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Mühlhausen/Thüringen

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Wappen Deutschlandkarte
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Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Unstrut-Hainich-Kreis
Koordinaten: Koordinaten: 51° 13′ N, 10° 27′ O51° 13′ N, 10° 27′ O
Höhe: 216 m ü. NN
Fläche: 86,34 km²
Einwohner: 37.285 (30. Dez. 2005)
Bevölkerungsdichte: 432 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99974
Vorwahl: 03601
Kfz-Kennzeichen: UH
Gemeindeschlüssel: 16 0 64 046
Stadtgliederung: 5 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Ratsstraße 19
99974 Mühlhausen/Thüringen
Webpräsenz:
Bürgermeister: Hans-Dieter Dörbaum (parteilos)
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Mühlhausen/Thüringen ist die Kreisstadt des Unstrut-Hainich-Kreises im Nordwesten Thüringens. In der Raumordnung des Freistaates Thüringen nimmt die Stadt den Rang eines Mittelzentrums mit Teilfunktionen eines Oberzentrums ein. Die nächstliegenden Großstädte sind Erfurt (etwa 55 Kilometer südöstlich), Göttingen (etwa 60 Kilometer nordwestlich) und Kassel (etwa 85 Kilometer westlich). Mühlhausen war im Mittelalter nach Erfurt die zweitmächtigste Stadt im Thüringer Raum. Sie ist bekannt für die größte Stadtkirmes Deutschlands (Mühlhäuser Kirmes), welche 1877 das erste Mal stattfand.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Bild:Muehlhausen-steinweg.jpg
Fußgängerzone Steinweg

Mühlhausen liegt in der Mitte Deutschlands am Nordwestrand des Thüringer Beckens. Das Stadtgebiet wird im Westen durch den Hainich und im Norden durch das Obereichsfeld begrenzt. Mühlhausen liegt an der Unstrut, einem Nebenfluss der Saale.

Stadtgliederung

Die Stadt besteht aus den Ortsteilen:
(Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2006)

  • Mühlhausen (33.660 Einwohner)
  • Felchta (698 Einwohner)
  • Görmar (1.070 Einwohner)
  • Saalfeld (199 Einwohner)
  • Windeberg (248 Einwohner)

Geschichte

Vor dem Zweiten Weltkrieg

Bild:Muehlhausen-frauentor.jpg
Stadtmauer am Frauentor (außen)
Bild:Stadtmauer Mühlhausen1.JPG
Stadtmauer am Frauentor (innen), rechts Rabenturm

967 wurde Mühlhausen erstmals urkundlich als „mulinhuson“ durch Otto II. erwähnt; es war Zentrum eines bedeutenden Reichsgutbezirkes mit befestigtem Königshof, dessen Ursprünge bis in das fränkische Reich Karls des Großen zurückreichen.

Im 11. Jahrhundert begann die Entstehung der Altstadt (Marktsiedlung), im 12. Jahrhundert folgte die der Neustadt um die Marienkirche unter Friedrich I. Barbarossa. Im Jahr 1135 söhnte sich Kaiser Lothar III. in der erstmalig so bezeichneten „villa regia“ Mühlhausen endgültig mit Konrad von Staufen aus. Mit dem Jahr 1135 ist Mühlhausen der erste Ort Thüringens, der die Stadtrechte erhielt. Heinrich der Löwe eroberte Mühlhausen, das sich zu einem bedeutenden Zentrum der Reichsgewalt entwickelt hatte, 1180.

