dem Ministerium für Nationale Verteidigung und dem Ministerium für Volksbildung über die Zusammenarbeit bei der sozialistischen Wehrerziehung und Werbung der Schüler der erweiterten und allgemeinbildenden polytechnischen Oberschulen und Berufsschulen als Soldaten auf Zeit und Berufssoldaten.

Die sozialistische Wehrerziehung ist ein fester Bestandteil der sozialistischen Bildung und Erziehung unserer Jugend. In ihr muß bei den Jugendlichen schon frühzeitig systematisch und ständig der Grundstein dafür gelegt werden, daß sie den Dienst in der Nationalen Volksarmee als eine ehrenvolle nationale Pflicht gegenüber unserem sozialistischen Staat und gleichzeitig als einen Höhepunkt in ihrem eigenen Leben betrachten.

Die Erhöhung der Verteidigungsfähigkeit der Deutsche Demokratischen Republik und die Anforderungen, die die stürmische Entwicklung des Militärwesens an eine moderne Armee stellt, verlangen eine große Zahl von Spezialisten, einen festen Stamm von Soldaten auf Zeit und Berufssoldaten. Dafür müssen junge Menschen gewonnen werden, die politisch zuverlässig, entwicklungsfähig, gesellschaftlich aktiv und körperlich leistungsfähig sind, die eine hohe Allgemeinbildung und gute berufliche Fertigkeiten besitzen und die durch vorbildliche Pflichterfüllung ihre feste Verbundenheit zu unserem Staat bewiesen haben.

In der Nationalen Volksarmee wird der Prozeß der Bildung und Erziehung der Jugend folgerichtig fortgesetzt. […]

1. Das Ministerium für Volksbildung hat die Aufgabe, zu sichern daß die Lehrer (insbesondere die Studenten an den Einrichtungen für Lehrerbildung) befähigt werden, den Unterricht und die Erziehungsarbeit eng mit der sozialistischen Wehrerziehung zu verbinden. [1]

Diese Vereinbarung ermöglichte die gezielte Werbung ostdeutscher Schüler durch ihre Lehrer. Die Lehrer erhielten von ihrem zuständigen Schulrat beim Rat der Stadt sogar eine genaue Vorgabe darüber, wie viele Schüler für welche Stellen zu rekrutieren seien.

Stand der Gewinnung des militärischen Berufsnachwuchses

Werter Genosse Bezirksschulrat!

Nachfolgend überreichen wir Ihnen die geforderten Soll- und Ist- Angaben zu o.a. Betreff:

Soll Ist
Bewerber bestätigte Bewerber
EOS (nur 12.Klasse) 7 3 2
Einrichtungen der Berufsausbildung 5 5 5 (3. Lehrjahr)
Polytechnische Oberschule
Klasse 7 34 37
Klasse 8-10 129 66 37

Als Anlage überreichen wir Ihnen außerdem noch eine Übersicht der einzelnen Schulen und Klassen.

Mit sozialistischen Gruß, Döhler, Stadtschulrat [2]

Im Unterricht und in den Arbeitsgemeinschaften wurde solange auf einige Schüler eingewirkt, bis diese sich dazu entschlossen hatten, Soldat zu werden. Die Schulbehörde konnte dann die Erfüllung der Planzahlen nach oben melden.

Siehe auch

Bundesverteidigungsminister

Literatur

  • Klaus Froh, Rüdiger Wenzke: Die Generale und Admirale der NVA.Ein biographisches Handbuch. 4. Auflage. Ch. Links, Berlin 2000, ISBN 3-86153-209-3

Quellen

  1. Stadtarchiv Plauen: Vereinbarung zwischen MfNV und MfV vom 14. August 1963. Sign. A509. (vermutlich Abschrift an alle Schulbehörden).
  2. Stadtarchiv Plauen: Stand der Gewinnung des militärischen Nachwuchses. vermutl. 1975 Sign. VA 19357.
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