Istanbul
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Istanbul [ˈɪstanbuːl] (türkisch İstanbul [isˈtɑnbul], das alte Konstantinopel, ist die größte Stadt der Türkei und wurde als Byzantion (griechisch Βυζάντιον
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, deutsch Byzanz) von griechischen Kolonisten gegründet. Auf dem Stadtgebiet leben rund zehn Millionen Menschen, in der Agglomeration fast zwölf Millionen.
Istanbul erstreckt sich sowohl auf der europäischen als auch auf der asiatischen Seite des Bosporus und ist damit die einzige Metropole, die auf zwei Kontinenten liegt. Aufgrund ihrer dreitausendjährigen Geschichte gilt sie als eine der ältesten noch bestehenden Städte der Welt. Istanbul ist Kultur- und Wirtschaftszentrum der Türkei.
Die Metropole Istanbul wurde als Vertreter eines Nicht-EU-Landes zur Kulturhauptstadt Europas 2010 ernannt.
Geografie
Lage
Istanbul umschließt den südlichen Bosporus und wird von ihm in ein westliches, europäisches und ein östliches, asiatisches Gebiet geteilt. Das Goldene Horn, eine nach Westen verlaufende Bosporusbucht, trennt den europäischen Teil in eine südliche, zwischen Marmarameer und Goldenem Horn liegende Halbinsel mit dem historischen Istanbul und die an das historische Galata anschließenden nördlichen Stadtteile. Sowohl nach Westen als auch nach Norden und Osten wächst Istanbul weit über die historischen Stadtteile hinaus. Im Südosten liegen die zu Istanbul gehörenden Prinzeninseln.
Die Stadtgrenzen umfassen eine Fläche von 1.538,77 km². Die Metropolregion Istanbul (= Provinz Istanbul) hat eine Fläche von 5.220 km².
Geologie
Istanbul liegt nördlich der Nordanatolischen Verwerfung, die sich vom nördlichen Anatolien bis zum Marmarameer hinzieht. Die Anatolische Platte schiebt sich hier westwärts an der nördlichen Eurasischen Platte vorbei. Entlang der dadurch entstandenen Transform-Störung ereignen sich in Abständen von wenigen Jahren starke Erdbeben.
Eines der katastrophalen Beben, verbunden mit einer gigantischen Flutwelle, die über die Seemauern der Stadt einbrach, ereignete sich 1509: Über 100 Moscheen wurden zerstört, mehr als 10.000 Menschen starben. Im Jahr 1766 wurde das Bethaus der Sultan Mehmet Fathi Camii weitgehend zerstört.[1] 1894 stürzten bei einem Beben weite Teile des Gedeckten Basars ein. Gründe für die verheerenden Auswirkungen waren die dichte Besiedlung und die nach wie vor bestehenden Baumängel.
Erdwissenschaftler prognostizieren ein weiteres Beben ab Stärke 7,0 auf der Richter-Skala bis 2025. Die verheerenden Beben vom August 1999 bei Kocaeli mit 18.000 Toten und im Winter 2001 in der Provinz Afyon sollen Vorboten dessen gewesen sein.
Klima
Die Stadt hat mildes, feuchtes Seeklima. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 14 Grad Celsius. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 23 Grad Celsius, der kälteste der Januar mit 5 Grad Celsius im Mittel. Der Winter ist durch wechselhaftes Wetter bestimmt: Es gibt frühlingshafte Sonnentage, häufig Regen und Kälteeinbrüche, häufig auch Schneefälle. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 698 Millimeter. Der meiste Niederschlag fällt im Monat Dezember mit durchschnittlich 122 Millimeter, der wenigste im Juli mit 19 Millimeter im Mittel.
| Monat
| Höchsttemperatur
| Tiefsttemperatur
| Regentage
| Sonnenstunden
|
|
| Mittel
| Absolut
| Mittel
| Absolut
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| (tägl.)