Um 1200 wurde die Stadtmauer um die Innenstadt (49 Hektar) mit sieben Doppeltoren und 38 Wehr- und Kanzeltürmen und einer Länge von 2,7 Kilometern erbaut. Mühlhausen, ursprünglich ein königliches Kammergut, erhielt zu Anfang des 13. Jahrhunderts Münz- und Zollrecht. Gegen die Burg, auf der ein königlicher Burggraf waltete, schloss sich die Stadt in der gleichen Zeit durch Mauern ab. Um 1220 wurde das Mühlhäuser Rechtsbuch nach des Reiches Recht (das älteste Stadtrechtsbuch in deutscher Sprache) aufgezeichnet. Es war auch für die Reichsstadt Nordhausen geltendes Recht. 1251 erhielt die Stadt Mühlhausen das Recht einen Schultheißen zu ernennen und wurde dadurch freie Reichsstadt, wenn auch jenes Amt noch im 14. Jahrhundert eine Zeit lang an den Grafen von Henneberg verpfändet war. Inzwischen hatte auch die Burggrafschaft ihr Ende erreicht, und ihre Befugnisse wurden von der Stadt erworben. Unter Karl IV., also Mitte des 14. Jahrhunderts erhielten die Zünfte Vertretung im Rat. Die freie Reichsstadt Mühlhausen war seit 1286 Mitglied der Hanse. 1292 wurde die Breitsülze, der an der Stadt entlang fließende Bach, in einem künstlichen Bachlauf zur Wasserversorgung in die Oberstadt geleitet. Dies war für mittelalterliche Verhältnisse ein ingenieurtechnisches Meisterwerk. Der Bach wurde in einem Graben von 5350 Metern Länge mit einem Gefälle von nur 0,33 Millimeter pro Meter in die Oberstadt geleitet. Die Pläne für dieses Bauvorhaben stammen von einem Mönch, welcher der Sage nach einen Pakt mit dem Teufel traf und kurze Zeit nach der Fertigstellung verschwand.

1430 trat Mühlhausen gemeinsam mit Erfurt und Nordhausen, mit diesen beiden Städten seit 1310 im Thüringer Dreistädtebund vereinigt, dem starken Goslarer Bund innerhalb der Hanse bei. 1500 wird Mühlhausen Teil des Niedersächsischen Reichskreises.

Mit dem Bauernkrieg im Jahre 1525 wurde Mühlhausen durch Thomas Müntzer und seinen Mitstreiter Heinrich Pfeiffer zum Zentrum der radikalreformatorischen Bewegung der Bauern, die durch die Stadt niedergeschlagen wurde. 1556 nahm sie die Reformation an. Nach der Niederlage der Bauern wurde der radikale Reformator Thomas Müntzer vor den Toren der Stadt hingerichtet. An dieser Stelle erinnert heute ein Denkmal an ihn. Die Stadt verlor ihre Reichsfreiheit; die Fürsten von Sachsen und Hessen wurden Schutzherren. Durch den Ankauf der Liegenschaften des Deutschen Ritterordens (1599) erwarb die Stadt einen großen Grundbesitz (im Ganzen 220 km²).

Bild:Muehlhausen.jpg
Die freie Reichsstadt Mühlhausen um 1630, Stich von Matthäus Merian

Auf dem Fürstentag zu Mühlhausen (März 1620) gab der Kurfürst von Sachsen die Sache der Union preis und erklärte sich mit den rheinischen Erzbischöfen für den Kaiser.

1707/1708 war Johann Sebastian Bach Organist an der Hauptkirche Divi Blasii (Sankt Blasius). Zum Ratswechsel am 4. Februar 1708 entstand die Kantate Gott ist mein König BWV 71 .

1802 kam Mühlhausen an Preußen, 1807 an Westfalen und 1815 wieder an Preußen. 1831 wanderte Johann August Röbling, geboren 1806 in Mühlhausen, in die USA aus und wurde dort zum Konstrukteur der größten Drahtseilhängebrücke der Welt, der Brooklyn Bridge in New York (1883). 1861 wurde Mühlhausen an das Telegrafennetz angeschlossen. 1870 wurde die Bahnstrecke Gotha-Leinefelde eingeweiht und somit ein Eisenbahnanschluss für die Stadt hergestellt. 1887 wurde sie schließlich auch an das Telefonnetz angebunden.

Zweiter Weltkrieg bis heute

1935 wurde die Stadt im Zuge der Heeresvermehrung Garnisonsstadt der Wehrmacht.

