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Lloyd (Auto)
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Der Automobilhersteller Lloyd gehörte zu den Hansa-Lloyd-Werken, die in Varel ihre Produktion aufnahmen. Produkte waren in den 1920er-Jahren Luxusautomobile sowie Zulieferteile für andere Autohersteller.
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Geschichtlicher Überblick
Gegen Ende der 1920er-, Anfang der 1930er-Jahre wurde die AG von Borgward übernommen, der mit seinem Blitzkarren (ein dreirädriges Fahrzeug mit 2,2 PS) in der Zeit der Weltwirtschaftskrise – anders als Luxushersteller – gutes Geld verdient hat. Lloyd trug wesentlich dazu bei, dass die Borgwardgruppe zeitweise zu den größten Autoherstellern Deutschlands gehörte.
Hansa wurde zur Luxusmarke im Borgwardkonzern ausgebaut, bis hin zum Hansa 2300 (1938) mit Sechszylindermotor. Nach dem zweiten Weltkrieg fehlte es in Deutschland an preiswerten Automobilen. Carl Borgward reagierte 1950 mit dem Lloyd 300.
Die Karosserie bestand wegen der damals herrschenden Materialknappheit aus Sperrholz und wurde mit Kunstleder überzogen. Sein Spitzname: Leukoplast-Bomber. Im Volksmund hieß es außerdem: Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd. Der Wagen wurde von einem 300 cm³ großen und 10 PS starken Zweitakter angetrieben.
1953 wurde der Lloyd 400 mit einem auf 400 cm³ (13 PS) vergrößerten Motor vorgestellt. Hatte der 300er noch eine eher plumpe Karosserie, zeigte sich das neue Modell mit einer eleganteren Linienführung, die bis zum Ende der Produktion der "kleinen" Lloyd im wesentlichen beibehalten wurde. Auch der 400er wurde anfänglich mit einer Sperrholz-Kunstleder-Karosserie gefertigt. Bis 1954 wurden die Holzteile des in Bremen-Neustadt gebauten Wagens nach und nach durch Stahl ersetzt. Die sparsame Motorisierung der Zweitakt-Lloyd zog eher begrenzte Fahrleistungen nach sich. Insbesondere die Steigfähigkeit an längeren Berghängen war verbesserungswürdig. Der Volksmund, und hier besonders die Fahrer leistungsstärkerer Wagen kolportierten daher zuweilen den Spruch ... steht am Berg und heult!, was aber in Anbetracht des Motorengeräuschs auch nicht ganz unberechtigt war.
1955 bekam der Lloyd einen 600 cm³ Viertaktmotor (LP 600); es war auch das erfolgreichste Jahr in der Firmengeschichte. Über 50.000 Fahrzeuge wurden gebaut, Lloyd lag nach VW und Opel auf Platz drei der deutschen Zulassungsstatistik. Der 600 wurde ständig verbessert. In der Ausführung mit synchronisiertem Getriebe, Kurbelfenstern und von außen zu öffnendem Kofferraum hieß er ab 1957 "Alexander". 1958 wurde zusätzlich eine TS-Version mit neuem Kühlergrill ins Programm genommen, die 25 PS hatte und über 110 km/h schnell war. Aus Gründen der Versicherungseinstufung wurde die Leistung später auf 23 PS gedrosselt, sodass die Höchstgeschwindigkeit nur noch 107 km/h betrug. Insgesamt liefen 176.524 Stück des 600er vom Band, die letzten beiden Fahrzeuge wurden 1963 aus Restbeständen zusammengeschraubt.
Zum Verhängnis wurde der Lloyd 900 "Arabella", der 1959 auf den Markt kam. Im Vergleich zum LP 600 war die Arabella eigentlich eine logische Weiterentwicklung der bisher gebauten Kleinwagen als Lückenschluss zu den größeren Wagen, jedoch bei moderner Linienführung (z. B. damals hochmodischen Heckflossen) immer noch preiswert und somit auch für den kleineren Geldbeutel erschwinglich. Jedoch stellten sich zu Produktionsbeginn Kinderkrankheiten ein, die zu teuren Rückrufaktionen und schweren Imageschäden führten. Es kam zu zahlreichen Getriebeschäden, außerdem gelangte bei Regen Wasser in den Innenraum. Von der Arabella wurden insgesamt 47.042 Stück gebaut, davon 1.493 Fahrzeuge nach dem Konkurs der Borgwardwerke 1961.
Die Lloyd-Motoren-Werke bestanden als kleine Firma bis Ende der 1980er-Jahre weiter. Neben der Ersatzteilversorgung für die gebauten Lloyd-Fahrzeuge übernahm man Ende der 1960er-Jahre die gleiche Funktion für die Borgward-Wagen. Außerdem wurde ab 1966 wieder der Zweizylinder-Zweitaktmotor der Lloyd-Personenwagen gefertigt. Über 8000 Exemplare wurden allein in die USA und nach Kanada geliefert, wo sie vor allem als Antriebsaggregate für Schneemobile dienten.