|
| Januar
| 9
| 19
| 3
| Parser-Fehler (Das temporäre Verzeichnis für mathematische Formeln kann nicht angelegt oder beschrieben werden.): -
10
| 18
| 2,6
|
| Februar
| 9
| 24
| 2
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10
| 15
| 3,3
|
| März
| 11
| 27
| 3
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7
| 14
| 4,4
|
| April
| 16
| 33
| 7
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1
| 9
| 6,6
|
| Mai
| 21
| 34
| 12
| 3
| 8
| 8,9
|
| Juni
| 26
| 37
| 16
| 7
| 5
| 10,8
|
| Juli
| 29
| 37
| 18
| 11
| 4
| 11,7
|
| August
| 29
| 49
| 20
| 10
| 3
| 11,3
|
| September
| 25
| 38
| 15
| 6
| 6
| 8,5
|
| Oktober
| 21
| 33
| 12
| 3
| 10
| 6,2
|
| November
| 15
| 27
| 9
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7
| 13
| 4,6
|
| Dezember
| 11
| 22
| 5
| Parser-Fehler (Das temporäre Verzeichnis für mathematische Formeln kann nicht angelegt oder beschrieben werden.): -
11
| 17
| 2,3
|
Stadtgliederung
Hauptartikel: Stadtteile von Istanbul
Istanbul gliedert sich in drei Bereiche:
- Das alte, im Süden der europäischen Seite gelegene Stadtzentrum des einstigen Konstantinopels mit den Stadtteilen Eminönü und Fatih wird durch das Goldene Horn von den nördlicher gelegenen, jüngeren Stadtteilen getrennt und im Westen von der Theodosianischen Landmauer begrenzt. Westlich der Mauer liegen das alte Viertel Eyüp und dahinter und entlang des Maramarameeres neue Wohn- und Gewerbebetriebe, die inzwischen sogar bis über den Flughafen hinaus weit nach Westen reichen.
- Nördlich des Goldenen Horns befinden sich das europäisch geprägte Beyoğlu und Beşiktaş, wo sich der letzte Sultanspalast befindet, gefolgt von einer Kette ehemaliger Dörfer wie Ortaköy und Bebek entlang dem Ufer des Bosporus. Hier errichteten wohlhabende Istanbuler bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts luxuriöse Holzvillen, Yalı genannt, die als Sommerwohnsitz dienten. Auch hier am Bosporus wurde die Bebauung nach Westen vorangetrieben.
- Die gegenüber auf der asiatischen Seite liegenden Stadtteile Üsküdar und Kadıköy waren ursprünglich selbstständige Städte. Heute sind sie vor allem Wohn- und Geschäftsviertel, in denen ca. ein Drittel der Istanbuler Bevölkerung wohnt. Hieran anschließend wurden entlang dem Bosporus und dem Marmarameer sowie ins asiatische Hinterland hinein Dörfer und Stadtteile großflächig ausgebaut und neu erschlossen.
Bedingt durch das starke Wachstum Istanbuls seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, machen den größten Teil der Stadtfläche heute die modernen, im Hinterland entstandene Stadtteile aus. Sie wurden teilweise als Gecekondus errichtet und erst nach Jahren oder Jahrzehnten an die städtische Infrastruktur angeschlossen, wie zum Beispiel Gaziosmanpaşa westlich des Goldenen Horns. Gehobene Büro- und Wohnviertel entstehen vor allem im Norden auf Höhe der zweiten Bosporusbrücke oberhalb von Bebek in den Vierteln Levent und Etiler.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Istanbuls
Byzantion
Um das Jahr 660 v. Chr. gründeten dorische Griechen aus Megara, Argos und Korinth eine Koloniestadt am europäischen Ufer des Bosporus, in einem ruhigen und geschützten Hafen: Byzantion. Wegen der günstigen geografischen Lage - durch die Meerenge am Bosporus ist das Schwarze Meer mit dem Marmarameer verbunden, und dieses seinerseits mündet über die Dardanellen in das Mittelmeer - wurde Byzantion sehr bald ein bedeutendes Handelszentrum.
Im Jahre 513 v. Chr. eroberte der persische König Darius I. die Stadt. 324 n. Chr. vereinigte Konstantin I. beide Teile des Römischen Reiches und am 11. Mai 330 taufte er die neue Hauptstadt feierlich auf den Namen Nova Roma (Neu-Rom). Sie wurde jedoch bekannter unter dem späteren Namen Konstantinopel.
Siehe auch: Byzantion
Konstantinopel
Besonders unter Kaiser Justinian I. (527-565), dem letzten großen Herrscher der Spätantike, gelangte Konstantinopel zu Ruhm und wurde prächtig ausgebaut (Hagia Sophia). Im Mittelalter blieb die Stadt das Zentrum des Byzantinischen Reiches und war lange Zeit die mit Abstand reichste und größte Stadt Europas. Im April 1204 eroberten dann aber Kreuzritter Konstantinopel. Die Stadt wurde geplündert, zahlreiche Einwohner wurden ermordet und Kunstwerke von unschätzbarem Wert gingen unwiderruflich verloren. Auf rund 100.000 Einwohner reduziert, ihres früheren Ruhms beraubt, wurde die Stadt 1261 vom Byzantinischen Reich unter Michael VIII. zurückerobert.
