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Minderheit
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Eine Minderheit ist eine demographische Gruppe auf einer bestimmten territorialen Einheit (Staat, Region,...), die sich durch bestimmte personale Merkmale von der Bevölkerungsmehrheit unterscheidet. Merkmale in diesem Sinne können Sprache, Rasse, Religion, Moral, sexuelle Identität, soziale Funktion u.v.a. mehr sein. Häufig werden Minderheiten auf Grund von Vorurteilen ausgegrenzt und sind deshalb Opfer von Gewalt.
Faktor für die Entstehung von Minderheiten ist die Besiedlung eines Landes. Sie kann dazu führen, dass die bereits vorherrschende, einheimische Bevölkerung zur Minderheit wird und sich an die Werte und Normen der Bevölkerung anpassen müssen.Dies kann so weit gehen, dass die Existenzberechtigung von Minderheiten nicht mehr anerkannt wird.
Im herkömmlichen Sinne meint man mit Minderheiten ethnische oder nationale Minderheiten, das heißt Bevölkerungsgruppen, die auf dem Territorium eines Staates leben, in dem eine andere Volksgruppe die Mehrheit bildet, also die "Macht" innehat. Die UNO und andere internationale Organisationen haben für diese Fälle so genannte Minderheitenrechte festgesetzt, die in den verschiedenen Mitgliedsstaaten unterschiedlich respektiert werden (siehe auch Minderheitenschutz, Menschenrechte). Auch in Tokyo wurde 1988 eine Organisation gegründet, die versucht auf die Probleme und Diskriminierungen von Minderheiten aufmerksam zu machen und sich für die Rechte benachteiligter Volksgruppen einzusetzen: Die IMADR (International Movement Against All Forms of Disrcimination and Racism).
In der Sozialpsychologie werden 2 Arten von Minoritäten unterschieden: Eine numerisch-statistische und eine soziale. Letztere beschreibt eine Minderheit, die sich durch kulturelle und/oder psychische Merkmale vom Rest der Gesellschaft unterscheidet und so von der sozial dominierenden Gruppe als minderwertig angesehen und auch so behandelt wird.
Unter dem Einfluss der amerikanischen Soziologie hat der Begriff "Minderheit" in den letzten fünfzig Jahren einen Bedeutungswandel erfahren. Der Begriff lässt sich so auf praktisch alle Gruppen anwenden, deren Mitglieder von den vorherrschenden Sitten und Verhaltensweisen abweichen, die zahlenmäßig weniger als die Hälfte einer gegebenen Bevölkerung ausmachen und die weniger Einfluss haben als die restliche Bevölkerung.
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Definition des Begriffes Minderheit
Eine Minderheit sind Menschen, die aufgrund ihrer ethnischen, sozialen oder religiösen Zugehörigkeit, auch häufig wegen ihrer sexuellen Orientierung, Diskriminierung erfahren. Diskriminierung ist politisch als Ausschluss von bestimmten Rechten zu sehen, sozial als die Erfahrung von Vorurteilen und Ausgrenzungen. Die Grundlage für diese Definition ist nicht die geringere Zahl der Gruppenmitglieder, sondern ihre geringere Macht gegenüber einer hegemonialen Mehrheit.
Entstehung von Minderheiten
Minderheiten können auf verschiedene Weisen entstehen. Die Entstehungsgeschichte einer bestimmten Minderheit hat in der Folge Auswirkungen auf ihre soziale Identität sowie auf das Konfliktpotenzial, das von ihr ausgeht.
Invasion
Eine existierende, auf einem bestimmten Territorium vorhandene Bevölkerung wird durch militärische Invasion oder massive Immigration eines anderen Volkes verdrängt respektive dezimiert. Die Invasoren installieren ihre politische, kulturelle, wirtschaftliche und soziale Struktur und die ehemals eingeborene Bevölkerung lebt als Minderheit auf ihrem eigenen Territorium weiter. Klassisches Beispiel: Die Indianervölker auf dem amerikanischen Kontinent.
