Das Fotonexus-Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Henry van de Velde
Aus Fotonexus.
Henry Clement van de Velde (* 3. April 1863 in Antwerpen; † 15. Oktober 1957 in Zürich) war ein belgischer Architekt und Designer.
Er studierte Malerei in Antwerpen bei Charles Verlat. Er gilt als einer der vielseitigsten Künstler des Jugendstils / Art Nouveau.
Von ihm ging eine fundamentale Erneuerung der angewandten Kunst aus. Seine Arbeiten in den unterschiedlichsten Materialien überwanden das gegenständliche Dekorum des späten 19. Jahrhunderts.
Ein Gefühl von Unruhe und mangelnder Befriedigung beherrschte uns um 1890 so allgemein, schrieb Henry van de Velde in seinen „Kunstgewerblichen Laienpredigten“ (in deutscher Sprache 1902 erschienen). Die daraus bei ihm resultierende künstlerische Sinnkrise ließ ihn um 1893/1894 seine Laufbahn als Maler abbrechen und sich der Architektur und angewandten Kunst zuwenden.
Van de Velde erhob die Linie zum alleinigen Ausdrucksträger seiner Objekte, exemplarisch gesteigert zur plastischen Form erscheint sie in diesen berühmt gewordenen Kandelabern von 1898, die für den Freund und Mäzen Harry Graf Kessler gefertigt wurden.
Er wurde 1902/7 Gründer der Großherzoglich Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar. Von 1904 bis 1911 dauerte die Gesamtplanungs- und Bauzeit der von ihm im Jugendstil erbauten Gebäude. 1908 bis 1909 gestaltete er den Innenraum von Schloss Lauterbach ebenfalls im Jugendstil um. Die Kunstgewerbeschule wurde 1915 geschlossen, van de Velde verließ 1917 Deutschland. Er sah sich starkem politischen Druck, insbesondere ausländerfeindlichen Anfeindungen, ausgesetzt. Die Kunstgewerbeschule wurde später Keimzelle der Bauhaus-Architektur.
1920 bis 1926 entwarf er als Architekt für das Mäzenaten-Ehepaar Kröller-Müller ein Privatmuseum in Otterlo in den Niederlanden, das jedoch erst 1938 als Provisorium fertiggestellt wurde. 1925 erhielt er eine Professur für Architektur an der Universität Gent und wurde ein Jahr später Direktor des neu gegründeten Institut Supérieur des Arts Décoratifs (ISAD) in Brüssel. 1936 emeritierte er, beteiligte sich aber noch an den zwei Weltausstellungen in Paris 1937 und in New York 1939. Wegen seiner Tätigkeit als Conseiller esthétique de la reconstruction unter deutscher Besatzung wurde van de Velde nach dem Zweiten Weltkrieg in Belgien angefeindet. 1947 zog er sich in die Schweiz zurück und starb dort 1957 in Zürich.
Werke
(in Auswahl)
- 1895: „Bloemenwerf“, eigenes Wohnhaus in Uccle bei Brüssel (Belgien)
- 1900-1902: Innenausbau für das „Museum Folkwang“ in Hagen
- 1902-1903, 1911: „Villa Esche“, Wohnhaus für den Fabrikanten Herbert Esche in Chemnitz
- 1903: „Nietzsche-Archiv“ in Weimar
- 1906-1907: Clubhaus des Chemnitzer Lawn-Tennis-Club in Chemnitz (zerstört)
- 1907-1908: „Hohenhof“, Wohnhaus für Karl Ernst Osthaus in Hagen
- 1907-1908: „Haus Hohe Pappeln“, eigenes Wohnhaus in Weimar
- 1909-1911: Ernst-Abbe-Denkmal in Jena (mit dem Bildhauer Constantin Meunier)
- 1913-1914: „Werkbund-Theater“, Deutsche Werkbund-Ausstellung in Köln
- 1913-1914: Wohnhaus für den Fabrikanten Paul Schulenburg in Gera
- 1913-1914: Wohnhaus für den Fabrikanten Dr. Theo Koerner in Chemnitz
- 1929-1931: Altersheim der Minna und James Heinemann-Stiftung in Hannover
- „Bücherturm“ der Universität Gent (Belgien)
- Innenausbau des Schlosses Lauterbach in Neukirchen/Pleiße
- Wohnhaus für Emil Possehl in Travemünde
Literatur
- Van de Velde: „... für den neuen Stil kämpfen ...“. Henry van de Veldes Beitrag zum Start in die Moderne vor 100 Jahren. Hrsg. von Birgit Schulte im Auftrag der Henry van de Velde-Gesellschaft Hagen. Mit Beiträgen von Manfred Osthaus, Ulrike Büttner, Steven Jacobs, Alexandre Kostka, Rainer Stamm, Birgit Schulte, Doreen Helms, Priska Schmückle von Minckwitz, Tilo Richter, Sabine A. Teubner-Treese. Neuer Folkwang Verlag im Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen 2003. ISBN 3-926242-53-1
- Birgit Schulte (Hrsg.): Henry van de Velde in Hagen. Mit Beiträgen von Birgit Schulte, Michael Fehr, Karl Ernst Osthaus, Julius Posener und Sebastian Müller. Neuer Folkwang Verlag im Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen 1992. ISBN 3-926242-11-6
- Katharina Metz, Priska Schmückle von Minckwitz, Tilo Richter: Henry van de Veldes Villa Esche in Chemnitz. Ein Gesamtkunstwerk zwischen Jugendstil und Sachlichkeit. Birkhäuser, Basel/Boston/Berlin 2003. ISBN 3-7643-6991-4
Weblinks
| <imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden | Commons: Henry van de Velde – Bilder, Videos und/oder Audiodateien |
- Literatur von und über Henry van de Velde im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Webseite über Henry van de Velde bei archINFORM
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Henry_van_de_Velde, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
- Henry van de Velde auf der Seite des DWB (Deutscher Werkbund)
- Ein Forschungsprojekt der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen
- Die europäische Henry van de Velde-Route
- Biografie und Fakten (engl.)
- Eine Rarität in Polen
- Mehr aus Polen
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Velde, Henry van de |
| KURZBESCHREIBUNG | belgischer Architekt und Designer |
| GEBURTSDATUM | 3. April 1863 |
| GEBURTSORT | Antwerpen |
| STERBEDATUM | 15. Oktober 1957 |
| STERBEORT | Zürich |
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Henry_van_de_Velde, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