1944, gegen Ende des Nazi-Regimes, wurden in Mühlhausen zwei Außenlager des KZ Buchenwald (Martha und Martha II) eingerichtet. Die internierten Häftlinge wurden zur Arbeit in Rüstungsbetrieben gezwungen.

Bis zum Ende der DDR war Mühlhausen stark industrialisiert. Vor allem durch Verstaatlichungen in den Jahren 1952 bis 1972 entstanden aus den vor dem Zweiten Weltkrieg bestehenden Mühlhäuser Industriebetrieben unter anderem folgende Volkseigene Betriebe:

  • Textilindustrie: VEB Mülana („Obertrikotagen“), VEB Cottana (vorher: VEB Buntweberei Mühlhausen; ursprünglich: Binkebank & Hammer, Weberei), VEB Westthüringer Kammgarnspinnerei Mühlhausen, VEB Textilveredlungswerke Mühlhausen (entstanden aus Gebrüder Hecht KG, Textilveredlung, und Heinz Schüler, Garnveredlung)
  • Schwerindustrie: VEB Möve-Werk (Zulieferer für Fahrzeugtechnik, z. B. an IFA), VEB Förderwagen und Beschlagteile, VEB Stehlagerwerk, VEB Kinderfahrzeuge ZEKIWA, VEB Spezialnähmaschinenbau
  • Computerindustrie: 1982 wurde der VEB Röhrenwerk in den VEB Mikroelektronik „Wilhelm Pieck“ umbenannt. Als Teil des Kombinats Mikroelektronik Erfurt stellte der Betrieb elektronische Taschenrechner (darunter den einheitlichen Schultaschenrechner SR-1) her. Später kam die Produktion der verbreitetsten Heimcomputer-Serie der DDR hinzu: die sogenannten Kleincomputer KC 85/2, KC 85/3 und KC 85/4.

Zum 450. Todestag von Thomas Müntzer erhielt Mühlhausen 1975 den amtlichen Namenszusatz „Thomas-Müntzer-Stadt“.

Am 21. Februar 1991 strich die Stadtverordnetenversammlung den Beinamen „Thomas-Müntzer-Stadt“ aus dem Stadtnamen und beschloss als offizielle Bezeichnung der Stadt „Mühlhausen/Thüringen“.

Im Jahr 2005 trat Mühlhausen als erste deutsche Stadt dem Verein Deutsche Sprache bei. Im selben Jahr wählten sie die Leser der Deutschen Sprachwelt zum Sprachwahrer des Jahres.


Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1400 ca. 10.000
1850 13.706
1880 23.478
1885 25.141
1890 27.538
1895 30.115
1900 33.428
1910 35.091
1925 36.755
1933 39.367
1939 41.493
1946 48.013
1949 51.744
1961 45.200
Jahr Einwohner
1970 46.135
1971 45.190
1981 43.348
1985 43.286
1988 42.949
1995 39.573
1997 38.900
2000 38.695
2002 37.661
2004 37.855
2005 37.285

Politik

Die Stadtrat Mühlhausen besteht aus 36 Stadträten und dem Oberbürgermeister. Die Sitzverteilung stellt sich seit dem Wechsel 2'er SPD-Abgeordneter zur FDP und dem Austritt einer SPD-Fraktionärin aus der SPD-Fraktion im Jahr 2006 wie folgt dar:

CDU  : 12 Sitze
PDS  : 10 Sitze
SPD  : 5 Sitze
FDP  : 5 Sitze
FW-MHL  : 3 Sitze
parteilos  : 1 Sitz

Der Oberbürgermeister Hans-Dieter Dörbaum wurde am 7. Mai 2006 wiedergewählt.

Wappen

Blasonierung: Geteilt von gold und rot. Oben einen wachsenden, schwarzen, rotbewehrten Adler und unten in Rot ein silbernes Mühleisen.

