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Journalismus

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Journalismus bezeichnet die periodische publizistische Arbeit bei der Presse, im Rundfunk und in Online-Medien. Zur Entstehung des Journalismus siehe den eigenen Beitrag Geschichte des Journalismus, zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Journalismus siehe Journalistik, Publizistik, Kommunikationswissenschaft.

Inhaltsverzeichnis

Aufgabe und Kritik

Journalismus trägt zur öffentlichen Meinungsbildung bei. Er wird deshalb oft als vierte Gewalt im Staat bezeichnet (vgl. Fabris 1981). Wolf Schneider und Paul-Josef Raue (2006) definieren die Aufgabe des Journalismus' als eine zweifache: „Durch den Dschungel der irdischen Verhältnisse eine Schneise der Information zu schlagen - und den Inhabern der Macht auf die Finger zu sehen.“

Kritisiert wird am Journalismus, dass er oft unsachlich sei, teilweise sogar falsch informiere und damit seiner Funktion in der Demokratie nicht gerecht werde. Dabei wird oft der Digitalisierung der Medien die Schuld gegeben. Schneider/Raue sprechen von „Fetzenjournalismus“, Siegfried Weischenberg warnt in seiner Studie von 2006 vor der „Content-Falle“. Diese Kritik richtet sich vor allem an die Boulevardzeitungen und die Privatsender, die sich aus dem Anzeigenerlös, basierend auf Auflage beziehungsweise Einschaltquote, finanzieren. Mit der zunehmenden Boulevardisierung im Journalismus gilt diese Kritik auch mehr und mehr für die Abonnementspresse sowie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Aufgrund der zunehmenden Konzentration am Medienmarkt ist die Bildung von Meinungsmonopolen zu beobachten. Kontrollorgane wie das Bundeskartellamt und die Europäische Kommission regulieren die Struktur und die Marktanteile einzelner Medienkonzerne. Als Gegenbewegung gegen die zunehmende Macht supranationaler Konzerne entstanden der Graswurzel-Journalismus und die Medien der Gegenöffentlichkeit.

Mit dem Entstehen von Amateurreportern und User Generated Content verändert sich die Rolle der Journalisten, vgl. die Diskussion um den Verlust der Gatekeeper-Funktion.

Tätigkeiten

Walther von La Roche (2006) definiert das journalistische Berufsbild anhand der Tätigkeiten:

Mit der Veränderung des Berufsbildes seit den 90er Jahren sind für Journalisten bei all diesen Arbeiten

  • kaufmännische, betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Fähigkeiten und
  • der Einsatz der Computertechnik

stärker in den Vordergrund getreten.

Immer mehr freie Journalisten arbeiten, um zu überleben, nicht mehr ausschließlich im klassischen Journalismus, sondern zusätzlich im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Das kann zu Interessenkonflikten führen. Das Netzwerk Recherche und andere Verbände und Gruppen fordern deshalb eine strikte Trennung der Tätigkeiten von Journalismus und Pressearbeit.

Medien

Praktisch jede moderne Form der Nachrichtenübermittlung kann als Medium für den Journalismus dienen:

Je nach Sparte kommen Texte, Fotos, Informationsgrafiken, Originaltöne und bewegte Bilder zum Einsatz.

Darstellungsformen

Die Textsorten im Journalismus ziehen sich durch alle Medien: Meldung, Nachricht, Bericht, Reportage, Interview, Kommentar usw. sind journalistische Darstellungsformen. Information und Meinungsdarstellung/Kommentierung sollen für den Leser deutlich erkennbar getrennt sein (1. Trennungsregel).

Quellen: Häufig werden Meldungen von Nachrichtenagenturen verwendet und bei Bedarf gekürzt oder um Ergebnisse eigener Recherche erweitert. Weitere Methoden sind persönliche Recherchen, Telefonrecherche, Archivrecherche und Recherche im Internet.

In der Praxis werden oft auch Presseerklärungen (auch: „Originaltexte“) von Unternehmen und Institutionen unverändert übernommen. Damit wächst der Einfluss der Public Relations auf den Journalismus.

Grundsätzlich muss laut Presserecht der redaktionelle Teil eines Mediums unabhängig vom Anzeigenteil (Werbung) erstellt werden (2. Trennungsregel).

Kategorisierungsversuche

Nach den journalistischen Handlungsrollen unterscheiden die Kommunikationswissenschaftler Ulrich Saxer und Siegfried Weischenberg zwischen

Diese journalistischen Rollenbilder sind jedoch nie in idealtypischer Ausprägung anzutreffen.

Eine weitere Einteilung orientiert sich an den Berichterstattungsfeldern und Ressorts. Beispiele: Kulturjournalismus, Wirtschaftsjournalismus, Wissenschaftsjournalismus.

Medienrecht und Medienethik

Medienrecht: die Pressefreiheit im Grundgesetz und in den Landespressegesetzen der jeweiligen Bundesländern sind die rechtliche Grundlage der journalistischen Tätigkeit. Für den Rundfunk gibt es den Rundfunkstaatsvertrag, für die Online-Medien das Telemediengesetz. Daneben muss der Journalist in seiner täglichen Arbeit etwa Persönlichkeitsrechte und Urheberrechte beachten. Verletzt eine Veröffentlichung diesen Rahmen, kann auf Schadenersatz und Unterlassung geklagt werden. Es besteht grundsätzlich das Recht auf Gegendarstellung. Medien sind zur Angabe verantwortlicher Personen im Impressum verpflichtet.

Medienethik: selbstverpflichtende Kontrollinstanzen sind darüber hinaus der Deutsche, Österreichische und Schweizer Presserat. Sie überprüfen die Einhaltung der selbstgeschaffenen journalistischen Kodizes und rügen - ohne rechtliche Konsequenzen - Verstöße.

Die Kodizes: Pressekodex, Ehrenkodex für die österreichische Presse, Erklärung der Pflichten und Rechte.

Siehe auch

Literatur

  • Christopher Beltz, Michael Haller, Armin Sellheim: Berufsbilder im Journalismus, UVK, Konstanz 1999
  • Hans Heinz Fabris: Massenmedien - Instrumente der "Skandalisierung" oder "Vierte Gewalt"?: zum Kontrollpotential der Medien. In: Brünner, Christian (Hrsg.): Korruption und Kontrolle. Wien: Böhlau 1981, S. 239-264. ISBN: 3205084578
  • Walther von La Roche: Einführung in den praktischen Journalismus, 17. Aufl. Berlin 2006
  • Dagmar Lorenz: Journalismus (Sammlung Metzler Band 337), Stuttgart u. Weimar 2002
  • Claudia Mast (Hrsg.): ABC des Journalismus. 10. Aufl. UKN, Konstanz 2004. ISBN 3-89669-419-7
  • Wolf Schneider, Paul-Josef Raue: Das neue Handbuch des Journalismus. 2. überarb. Aufl. Reinbek 2006
  • Siegfried Weischenberg (Hrsg.): Handbuch Journalismus und Medien. UKV, Konstanz 2005. ISBN 3-89669-429-4
  • Leon Tsvasman (Hrsg.): Das große Lexikon Medien und Kommunikation. Kompendium interdisziplinärer Konzepte, Ergon, Würzburg 2006. ISBN 3-89913-515-6

Weblinks

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