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Medienwissenschaft

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Medienwissenschaft ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Medien (insbesondere den Massenmedien) und der öffentlichen Kommunikation. Forschungsobjekt sind zum einen die Medien wie Hörfunk, Fernsehen und Internet und zum anderen - ähnlich wie in der Kommunikationswissenschaft - die Entstehung, Verbreitung und Wirkung der öffentlichen Meinung.

Der Begriff Medienwissenschaft wird teilweise als Gegenstück zur empirizistisch-sozialwissenschaftlichen Publizistik- und Kommunikationswissenschaft verstanden. In diesem Sinne wird er verwendet für einen Ansatz, der stärker sprach-, geistes- und kulturwissenschaftlich angelegt ist und sich weniger durch empirische, sondern hauptsächlich durch hermeneutische Methoden (z.B. Textanalyse, Filmanalyse) auszeichnet. Tatsächlich bezeichnen sich heutzutage aber auch viele der publizistischen Tradition entstammende Forscher, Institute und Studiengänge gleichfalls als medienwissenschaftlich.

Neben universitären Angeboten gibt es auch Lehrgänge an Fachhochschulen oder an Künstlerischen Hochschulen.

Inhaltsverzeichnis

Wissenschaft(en) von Medien: Geschichte/Disziplinen

Medienwissenschaft ist im Überschneidungsbereich von Sprach-, Literatur-, Theater- und Kulturwissenschaft, Soziologie, Sozialer Arbeit, Psychologie, Politikwissenschaft, Wirtschaft, Jura und Informatik angesiedelt.

Zum Teil dienen medienwissenschaftliche Studiengänge zur Ausbildung für die Berufspraxis, zum Teil haben sie einen rein wissenschaftlichen Anspruch.

Geschichte

Die geisteswissenschaftliche Form der Medienwissenschaft entstand seit den 1970er und 80er Jahren aus der textorientierten geisteswissenschaftlichen Germanistik und der Theaterwissenschaft als Pendant zur stärker empirisch arbeitenden, sozialwissenschaftlichen Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Als eine der ersten Publikationen zu dieser neuen Richtung gilt der von Helmut Kreuzer herausgegebene Band „Literaturwissenschaft – Medienwissenschaft“, der die Referate des Düsseldorfer Germanistentages 1976 zusammenfasste. In der Vorbemerkung zu dem Band wird noch von „riskantem Dilettieren“ gesprochen. Speziell zu Beginn der 80er Jahre wurde anerkannt, dass die gesellschaftliche Schlüsselfunktion der Medien eine Ausweitung des Kanons der literarischen Texte auf Veröffentlichungen in der Massenpresse, Hörspiele und schließlich Fernsehspiele nötig machen würde. Auch die Rolle des Texttransfers vom einen Medium ins andere, wie etwa die Literaturverfilmung wurden problematisiert. Dazu kam die Erkenntnis der Bedingtheit und Abhängigkeit jedes literarischen Werks von seinem Medium, also des Dramas von der Bühnendarstellung, des Hörspiels vom Radio, des Romans vom Buch. Teilweise fand ein Paradigmenwechsel von der Literatur zu den Medien statt.

1984 wurde das Referateorgan „Medienwissenschaft: Rezensionen“ gegründet. Germanistik und Literaturwissenschaft sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaft näherten sich methodisch aneinander an, etwa beim Symposion „Empirische Methoden der Literaturwissenschaft“ 1981 in Siegen, wo von den Literaturwissenschaftlern auch Publizistik- und Kommunikationswissenschaftler eingeladen wurden oder umgekehrt beim Symposion „Wege zur Kommunikationsgeschichte“ im Jahre 1987 am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien im Jahre 1987.

1989 erschien das Werk Ansichten einer künftigen Medienwissenschaft in Anlehnung an das 1988 erschienene Buch Ansichten einer künftigen Germanistik von Jürgen Kolbe, in dem bereits der Gedanke an die medienwissenschaftliche Forschung innerhalb der Germanistik geäußert worden war.

Eine einheitliche Medientheorie steht zur Zeit noch aus. Der Grund hierfür dürfte sein, dass es bislang noch nicht gelungen ist, eine Rubrizierung nach technischen Medienbegriffen mit einer sinnvollen und stimmigen Definition von "Medium" in Einklang zu bringen; ausführlicher siehe Medientheorie.

Teilbereiche

Als Teilbereiche (je nach theoretischer oder praktischer, kulturwissenschaftlicher oder sozialwissenschaftlicher Orientierung) lassen sich ausmachen:

Medienwissenschaft als Geistes- und Kulturwissenschaft

Im 1. Weltkrieg wurde erst die Relevanz von Propaganda erkannt. Der Film veränderte die Kulturlandschaft mannigfaltig und zwar zum einen als Wirtschaftsfaktor, zum anderen trat er aber auch in Konkurrenz zu Literatur und Theater.

In den 1960er Jahren wandte sich vor allem die Germanistik anderen Medien zu, da im Zuge einer Neuorientierung mittlerweile auch alltagsnahe Texte in den Focus genommen wurden. Die Institutionalisierung der Medienwissenschaft lief allerdings über sehr viele Umwege, zu einem Großteil über die Gründung von film- und fernsehwissenschaftlichen Instituten.

Mitunter wird diese Perspektive der Medienwissenschaft, in Abgrenzung zur sozialwissenschaftlichen Medienwissenschaft, auch als "Medienkulturwissenschaft" bezeichnet.