Erzwungene Migration durch Umsiedlung
Völker (oder ihre Angehörigen) werden systematisch in ein Gebiet umgesiedelt, in dem sie in der Folge als Minderheit leben. Je nachdem, ob die Individuen weiterhin Kontakt mit Angehörigen ihres Volkes haben oder nicht, bleibt die kulturelle Identität mehr oder weniger erhalten. Es kann jedoch auch geschehen, dass sich in der Fremde eine neue kulturelle Identität entwickelt. Klassisches Beispiel: Schwarze Bevölkerung in den USA.
Erzwungene Migration durch Vertreibung oder Verdrängung aufgrund politischer Repressionsmaßnahmen
Soziokulturelle Einheiten müssen ihr angestammtes Gebiet verlassen und siedeln sich in der Folge auf einem anderen Territorium an. Beispiel: Amish und Mennoniten.
Ein Spezialfall der Vertreibung ist die so genannte Diaspora, bei der eine bestimmte Bevölkerung von ihrem angestammten Gebiet vertrieben wird und sich in der Folge verstreut über den Erdball niederlässt. Die gemeinsame Kultur und Identität wird bewusst gepflegt und erhalten, so dass die Kultur und der kulturelle Zusammenhalt trotz der Verstreutheit erhalten bleibt. Klassische Beispiele: Juden, Armenier.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 wurden, nach der Abtrennung Westpreußens von Deutschland und der Übergabe des Gebietes an Polen, die dort ansässigen Deutschen - nun als Minderheit im polnischen Staat - teilweise vertrieben (etwa 200.000 Beamte und Berufssoldaten sowie alle, die bei der Volksabstimmung 1921 für den Verbleib des Gebiets bei Deutschland gestimmt hatten). Insgesamt jedoch verließen in den Jahren 1918-1926 aufgrund repressiver Maßnahmen des polnischen Staates - wie beispielsweise Enteignungen und Zwangsräumungen, Schließung deutscher Schulen - 600.000 [1] - 800.000 [2] Angehörige der deutschen Zivilbevölkerung das Gebiet.
Der nationaldemokratische polnische Kultusminister Stanislaw Grabski hatte schon 1919 in seinem "Posener Programm...zur raschen Entdeutschung" (Rhode) gefordert, daß das "fremde Element" in Posen und Pommerellen von "14 oder sogar 20 % auf 1,5 %" dezimiert werden müsse. Der Anteil der deutschen Minderheit betrug jedoch nicht 20, sondern etwa 35 % in dem Gebiet [3], in Gesamt-Westpreussen 65 %. 1934 kündigte Polen den 1919 unterzeichneten Minderheitenschutzvertrag [4]. Auch die ukrainische und weißrussische Minderheit im polnischen Staatsgebiet - seit der Eroberung ukrainischer und weißrussischer Gebiete 1920 durch Polens Staatschef Pilsudski - (Friedensvertrag von Riga), sowie die litauische Minderheit - seit der Eroberung und Annexion Wilnas zur selben Zeit - unterlagen einer rigorosen Polonisierungspolitik (H.Roos,S.134).
Schikanen gegen die deutsche Minderheit und antideutsche Publikationen verstärkten sich nach dem Tod Pilsudskis 1935, als polnische Politiker des nationalistischen Lagers an die Macht gekommen waren. Behörden des nationalsozialistischen Deutschland versuchten zudem, politischen Einfluss auf die deutsche Minderheit in Polen zu nehmen, die jedoch in ihrer Mehrheit sich dem polnischen Staat gegenüber loyal verhielt [5].
Der polnische Geheimdienst wiederum versuchte, Einfluss auf die polnische Minderheit in Deutschland zu gewinnen. Gleichzeitig erhöhte sich der politische Druck der Nationalsozialisten auf die polnische Minderheit. Aktive Mitglieder polnischer Vereinigungen, denen der Vorwurf gemacht wurde, für den polnischen Geheimdienst gearbeitet zu haben, wurden enteignet und abgeschoben [6].
Angehörige der Minderheit von Juden polnischer Staatsangehörigkeit in Deutschland, die jedoch kaum noch Verbindungen zu Polen oder zur polnischen Sprache hatten, wurden 1938 ebenfalls nach Polen abgeschoben, waren dort jedoch nicht willkommen, da die polnische Regierung einen antisemitischen Kurs verfolgte und es in Polen zu Übergriffen auf jüdische Bürger kam. Nach der deutschen Besetzung Polens fielen auch die Angehörigen der jüdischen Minderheit in Polen dem Holocaust zum Opfer [7].
