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Heilig

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Bild:Disambig-dark.svg Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem religiösen Begriff „heilig“. Für den NSDAP-Politiker siehe Berthold Heilig.

Heilig stammt wortgeschichtlich von "Heil" ab, was etwas Besonderes bezeichnet und sich abgeschwächt noch in heil = ganz wieder findet (vgl.: im englischen: heilig = holy von whole).

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Heilig ein religiöser Begriff mit der zugedachten Bedeutung zur göttlichen Sphäre zugehörig, einer Gottheit geweiht.

Gleichbedeutend wird das Fremdwort sakral gebraucht, auch als Gegensatz zu profan (weltlich).

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Manche Stätten, Gebäude, Bäume, oder Berge werden als heilige Orte bezeichnet, besonders im Animismus; aber auch im Christentum, etwa, wenn ein Heiliger (Vollkommener) dort gewirkt hat. Häufig wurden auch christliche Kirchen an ehemals heidnischen Heiligtümern errichtet.

Die Bezeichnung heiliger Gegenstand wie Altar, Gefäße oder Geräte für kultischen Gebrauch wird von Menschen erstellt.

In Religionen, in denen schriftliche Überlieferungen eine wichtige Rolle spielen, werden die heiligen Schriften – im Islam der Koran, im Christentum die Bibel, im Judentum die Torah – als heilig angesehen.

Der Begriff Heilig im Judentum

Im Judentum ist die Entsprechung für Heilig ein Wort, das vor allem die einfache Bedeutung von besonders oder das Besondere hat.

"Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin Ich, der Ewige, euer Gott." (3. Buch Moses 19:2)

Die jüdische Tradition versteht 'heilig' auf verschiedene Weisen. Am prominentesten jedoch in Bezug auf die Tora und die Gebote, die am Sinai von G'tt geoffenbart wurden. Es enthält im Grunde die Trennung zwischen dem weltlichen, dem physikalischen, dem menschlichen einerseits, dem das ewige Wesen, Gott, andererseits gegenübersteht und es transzendiert. Das Wort, das in Leviticus für diese Trennung Verwendung findet, hivdil, ist das Wort, das in Genesis für den Prozess der Erschaffung benutzt wird. Die Erschaffung ist ein Vorgang der ordentlichen Trennung, die Land und Wasser, Licht und Dunkelheit aber auch Heiligkeit und Profanheit, Gerechtigkeit und Willkür betrifft. Es ist die Aufgabe der Priesterschaft und Israels, als ein Volk von Priestern, diese Ordnung, die am Sinai geoffenbart wurde, zu erhalten. Davon ist das Wohl jedes Juden bzw. Israeliten, des Volkes Israel ja sogar das Wohl der Menschheit und der Erde abhängig. (Beachte, das Wohl der Menschheit zu hegen bedeutet hier nicht, alle Menschen der Welt, sanft oder durch blutigen Kampf oder durch Zwangstaufe zu Juden zu machen, zu missionieren! Es bedeutet für die Juden, sich um sich selbst und ihre heiligen Gebote und ihre heilige Lehre (=Tora) zu kümmern!)

Diese Trennung, diese Ordnung scheint nach der Mischna eine graduelle zu sein, zwischen dem Allerheiligsten und dem Heiligen. Die Mischna listet darum "Kreise der Heiligkeit" aus: Allerheiligstes, Vorraum zum Allerheiligsten, Halle der Priester, Halle der Israeliten, Halle der Frauen, Tempelberg, Mauern von Jerusalem, alle ummauerten Städte Israels und die Grenzen des Heiligen Landes, Eretz Israel. Es gibt Unterscheidungen was für wen jeweils in welchem Bereich erlaubt ist. Ebenso ist der Kalender unterteilt, so dass der Schabbat sehr heilig ist, wie auch der Tag der Reue Jom Kippur, andere Feste sind heilig, wie die Pilgerfeste. In Genesis ist die Ordnung von Raum und Zeit ebenso angelegt, mit dem Schabbat, dem Ruhetag Gottes als zeitlichem Höhepunkt und dem Garten in Eden als räumlicher Entsprechung zum Tempel.

In der Heiligkeit zeigt sich die Verbindung zu Gott, die es den Geboten gemäß zu Ordnen gilt, und die sich in Macht auswirkt, wenn sie nachlässig oder mangelhaft vom Volk der Priester, Israel, unterhalten wird. Es gibt verschiedene Berichte in der Bibel, die von Krankheit und Zerstörung berichten, hervorgerufen durch unsachgemäße Handhabung oder unreiner Behandlung von heiligen Dingen, wie z.B. dem Allerheiligsten. Diese Beziehung von göttlicher Ordnung und göttlicher Macht ist heilig, daher ist das Heilige in besonderer Weise mit der göttlichen Nähe verbunden. Die genaue Art der Beziehung der Göttlichen Macht, Nähe zu den heiligen Dingen ist nicht klar oder einfach ersichtlich, jedoch ist Heiligkeit nicht eine Entsprechung für das ewige Wesen, G'tt. In einfacher Näherung durchwirkt das Ewige Wesen, G'tt, in und durch das Heilige die Welt. Israel existiert und daher ist Gott der Erde nahe. Israel hält einen Bund, Vertrag mit G'tt und dadurch zeigt sich die Gerechtigkeit und Liebe G'ttes auf Erden. Die Juden beten, bemühen sich die heiligen Gebote zu erfüllen und halten daher nahe Beziehung zum lebendigen Gott und ermöglichen es, dass sich Gottes Plan für die Welt erfüllt.

