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Tiefe Hirnstimulation

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Die Tiefe Hirnstimulation ist ein medizinischer Eingriff in das Gehirn, mit dem krankheitsbedingte Fehlleistungen korrigiert werden sollen. Dabei wird dem Patienten ein "Hirnschrittmacher" implantiert, der über subkutan verlegte Elektrodenleitungen mit minimalen elektrischen Impulsen die fehlgesteuerten Hirnregionen stimuliert. Die Methode wird gegenwärtig bei der Behandlung von Symptomen der Parkinson-Krankheit sowie bei essentiellem Tremor, Tremor bei Multipler Sklerose sowie Dystonie angewendet.

Inhaltsverzeichnis

Funktion

Strukturen der Basalganglien
Strukturen der Basalganglien

Als Steuerelement dient ein kleiner batteriegetriebener und chipgesteuerter Impulsgeber, der unter der Haut der Brustmuskulatur eingesetzt wird. Die Elektroden werden durch kleine Löcher in der Schädeldecke in die Zielregion der Basalganglien der linken und rechten Gehirnhälfte eingeführt.

Bei der Behandlung von Parkinson wird der der Nucleus subthalamicus angesteuert, bei essentiellem Tremor der Thalamus ventralis und bei Dystonie der Globus pallidus.

Operation

In Deutschland werden an rund 30 Kliniken jährlich etwa 400 Hirnschrittmacher implantiert.

Die Operation erfolgt in zwei Schritten. Im ersten, werden dem Patienten in einer stereotaktischen Operation kleine Löcher in die Schädeldecke gebohrt, durch die die Elektroden in das Gehirn eingeführt werden. Dabei ist der Patient bei vollem Bewusstsein. Nur so kann mit Hilfe von Teststimulationen die Wirksamkeit der einzelnen Elektroden und damit deren exakte Lage überprüft werden. Der Impulsgenerator (Hirnschrittmacher) wird endweder während dieses Eingriffs oder in einer zweiten, kürzeren Operation am Folgetag implantiert.

Folgewirkungen

Inzwischen sind weltweit über 30.000 Parkinson-Patienten mit der Tiefen Hirnstimulation behandelt worden. Die Wirkung ist zumeist positiv. Die Parkinson-Symptome werden deutlich reduziert und die Medikation kann zurückgefahren werden.

Einer gelungenen Operation können jedoch eine vorübergehende oder länger andauernde Dysarthrie oder ein meist auf ein Jahr begrenztes manisches Verhalten mit inadäquat gehobener Stimmung, abnormer Antriebssteigerung, materiellem Verschwendungsverhalten und starker Einschränkung der persönlichen Leistungsfähigkeit folgen. [1]

Patienten mit erfolglos verlaufener Operation können depressiv werden. [1]

Weiterentwicklung

Forscher des Forschungszentrums Jülich und der Universität Köln arbeiten an der Entwicklung eines Hirnschrittmacher, der die Parkinson-Symptome nicht nur unterdrücken, sondern sie korrigieren und das Gehirn wieder normal funktionieren lassen soll. [1] Für diese Idee erhielten sie 2005 den Erwin-Schrödinger-Preis.

Epilepsie, Zwangsstörungen, Kopfschmerz

Neu und noch im experimentellen Stadium ist die Verwendung der Tiefenhirnstimulation in der Therapie von Epilepsie, Zwangsstörungen oder Cluster-Kopfschmerz [1][1].

Literatur

  • Ralph Erbacher: Analyse des Einflusses der Stimulationsfrequenz auf den cerebralen Ruheblutfluss bei Patienten mit essentiellem Tremor und tiefer Hirnstimulation im VIM-Thalamus : eine H2-15O-PET-Studie. München, Techn. Univ., Dissertation 2003
  • Isabella Maria Henriette von Falkenhayn: Untersuchungen des regionalen zerebralen Blutflusses bei tiefer Hirnstimulation zur Therapie der Akinese bei Morbus Parkinson. München, Techn. Univ., Dissertation 2000
  • Eleni-Ioanna Anthogalidis: Standardisierter Dokumentationsbogen für endoskopisch stereotaktische Operationen in der Neurochirurgie. Görich & Weiershäuser, Marburg 1998, ISBN 3-89703-224-4
  • Jose M. R. Delgado: Gehrinschrittmacher. Direktinformation durch Elektroden. Ullstein, Frankfurt 1971, ISBN 3-550-07024-1
  • Gabi Pötzsch: Leben voller Hoffnung: Erfahrungen einer Patientin mit Hirnschrittmacher. Frieling, Berlin 2005, ISBN 3-8280-2232-4
  • Helmut Dubiel: Tief im Hirn. Kunstmann Verlag, München 2006, ISBN 3-88897-451-8
  • Tass, P.A.; Majtanik, M.: Long-term anti-kindling effects of desynchronizing brain stimulation: a theoretical study. Biological Cybernetics 94, 58-66, 2006
  • Tass, P.A.; Klosterkötter, J.; Schneider, F.; Lenartz, D.; Koulousakis, A.; Sturm, V.: Obsessive-compulsive disorder: Development of demand-controlled deep brain stimulation with methods from stochastic phase resetting. Neuropsychopharmacology 28, 27-34, 2003
  • Hauptmann, C., Popovych, O.; Tass, P.A.: Effectively desynchronizing deep brain stimulation based on a coordinated delayed feedback stimulation via several sites: a computational study. Biological Cybernetics 93, 463-470, 2005

Siehe auch

Weblinks

Quellenangaben


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