Freiwillige Migration
Angehörige bestimmter soziokultureller Gruppen verlassen freiwillig ihr angestammtes Gebiet und begeben sich an einen Ort, an dem sich bereits Menschen mit gemeinsamer Sprache, Kultur, Religion etc. befinden. Dabei kann unter Umständen eine neue kulturelle Identität entstehen, die sich von der Ursprünglichen grundsätzlich unterscheidet. Beispiel: Französischsprachige Kanadier (Québec).
Staatenbildung
Durch kriegerische oder diplomatische Aktionen werden Teile einer Volksgruppe politisch, wirtschaftlich und kulturell vom Rest ihrer Kultur abgeschnitten. Beispiele: Südtirol, Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens, Vojvodina, Kurden.
Typen von Minderheiten
Es gibt unzählige Versuche, Minderheiten zu kategorisieren und typologisieren. Eine grobe Unterscheidung, die auch im völkerrechtlichen Zusammenhang verwendet wird, ist folgende Aufteilung:
- Nationale Minderheiten: Sind Minderheiten, die in einem anderen Staat die staatstragende Mehrheit bilden. Beispiele: Dänen in Deutschland, Ungarn in Rumänien, Donauschwaben.
- Ethnische Minderheiten: Entsprechen den Kriterien für eine ethnische/nationale Minderheit, haben jedoch kein "eigenes Mutterland". Beispiele: Bretonen, Friesen, Sorben, Roma, Sinti und Jenische.
- Sprachliche Minderheiten: Sind keine ethnische oder nationale Minderheit, sprechen jedoch eine andere Muttersprache als die Bevölkerungsmehrheit im Staat. Beispiel: frankophone Bevölkerung der Schweiz.
Minderheiten in Deutschland
Als offizielle nationale Minderheiten in Deutschland sind anerkannt:
Bis zu ihrer Delegalisierung durch die Nationalsozialisten am 7. September 1939 war auch eine Polnische Minderheit in Deutschland anerkannt.
Als Regionalsprache in Deutschland ist seit 1994 zusätzlich anerkannt:
Die Jenischen sind in der deutschen Minderheitenpolitik bislang nicht thematisiert worden, obwohl sie in Deutschland seit Jahrhunderten leben und ca. 200.000 Personen umfassen. Grund dafür dürfte sein, dass es bislang keine deutschlandweit aktive Organisation der Jenischen gibt und mit dem lokal tätigen Verein der Jenischen e.V. in Singen erst im Jahre 2003 überhaupt ein erster Verein der Jenischen in Deutschland entstanden ist.
Minderheiten in Österreich
Die Minderheiten genießen in Österreich den Schutz, der vorerst im Vertrag von Saint-Germain von 1919 und nach dem Zweiten Weltkrieg im Artikel 7 des Österreichischen Staatsvertrages festgehalten ist. Folgende ethnische Minderheiten sind staatlich anerkannt (wobei die kroatische und slowenische Minderheit des Burgenlandes, der Steiermark und Kärntens den direkten Schutz des Staatsvertrages genießen):
- Burgenlandkroaten
- Ungarn
- Kärntner Slowenen
- Slowaken
- Tschechen
- Sinti und Roma seit 1993 anerkannte Volksgruppe
Sie machen weniger als 1% der Gesamtbevölkerung aus. In bestimmten Bezirken ist ihr freier Sprachgebrauch als Amtssprache (auch vor Gericht), sowie der Schulbesuch in der Muttersprache gewährleistet. In diesen Orten sind auch zweisprachige Ortstafeln aufzustellen.
Die Jenischen schätzen, dass in Österreich rund 30000 Angehörige ihres Volkes leben. Der österreichische Staat sublimiert bislang diese Gruppe zu "Sinti und Roma" und entwickelte keine eigene Minderheitenpolitik für sie, obwohl vom Jenischen Kulturverband Österreich genau das eingefordert wird.
