Das Fotonexus-Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Kontinentalhang
Aus Fotonexus.
Der Kontinental(ab)hang (auch Kontinentalabfall, Kontinentalböschung oder Bathyal) ist jener Teil des Kontinentalrandes, an dem sich der Meeresboden (marines Benthal) von der Schelfkante (100 - 200 m Tiefe) bis zum Kontinentalfuß in etwa 2000 - 4000 m Tiefe absenkt. Als Teil des Tiefseebodens wird diese Tiefenzone auch als Batyhal bezeichnet (griech. bathys - Tiefe).
Diese global auftretenden Hänge am Grund der Ozeane verlaufen sehr flach geneigt (1-2°) und eher gleichmäßig, bis sie ab etwa 4 km Tiefe in die Tiefseebecken übergehen. Sie bilden eine – auf dem Festland kaum auftretende – Besonderheit im Höhenverlauf der Erdoberfläche, obwohl sie im Durchschnitt in der mittleren Meerestiefe von 2½ km liegen.
Eine Erklärung dieser sanften Neigung ist Gegenstand aktueller Forschung, denn Sedimentpakete können unter Wasser auch stabile Abhänge mit 15° Neigung bilden. Am wahrscheinlichsten ist die Notwendigkeit der Einbeziehung von internen Wellen.
Trotz der flachen Neigung dieser bis 200 km breiten "Hänge" kommt es vor, dass ihre Sedimente als Schlammlawine in Bewegung geraten. Nach neuen Forschungen kann dies durch Austritt von Methangas verursacht werden.
Die Schelfe oder Festlandsockel, von denen die einzelnen Kontinentalabhänge ihren Ausgang nehmen, sind teilweise eine Folge des niedrigeren Wasserspiegels während der letzten Eiszeiten.
Inhaltsverzeichnis |
Schlammlawinen am Meeresgrund
Im Rahmen des Ocean Drilling Program (ODP) untersuchen Geowissenschafter die Existenz von gefrorenen Gasen (so genannten Gashydraten) an mehreren Kontinentalrändern. Dabei konnte man vor einigen Jahren die Ursache der seltsamen Schlammlawinen klären, die manchmal Schäden an Unterwasserkabeln oder Bohrinseln verursachen. Auch war es möglich, Anhand der zu unterschiedlichen Zeiten auftretenden Kabelbrüche, die Geschwindigkeiten solcher Schlammlavinen zu bestimmen.
Auslöser können "Eiskäfige" sein, in denen Methan (oder andere organisch entstandene Gase) durch den hohen Druck und Minusgrade "gefangen" sind. Durch Störungen verschiedener Art beginnen sie aufzuschäumen und destabilisieren die oft nur losen Sedimentschichten – insbesondere meerwärts von Flussmündungen – ähnlich wie bei einer Schnee- oder Staublawine. Vereinzelt stellen Stratigrafen bei Tiefsee-Gesteinen, die bei der alpinen Gebirgsbildung aus dem heutigen Mittelmeer nach Norden verfrachtet wurden, Verwirbelungen fest. Sie werden auf turbide Strömungen solcher Art zurückgeführt; ihre Spuren findet man noch heute in den Voralpen oder im Wienerwald.
Rutschung in Norwegens Eismeer
Die Schlammströme, deren Material noch feiner als jene der flüssigsten Muren sind, können auch geologische Störungen, Erdverwerfungen beziehungsweise Tsunamis (Meereswellen wie nach Erdbeben) auslösen. Man spricht hier von sog. "Geo-Hazards". Entsprechende Prozesse haben sich beispielsweise an der Storegga-Rutschung abgespielt, einer mächtigen Schlammhalde am Kontinentalabhang vor dem mittleren Norwegen. Hier trat in einigen kurzen Warmzeiten (seit 40.000 Jahren vor heute) so viel Methan aus, dass der Kontinentalhang in mehreren gewaltigen Lawinen abbrach. Manche Geologen meinen, dass so die Hälfte von Großbritannien entstanden sei.
Gefahren und Chancen
Bei solchen Labilitäten sind auch die für EDV und Internet so wichtigen Seekabel gefährdet. Fachleute des ODP verweisen auf ähnliche Gefahren, wenn heutige Fördermethoden für Erdgas und Erdöl in der Nähe von Gashydratvorkommen Instabilitäten auslösen. Sie könnten Bohrinseln nicht nur in der Nordsee gefährden, sondern auch vor der nordamerikanischen Atlantikküste (Blake Ridge) und vor Oregon, im Golf von Mexiko - wo man schon jetzt (oder demnächst) Erdgas fördert. Ähnliches könnte im Permafrostboden von Westsibirien (Messoyakha-Erdgasfeld) passieren.
Andererseits geben diese Forschungen auch klare Hinweis darauf, welch große Mengen an Kohlenwasserstoffen unter dem Meeresboden lagern. Manche Geotechniker sprechen vom hundertfachen der am Festland förderbaren Menge. Auch in unseren Breiten gibt es solche Quellen: außer Norwegen beispielsweise nordwestlich von Irland, südwestlich von Spanien; sogar im Mittelmeer werden Anreicherungen von Methangasen vermutet.
Siehe auch
Hypsografische Kurve, Schelfzone; Erdgasfeld, Mittelozeanische Schwelle, Schlamm, Staublawine, Tiefseebecken
Weblinks
- http://www.geysir.com/deutsch/natur/geologie/1.2.phtml (Skizze des Atlantik, Entstehung Islands)
- (erwünscht): Hypsografische Kurve der mittleren Höhen und Tiefen
- http://www.berlinews.de/archiv/616.shtml (Methaneis vom Meeresboden)
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Kontinentalhang, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