Am 5. April 1453 begann die Belagerung Konstantinopels durch osmanische Streitkräfte unter Sultan Mehmed II. und am Morgen des 29. Mai wurde die Stadt besetzt. Konstantinopel wurde nach Bursa und Adrianopel (Edirne) zur neuen osmanischen Machtzentrale. Die Sultane sahen sich in der Nachfolge der christlichen Kaiser. Die teilweise zerstörte und entvölkerte Stadt wurde planvoll wiederbesiedelt und wiederaufgebaut. Die Macht des Osmanischen Reichs erreichte ihren Höhepunkt mit Sultan Süleyman I. (1520-1566), dessen Architekt Sinan das Stadtbild mit zahlreichen Moscheen, Brücken, Palästen und Brunnen prägte. Mit dem fortschreitenden Verfall des osmanischen Einflusses in der Region und der Verkleinerung des Reiches bis Anfang des 20. Jahrhundert litt auch die kosmopolitische Bedeutung Konstantinopels.
Die Schwäche des Osmanischen Reiches nach dem Zusammenbruch des osmanischen Heeres im Balkankrieg 1912/1913 führte den europäischen Mächten und Russland die Gefahr eines Machtvakuums in den strategisch bedeutenden Meerengen vor Augen und warf die 'orientalische Frage' nach Kontrolle über die Meerengen und Aufteilung des Reiches in westliche Interessensphären auf. Der Sultan und die Jungtürken suchten für die drohende Auseinandersetzung die Unterstützung des erstarkten Deutschen Reiches. Den Zugriff der Entente auf Konstantinopel konnte das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg an der Seite der Mittelmächte zwar in der Schlacht von Gallipoli eindrucksvoll abweisen, doch war der Krieg letztendlich verloren. Im Friedensvertrag von Sèvres vom 10. August 1920 wurde das Reich unter den alliierten Siegermächten aufgeteilt und musste gewaltige Gebietsverluste hinnehmen. Konstantinopel mit den Meerengen Bosporus und Dardanellen wurde zunächst von den Alliierten besetzt, vor allem Griechenland forderte die „Rückgabe“ Konstantinopels, das es zu seiner neuen Hauptstadt machen wollte. Unter Mustafa Kemal, genannt Atatürk, begann ein Befreiungskrieg.
Konstantinopel verlor 1923 den Status als Hauptstadt der modernen Türkei an Ankara im zentralen Hochland Anatoliens, wohl auch, weil sich die neue Republik von der Tradition der Osmanen abgrenzen wollte: Sultanat und Kalifat wurden abgeschafft, die arabische Schrift wurde durch die lateinische ersetzt, ein an westlichen Idealen orientiertes Bildungssystem wurde installiert, ein Rechtssystem nach westlichem Vorbild wurde eingeführt, darunter ein allgemeines Wahlrecht (auch für Frauen: vor vielen europäischen Staaten).
Siehe auch: Konstantinopel
Istanbul
Am 28. März 1930 wurde auf Veranlassung Mustafa Kemals, des späteren Mustafa Kemal Atatürk, İstanbul der offizielle Name Konstantinopels. Die Stadt behielt ihre kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung bei, was durch den regen Zuzug von Menschen aus Anatolien seit den 1950er Jahren noch verstärkt wurde. Im Jahre 1955 wurde nahezu die gesamte christliche Bevolkerung durch das Pogrom von Istanbul aus der Stadt vertrieben. Vor allem in den letzten Jahren entstanden gigantische Bauprojekte, die jedoch mit dem rapiden Bevölkerungswachstum nicht Schritt halten können. 1994 wurde der jetzige Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan als Kandidat der weit rechts stehenden Refah Partisi (RP) (Wohlfahrtspartei) Bürgermeister. Der jetzige Bürgermeister Kadir Topbaş ist, wie der Ministerpräsident, von der Adalet ve Kalkınma Partisi (AKP) (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung).