Siehe auch: Burgenlandroma, Burgenlandungarn, Minderheitssprachen in Österreich, Ortstafelstreit
Minderheiten in der Schweiz
Das politisches System der Schweiz basiert nicht wie in einem Nationalstaat auf künstlichen Verwaltungseinheiten, sondern auf natürlich gewachsenen Gemeinschaften. Weil die Schweiz praktisch nur aus Minderheiten besteht, gibt es neben dem ausgeprägten Föderalismus erst in Ansätzen eine offizielle Minderheitenpolitik. "Inoffiziell" existiert eine gewisse Konfliktualität zwischen den Sprachregionen (siehe Röstigraben), diese ist jedoch nicht so akut, dass man von einem Minderheitenkonflikt sprechen könnte, dem mit gesetzgeberischen Maßnahmen begegnet werden müsste. Die sprachlichen Minderheiten (Französisch, Italienisch, Rätoromanisch) sind bereits heute über ihre Kantone paritätisch in National- und Ständerat vertreten und im Bundesrat sind sie mit ihrem inoffiziellen Anrecht auf 2 oder 3 von 7 Sitzen paritätisch oder sogar überrepräsentiert.
Die Schweiz ratifizierte mehrere internationale Übereinkommen, die den Minderheitenschutz beinhalten oder thematisieren, z.B. das Rahmenübereinkommen des Europarats vom 1. Februar 1995 zum Schutz nationaler Minderheiten und die Europäische Charta vom 5. November 1992 der Regional- oder Minderheitensprachen. Explizit unter den Schutz dieser Abkommen gestellt wurden die Jenischen. Im Jahr 2001 verweigerte ein Teil des Parlaments, der Ständerat, die Unterzeichnung des Übereinkommens Nr. 169 der Allgemeinen Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation IAO (bzw. International Labour Organisation, ILO) u.a. mit der Begründung, Fahrende (gemeint sind mit diesem Helvetismus Zigeuner, respektive Roma, Sinti und Jenische) könnten für sich Rechte aus diesem Abkommen ableiten. Obwohl ein Rechtsgutachten des Bundesamtes für Justiz 2002 zum Schluss kam: Die Fahrenden als Bevölkerungsgruppe mit schweizerischer Staatsangehörigkeit und einer wirtschaftlich und kulturell auf Nichtsesshaftigkeit ausgerichteten Lebensweise gelten als geschützte nationale Minderheit. Deshalb kann also die Schweiz nicht als frei von Minderheitenkonflikten bezeichnet werden.
Verwandte Begriffe
- Ethnische Minderheit
- Minderheitenpolitik
- Minderheitenkonflikt
- Minderheitenschutz
- Ghetto
- Armut
- Demokratie
- Vielvölkerstaat
- Deutschsprachige Minderheiten
- religiöse Sondergruppen
- Fahrende
- Diskriminierung
- Diaspora
- Verfolgung von Minderheiten
- Verbrechen gegen die Menschlichkeit
- Vertreibung
- Passing
Literatur
- M. Boden: Nationalitäten, Minderheiten und ethnische Konflikte in Europa. Olzog, München 1993, ISBN 3789286400
Quellen
- ↑ Gotthold Rhode Geschichte Polens, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1980, S.482
- ↑ Helmuth Fechner Deutschland und Polen, Holzner Verlag, Würzburg 1964, S.159
- ↑ Hans Roos Geschichte der Polnischen Nation 1918-1978, Kohlhammer Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1979, S.59
- ↑ Heinrich Jaenecke Polen. Träumer, Helden, Opfer, STERN-Bücher im Verlag Gruner+Jahr AG & Co, Hamburg 1981
- ↑ Thomas Urban Der Verlust. Die Vertreibung der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert, Verlag C. H. Beck, München 2004, ISBN 3406541569
- ↑ Thomas Urban Der Verlust. Die Vertreibung der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert, Verlag C. H. Beck, München 2004, ISBN 3406541569
- ↑ Thomas Urban Der Verlust. Die Vertreibung der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert, Verlag C. H. Beck, München 2004, ISBN 3406541569
Weblinks
- Eurominority - Organisation für die Europäischen Minderheiten (Nationen ohne Staat und nationale Minderheiten)
- European Centre for Minority Issues: ECMI
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