Das Kaddisch, aramäisch für heilig, ist ein Gebet auf Aramäisch, das Gott preist und üblicherweise mit dem morgendlichen Dienst in Verbindung steht.

Weitere Bedeutungen von heilig/unheilig können parallel verstanden werden mit: rein/unrein (3. Mose 10,10); frei/unfrei (3. Mose 11,45); heilsam/schadend (2. Mose 20,10.11; Psalm 119,66; Sprüche 4,22; 2. Timotheus 1,13); wahrhaft/falsch (Psalm 93,5; OffJoh 3,7; 6,10).

Der Begriff Heilig im Christentum

Im Neuen Testament gibt es drei griechische Wörter, die mit heilig übersetzt werden:

  • άγιoς - hagios - die Übersetzung des hebräischen qadosch in der Septuaginta, im Lateinischen dann mit sanctus übersetzt. Es ist mit Abstand der häufigste der drei Begriffe im Neuen Testament. Diese Bezeichnung wird für den Heiligen Geist gebraucht, für die Heiligen (die, die Jesus ihren Herrn nennen), damit sind nicht die gesetzlich Frommen gemeint, sondern die von Gott Berufenen.
  • όσιoς - hosios - die Übersetzung des hebräischen chasid in der Septuaginta. Mit chasid oder hosios wird der bezeichnet, der gemäß den göttlichen Geboten handelt - die Heiligung des Lebenswandels fällt unter diesen Begriff.
  • ιερός - hieros - im Lateinischen dann mit sacer übersetzt. Das, was der göttlichen Macht gehört oder von ihr erfüllt ist - der Gegensatz zu hieros ist profan.

Im Neuen Testament ist das Wort heilig weniger im Zusammenhang mit Kultus wichtig, sondern in den von Gott gewirkten Lebensäußerungen. Die Grenze zwischen heilig und profan wird relativiert, im Gegensatz zur strengen Trennung der beiden im Judentum: Gott ist Geist, damit erübrigt sich die Frage nach dem rechten Ort für die Anbetung, rein und unrein ist weniger wichtig, als die Liebe zum Nächsten (Gleichnis vom Samariter), das Prädikat heilig gilt nicht nur den Priestern, sondern allen Christen.

Heiligmäßigkeit in der Askese und als Voraussetzung für die Heiligsprechung

In der Askese der katholischen Tradition versteht man unter dem Attribut heilig, wenn er auf eine Person bezogen wird, die Vereinigung mit Gott, die Angleichung des eigenen Tuns an den Willen Gottes. Erst mit dem Tod ist die "Unificatio" (lat. für Vereinigung) ganz möglich. Von einem, der sich bemüht hat, diese Vereinigung schon auf Erden zu verwirklichen, sagt man, er habe ein heiligmäßiges Leben geführt. Der Nachweis eines heiligmäßigen Lebens ist übliche Voraussetzung für eine Heiligsprechung.

Heilige wurden in der frühchristlichen Zeit mit der Hilfe von Heiligenscheinen dargestellt.

Literatur

  • Rudolf Otto: Das Heilige. Über das Irrationale in der Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen (1917). Nachdruck, München 1988
  • Mircea Eliade: Die Religionen und das Heilige. Elemente der Religionsgeschichte (1954). Insel-Verl., Frankfurt 1986
  • Mircea Eliade: Das Heilige und das Profane. Vom Wesen des Religiösen. Suhrkamp, Frankfurt: 3. Aufl. 1987
  • Gustav Mensching: Die Religion, Stuttgart 1959.
  • Gustav Mensching: Toleranz und Wahrheit in der Religion, Stuttgart 1955, Neuaufl. mit Vorwort von Hans Küng Weimar 1996.
  • Carsten Colpe (Hrsg.): Die Diskussion um das "Heilige". Wege der Forschung 305. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1977 ISBN 3-534-05280-3 (wichtige Aufsätze aus der Forschung)
  • Carsten Colpe: Über das Heilige. Versuch, seiner Verkennung kritisch vorzubeugen. Hain, Frankfurt a.M. 1990 ISBN 3-445-06003-7
  • Günther Pöltner (Hrsg.): Auf der Spur des Heiligen: Heideggers Beitrag zur Gottesfrage. Böhlau, Wien 1991 (107 S., kartoniert, ISBN 3-205-05375-3, 23.50 Euro)
  • Günter Lanczkowski, Diether Kellermann, Michael Lattke, Johannes Laube: Art. Heiligkeit I. Religionsgeschichtlich II. Altes Testament III. Neues Testament IV. Systematisch-theologisch. In: Theologische Realenzyklopädie 14 (1985), S. 695-712
  • Ajahn Buddhadasa Bhikkhu: Das Gefängnis des Lebens (Kann als PDF-Datei bei dhamma-dana.de gratis heruntergeladen werden)

Weblinks

Siehe auch

Heil, Heilige, Heilige Schrift, Liste von Heiligen, Selige, Heiligenkalender, Heilung, Sankt, Heiligsprechung, Kunst

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