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M113 Panzermörser 120mm
Aus Fotonexus.
Der Panzermörser M113 wurde bis 2004 von den Panzergrenadierbataillonen und wird von den Jägerbataillionen der Bundeswehr zur Steilfeuerunterstützung gegen leicht gepanzerte Ziele eingesetzt. Die Beschaffung erfolgte schon in den Jahren 1969 - 1973 und 1977 - 1978.
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Funktionsbeschreibung
Der Waffenträger basiert auf dem Mannschaftstransporter M113 der amerikanischen Armee, auch öfters scherzhaft „1000-Liter-Therme“ genannt, da die Fahrleistungen und das Aussehen an die von der Bundeswehr zur Truppenverpflegung benutzten Thermen erinnert. Die Modifikationen am M113 waren eine vergrößerte, geteilte Dachluke die zu den Seiten öffnet und eine verschweißte Heckklappe sowie eine Mitteltraverse im hinteren Kampfraum mit der die Schussenergie gleichzeitig auf das Fahrgestell abgeleitet wird.
Als Hauptwaffensystem ist ein 120 mm Mörser im hinteren Kampfraum montiert. Je nach Einführungsjahr besitzen die Fahrzeuge unterschiedliche Mörser. In den Anfangsjahren wurden ausschließlich Tampella Mörser verbaut - zu erkennen an der kleineren Kugelpfanne der Mitteltraverse -, später produzierte Rheinmetall in Lizenz die Rohre. Diese unterscheiden sich durch ein höheres Gewicht sowie durch eine größere Kugelpfanne im Waffenträger. Beide Varianten können sowohl vom Fahrzeug aus als auch abgesessen eingesetzt werden. Die zum abgesessenen Einsatz benötigte Bodenplatte wurde am Anfang am Fahrzeugheck, später nach dem Anbringen von externen Treibstofftanks von der Kompanieführungsgruppe gesondert auf einem LKW mitgeführt, so dass beim Ausfall des Fahrzeugs die Besatzung noch einsatzfähig war. Der abgesessene Kampf wurde bei den Panzermörsern intern auch „Bodenplattenrally“ genannt. Innerhalb des fünfköpfigen Panzermörsertrupps war genau festgelegt, wer welche Teile der Waffe mitzunehmen hatte, um den abgesessenen Kampf durchführen zu können. So gehören neben der Bodenplatte, das Zweibein, die Erdsporen, die Truppkiste, die PERI-Kiste, die Richtstäbe, die gesamte Ausblickbaugruppe lang und kurz sowie der Mörser selbst zu den Gegenständen die man neben seiner persönlichen Ausrüstung beim abgesessenen Einsatz transportieren muss.
Der Mörser wird im aufgesessenen Kampf auf der Mitteltraverse angebracht und kann in einem Bereich von ca. 40° seitlich und ca. 50° in der Höhe justiert werden. Bei größeren Korrekturen muss der gesamte MTW bewegt werden. Die maximale Schussreichweite beträgt 6.350 m, die maximale Schusshöhe 3.000 m. Es kann mit diesem Mörser jedoch auch weiter geschossen werden. Die vorab angegebenen Entfernungsmeter resultieren aus den Schusstafeln, die Entfernungen und Rohrerhöhungen beinhalten und den Sicherheitsbestimmungen der Bundeswehr. Im weiteren kann der Mörser zum direkten Richten genutzt werden, d.h. das Ziel ist in unmittelbarer Nähe und kann vom Kommandanten selbstständig bekämpft werden. Ansonsten ist es bei größeren Entfernungen das indirekte Richten, das angefangen vom sogenannten Vorgeschobener Beobachter (VB) über den Feuerleitpanzer (M113) an die einzelnen Trupps weitergereichten Feuerkommandos geht, die diese dann ausführen. Für besondere Aufgaben, wie z.B. das einrichten eines sogenannten Sperrfeuers wird ein „Arbeitsmörser“ abseits der eigentlichen Feuerstellung das Ziel nach Angaben des VB einschießen, was zügig erfolgen sollte.
Während Friedenszeiten wird mit dem 120 mm Mörser „nur“ bis zur sogenannten 8. Ladung - also 8 Treibladungssätze - geschossen, wird im Verteidigungsfall voraussichtlich bis zur 12. Ladung genutzt werden können und somit Entfernungen von bis zu 10-12 km erreichen können. Die Treibladungsringe bestehen aus Zellulosenitrat und teilen sich in 2 farblich gekennzeichnete Ladungen. Die braune Grundladung bleibt immer auf der Patrone wogegen die weißen Teilladungsringe, je nach Reichweite entfernt werden können. Aufgrund von Sicherheitsbestimmungen konnte in Deutschland dennoch nur bis zur 6 Ladung geschossen werden. Der Grund war recht simpel. Kein Truppenübungsplatz war geeignet, da das Überschießen der eigenen Truppe - wie bei der Artillerie - aufgrund der alten Munition nicht erlaubt war.
