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Häuserkampf (Militär)

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Bild:Siege-de-sarajevo-soldats-bosniaques.jpg
Bosnische Soldaten auf der Jagd nach einem serbischen Scharfschützen in Godusa, östlich von Visoko am 11. April 1993

Der Häuserkampf (US-Bezeichnung: MOUT: Military Operations on Urban Terrain) ist ein militärischer Begriff und bezeichnet die Kampfweise zur militärischen Kontrolle eines dicht bebauten Gebietes. Er zählt auch im modernen Krieg noch zu den Kampfhandlungen der Art „Mann gegen Mann“. Der Häuserkampf unterscheidet sich von dem Kampf im offenen Gelände vor allem durch das Hinzufügen der dritten Dimension, die extrem kurzen Gefechtsdistanzen und die Möglichkeit, sich im U-Bahn- oder Kanalnetz zu bewegen.

Inhaltsverzeichnis

Taktik im Häuserkampf

Allgemeines

Kennzeichnend für den Stadtkampf ist, dass der Gegner seine technische Überlegenheit nur schwer am entscheidenden Punkt konzentrieren kann und seine überlegenen Feuermittel nur begrenzt einsetzen kann und diese eine eingeschränkte Wirkung haben.

Geschichte

In den Häuserkämpfen des Zweiten Weltkrieges wurde erstmals intensiv an Taktiken gearbeitet, um ein Haus mit möglichst geringen Verlusten einnehmen zu können. Vor allem in den monatelangen Häuserkämpfen in der Schlacht von Stalingrad waren die Soldaten mit der Situation überfordert und mussten erst neue Strategien entwickeln.

Dabei entwickelten sie z.B. folgendes Vorgehen: Ein oder zwei ganze Züge setzten das anzugreifende Haus unter Sperrfeuer, um die Verteidiger in die Deckung zu zwingen. Währenddessen drangen zwei Angreifer (bewaffnet mit Maschinenpistolen, Handgranaten und Nahkampfwaffen wie etwa angeschliffenen Spaten) in das Haus ein. Im Haus versuchten die Eingedrungenen, die Verteidiger abzulenken, bis Verstärkung ins Haus eindringen konnte und das Haus schliesslich ganz eingenommen werden konnte.

Defensivtaktik

Die Verteidiger versuchen, ihre Stellungen durch Sandsäcke und Maschendraht an den Fenstern, Sprengfallen an den Eingängen und durch Durchbrechen von Kellerwänden als Fluchtwege sowie durch sich überschneidende Feuerbereiche zu sichern. Dringt der Angreifer in einen Gebäudekomplex ein, reichen oft geringe Kräfte, um ihn im Gegenangriff wieder zurückzuwerfen, da im Häuserkampf schnell Kooperation und Verbindung verloren gehen.

Zerstörungen in bebauten Gebieten, wie Häuserruinen, kommen den Verteidigern zugute. Sie bieten Deckungsmöglichkeiten und behindern einen raschen und sicheren Vormarsch des Angreifers.

Offensivtaktik

Der Angreifer versucht, den Verteidiger durch intensives Feuer nieder zu halten, und greift vor allem mit Sprengkörpern und Nahkampfwaffen an, wobei er versucht möglichst nicht über offenes Gelände vorgehen zu müssen, d.h. sich von Haus zu Haus durch Mauerdurchbrüche vorzuarbeiten. Die Vorgehensweise ist langsam, aufwändig und riskant, weil die Situation in den Häusern im Allgemeinen unklar ist und einen hohen Verbrauch an Sprengmitteln und Munition erfordert. Soweit möglich wird versucht Häuser von oben nach unten zu durchkämmen, weil das Hauptkampfmittel im Häuserkampf, die Handgranate, so am besten einzusetzen ist. Die Vorgangsweise vieler Armeen besteht daher darin, in jeden Raum vor dem Betreten eine Handgranate zu werfen. Hierbei wird oftmals auf die Zivilbevölkerung keine Rücksicht genommen.

Beim Angriff auf eine Stadt oder ein größeres bebautes Gebiet wird dieses in der Regel zuerst umgangen und eingeschlossen. Danach rücken Kampfverbände entlang der Hauptverkehrsachsen in das Zentrum der Stadt vor und besetzen wichtige Einrichtungen. Die einzelnen Stadtteile werden dabei isoliert und später durchkämmt. Wichtige Objekte sind dabei hohe, beherrschende Gebäude (bieten Überblick), Verwaltungsgebäude (Sichern die Kontrolle über die Bevölkerung), ökonomische Schlüsselobjekte (Wasser, Strom, Gas, etc.).

Kalkulierte Verluste

Bei einem Angriff gegen einen Feind, der sich zur Verteidigung eingerichtet hat, wird von einer Verlustrate von 1:7 zu Ungunsten des Angreifers ausgegangen. Im Waldkampf beträgt die geschätzte Verlustrate lediglich 1:3.


Waffen für den Häuserkampf

Primäre Handwaffen

Bild:DF-SD-04-05498.jpg
Deutsche Soldaten durchsuchen ein Haus. Sie sind dabei mit dem Gewehr G36 (aufgrund der Enge Schulterstütze eingeklappt) und der Pistole P8 bewaffnet

An eine Primärwaffe für den Häuserkampf bestehen verschiedene grundlegende Anforderungen:

  • Hohe Trefferwahrscheinlichkeit auf kurze Entfernung bei beweglichen Zielen.
  • Hohe Wirkung der Waffe im Ziel, um weitere Aktivitäten des Feindes, der sich in unmittelbarer Nähe befindet, zu verhindern.
  • Gute Handhabbarkeit: In engen Räumen muss die Waffe bei überraschend auftauchendem Feind schnell ins Ziel geführt werden können. Wird eine Hand für andere Aktivitäten benötigt (z.B. Türen öffnen), kann die Möglichkeit zur Einhandbedienung von Vorteil sein.

