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Marseillaise
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Die Marseillaise ist die Nationalhymne der Französischen Republik.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Ursprung der Marseillaise
Die Marseillaise wurde ursprünglich von Claude Joseph Rouget de Lisle in der Nacht vom 25. auf den 26. April 1792 während der Kriegserklärung an Österreich im elsässischen Straßburg komponiert. Sie hatte zunächst den Titel Chant de guerre pour l’armée du Rhin, d. h. „Kriegslied für die Rheinarmee“, und war dem Oberbefehlshaber und Gouverneur von Straßburg, dem im Jahr zuvor zum Marschall von Frankreich ernannten Grafen Luckner gewidmet. Daher ertönt die Marseillaise noch heute täglich um 12:05 Uhr vom Glockenspiel auf dem Marktplatz in Cham in der Oberpfalz, dem Geburtsort des Grafen.
Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde bestritten, dass de Lisle Urheber der Marseillaise sei; Mitte des 19. Jahrhunderts und erneut 1915, anlässlich der Überführung von de Lisles Gebeinen in den Invalidendom in Paris, erschienen Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, denen zufolge die Melodie ausgerechnet von einem deutschen Komponisten (einem gewissen Organisten Holtzmann in Meersburg) stamme oder jedenfalls auf eine alte deutsche Melodie zurückgehe. Diese Behauptung taucht immer wieder auf (zumeist anekdotisch oder im Zusammenhang einer Polemik gegen französische Staatssymbole), obwohl sie spätestens seit 1922 als überzeugend widerlegt gelten kann.[1]
Nationalhymne in Frankreich
Am 30. Juli 1792 wurde das Lied von republikanischen Soldaten aus Marseille beim Einzug in Paris gesungen und es erhielt daher den Namen Marseillaise. Am 14. Juli 1795 wurde die Marseillaise zur französischen Nationalhymne erklärt.
Während der Restauration war die Marseillaise verboten und kam erst nach der Julirevolution von 1830 wieder zu Ehren. In der Dritten Republik (1871-1940) wurde sie erneut Nationalhymne.
Im Vichy-Regime (1940-1945) hatte das Lied Maréchal, nous voilà einen ähnlichen Rang wie die Marseillaise inne, auf welche es zu folgen oder die es sogar zu ersetzen pflegte. Das Erziehungsministerium verordnete 1944 das Singen der Nationalhymne in den Schulen, was aber heute nicht mehr praktiziert wird. Die Verfassungen der Vierten Republik (1946) und der Fünften Republik 1958 hielten an der Marseillaise als Nationalhymne fest (Artikel 2 der französischen Verfassung von 1958).
Andere Fassungen der Marseillaise
Es gibt auch andere Fassungen der Marseillaise, so eine 1792 vom deutschen Jakobiner Friedrich Lehne (1771–1836) gedichtete Fassung der Marseillaise aus der Mainzer Republik (Lied der freien Wöllsteiner). Nach dem Deutsch-Französischen Krieg wurde 1892 von Schülern einer französischen Primarschule eine "Friedens-Marseillaise" verfasst (siehe unten).
Im 19. Jahrhundert war die Marseillaise die Hymne vieler Freiheitsbewegungen und auch der Arbeiterbewegung, beispielsweise als Deutsche Arbeiter-Marseillaise für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV). Erst als die Marseillaise zur Nationalhymne wurde, wurde sie als Lied der internationalen Arbeiterbewegung von der Internationale abgelöst.
1914 entstand eine anlässlich des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs explizit gegen Deutschland gerichtete Fassung.
Mit einem russischen Text „Otretschemsja ot starogo mira“ (Lasst uns die alte Welt verdammen) war die Marseillaise als Марсельеза (Marsel'eza) während der Zeit der Provisorischen Regierung der Februarrevolution 1917 vom Februar bis zum November jenes Jahres auch russische Nationalhymne.
Weitere Fassungen sind eine pazifistische Fassung (La Marseillaise pour le désarmément), ein Text für die Bewohner der ehemaligen Kolonien (La Marseillaise des Citoyens des Couleurs) und eine Marseillaise „für alle, die das Leben lieben“ (La Marseillaise Bacchique).