Liebrand/Schneider/Bohnenkamp/Frahm teilen die Medienkulturwissenschaft beispielsweise in drei miteinander vernetzte Forschungsfelder ein:

  1. Medientheorien
  2. Mediengeschichten
  3. Medientexte

Seit anfangs der 1980er Jahren entwickelte sich dann auch aus anderen Geisteswissenschaften eine genuin deutschsprachige Medienwissenschaft mit kulturwissenschaftlichem Schwerpunkt, deren Hauptvertreter Norbert Bolz, Friedrich Kittler, Georg Christoph Tholen, Claus Pias, Wolfgang Ernst und Bernhard Siegert sind.

Medienwissenschaft als Sozialwissenschaft

Als Beginn der akademischen Beschäftigung mit der Publizistikwissenschaft in Deutschland kann die Einrichtung des Lehrstuhls für Zeitungswissenschaften an der Universität Leipzig 1916 angesehen werden. Erster Lehrstuhlinhaber war Karl Bücher.

Das Forschungsgebiet kann, stark vereinfacht, mit folgendem Satz, der sogenannten Lasswell-Formel, umschrieben werden:

Who says what in which channel to whom with what effect?

Wer sagt was in welchem Kanal zu wem mit welcher Wirkung?

Die Einzelfragen beschreiben auch die Teilgebiete der Medienwissenschaft.

Eine wichtige sozialwissenschaftliche Fragestellung innerhalb der Medienwissenschaft ist die nach der Bedeutung, die den Medien für die Herstellung geschlechtsspezifischer Identitäten zukommt. Ausgehend von der zentralen Funktion, die Medien für die Konstruktion von Zugehörigkeiten zu Gemeinschaften einnehmen, wird dabei den geschlechtsspezifischen Dimensionen des Ein- und Ausschlusses nachgegangen. Im Zentrum der geschlechtersensiblen Medienwissenschaft steht die Frage nach geschlechterhierarchischen Konstruktionen, die zu ungleichen Teilhabechancen von Männern und Frauen an den symbolischen Ressourcen der Gesellschaft führen.

Öffentliche Foren des Erfahrungsaustausches und Selbstdarstellens

Das Adolf Grimme Institut untersucht kontinuierlich die deutschen Fernsehprogramme nach Qualitätssendungen und vergibt jährlich entsprechende Auszeichnungen, denen jeweils intensive medienwissenschaftliche Sichtungen und Beratungen zugrundeliegen. Die ebenfalls jährlich stattfindenden Mainzer Tage der Fernsehkritik des ZDF sind eines der weiteren Fachforen, die die Praktiker (hier: die der Fernsehanstalten) und Medienwissenschaftler zu einer fachöffentlichen Rückschau, Bestandsaufnahme und Perspektiven-Veranstaltung versammeln. Der internationale Medienkongress innerhalb der Medientage München umfasste 2004 90 Fachforen mit rund 500 Referenten.

Organisiert ist die Medienwissenschaft in der Gesellschaft für Medienwissenschaft[1], die regelmäßige Veranstaltungen durchführt, eine Schriftenreihe und einen Newsletter herausgibt und Nachwuchswissenschaftlern ein eigenständiges Forum mit Tagungen und Publikationen bietet.[1]

Literatur

  • Günter Bentele (Hrsg.): Öffentliche Kommunikation : Handbuch Kommunikations- und Medienwissenschaft. Wiesbaden [u.a.]: Westdt. Verl., 2003. ISBN 3-531-13532-5
  • Hanko Bommert/Christel Dirksmeier/ Ralf Kleyböcker: " Differentielle Medienrezeption" . Münster: LIT 2000. ISBN 3-8258-4897-3
  • Roland Burkhart: Kommunikationswissenschaft - Grundlagen und Problemfelder, UTB, Wien, 2002. ISBN 3-8252-2259-4
  • Manfred Faßler u. Wulf R. Halbach (Hrsg.): Geschichte der Medien. München: Fink, 1998. (UTB) ISBN 3-8252-1984-4
  • Rainer Leschke: Einführung in die Medientheorie. München: Fink, 2003. ISBN 3825223868
  • Claudia Liebrand/Irmela Schneider/Björn Bohnenkamp/Laura Frahm [Hrsg.]: Einführung in die Medienkulturwissenschaft. Münster: LIT 2005. ISBN 3-8258-9142-9
  • Knut Hickethier: Einführung in die Medienwissenschaft. Stuttgart: Metzler 2004. ISBN 3-476-01882-2
  • Lünenborg, Margreth (2005): Öffentlichkeit und Geschlecht. [2]
  • Margreth Lünenborg, Öffentlichkeit und Geschlecht, 2005. [3]
  • Hans-Jürgen Lüsebrink: Französische Kultur- und Medienwissenschaft. Eine Einführung. Tübingen: Narr, 2004. ISBN 3-8233-4963-5
  • Gebhard Rusch (Hrsg.): Einführung in die Medienwissenschaft. Wiesbaden: Westdt. Verl., 2002. ISBN 3-531-13323-3
  • Helmut Schanze (Hrsg.): Metzler-Lexikon Medientheorie, Medienwissenschaft: Ansätze, Personen, Grundbegriffe. Stuttgart [u.a.]: Metzler, 2002. ISBN 3-476-01761-3
  • Leon Tsvasman (Hrsg.): Das große Lexikon Medien und Kommunikation. Kompendium interdisziplinärer Konzepte, Würzburg: Ergon, 2006. ISBN 3-89913-515-6


Einzelnachweise

  1. Hickethier, K.: (2006): Medienwissenschaft, in: Tsvasman, L. [Hrsg.]: Das große Lexikon Medien und Kommunikation. Kompendium interdisziplinärer Konzepte, S: 276 f.


Siehe auch

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