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Gussew
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| Bild:Disambig-dark.svg | Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen finden sich unter Gussew (Begriffsklärung). |
Vorlage:Infobox Ort in der Kaliningrader Oblast
Gussew (russisch Гусев, deutsch bis 1945 Gumbinnen, polnisch bis 1946 Głąbin und Gąbin, litauisch Gumbinė) ist eine mittelgroße Stadt in der russischen Oblast Kaliningrad mit Sitz einer Rajonverwaltung.
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Geografie
Die Stadt liegt am Zusammenfluss der Pissa und der Krasnaja (Rominte) im östlichen Teil der Oblast auf 57 Meter Meereshöhe. Sie wird von der Europastraße 28 Kaliningrad - Vilnius durchquert, von der im Stadtgebiet die Fernstraße nach Sovetsk (Tilsit) abzweigt. Ebenfalls durch die Stadt führt die internationale Bahnlinie Kaliningrad - Kaunas. Die Oblasthauptstadt Kaliningrad (Königsberg) ist 124 Kilometer entfernt. Zum Grenzübergang nach Litauen sind es 37 Kilometer, außerdem führt eine direkte Straßenverbindung zu einem Grenzübergang nach Polen (38 Kilometer).
Geschichte
Gründung
An Hand von Bodenfunden ist bekannt, dass an der Romintemündung bereits zur Eiszeit um 9000 v. Chr. eine bäuerliche Siedlung vorhanden war. Vor der Eroberung des Gebietes durch den Deutschen Ritterorden im 13. Jahrhundert gab es in diesem Gebiet Befestigungsanlagen wie die Burg Otholicha und eine Schanzburg bei Plicken. Zur Gründungszeit des Herzogtums Preußen 1525 wurde erstmals eine Siedlung namens Kulligkehmen erwähnt, während auf einer Landkarte von 1576 ist an der Mündung der Rominte in die Pissa ein Ort namens Bisserkeim verzeichnet ist, dessen Name vermutlich vom Fluss Pissa abgeleitet ist. Bereits 1580 wird die Ortsbezeichnung Gumbinnen erstmals urkundlich erwähnt, sie kommt wahrscheinlich aus dem litauischen Wort für Krümmung, Gumbinnen lag an einer Flussbiegung. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges bestand das Dorf Gumbinnen aus einigen an beiden Seiten der Pissa gelegenen Gehöften und einer Kirche, die der preußische Herzog Albrecht 1545 errichten ließ.
Aufstieg in Preußen
Während des Tatareneinfalls 1656 und der Pestjahre 1709 – 1711 wurde Gumbinnen (wie das ganze spätere Ostpreußen) schwer in Mitleidenschaft gezogen. Durch das von Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. ins Leben gerufene Besiedelungsprogramm erfuhr auch Gumbinnen, dem am 24. Mai 1724 der König das Stadtrecht verlieh, einen spürbaren Aufschwung. Die ersten Neusiedler waren 1710 reformierte Schweizer, die ihren eigenen Prediger mitbrachten und 1739 ihre eigene Kirche errichteten. Ab 1732 entwickelte sich Gumbinnen zum Zentrum der Salzburger Emigranten. Mit dem von ihnen gegründeten Salzburgerhospital und ihrer 1752 errichteten Kirche bewahrten sie ihre Identität bis ins 20. Jahrhundert. Bereits 1727 schloss sich die auf der Südseite der Rominte entstandene Neustadt der Altstadt an. Am 19. August 1736 gründete Friedrich Wilhelm I. in Gumbinnen eine Kriegs- und Domänenkammer als Verwaltungszentrum der Region. Zu dieser Zeit lebten etwa 2100 Menschen in der Stadt. Während des Siebenjährigen Krieges war Gumbinnen von 1758 bis 1762 von russischen Truppen besetzt, und während des Koalitionskrieges gegen Napoleon I. lagerten 1807 französische Soldaten in der Stadt, die obendrein noch 89.000 Taler an Kontributionen aufzubringen hatte. Auch während des napoleonischen Russlandfeldzuges marschierte das französische Heer im Juni 1812 durch Gumbinnen. Napoleon selbst hielt sich für vier Tage in der Stadt auf. Am 1. September 1818 wurde Gumbinnen Kreisstadt und 1878 Sitz der Bezirksregierung des Regierungsbezirkes Gumbinnen. Außerdem war die Stadt mit drei großen Kasernen ein bedeutender Garnisonsstandort. Nachdem seit dem 4. Juni 1860 die Strecke der Preußischen Staatsbahn Königsberg - Stallupönen durch die Stadt führte, entwickelte sie sich auch zu einem industriellen Schwerpunkt. Zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten hier eine Eisengießerei, eine Maschinenfabrik mit Dampfhammer, eine Möbelfabrik, eine Weberei zwei Dampfsägemühlen, Ziegeleien und eine Molkerei ihren Standort. Nach dem 1. Weltkrieg kam noch das Ostpreußenwerk (Elektrizitätswerk) hinzu, das ganz Ostpreußen mit Strom versorgte. 1890 hatte die Stadt 12.207 Einwohner, darunter 269 Katholiken und 95 Juden.
