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Imam
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Der Imam (arabisch: امام
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„Vorsteher, Vorbild“) ist:
- der Vorbeter beim islamischen Gebet (arabisch salat), ob er nun diese Funktion nur einmalig oder amtsmäßig ausführt
- Ehrentitel für einen hervorragenden Muslim („Imam Malik“, „Imam Khomeini“)
- nach schiitischer Auffassung der jeweilige legitime Nachfolger des Propheten Muhammad
Inhaltsverzeichnis |
Der Imam bei den Schiiten
Schiiten erhöhen die Bedeutung des Imams: Sie betrachten je nach Glaubensgemeinschaft eine verschiedene Anzahl von Imamen aus der Familie von Ali ibn Abi Talib als rechtmäßige Nachfolger des Propheten. Die Mehrheit der Schiiten verehrt zwölf Imame, daher heißen sie Zwölferschiiten. Der zwölfte Imam, Imam Mahdi, ist für sie der verborgene Imam. Die zwölf Imame gelten für sie zusammen mit Mohammed und dessen Tochter Fatima als die "Vierzehn Unfehlbaren".
Der Imam erbt in der schiitischen Vorstellung ein geheimes Wissen und Verständnis des Korans und besitzt eine exklusive Autorität in der Interpretation des Korans und der Aufstellung eines islamischen Rechtssystemes. Seit dem 9. Jahrhundert wird er als ma'sum betrachtet, als der perfekte und unfehlbare Interpret und Richtungsweisender zur wahren Religion. Zwölferschiiten betrachten den verborgenen zwölften Imam als Messias, der die Welt nach seiner Rückkehr zum wahren Glauben führen wird.[1]
Anderen Muslimen gilt diese starke Verehrung des Imams oft als nicht orthodox. Besonders die Kharidjiten lehnen die Verehrung eines aus der Familie des Propheten Mohammeds kommenden Imams vehement ab.
Der Imam als Ehrentitel
Daneben wurde die Bezeichnung Imam oft auch als Ehrentitel für besonders fromme oder gelehrte Persönlichkeiten verwendet, so trug zum Beispiel der Theologe und Rechtsgelehrte Al-Dschuwayni den Beinamen Imam al-Haramayn, was soviel wie „Gemeindeoberhaupt der beiden heiligen Stätten“ (Mekka und Medina) heißt.
Religiöse Führer als weltliche Herrscher
Im südlichen Arabien gelangten verschiedentlich religiöse Führer, die den Imam-Titel trugen, auch zu weltlicher Macht. So wurde das südöstliche Gebiet Arabiens (Oman und Maskat) lange von Imamen regiert, bevor sich im 19. Jahrhundert ein Zweig der damaligen Imam-Dynastie zu weltlichen Herrschern (Sultan) aufschwang und politisch durchsetzte. 1913 wurde jedoch eine theokratische Imam-Herrschaft im Landesinneren von Oman erneuert, die erst 1955/57 von den Sultanen beseitigt werden konnte.
Auch im nördlichen Jemen um Sanaa etablierte sich um 1600 ein erbliches Imamat, das nach 1872 von den Osmanen unterworfen, jedoch als regionale Herrschaft beibehalten wurde. Mit der osmanischen Niederlage im Ersten Weltkrieg proklamierte der damalige Imam 1918 die Unabhängigkeit des nördlichen Jemen und nahm 1926 den Königstitel an (Königreich Jemen). Die Dynastie der Imame bzw. Könige aus dem Hause Banu'l Qasim wurde 1962 durch einen Militärputsch gestürzt.
Imame in Deutschland und Österreich
Etwa 1250 hauptamtliche und rund tausend ehrenamtliche Imame gibt es in Deutschland. Nach Schätzungen des Zentralrats der Muslime sind davon über 90 Prozent aus der Türkei, kommen vereinzelt auch aus Marokko, dem Iran und anderen Ländern.
In den Gemeinden der Türkisch-Islamischen Union, dem Dachverband der türkischen Muslime in Deutschland, wirken ausnahmslos türkisch sprechende Imame. Ausgewählt werden sie in ihrem Heimatland von der „Gemeinsamen Kulturmission“, in der Vertreter verschiedener Ministerien sitzen.
Die Imame werden in der Türkei an staatlich anerkannten islamisch-theologischen Instituten ausgebildet und schließen dort mit einem Diplom ab. Danach unterstehen sie – als Quasi-Diplomaten – den Attachés für religiöse Dienste der türkischen Generalkonsulate. Über die Kultur und das Grundwerteverständnis in ihrem Einsatzgebiet wissen sie jedoch oft nur wenig. Ihr hauptsächlicher Auftrag ist es, in Deutschland den „türkischen Staatsislam“ absichern zu helfen. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Marieluise Beck sprach sich dafür aus, die Imam-Ausbildung an deutsche Universitäten zu übertragen. Dieser Vorstoß stand jedoch bei Einrichtungen, wie beispielsweise dem umstrittenen islamistischen Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) in der Kritik; eine universitäre Ausbildung sei danach für Imame nicht notwendig.
In Österreich bildet die Islamische Religionspädagogische Akademie in Wien seit 1998 in einem dreijährigen Diplom-Lehrgang Imame mit finanzieller Unterstützung des Staates aus. In Österreich ist (anders als in Deutschland) der Islam als öffentliche Körperschaft anerkannt. Ziel ist, dass ausschließlich im Land ausgebildete Imame in den Moscheen predigen und so auch eine bessere Kontrolle über die Inhalte möglich wird.
Frauen als Imam
Gegenwärtig gibt es eine Kontroverse unter Moslems, ob und unter welchen Umständen Frauen Tätigkeiten als Imam ausführen dürfen. Besonders in der Türkei und in Marokko soll es bereits eine Anzahl weiblicher Imame geben.
Drei von vier sunnitischen Rechtsschulen, sowie auch viele schiitische Rechtsschulen, sind der Auffassung, dass Frauen eine Gemeinde im Gebet allein leiten dürfen, obgleich die Rechtsschule der Malikiten dies nicht erlaubt.
Allerdings sind gegenwärtig alle existierenden traditionellen Rechtsschulen des Islam der Ansicht, dass eine Frau in einer aus Männern und Frauen bestehende Gemeindeversammlung nicht im Gebet leiten darf. Dies beruht auf der Tatsache, dass nach der Schari'a keine Frau als Imam für Männer sein kann, bzw. das Freitagsgebet führen kann. Jedoch können Frauen für andere Frauen Vorbeterinnen sein.
Siehe auch
Literatur
- Eger R (Hrsg.) 2001, Kleines Islam-Lexikon. S. 128, ISBN 3406475566.
- Falaturi Abdoljavad 1974, "Imam", in: Klaus Kreiser, Werner Diem, Hans Georg Majer (Hrsg.) 1974, Lexikon der Islamischen Welt. Urban-Taschenbücher 200, Stuttgart etc. (Kohlhammer), Bd. 2, S. 41-42.
- Lapidus, I 2002, A History of Islamic Societies. Second Ed. Cambridge University Press, Cambridge.
Weblink
- Vorbeter aus der Fremde Von Martin Spiewak, in: Die Zeit, vom 21.09.2006, Nr. 39
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