Entwicklung des Namens
Der ursprünglich griechische Name der Stadt, Byzantion, ist möglicherweise thrakischer Herkunft. Er wurde im Altertum auf den legendären Gründer der Stadt, Byzas, zurückgeführt. Zu Ehren des römischen Kaisers Constantinus, der Byzantion zu seiner Residenz ausbauen ließ, wurde die Stadt 330 n.Chr. in Constantinopolis (latinisiert, griech. Κωνσταντινούπολις - Konstantinoupolis, „Stadt des Constantin“) umbenannt. Auf Constantinopolis gehen die deutsche Form Konstantinopel und zahlreiche weitere Namensformen zurück. Auf Arabisch wurde Konstantinopel al-Qustantīniyya ( القسطنطينية
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) genannt, im Armenischen Gostantnubolis und im Hebräischen Kuschta ( קושטא ). Für die slawischen Völker (Russen, Serben, Kroaten, Slowenen und Bulgaren) hieß die Stadt Carigrad bzw. Caringrad (Stadt des Zaren bzw. Kaisers).
Bis 1930 gab es keine offizielle Namensform. In osmanischen Urkunden, Inschriften etc. wurde die
Stadt in der Regel mit ihrer vom Arabischen abgeleiteten Namensform Kostantiniyye ( قسطنطينيه
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) bezeichnet. Man findet aber auch şehir-i azima (türk. = die großartige Stadt) ,die französisierten Formen Constantinople und Stamboul sowie zusätzlich die Beinamen der-i saadet ( درسعادت
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= Haus der Glückseligkeit; auch in der Form südde-i saadet), der-i âliye ( درعاليه
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= Hohes Haus oder Hohe Pforte, abgeleitet von bâb-i-âlî, باب عالی , was aber auch die osmanische Regierung oder das gesamte Reich meinen konnte; auch in den Formen darü's-saltanat-ı aliyye, asitane-i aliyye und darü'l-hilafetü 'l aliye) und pâyitaht ( پایتخت
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= Ehrenvoller Thron im Sinne von Residenz). Daneben gab es noch die Namensformen mahrusa-i saltanat und dergâh-ı mualla.
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Islambul) auf einer Münze von 1203 H.
[2] Bild:Istanbul 1521.png Aus dem Feldzugstagebuch Süleyman I., 1521:
„... und fuhr nach der Stadt Istanbul ab ...“ (Hervorhebung ediert 2007)
Die Namensform Islambol ( إسلامبول
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geschrieben Islambul) entstand nach 1453 und wurde hauptsächlich im religiösen Umfeld verwendet. Im 18. Jahrhundert wurde sie von einigen Sultanen bevorzugt. In dieser Zeit wurde Islambul als Name der Münzstätte am Tavşan taşı auf Münzen geprägt. Islambol wurde volksetymologisch gedeutet als Islami bol (olan) (yer) – (Ort), dessen Islam reichlich (ist).
Im türkischen Dialekt der Stadt hatte sich die Namensform Istanbul ( استنبول
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, auch Istambul, Stambul) herausgebildet, die schon in seldschukischer Zeit Verwendung fand und später durch osmanische und westeuropäische Aufzeichnungen für das 16. Jahrhundert belegt ist. Während mit Konstantinopel meist die gesamte Stadt samt einigen Stadtteilen nördlich des Goldenen Horns und jenseits des Bosporus gemeint war, kennzeichnete der Name Istanbul eher die alte Stadt auf der Halbinsel zwischen Marmarameer, Bosporus und Goldenem Horn, die nach Westen durch die Landmauer abgeschlossen wurde.
Bei Istanbul handelt es sich möglicherweise um die türkische Abwandlung des griechischen εἰς τὴν πόλιν
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(„in die Stadt“), nach neugriechischer Aussprache etwa istimbólin. Diese Deutung erscheint sinnfällig, da man in der Spätantike und im frühen Mittelalter im Oströmischen Reich von Konstantinopel sprach, wenn man umgangssprachlich „die Stadt“ sagte, da sie mit ihren fünfhunderttausend Einwohnern und ihren mächtigen Mauern mit keiner anderen Stadt im weiten Umkreis verglichen werden konnte. Wie das antike Rom war sie ein Musterbeispiel einer Stadt, sie war das wirtschaftliche, kulturelle und politische Zentrum. Konstantinopel galt wie vormals Rom als Zentrum der Welt. Reich wie Hauptstadt brauchten daher eigentlich keinen Namen, da sie einzig waren (der Kaiser sah sich nicht als Kaiser von Byzanz oder Konstantinopel, sondern als Kaiser „urbis et orbis“).
