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Johann t'Serclaes von Tilly
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Johann t'Serclaes Graf von Tilly (* 1559 auf Schloss Tilly (Gemeinde Villers-la-Ville) in Wallonisch-Brabant (heute Belgien); † 30. April 1632 in Ingolstadt), seit 1623 Graf, war Heerführer der Katholischen Liga und einer der namhaftesten Feldherrn des Dreißigjährigen Kriegs.
Inhaltsverzeichnis |
Leben
Bis zum 30-jährigen Krieg
Geboren wurde Johann t'Serclaes Tilly 1559 auf Schloss Tilly im heute belgischen Brabant. Seine Erziehung erhielt er auf einer Jesuitenschule. Er trat zuerst in spanische Kriegsdienste, in denen er unter Alexander von Parma die Militärlaufbahn nach allen Regeln der Kunst erlernte. Danach trat er in Lothringische, 1598 in Kaiserliche Dienste. Er focht 1600 als Oberstleutnant in Ungarn gegen die Aufständischen und gegen die Türken; 1601 stieg er zum Obersten eines Wallonenregiments auf und wurde nach und nach zum Artilleriegeneral befördert. 1610 wurde ihm von Maximilian I. von Bayern die Reorganisation des bayerischen Kriegswesens übertragen.
Der 30-jährige Krieg
Beim Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs wurde Tilly zum Feldmarschall der katholischen Liga ernannt. Er gewann am 8. November 1620 die Schlacht am Weißen Berg und brach 1621 gegen den Grafen Ernst von Mansfeld auf. Diesen verfolgte er bis in die Oberpfalz und weiter in die Rheinpfalz. Tilly wurde am 27. April 1622 vom Markgrafen Georg Friedrich von Baden-Durlach und Grafen Ernst von Mansfeld bei Wiesloch geschlagen, besiegte aber dann Georg Friedrich von Baden-Durlach am 6. Mai bei Wimpfen am Neckar.
Danach besiegte er Herzog Christian von Braunschweig am 20. Juni in der Schlacht bei Höchst und eroberte Heidelberg, Mannheim und Frankenthal (Pfalz). Infolge des entscheidenden Siegs am 5. und 6. August 1623 bei Stadtlohn im Münsterland über den Herzog von Braunschweig wurde Tilly vom Kaiser in den Grafenstand erhoben.
Zunächst blieb er in Niedersachsen stehen, wo er die gewaltsame Restitution der protestantischen Bistümer und Klöster an die katholische Kirche und die Jesuiten ins Werk setzte und den niedersächsischen Reichskreis zum Kampf zwang. Er belagerte und eroberte in dieser Zeit mehrere niedersächsische Städte. Am 31. Mai 1626 ergriffen Tillys Soldaten plündernd und mordend von der Stadt Münden Besitz. Kurz darauf begann er, Göttingen zu belagern und zu beschießen. Durch Harzer Bergleute ließ er sogar die Leine umleiten und versuchte, alle Wasserzufuhren zu sperren. Anfang August 1626 war die Belagerung erfolgreich abgeschlossen und Tilly konnte einziehen. Am 27. August 1626 schlug er den Dänenkönig Christian IV. in der Schlacht bei Lutter am Barenberge. Mit den kaiserlichen Truppen eroberte er unter Wallenstein Schleswig-Holstein und Jütland und zwang Christian am 12. Mai 1629 zum Abschluss des Friedens von Lübeck.
1630 wurde Tilly an Wallensteins Stelle zum Generalissimus der ligistischen und kaiserlichen Truppen ernannt und übernahm die Durchführung des Restitutionsedikts in Norddeutschland. 1631 fand die Einnahme von Neubrandenburg unter grausamem Gemetzel statt. Da Tillys Truppen nicht schlagkräftig genug waren, um weiter ungefährdet vorzugehen, schloss sich Tilly mit dem größten Teil seines Heeres Pappenheim an, der Magdeburg belagerte. Es gelang ihm zwar nicht, Gustav Adolfs Vordringen in Pommern zu verhindern, aber am 20. Mai 1631 eroberte er Magdeburg. Diese Eroberung war für ihn allerdings nutzlos, da der Brand die Stadt in einen Trümmerhaufen verwandelte. Die Verwüstungen der Stadt gingen so weit, dass Magdeburg als Sinnbild für Zerstörung und Grausamkeit („Magdeburgisieren“) galt. Zudem wurde Magdeburg zu einem beispiellosen Propaganda-Feldzug gegen die kaiserliche Kriegsführung benutzt. Er konnte sich daher an der Niederelbe gegen den Schwedenkönig nicht behaupten und fiel in Sachsen ein, das er plünderte und verwüstete. Hierdurch trieb er den sächsischen Kurfürsten zum Bündnis mit Gustav Adolf, deren vereinigtem Heer er am 17. September 1631 in der Schlacht bei Breitenfeld unterlag. Tilly selbst wurde verwundet, sein Heer löste sich auf.