Systematik der Typenbezeichnungen
Bis zum Alexander setzte sich die Typenbezeichnung für die PKW aus einer Buchstabenkombination und einer Zahl zusammen:
- Ein L für Lloyd
- Ein Buchstabe für die Karosserieform, nämlich
- C für Coupé (beim 300er) bzw. für Cabriolet (beim 400er und 600er)
- K für Kastenwagen (Kleinlieferwagen ohne hinteres Seitenfenster)
- P für Personenwagen (Limousine)
- S für Stationswagen (Kombi im heutigen Sprachgebrauch mit hinterem Seitenfenster)
- Eine Zahl entsprechend des gerundeten Werts des Hubraums
Bei den Lieferwagen- bzw. Busmodellen stand der zweite Buchstabe T für Transporter.
Die nachfolgende Zahl gab den Hubraum des Motors auf volle 100 cm³ aufgerundet an. Ausnahmen: Der LP 250, welcher tatsächlich 250 cm³ Hubraum hatte und der LT 500, der von dem gleichen 400 cm³-Motor angetrieben wurde wie der LP 400.
Der Lloyd Alexander trug diesen Namenszug neben der Bezeichnung 600, die nach wie vor am Heck zu finden war. Der Lloyd Arabella wurde, entsprechend dieser Systematik, auch als Lloyd 900 bezeichnet. Beim Alexander TS hingegen war die Bezeichnung als 600er nicht gebräuchlich und auch am Wagen nicht angebracht.
Modelle und Stückzahlen
| Modell | Karosserie | Bauzeit | Motor | Hubraum | PS | Gänge | km/h |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Lloyd LP 300 | Limousine | 1950-1952 | 2 Zylinder Zweitakt | 293 | 10 | 3 | 75 |
| Lloyd LS 300 | Kombi | 1951-1952 | 2 Zylinder Zweitakt | 293 | 10 | 3 | 75 |
| Lloyd LK 300 | Kastenwagen | 1951-1952 | 2 Zylinder Zweitakt | 293 | 10 | 3 | 75 |
| Lloyd LC 300 | Coupé | 1951-1952 | 2 Zylinder Zweitakt | 293 | 10 | 3 | 75 |
| Lloyd LP 400 | Limousine | 1953-1957 | 2 Zylinder Zweitakt | 386 | 13 | 3 | 75 |
| Lloyd LS 400 | Kombi | 1953-1957 | 2 Zylinder Zweitakt | 386 | 13 | 3 | 75 |
| Lloyd LK 400 | Kastenwagen | 1953-1957 | 2 Zylinder Zweitakt | 386 | 13 | 3 | 75 |
| Lloyd LC 400 | Cabrio | 1953-1957 | 2 Zylinder Zweitakt | 386 | 13 | 3 | 75 |
| Lloyd LT 500 | Lieferwagen/Bus | 1953-1957 | 2 Zylinder Zweitakt | 386 | 13 | 3 | 75 |
| Lloyd LP 250 und 250 V | Limousine | 1956-1957 | 2 Zylinder Zweitakt | 250 | 11 | 3 | 75 |
| Lloyd LP 600 | Limousine | 1955-1961 | 2 Zylinder Viertakt | 596 | 19 | 3 | 100 |
| Lloyd LS 600 | Kombi | 1955-1961 | 2 Zylinder Viertakt | 596 | 19 | 4 | 100 |
| Lloyd LK 600 | Kastenwagen | 1955-1961 | 2 Zylinder Viertakt | 596 | 19 | 4 | 100 |
| Lloyd LC 600 | Cabrio | 1955-1961 | 2 Zylinder Viertakt | 596 | 19 | 4 | 100 |
| Lloyd LP 600/LS 600 Alexander | Limousine oder Kombi | 1957-1961 | 2 Zylinder Viertakt | 596 | 19 | 4 | 100 |
| Lloyd Alexander TS | Limousine oder Kombi | 1958-1961 | 2 Zylinder Viertakt | 596 | 23 | 4 | 107 |
| Lloyd LT 600 | Bus/Liefer- bzw. Pritschenwagen | 1955-1961 | 2 Zylinder Viertakt | 596 | 19 | 4 | 85 |
| Lloyd Theodor | LT 600 Sonderauf- bau Campingbus | 1955-1961 | 2 Zylinder Viertakt | 596 | 19 | 4 | 85 |
| Lloyd 900 Arabella | Limousine | 1959-1961 | 4 Zylinder Viertakt | 897 | 38 1960-1963 auch 34 | 4 | 120 |
| Lloyd 900 Arabella de Luxe | Limousine | 1960-1961 | 4 Zylinder Viertakt | 897 | 45 | 4 | 133 |
| Lloyd EL 1500 | LKW | ||||||
| Lloyd EL 2500 | LKW |
| Modell | Stückzahl |
|---|---|
| Lloyd 300 LP, LS und LC | 18.087 |
| Lloyd 400 LP, LS und LC | 109.878 |
| Lloyd 250 und 250 V | 3.768 |
| Lloyd 600 LP, LS und LC, Alexander und Alexander TS | 176.524 |
| Lloyd Arabella und Arabella de Luxe | 47.549 |
Literatur
- Lloyd - der Wagen für Dich (Bielefeld, 2006, Kurze Peter): Delius-Klasing, ISBN 3-7688-1725-3
- Weltreise mit 19 PS - Im Lloyd auf großer Fahrt (Lüdenscheid, 2006, Block Wolfram): edition garage 2cv, ISBN 3-9809082-3-2
- Borgward - Goliath - Lloyd, Personenwagen 1931-1970, (1999, Christian Steiger): Motorbuch Verlag, ISBN 3-613-01946-9
Weblinks
Siehe auch
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