1930, in der Frühzeit der Republik, wurde İstanbul zum offiziellen Namen der gesamten Stadt. Da die Stadt in osmanischen Schriften und im türkischen Volksmund schon seit langem im engeren Sinn so genannt wurde, war dies eigentlich keine Neubenennung. In den meisten europäischen Ländern (außer z. B. Griechenland) verdrängte die Bezeichnung Istanbul allmählich die Bezeichnung Konstantinopel bzw. deren Varianten.
Religionen
Überblick
Das Stadtbild von Istanbul wird durch christliche und islamische Sakralbauten geprägt. In einigen Stadtteilen, wie zum Beispiel in Kuzguncuk, sind die religiösen Einrichtungen verschiedener Religionen dicht benachbart. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung bekennt sich zum Islam. Bedeutende religiöse Minderheiten sind die griechisch-orthodoxen Christen, die armenischen Christen und die sephardischen Juden.
Die Stadt ist Sitz des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, dem unter anderem einige orthodoxe Kirchen in der heutigen Türkei unterstehen und der darüber hinaus den Ehrenvorrang über alle orthodoxen Kirchen genießt. Weiterhin residieren hier ein armenischer Erzbischof und der türkische Oberrabbiner.
Muslime
Die Muslime sind die größte Religionsgruppe in Istanbul und spalten sich in unterschiedliche Glaubensrichtungen auf. Die meisten Muslime der Stadt sind Sunniten. Circa 15 bis 30 Prozent zählen sich zu den Aleviten und Alawiten (arabischsprachig).
Am 2. September 1925 verbot Kemal Atatürk, Gründer der Republik Türkei, die damals zahlreichen und mitgliederstarken Derwisch-Orden (Tariqas). Die meisten Anhänger des Sufismus, der islamischen Mystik, agierten anschließend im Geheimen, manche von ihnen haben noch in heutiger Zeit eine große Anhängerschaft. Um dem noch immer gültigen Verbot zu entgehen, treten diese aber meist als „Kulturvereine“ auf.
Der Vorschlag einiger Fundamentalisten, die Hagia Sophia - die heute als Museum genutzt wird - wieder in eine Moschee umzuwandeln, ist in der laizistischen Türkei nicht durchsetzbar.
Christen
Die Stadt ist der traditionelle Sitz des ökumenischen Patriarchen, zu dem einige orthodoxe Kirchen gehören, und Sitz eines armenischen Erzbischofs sowie des Erzbischofs der syrisch-orthodoxen (aramäischen) Gemeinde. Der Alltag der noch in Istanbul lebenden armenischen, griechischen und aramäischen Minderheiten war nach dem Ersten Weltkrieg von Diskriminierung und ständigen Repressalien geprägt. 1942 kam es zur Einführung einer ruinösen Vermögenssteuer (varlık vergisi) für Nicht-Muslime, im September 1955 unter der korrupten Regierung von Ministerpräsident Adnan Menderes zu schweren Pogromen (Pogrom von Istanbul). 1964 wurden schließlich alle Griechen ohne türkische Staatsangehörigkeit des Landes verwiesen. Die Zahl der Armenier in Istanbul umfasst daher heute nur noch etwa 60.000, die Zahl der Griechen beläuft sich auf 2000. Neben den Levantinern gibt es auch eine kleine, verstreute Anzahl von Bosporus-Deutschen.
Juden
Die sephardischen türkischen Juden leben in der Stadt seit über 500 Jahren. Sie flohen im Jahre 1492 von der iberischen Halbinsel, als sie nach dem Untergang des maurischen Reiches gezwungen werden sollten, zum Christentum überzutreten. Der damals herrschende Sultan Beyazit II. (1481-1512) schickte einen großen Teil der osmanischen Flotte nach Spanien, um die sephardischen Juden zu retten. Mehr als 200.000 von ihnen, die sich nicht zum Christentum bekehren lassen wollten, flüchteten zunächst nach Tanger, Algier, Genua und Marseille, später nach Saloniki und schließlich auch nach Istanbul. Der Sultan gewährte damals über 50.000 dieser spanischen Juden Zuflucht im osmanischen Reich. In Istanbul sind die sephardischen Juden bis heute geblieben. Ihre Zahl wird auf etwa 20.000 geschätzt. Insgesamt 20 Synagogen sind in der Stadt zu finden, die wichtigste davon ist die 1951 eingeweihte Neve-Shalom-Synagoge im Stadtteil Beyoğlu. Istanbul ist der Sitz des türkischen Oberrabbiners (aktuell Ishak Haleva).