Die Streuung der Mörser wird bewusst genutzt, um die gleichmäßige Flächendeckung zu gewährleisten und die Munitionstypen optimal einzusetzen. Bei der Panzerhaubitze 2000 muss dagegen die Streuung künstlich durch den Zielcomputer berechnet werden. Um Kontakt zum Feuerleitfahrzeug zu halten, verfügen die Träger über 1 SEM 52 S für kurze Entfernungen. Im Rahmen von Verbesserungen testete man auch einen Datenfunkrechner MRT 86 (militärischer Rechner, tragbar) zur Übertragung der Feuerkommandos. Nach erfolgreichen Test an der Infanterieschule Hammelburg wurden in den 1990er die Krisenreaktionskräfte damit ausgestattet. Der Datenrechner erlaubt eine genaue Berechnung und somit effektiveres Feuer im Ziel, aber auch beim verschießen von Leucht- und Nebelmunition eine bessere Verteilung im Zielgebiet.
Die Vorteile des Waffensystems liegen in seiner Mobilität und der taktischen Verfügbarkeit. Anders als Artilleriefeuer kann das Mörserfeuer auf Bataillonsebene angefordert und koordiniert werden. Die geringe Größe der Waffenanlage erlaubt auch den effektiven Einsatz in urbanem Gelände. Besonders im letzten Golfkrieg wurde ihre taktische Bedeutung deutlich, weshalb das Waffensystem noch weiterhin beim Heer verwendet werden wird. Aus diesem Grund tragen die Mörserkompanien auch den Beinamen „die kleine Artillerie“.
Die 120 mm Mörser wurden aufgrund des geringen Gewichts und Volumens auch von Gebirgs- und Fallschirmjägern verwendet, wobei die M113 gegen Wölfe ausgetauscht wurden, da die gestiegene Masse der NDV 2 die Luftlandefähigkeit einschränkte. In Zukunft werden Wiesel 2 als Mörserträger bei den Fallschirmjägern verwendet, die zusätzlich eine automatisierte Richtvorrichtung bekommen werden. Dadurch werden auch weniger Soldaten für die Bedienung des Waffensystems benötigt.
Nutzungsdauerverlängerung
Durch ihre lange Nutzung wurde an dem Panzermörser ab 2001 die geplante NDV 2 durchgeführt. NDV steht für Nutzungsdauerverlängerung und umfasst größtenteils die Weiterentwicklung der Motoren, da die erlaubte Straßengeschwindigkeit von 30 km/h des M113 bei Manövern nicht zufriedenstellend war. Zum Vergleich erreichen der Kampfpanzer Leopard 2 A5 72 km/h und der Schützenpanzer Marder A3 65 km/h. Ebenfalls waren die technischen Probleme, sowie die Unzuverlässigkeit der alten Motoren ein Problem, aber auch das drohende Ende der Betriebserlaubnis forderte eine Kampfwertsteigerung.
Im Rahmen der NDV 2 wurde ein neuer Motor von MTU auf Basis eines Mercedes-Benz-Actros-Triebwerk inklusive neuer Kühlung, eine neue Gleisverbinderkette von DIEHL (Typ 513) inklusive Antriebszahnkranz, ein neues Schaltlenkgetriebe von ZF mit Möglichkeit zum Wenden auf der Hochachse verbaut. Das neue Triebwerk forderte ebenfalls die Umgestaltung des Fahrerplatzes. Anstelle des Lenkbremshebels wurde ein Lenkrad und Bedienpult mit elektronischer Überwachung verbaut. Ebenfalls neu war die mit dem Fuß betätigte, hydraulische unterstützte 2-Kreis Bremsanlage.
