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Majolika

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Bild:Majolica mexico.jpg
Majolikabecher aus Mexiko

Als Majolika (manchmal auch Maiolica nach der altitalienischen Bezeichnung für Mallorca) bezeichnet man ein Objekt aus gebranntem Ton, oft ohne Bemalung (Halb-Porzellan), oder auch eines aus gewöhnlichem Steingut, das mit einer deckenden weißen Zinnglasur überzogen ist. Anschließend mit leuchtenden Farben bemalt, kann derart aufwändig hergestellte Keramik Jahrhunderte überdauern, ohne dass die Farben ihren Glanz verlieren. Verzichtet man auf Glasur und Bemalung, spricht man von einer „Terrakotta“.

Der Name wird von der Insel Mallorca abgeleitet wo arabisch-maurische Fayenceindustrie während des Mittelalters blühte. Von da aus kam die Majolika im 15. Jahrhundert nach Italien und erhielt hier eine selbstständige Entwicklung. Ihre erste Pflege fand sie soviel bekannt zu Besare bei den dortigen Herrschern aus der Familie Sforza. Aus einer Verordnung vom 1. April 1486, welche den Töpfern zu Besaro Privilegien erteilte geht hervor, dass die Töpferwaren dieser Stadt schon eine große Berühmtheit erlangt hatten. Die Fabriken von Urbino, Gubbio, Castel-Durante hatten bald den gleichen Ruf. Diese erste italienische Majolika die sogenannte Mezza-Majolika (Halb-Majolika) hat in der Glasur den selben schillernden Metallglanz den man an den Arbeiten der arabischen Töpferkunst als charakteristisches Merkmal wahrnimmt. Als am Anfang des 15. Jahrhundert Luca della Robbia zu Florenz das zinnhaltige weiße Email aufgefunden und als Überzug bei feinen Bildhauerarbeiten aus Terrakotta angewendet hatte, waren die Fabriken zu Faenza die ersten die ihre Töpferwaren mit einer Glasur aus weißen Email überzogen. Erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts begannen auch die Fabriken in Urbino, Gubbio, Castel-Durante und Besaro das weiße Email zu gebrauchen. Sie nutzten es als Glasur ihrer Töpferfabrikate, wodurch sich der Ruhm der italienischen Majolika des 16. Jahrhundert so weit verbreitete.

Nachdem man auf diese Weise für die Aufnahme der Farben einen viel besseren Grund als bei der Mezza-Majolika gebräuchliche schmutzig-weiße Glasur gefunden und die eigentliche Majolika (majolica fina) begründet hatte, suchte man die Herstellung der bekannten Farben zu vervollkommnen und neue zu entdecken. Namentlich fanden die Meister der Fabrik zu Gubbio ein Zinnoberrot und ein Grün, das die verschiedenen Farbtöne des Laubes annahm.

Seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts fingen Künstler an, sich auf das Bemalen der Majolika zu verlegen, wobei sie sich nicht begnügten, dieses mit Wappen, Blätterwerk, Ornamenten, Bildnissen oder Figuren zu schmücken, sondern sie gingen bis zum Nachbilden historischer Gegenstände und kopierten Kartons, die ihnen von namhaften Meistern geliefert wurden. Besonders seitdem Guidobaldo II., Herzog von Urbino ein Beschützer der Majolikafabriken seines Landes geworden war, entstanden in dieser Majolika wahre Kunstgegenstände.

Dieser Fürst sammelte Handzeichnungen von Raffael und dessen Schülern sowie Marcantons Kupferstiche und gab diese als Vorbilder den Majolikamalern; doch ließ er auch die Majolikagefäße mit Originalmalereien verzieren. Unter den tüchtigen Majolikamalern, die für Herzog Guidobaldo von Urbino arbeiteten, ist besonders Drazio Fontana zu erwähnen. Die von ihm von 1540 bis 1560 bemalten Geschirre und Prachtgefäße kamen nach dem Tode des letzten Herzogs von Urbino, Francesco Maria II., nach Loreto, wo sie sich im Palazzo Apostolico befinden.

Bald nach 1560 verließen die Majolikamaler im allgemeinen die Kompositionen höheren Stils bei ihren Nachbildungen; auf größeren Absatz und schnelleres Produzieren angewiesen geriet jene Luxusindustire in Verfall und wurde im Laufe des 17. Jahrhundert im Herzogtum Urbino ganz aufgegeben. Zu Besaro bestand 1718 nur noch eine Töpferfabrik die bloß gewöhnliche Gefäße verfertigte: die Majolika war ganz abhanden gekommen oder in das blauweiße Geschirr nach Delster Art übergegangen. Nur in den Abruzzen und zu Neapel versuchte man um 1700 eine Wiedererneuerung der Majolikenfabrikation. Aber diese häufig vorkommenden neapolitanischen Majolika erreichten nicht die Schönheit der alten Urbinaten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist die Majolikafabrikation wieder aufgelebt, zuerst als reine Nachahmung, dann als Luxusindustrie. Der erste der dies in ausgedehntem Maße versuchte was Ginorie in seiner Fabrik zu Doccia bei Florenz. Er nahm vor allen die urbinatischen Majolika zum Muster. Auch der opalisiernde Metallglanz der Majolika zu Gubbio wurde wieder erfunden, überhaupt wurden alle Arten der alten Majolika wieder hergestellt. Vielfach wurden auch die farbigen und glasierten Reliefs von Luca della Robbia und seinen Nachfolgern nachgebildet und damit ein Fälschergeschäft getrieben. Ein neuer Zweig war dadurch entstanden, dass Farben und Glasur der Majolika auf Statuetten und Gruppen von sehr populären Art und drastisch-lebendiger Wirkung übertragen worden sind. Ferner findet die Majolika auch Anwendung bei der Herstellung von Fliesen, Kacheln (z.B. für altdeutsche Zimmeröfen) und dergleichen wie dies schon zu früherer Zeit besonders in der Schweiz und in Deutschland beliebt war.

Weblinks

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