Entwicklung der Einwohnerzahlen
Die Einwohnerzahl des modernen Istanbuls stieg von 680.000 im Jahre 1927 auf 1,3 Millionen 1955, 2,5 Millionen 1975 und über 10 Millionen 2006. Von den 9.797.536 Einwohnern von 2005 lebten 6.486.993 im europäischen Teil von Istanbul und 3.310.543 auf der asiatischen Seite.
Etwa 70 Prozent der Bevölkerung Istanbuls sind durch Landflucht aus Anatolien, überwiegend aus Südost- und Ostanatolien zugezogen. Jedes Jahr entstehen dadurch am Stadtrand neue Gecekondus, die mit der Zeit ausgebaut werden und sich zu neuen Stadtteilen entwickeln.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1914 handelt es sich meist um Schätzungen, die je nach Forschermeinung um bis zu ± 50 Prozent variieren. Der auffällige Rückgang der Bevölkerungszahl um 1900 bis 1927 steht mit der Vertreibung der großen griechischen Bevölkerung des damaligen Konstantinopels durch die Osmanen bzw. Türken im Zusammenhang. Die Zahlen von 1927 bis 2000 sind Ergebnisse von Volkszählungen. Die Zahlen von 2005 und 2006 beruhen auf Hochrechnungen. Die Verdoppelung der Bevölkerung Istanbuls zwischen 1980 und 1985 ist auf Zuzug, natürliche Bevölkerungszunahme und auch auf administrative Maßnahmen, wie beispielsweise Erweiterungen der Stadtgrenze, zurückzuführen. Die Einwohnerzahlen in der folgenden Tabelle beziehen sich auf die Stadt in ihren politischen Grenzen, ohne politisch selbstständige Vororte.
Eine Schätzung der aktuellen Einwohnerzahlen gestaltet sich vor allem aufgrund der schwer erfassbaren Gecekondu-Bezirke schwierig. Istanbuler Nahverkehrs-Experten argumentieren mit 16 bis 20 Millionen Einwohnern.
| Jahr
| Einwohner
|
| 330 | 15.000
|
| 400 | 200.000
|
| 530 | 500.000
|
| 545 | 350.000
|
| 715 | 300.000
|
| 950 | 500.000
|
| 1200 | 150.000
|
| 1453 | 36.000
|
| 1477 | 75.000
|
| 1566 | 600.000
|
| 1817 | 500.000
|
| 1860 | 715.000
|
|
| Jahr
| Einwohner
|
| 1885 | 873.570
|
| 1890 | 874.000
|
| 1897 | 1.059.000
|
| 1901 | 942.900
|
| 1914 | 909.978
|
| 28. Oktober 1927 | 680.857
|
| 20. Oktober 1935 | 741.148
|
| 20. Oktober 1940 | 793.949
|
| 21. Oktober 1945 | 860.558
|
| 22. Oktober 1950 | 983.041
|
| 23. Oktober 1955 | 1.268.771
|
| 23. Oktober 1960 | 1.466.535
|
|
| Jahr
| Einwohner
|
| 24. Oktober 1965 | 1.742.978
|
| 25. Oktober 1970 | 2.132.407
|
| 26. Oktober 1975 | 2.547.364
|
| 12. Oktober 1980 | 2.772.708
|
| 20. Oktober 1985 | 5.475.982
|
| 21. Oktober 1990 | 6.620.241
|
| 30. November 1997 | 8.260.438
|
| 22. Oktober 2000 | 8.803.468
|
| 1. Januar 2005 | 9.797.536
|
| 1. Januar 2006 | 10.034.830
|
|
Lebensqualität
Stadtbild
Zum Stadtbild gehören die typischen, in osmanischer Tradition gebauten, Holzhäuser. Durch das schnelle Wachstum der Bevölkerung wurden in den letzten Jahrzehnten in und um die Stadt zahlreiche, hohe Siedlungen gebaut.
Ein Drittel der neuzugezogenen Istanbuler lebt in informellen Siedlungen (Gecekondus).