Diese Forderungen werden von verschiedenen Waffen unterschiedlich erfüllt.

Hauptsächlich kommen beim Häuserkampf Sturmgewehre (G36, M4, Stg 77 etc.) und Handgranaten zum Einsatz. Um die Handhabbarkeit in engen Räumen zu verbessern, kann bei dem von der Bundeswehr verwendeten Gewehr G36 die Schulterstütze eingeklappt werden.

Sekundäre Handwaffen

Als Sekundärwaffen werden Pistole, Maschinenpistole, Maschinengewehr, Granatwerfer, Granatpistole und tragbare Raketenwaffen (Panzerfaust 3, RPG-7, M72 LAW, FGM-148 Javelin) verwendet. Mögliche Wirkungen der Granaten und Raketen sind Splitter-, Spreng-, Brand-, Rauch-, Gas- oder Blendwirkung. Spezielle Gefechtsköpfe nach Art einer Aerosolbombe, wie bei der RPG-7 verwendet, erzeugen zunächst ein feinverteiltes Brennstoff-Luft-Gemisch. Dieses Gemisch kann leicht in Gebäude und Deckungen eindringen und sich dort verteilen. Anschließend wird das Gemisch entzündet und entfaltet eine große Wirkung durch Druck, Hitze und Entzug des Sauerstoffs.

Sprengmitteln und indirekten Granatenwaffen kommt eine hohe Bedeutung zu. Einerseits benötigen sie keine direkte Schusslinie, welche oft versperrt ist, andererseits muss sich der Schütze keinem direkten Feindbeschuss aussetzen. Gleichzeitig dienen Sprengmittel der „Modellierung“ des Gefechtsfeldes, z.B. durch Mauerdurchbrüche.

Früher wurden nach Möglichkeit oft Flammenwerfer eingesetzt, die aber heute nicht mehr gebräuchlich sind.

Hilfsmittel

Im Orts- und Häuserkampf kommen auch verschiedene Werkzeuge wie z.B. Äxte, Brechstangen, Leitern und auch Sprengladungen zum Einsatz, um sich Zugang zu Gebäuden zu verschaffen.

Schwere Waffen

Im Zweiten Weltkrieg verwendete die Wehrmacht im Orts- und Häuserkampf Sturmgeschütze, um die Infanterie zu unterstützen. In Einzelfällen wurde der schwere Sturmpanzer VI „Sturmtiger“ eingesetzt, um Gebäude zu zerstören.

Heutzutage hat die Infanterie meistens Schützenpanzer, Kampfpanzer, Artillerie- und Luftunterstützung zur Verfügung, um den Gegner im Kampf der verbundenen Waffen zu bezwingen.

Orts- und Häuserkampf in verschiedenen Armeen

Schweizer Armee

In der Schweizer Armee spricht man häufig vom sogenannten „Kampf im überbauten Gelände (KIUG)“. Ebenfalls gibt es den Begriff „Fortgeschrittener Häuser- und Ortskampf (FHOK)“. Auch hier werden Standardwaffen eingesetzt. Zum Beispiel das Sturmgewehr 90 mit oder ohne Granatwerfer, die Ordonnanzpistole SIG P220, Handgranaten, Nebel-, Rauch- und Blendpetarden etc.

Es werden Regeln aufgestellt, wie in den umkämpften Häusern agiert werden soll. So wird genaustens festgelegt, wie man ein Treppe hinauf oder hinunter geht, auch im Öffnen der Türen wird mittels verschiedenen Überschlagungstechniken ausgebildet. Zudem gibt es einfache Regeln, dass man zum Beispiel nie in einer Fenster- oder Türöffung stehen bleibt oder sich in einer Ecke eines Raumes aufhält.

Gebäude werden mit Farben und Nummern gekennzeichnet. Aus der Sicht des Soldaten ist die vorderste Hausfassade „weiss“, links „rot“, rechts „grün“ und hinten „schwarz“. Zur genaueren Identifizierung werden Fenster, Türen und Schächte mit Nummern von links nach rechts, von oben nach unten, nummeriert.

Bedeutung im 21. Jahrhundert

Bild:Us marines mout practice.jpg
Soldaten des US Marine Corps beim MOUT-Training (2002)

Bereits jetzt lebt ein beträchtlicher Teil der Weltbevölkerung in urbanen Gebieten, besonders auch in jenen Regionen, die als Krisenherde gelten. Die Entwicklung einer umfassenden Doktrin für militärische Operationen in bebautem Gelände versucht dieser Tatsache Rechnung zu tragen. Als Vorbild gelten dabei u.a. die Erfahrungen der israelischen Streitkräfte in den Libanonfeldzügen und beim Einsatz in den besetzten Gebieten. Auch die Entwicklung militärischer Technik steht verstärkt unter dem Aspekt urbaner Einsatzszenarien. Dabei geht die Tendenz zur weiteren Nutzung verbesserter Sensoren, Echtzeitkommunikation mit der Einsatzleitung und dem vermehrten Einsatz von Drohnen. Beim Großgerät, wie Kampfpanzern und Radfahrzeugen soll deren Nutzbarkeit durch neue Munitionssorten und besseren Schutz gegen Hinterhalte erweitert werden.

Militärische Schlachten, die hauptsächlich vom Häuserkampf geprägt waren

Paramilitärische Operationen des Orts- und Häuserkampfs

Siehe auch

Weblinks

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