Besatzung
Insgesamt besteht die Besatzung aus 5 Personen. Der Kommandant führt das Fahrzeug, überwacht die Kommunikation, führt Buch über den Munitions- und Betriebsstoffverbrauch, leitet und führt den Feuerkampf des Waffenträger. Sein Stellvertreter ist der Richtschütze. Dieser bedient im Zusammenspiel mit dem Ladeschützen den Mörser. Dazu versucht er das Strichbild des PERI R16A1 deckungsgleich mit dem als fester Bezugspunkt im Fahrzeug fungierenden Kollimator 12A2 zu bringen. Gleichzeitig ist er für die Wartung der Waffenanlage zuständig. Sein Sitzplatz ist im hinteren Kampfraum auf der rechten Seite. Der dritte Mann ist der Ladeschütze. Er bedient im Zusammenspiel mit dem Richtschützen den Mörser. Dazu spielt er gleichzeitig 2 Libellen am Mörser (Verkantungstrieb, Höhenrichtvorichtung) ein, während der Richtschütze das Strichbild übereinander bringt. Beim Feuerkommando lädt er den Mörser. Ist der Träger auf dem Marsch oder in Feuerstellung sichert er mit seiner Handwaffe über die Bordwand von seinem Platz an der Heckluke. Eine weitere Aufgabe ist die Unterstützung des Richtschützen beim technischen Dienst an der Waffenanlage. Die Nummer 4 ist der Munitionsschütze. Er unterstützt den Fahrer beim Wiedereinfahren in die Geschützstellung, führt Buch über den Munitionsverbrauch und ist allein zuständig für das Verstauen der Munition in den Munitionshalterungen. Des Weiteren stellt er nach Vorgabe den Zeitzünder für die Ausstoßzeit an der Nebel- und Leuchtmunition, zieht die Vorsicherung der Patrone und unterstützt bei Bedarf den Fahrer beim technischen Dienst am Fahrzeug. Beim Einrichten ohne Funk übernimmt er die Funktion eines Melders zu Fuß und dient ebenfalls als Nahsicherer. Sein Sitzplatz ist links im hinteren Kampfraum. Der letzte im „Team“ ist der Militärkraftfahrer (MKF). Sein Sitzplatz ist vorne links, neben dem Motor. Er fährt das Fahrzeug mit Unterstützung des Kommandanten, ist aber in der Durchführung wie er das Gelände ausnutzt sich selbst überlassen. Weitere Aufgaben sind Wartungsarbeiten (Technischer Dienst) am gesamten Fahrzeug und Sicherung bei Bedarf im Ernstfall in der Feuerstellung aus seiner Luke. Neben seiner Aufgabe als Fahrer besitzt er laut Vorschrift ebenfalls eine Ausbildung als Mörserschütze und kann am Mörser eingesetzt werden.
Bewaffnung
Zur Selbstverteidigung verfügt die Besatzung über folgende Waffen.
- Mörser 120 mm TAMPELLA
- 1 Maschinengewehr Typ MG3, 7,62 mm zur Flugabwehr und Bekämpfung leichter Bodenziele.
- 4 Sturmgewehre Typ G36, 5,56 mm
- 1 Maschinenpistole Typ MP2, 9 mm (Für den Fahrer)
- 2 Panzerabwehrhandwaffen Typ Panzerfaust 3
Bei erwarteten Feindkontakt ist es möglich den Mörser im direkten Richten gegen leicht bis ungepanzerte Ziele einzusetzen. Seit der Einführung des Waffenträgers wurde die Struktur der Handwaffen der Besatzung häufig geändert. Hatte der Richtschütze am Anfang neben dem MG3 nur eine Pistole, so wurde später aus dieser ein Sturmgewehr wie das G36. Ein Grund für diese Veränderung war die Zeit in der gedeckten Aufstellung, wenn sich das Fahrzeug nicht in der Feuerstellung befindet und die Besatzung zur Sicherung eingesetzt ist.
Technische Daten
| Fahrzeug | ||
|---|---|---|
| Bezeichnung | M113 A2 (EFT) GE 120mm (unmodifiziert) | M113 G3 (EFT) GE 120mm (NDV 2) |
| Typ: | Waffenträger | |
| Motor: | 6 Zylinder Detroit Diesel 6V 53 mit Direkteinspritzung | 6 Zylinder MTU Diesel 6V 183TC22 mit Abgasturbolader |
| Hubraum: | 5.220 cm³ | 10.960 cm³ |
| Leistung: | 154 kW (210 PS) | 220 kW (300 PS) |
| Kühlung: | Flüssigkeitskühlung | |
| Getriebe: | Allison TX-100 Automatisches Dreigang-Schaltgetriebe 3 Vorwärts-, 1 Rückwärtsgang | ZF LSG 1000 Sechsgang Planetengetriebe 6 Vorwärts -, 1 Rückwärtsgang |
| Fahrwerk: | drehstabgefedertes Rollenlaufwerk ohne Stützrollen | |
| Länge über alles: | 5.120 mm | |
