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Massaker von Jedwabne
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Massaker von Jedwabne ist die Bezeichnung für den Mord an jüdischen Einwohnern von Jedwabne am 10. Juli 1941.
Inhaltsverzeichnis |
Ereignisse
Am 10. Juli 1941 ermordeten die Bewohner des etwa zur Hälfte jüdischen Ortes durchaus bereitwillig die jüdische Bevölkerung des Ortes bis auf wenige Überlebende. Nachdem viele Juden einzeln umgebracht worden waren, wurden die noch lebenden in eine Scheune getrieben und dort bei lebendigem Leibe verbrannt.
Während die Opferzahl lange auf 1.600 Personen geschätzt wurde, geht man nach Ausgrabungen des IPN im Jahr 2001 davon aus, dass sie zwischen 300 und 400 Personen liegt.
Ähnliche Pogrome ereigneten sich auch noch in mehreren anderen Orten in der Umgebung.
Die Rolle der Deutschen
Zwar war es auch schon vor der deutschen Besetzung des Gebietes zu einzelnen Ausschreitungen gekommen, doch kann das Massaker vom 10. Juli 1941 nur in Zusammenhang mit dem Einmarsch deutscher Truppen drei Wochen vorher, am 22. Juni 1941 („Unternehmen Barbarossa”), in Russland und dem Holocaust gesehen werden. Nach den Forschungen des polnisch-amerikanischen Soziologen Jan Tomasz Gross waren Deutsche am Ort des Geschehens und machten Filmaufnahmen. Die Täter konnten sicher sein, durch die Tat von der Nazi-Besatzungsmacht keine Nachteile erleiden zu müssen.
Folgen nach dem Kriegsende
In den Jahren 1949 und 1953 wurden zwar zwölf polnische Einwohner wegen dieses Verbrechens verurteilt, aber bald wieder aus der Haft entlassen. Die Verantwortung für das Massaker wurde allein der deutschen Besatzungsmacht zugeschoben. Nach 1960 errichtete die Stadt einen Gedenkstein mit dem übersetzten Wortlaut: „Hier ereignete sich ein Märtyrertum der jüdischen Bevölkerung. Am 10. Juli 1941 verbrannten Gestapo und Hitler-Polizei 1.600 Personen bei lebendigem Leib.”
Die Debatte seit dem Jahr 2000
Der polnisch-amerikanische Soziologe Jan Tomasz Gross deckte in seinem Buch „Nachbarn. Der Mord an den Juden von Jedwabne” im Jahre 2000 die vorherige Darstellung der Ereignisse als krasse Geschichtsfälschung auf. In dem Buch berichtet Gross von der Ermordung fast der gesamten jüdischen Gemeinde des Ortes durch ihre polnischen Nachbarn.
Seine Aussagen stützt Gross auf den Augenzeugen und überlebenden Juden Szmul Wasersztajn, auf Akten der Prozesse in Łomża zwischen 1949 und 1953, auf das 1980 veröffentliche Memobuch der Juden aus Jedwabne sowie auf eine 1998 von Agnieszka Arnold gedrehte Dokumentation von Gesprächen mit Einwohnern aus Jedwabne.
Diese Veröffentlichung löste eine intensive Diskussion aus - insbesondere, da Gross schrieb, dass es sich bei den Ereignissen vom 10. Juli 1941 nicht um einen Einzelfall handelte. Gross sah in der gesamten Gesellschaft Polens eine antijüdische Grundhaltung. Darüber hinaus behauptete er, dass mehrere Generationen von Historikern diese Ereignisse bewusst zu verstecken oder zu verschweigen versucht hätten. Nationalkonservative Kreise in Polen erkennen weiterhin ein Geschichtsbild nicht an, in dem Polen nicht nur Opfer von Deutschen und Sowjets wurden, sondern auch wenigstens an einigen Orten die Verbrechen unterstützten und mit den Besatzungsmächten kollaborierten.
Zum 60. Jahrestag der Ereignisse fand am 10. Juli 2001 in Jedwabne eine Gedenkfeier statt, bei der auch Staatspräsident Aleksander Kwasniewski der Opfer gedachte. Die Gedenkfeier wurde von der Mehrheit der Einwohner Jedwabnes abgelehnt und boykottiert. Katholische Priester haben aus Protest während der Gedenkfeier die Glocken ihrer Kirchen läuten lassen. Das Leben des damaligen Bürgermeisters von Jedwabne, Krzysztof Godlewski, der sich für die Gedenkfeier eingesetzt hatte, wurde im Anschluss so unmöglich, dass er sich genötigt sah zu emigrieren. Er lebt heute in den USA.
Literatur
- Jan Tomasz Gross: Nachbarn. Der Mord an den Juden von Jedwabne, Beck, München 2001, ISBN 3406482333
- Jan Tomasz Gross: Neighbors: The Destruction of the Jewish Community in Jedwabne, Poland: Princeton University Press, 2001 ISBN 0691086672 (englisches Original, vergriffen)
- Stephanie Kowitz: Jedwabne, Bebra 2004 ISBN 3937233040
- Edmund Dmitrow: Der Beginn der Vernichtung, Fibre 2004 ISBN 392975987X
Weblinks
- "Dieses Zählen von Skeletten" - Agnieszka Arnold, Autorin des Films "Nachbarn" (PDF)
- Artikel: Die Stadt der Geister, SPIEGEL ONLINE 1.5.2006
- Artikel: Der Ort, der nicht bereuen will, ZEIT 3.2.2005
- Artikel: Jedwabne und der Mantel des Vergessens, TELEPOLIS 11.7.2004
- Institut für Nationales Gedenken über das Massaker, polnisch
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