Texte
Nationalhymne
| Französischer Originaltext | Deutsche Übersetzung |
|---|---|
| Allons enfants de la Patrie, Le jour de gloire est arrivé! | Auf, Kinder des Vaterlands! Der Tag des Ruhms ist da. |
| Refrain: Aux armes, citoyens, | Refrain: Zu den Waffen, Bürger! |
| Que veut cette horde d’esclaves, De traîtres, de rois conjurés? | Was will diese Horde von Sklaven, Von Verrätern, von verschwörerischen Königen? |
| Quoi! des cohortes étrangères Feraient la loi dans nos foyers! | Was! Ausländische Kohorten Würden über unsere Heime gebieten! |
| Tremblez, tyrans, et vous perfides L’opprobre de tous les partis, | Zittert, Tyrannen und Ihr Niederträchtigen Schande aller Parteien, |
| Français, en guerriers magnanimes, Portez ou retenez vos coups! | Franzosen, Ihr edlen Krieger, Versetzt Eure Schläge oder haltet sie zurück! |
| Amour sacré de la Patrie, Conduis, soutiens nos bras vengeurs. | Heilige Liebe zum Vaterland, Führe, stütze unsere rächenden Arme. |
| Nous entrerons dans la carrière Quand nos aînés n’y seront plus, | Wir werden des Lebens Weg weiter beschreiten, Wenn die Älteren nicht mehr da sein werden, |
Die Friedens-Marseillaise
Lehrerverbände brachten den Text der 1892 nach dem Deutsch-Französischen Krieg von Schülern der Primarschule von Cempuis (Oise) verfassten Friedens-Marseillaise[2] in Umlauf.
| Deuxième couplet | Zweite Strophe |
|---|---|
| Quoi! d’éternelles représailles Tiendraient en suspens notre sort! | Wie? Diese immerwährende Vergeltung zieht unser Schicksal in die Schwebe |
Kritik
Der Text der Marseillaise wurde wegen seiner Kriegslüsternheit und Gewalttätigkeit immer wieder kritisiert, auch in Frankreich selbst. Die kriegerische Wortwahl ist allerdings nicht weiter verwunderlich, denn die Marseillaise ist als Schlachtgesang der napoleonischen Kriege entstanden, in der das revolutionär geführte Frankreich gegen den aristokratischen Rest Europas kämpfen musste. Insofern wird auch heute noch der Text von den meisten als Ausdruck des gerechten Auflehnens gegen Unterdrückung empfunden. Unter diesem Vorzeichen sind auch Aufrufe wie „Zu den Waffen, Bürger!” zu verstehen.
Die Formulierung „unreines Blut” wird häufig als ausgesprochen rassistisch verstanden. Auch wenn an einigen Stellen gegen das Ausland wegen seiner tyrannischen Herrschaftsform gewettert wird, ist hier wahrscheinlich aber nicht ausländisches sondern das eigene Blut gemeint, welches in den Augen der Adeligen, der „Blaublütigen”, unrein ist. Diese Interpretation wird auch von einem Vergleich der Textstelle „Auf dass unreines Blut unserer Äcker Furchen tränke” mit „Wenn sie fallen, unsere jungen Helden, lässt die Erde daraus neue hervorgehen” gestützt.
Einzelnachweise
- ↑ Edgar Istel. Is the Marseillaise a German Composition? (The History of a Hoax), in: The Musical Quarterly, 8 (1922), S. 213-226.
- ↑ http://bigonnet.club.fr/Marseillaise.html
Literatur
- Frédéric Robert: La Marseillaise, Paris 1989, ISBN 2-11-081031-9
- Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit. 14 historische Miniaturen, Fischer, Frankfurt/M. 2003, ISBN 3-596-20595-6
Siehe auch
Weblinks
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| Wiktionary: Marseillaise – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
- La Marseillaise (MP3)
- La Marseillaise (zahlreiche Audio-Versionen)
- Audio-Stream der Nationalhymne Frankreichs (Real Player)
- Symbole der Republik
- Geschichte der Nationalhymne Frankreichs (fr)
- Moderne Versionen der Nationalhymne Frankreichs (fr)tet:La Marseillaise
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