| Breite über alles: | 2.690 mm | |
| Höhe über alles: | 2.640 mm | |
| Bodenfreiheit: | 410 mm | |
| Watfähigkeit: | 1.400 mm | |
| Überschreitfähigkeit: | 1.400 mm | |
| Kletterfähigkeit: | 610 mm | |
| Steigfähigkeit: | 60 % | |
| Querneigung: | 30 % | |
| Gefechtsgewicht: | 12.500 kg | über 12.500 kg |
| zulässige Höchstgeschwindigkeit (Straße) : | 30 km / h | 62 km / h (abgeregelt) |
| Höchstgeschwindigkeit (Straße): | 62 km / h | 62 km / h (abgeregelt) |
| Kraftstoffmenge: | 360 l verteilt in 2 Außentanks (EFT) | |
| Kraftstoffverbrauch: | Straße: 69 l auf 100 km, Gelände: 100 l auf 100 km | ? |
| Fahrbereich: | Straße: 480 km, | Straße: 650 km |
| Panzerung: | Aluminium-Magnesium-Legierung 5083 geschätzte Werte Front: 44 mm Seiten: 20 mm Dach : 12mm Heck: 20 mm Boden: 12 mm | |
| Bewaffnung: | 1 Maschinengewehr MG3, Nebelmittelwurfanlage, Mörser 120 mm | |
| Besatzung: | 5 | |
| Waffenanlage | ||
| Bezeichnung | Rheinmetall (Lizenzfertigung) | Tampella |
| Typ: | Steilfeuerwaffe Vorderlader mit feststehenden Schlagbolzen | |
| Kaliber: | 120 mm | |
| Schussweite: | 450 m bis max. 6.350 m mit 8 Teilladungen | |
| Schusshöhe: | 3.000 m | |
| Seitenrichtbereich: | Seitenrichtvorichtung 54 Strich*, Zweibein auf Rollenwagen 400 Strich* | |
| Höhenrichtbereich: | 800 bis 1.420 Strich* | |
| Gewicht Rohr: | 54 kg | 48 kg |
| Gewicht Zweibein Bodenplatte: | 32,8 kg 64 kg | |
| Munition: | 60 Patronen auf dem Fahrzeug | |
| Kadenz: | 5 Minuten lang 5 Schuss pro Minute oder in 1 Minute 15 Schuss | |
* Die Stricheinteilung entspricht der des Kompasses
Mörsermunition
Der 120 mm Mörser ist in der Lage folgende Munition zu verschießen. Dabei verfügt jede Patrone, außer der Sprengpatrone mit Annäherungszünder (AZ), über einen so genannten Vorstecker zur Sicherung. Die Sicherung der AZ besteht aus einer Kunststoffkappe die den Bahngipfelsensor abdeckt. Beide müssen vor dem Verschuss entfernt werden.
- HE-Munition (Sprengpatrone) mit Aufschlagzünder, werden zur Bekämpfung weicher Ziele und Befestigungsanlagen eingesetzt. Der tödliche Splitterradius beträgt ca. 50 m. Der Zünder der HE-Mörsergranate kann sowohl mit als auch ohne Verzögerung verwendet werden. Befestigungen werden mit Hilfe der einstellbaren Verzögerung der Zündung erschüttert und zum Einsturz gebracht.
- HE-Munition mit Annäherungszünder , werden zur Bekämpfung verschanzter Infanteriekräften eingesetzt. Die Explosion erfolgt mehrere Meter über dem Boden, so dass ein Streukegel entsteht der von oben in Schützengräben eindringt. Bei einem Feuerkommando werden in der Regel Spreng- und Annäherungszünder in direkten Wechsel verschossen.
- Leuchtmunition, besitzt einen Leuchtradius von 1 km und kann gezielt zum Entfachen von Bränden genutzt werden. Der Einsatz von Leuchtmitteln hat, wegen des Einsatzes von Nachtsichtgeräten und der Gefahr der eigenen Entdeckung, abgenommen.
- Nebelmunition, wird in der Regel nicht verwendet, da IR-Nachtsichtgeräte nicht durch den Nebel gestört werden und der Nebel krebserregend ist. Inzwischen gibt es aber eine verbesserte Variante des Nebels, der weder gesundheitsschädlich noch IR durchlässig ist.
- Übungsmunition (blau) mit Aufschlagzünder. Statt des Sprengsatzes befindet sich in der Patrone Gips.
Zukunft
Seit 2004 werden alle Panzermörserkompanien aufgelöst oder umstrukturiert. In der neuen Heeresstruktur, die 2010 eingenommen sein soll ist kein Platz mehr für „die kleine Artillerie“ bei den Panzergrenadieren. Jedoch wird seit der Auflösung und aus den Erfahrungen in Afghanistan wieder darüber nachgedacht die Mörserkompanien neu aufzustellen. Ein Grund ist die schnelle Verfügbarkeit der Mörser gegenüber der Artillerie.
Weblinks
- Der Panzermörser 120 mm in Detail bei panzer-modell.deVorlage:Navigationsleiste Kettenfahrzeuge Bundeswehr
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