Erfolge wurden seit Mitte der 1990er Jahre bei der Lösung des Müllproblems, der Verkehrssituation und der Luftverbesserung durch den Einsatz von Erdgas erzielt. Dennoch gehören die Luft- und Wasserverschmutzung durch die zahlreichen Fabriken, Kraftfahrzeuge und privaten Haushalte und die Lärmbelastung durch den Verkehr weiterhin zu den Sorgen der Bevölkerung Istanbuls. Besondere Probleme ergeben sich aus der oft direkten Nachbarschaft ärmerer Wohngebiete und der Industrie.
Freizeit und Erholung
Wegen der Verschmutzung des Meeres verschwanden in der Stadt gelegene traditionelle Badeorte allmählich, seit einigen Jahren jedoch eröffnen manche alte Plätze neu. Zu den beliebtesten Orten innerhalb der Stadt gehören Bakirköy, Küçükçekmece, Sarıyer und der Bosporus, außerhalb der Stadt sind es am Marmarameer die Prinzeninseln, Silivri und Tuzla sowie am Schwarzen Meer Kilyos und Şile.
Die Prinzeninseln (Kızıl Adalar) sind eine Inselgruppe im Marmarameer vor den Stadtteilen Kartal und Pendik. Mit ihren Kiefern- und Pinienwäldern, hölzernen, vom Jugendstil geprägten Sommervillen aus der Wende zum 20. Jahrhundert, Pferdekutschen (Motorfahrzeuge sind nicht erlaubt) und Fischrestaurants sind sie ein beliebtes Ausflugsziel. Sie sind mit Fährschiffen und Schnellfähren (Deniz otobüsü) von Eminönu und Kartal aus zu erreichen. Von den neun Inseln sind vier besiedelt.
Şile ist ein bekannter türkischer Badeort am Schwarzen Meer, 50 Kilometer von Istanbul entfernt.
Die Winde und die Wellen sind rau und die Strömungen des Schwarzen Meeres nicht ganz ungefährlich. Seit den 1980er Jahren wurden Feriensiedlungen und Hotels ausgebaut. Außerhalb von Şile sind unberührte weiße Sandstrände zu finden, die zum Verweilen einladen.
Kilyos ist ein kleiner ruhiger Badeort unweit des europäischen Eingangs des Bosporus am Schwarzen Meer. Der Ort verfügt über gute Bademöglichkeiten und wurde in den letzten Jahren unter den Einwohnern von Istanbul als Ausflugsort populär. Kilyos bietet ein Ferienresort mit (Fisch-)Restaurants und Diskotheken.
Politik
Bürgermeister von Istanbul ist der Architekt Kadir Topbaş von der islamisch-konservativen AKP, einer gemäßigten Nachfolgepartei der ebenfalls islamischen Wohlfahrtspartei (RP). Er übernahm das Amt von seinem Vorgänger Ali Müfit Gürtuna (RP), der seit November 1998 Bürgermeister war. Islamische Politiker regieren Istanbul somit seit 1994, als Recep Tayyip Erdoğan (ebenfalls RP) die weltlichen Parteien bei den Kommunalwahlen besiegte. Die meisten Stimmen erhielt die RP in den Elendsvierteln von Istanbul.
In seinen vier Jahren als Bürgermeister von Istanbul erlangte Erdoğan eine erhöhte Popularität. Bereits bei seinem Amtsantritt präsentierte er seine islamisch geprägte Version von einer „sauberen und anständigen“ Stadt, in der unter anderem Bordelle verboten und eigene Badestrände für Frauen eingerichtet würden. Durch seine Regionalpolitik erlangte Erdoğan auch bei seinen politischen Gegnern Respekt. Während seiner Amtszeit wurden beispielsweise die notorischen Probleme mit der Wasserversorgung behoben und zusätzliche Grünanlagen geschaffen. Die früher für Istanbul typischen Müllhaufen in den Straßen verschwanden. Dispute um verschiedene Maßnahmen machten schnell spürbar, dass die RP ein religiös geprägtes, vom Koran inspiriertes Parteiprogramm hatte. Ein kompletter Umsturz der bisherigen Lebensweise in der „westlichsten“ und kosmopolitischsten Stadt des Landes ist bis heute allerdings unvorstellbar.
Städtepartnerschaften
Istanbul unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften:
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Almaty, Kasachstan
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Amman, Jordanien
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Athen, Griechenland
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Barcelona, Spanien
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Berlin, Deutschland
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Busan, Südkorea
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Constanţa, Rumänien
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