Daraufhin eilte er nach Halberstadt, wo er Verstärkungen an sich zog, und brach dann nach dem von den Schweden bedrohten Bayern auf. Kaiserliche Söldner unter seinem Befehl besiegten in der Schlacht bei Bamberg am 9. März 1632 schwedische Einheiten unter dem Befehl des Feldherrn Gustaf Graf Horn. Während der Schlacht bei Rain am Lech, bei der Verteidigung des Lechübergangs bei Rain am 15. April 1632, wurde Tilly durch eine Falkonettkugel der rechte Schenkel zerschmettert. Er starb an den Folgen der Verwundung (Tetanus) am 30. April 1632 in Ingolstadt.
Sein Leichnam wurde zunächst in der Ingolstädter Jesuitenkirche bestattet. Er wurde 1652 nach Altötting überführt und liegt dort heute in einem gefensterten Sarg in der Tilly-Gruft der Stiftskirche.
Zu seiner Person
Tilly war von mittlerer Statur und hager. Scharfe Gesichtszüge und große, unter buschigen grauen Wimpern hervorblickende, feurige Augen standen für seinen unnachgiebigen Charakter. Er hasste Aufwand und äußere Ehrenbezeigungen, verschmähte es, sich an der Kriegsbeute zu bereichern, und hielt auch in seinem Heer strenge Disziplin.
Vor allem war er von religiösem Eifer beseelt. Die Ausrottung der Ketzerei in Deutschland war ihm Gewissenssache und er hat mitgeholfen, dem Dreißigjährigen Krieg seinen fanatisch-religiösen Charakter aufzudrücken. Dagegen war er nicht der rohe Wüterich, als den ihn die protestantische Geschichtsschreibung darzustellen pflegte. Spätere katholische Schriftsteller (O. Klopp, T. im Dreißigjährigen Krieg, Stuttg. 1861, 2 Bde., und Villermont, T., Tournai 1859, 2 Bde.; deutsch, Schaffh. 1860) haben Tilly mit Erfolg von diesem Vorwurf entlastet, gehen aber in ihrer sonstigen Ehrenrettung zu weit. Von dem Vorwurf, Tilly habe die Zerstörung Magdeburgs gewollt, entlasteten ihn auch die protestantischen Autoren Heising („Magdeburg nicht durch T. zerstört“, 2. Aufl., Berl. 1855) und Wittich („Magdeburg, Gustav Adolf und T.“, das. 1874).
Im Jahr 1843 wurde ihm in der Feldherrnhalle zu München eine Statue (Modell von Ludwig Schwanthaler) errichtet. Ein weiteres Denkmal steht seit 1914 auf dem Rathausplatz von Rain, der Stadt, in deren unmittelbarer Umgebung er seine tödliche Verwundung erlitt. Eine mittlerweile aufgelöste Bundeswehrkaserne im Gemeindegebiet von Oberhausen bei Neuburg a.d. Donau (1959 - 1994; jetzt als zivile Siedlung „Kreut“ genutzt) führte den Namen 'Tilly-Kaserne'. Im Jahre 2005 wurde ein Reiterstandbild Tillys auf dem Kapellplatz in Altötting aufgestellt.
Siehe auch
- Dreißigjähriger Krieg
- Staßfurt (Tilly-Saal)
Literatur
- Tilly, Johann Tserklaes. Artikel in: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl. 1888 ff., Bd. 15, S. 710 f.
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Weblinks
- Johann t'Serclaes von Tilly. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Bd. 38, S. 314–350.
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| Bild:Meyerskonvlexikon.jpg | Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text („public domain“) aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890. Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn Du den Artikel soweit überarbeitet oder neu geschrieben hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt und dies mit Quellen belegt ist, wenn der Artikel heutigen sprachlichen Anforderungen genügt und wenn er keine Wertungen enthält, die den Wikipedia-Grundsatz des neutralen Standpunkts verletzen. |
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tilly, Johann t'Serclaes Graf von |
| KURZBESCHREIBUNG | Heerführer im Dreißigjährigen Krieg |
| GEBURTSDATUM | um 1559 |
| GEBURTSORT | Brabant |
| STERBEDATUM | 30. April 1632 |
| STERBEORT | Ingolstadt |
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