Bedeutung: Der Adler verweist auf den Status der Stadt als freie Reichsstadt und das Mühleisen auf den Namensursprung der Stadt. Die Farbpaarung silber-rot im unteren Teil des Wappens ist auf den jahrhunderte langen Einfluss des Erzbistums Mainz zurück zu führen.

Städtepartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bild:Museum Mühlhausen.JPG
Museum am Lindenbühl
Bild:Blasiikirche Mühlhausen hinten.JPG
Rückansicht der Divi-Blasii-Kirche

Theater

Seit 1991 erarbeitet der Verein, Theaterstücke, Performances, Spielaktionen mit Jugendlichen und Erwachsenen.

Museen

  • Museum am Lindenbühl (Heimatmuseum der Stadt Mühlhausen)
  • Müntzergedenkstätte in der Marienkirche
  • Bauernkriegsmuseum in der Barfüßerkirche (Kornmarktkirche)
  • Museumsgalerie Allerheiligenkirche
  • Fernmeldemuseum Mühlhausen im Gebäude der Deutschen Telekom
  • Feuerwehrmuseum

Bauwerke

  • mittelalterlicher Stadtmauerring mit erhaltenem Wehrgang
  • Inneres und Äußeres Frauerntor
  • Rabenturm
  • Divi-Blasii Kirche
  • St. Marien (zweitgrößte Kirche Thüringens nach dem Erfurter Dom; höchster Kirchturm Thüringens mit 86,7 m)
  • Nikolaikirche
  • Georgii Kirche
  • Rathaus mit historischem Ratssaal und Reichsstädtischem Archiv
  • Popperöder Quellhäuschen

Parks und Naherholungsgebiete

  • Grünanlagen direkt an der Stadtmauer mit Übergang zum Hohen Graben
  • Das Lindenbühl (ebenfalls an der Stadtmauer gelegen)
  • Parkanlagen zwischen Schwanenteich und Popperöder Quelle
  • Der Mühlhäuser Stadtwald am westlichen Stadtrand
  • Thomas-Müntzer-Park am Rieseninger
  • Grünanlagen am Kriegerdenkmal (Mühlhäuser Löwe)
  • Mühlhäuser Landgraben

Kulinarische Spezialitäten

  • Mühlhäuser Pflaumenmus (nach Originalrezept von 1908, Firma Herthä (Herrmann Thämert), 1972 enteignet; Deutschland bekanntester Pflaumenmusproduzent; hauptsächlich in Ostdeutschland aktiv; Expansion nach Westdeutschland geplant; Tochterunternehmen der Tegros Vertriebsgesellschaft)
  • Im Januar wird von vielen Bäckermesiern in der Stadt Süßkuchen angeboten. Das Gebäck aus einer sirupähnlichen, dicken Masse aus Honig und Pfefferkuchengewürz auf einem mit Roggenmehl bereiteten Boden blickt bereits auf eine etwa 800-jährige Geschichte zurück. Es soll somit den Kuchengeschmack des Hochmittelalters erfahrbar machen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Mühlhausen liegt am Kreuzungspunkt von B 247 (LeinefeldeGotha) und B 249 (SondershausenEschwege). Landesstraßen gibt es nach Anrode, Heyerode, Eisenach, Bollstedt und Menteroda.

Mühlhausen besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Gotha-Leinefelde auf der unter anderem der Regionalexpress von Göttingen über Erfurt nach Chemnitz verkehrt. In der Vergangenheit gab es außerdem Bahnstrecken nach Treffurt und Sondershausen, die inzwischen stillgelegt wurden.

Bildung

  • Albert-Schweitzer-Gymnasium
  • Tilesius-Gymnasium
  • Evangelisches Gymnasium
  • Berufliche Schulen des Unstrut-Hainich-Kreises mit dem Beruflichen Gymnasium
  • Forstbergschule
  • Johann-August-Röbling-Schule Staatliche Berufsbildende Schule für Gesundheit und Soziales
  • Margaretenschule
  • Martinischule
  • Nikolaischule
  • Petrischule
  • Thomas-Müntzer-Schule


Persönlichkeiten

Literatur

Weblinks

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