Erster und Zweiter Weltkrieg
Während des Ersten Weltkrieges war Gumbinnen zeitweise von russischen Truppen besetzt. Am 18. und 19. August 1914 fand vor der Toren der Stadt eine große Schlacht zwischen deutschen und russischen Truppen statt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges begannen 1944 die ersten Flüchtlingsbewegungen der damals über 24.000 Einwohner. Am 16. Oktober 1944 wurde die Innenstadt durch einen sowjetischen Luftangriff schwer beschädigt. Vom 21. bis 23. Oktober 1944 lieferte sich die Wehrmacht mit der Roten Armee eine Panzerschlacht, die die Frontlinie bis zum Januar 1945 halten konnte. Am 21. Januar 1945 wurde Gumbinnen jedoch unter erheblichen Zerstörungen von der Roten Armee erobert und als Teil des nördlichen Ostpreußens unter sowjetische Verwaltung gestellt.
Sowjetunion
1946 wurde die Stadt Gumbinnen in Gussew umbenannt und der russischen Teilrepublik der Sowjetunion zugeordnet. Gussew wurde Zentrum des Rajons Gussew innerhalb der aus militärischen Erwägungen heraus hermetisch abgeriegelten Oblast Kaliningrad. Nach Vertreibung bzw. Aussiedlung der einheimischen deutschen Bevölkerung wurde die Stadt mit Russen aus Zentralrussland und aus dem Gebiet des heutigen Föderationskreises Wolga sowie mit Weißrussen neu besiedelt. Es entstanden zahlreiche Neubauten im Plattenbaustil.
Russische Föderation
Nach dem Ende der Sowjetunion wurde die Oblast Kaliningrad mit Gussew zu einer russischen Exklave zwischen Litauen und Polen. Seit dem hat Gussew mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, nach offiziellen Angaben wurde jeder vierte Einwohner arbeitslos, obwohl in Gussew Elektro-, Futtermittel- und Trikotagenfabriken produzieren. Durch die Öffnung des Oblasts kam es zu Kontakten zwischen ehemaligen und heutigen Einwohnern, insbesondere zwischen Behörden, Hilfsorganisationen und Kirchengemeinden.
Persönlichkeiten
- Adolf Borbstädt, Militär und Schriftsteller
- Otto von Corvin, Schriftsteller, Militär und Revolutionär
- August Fendler, Botaniker
- Richard Friese, Maler und Tiermaler
- Gotthard Heinrici, General
- Otto Koehler, Verhaltensforscher
- Christian Daniel Rauch, Bildhauer
- Hans Victor von Unruh, Politiker und Regierungsrat
- Helene Wagenbichler, Malerin
- Waldemar Hopfenbeck, BWL-Professor
Sehenswürdigkeiten
- Salzburger Kirche (Nachfolgebau von 1840), "Haus Salzburg" und "Salzburger Anstalt"
- Standbild Friedrich Wilhelms I. von Christian Daniel Rauch aus den Jahren 1824/1835 (nicht erhalten).
Literatur
- Rudolf Grenz: Stadt und Kreis Gumbinnen. Eine ostpreußische Dokumentation. Zusammengestellt und erarbeitet im Auftrag der Kreisgemeinschaft Gumbinnen. Marburg/Lahn: 1971
- Herbert Stücklies und Dietrich Goldbeck: Gumbinnen Stadt und Land. Bilddokumentation eines ostpreußischen Landkreises 1900 - 1982. Im Auftrag der Kreisgemeinschaft Gumbinnen aus der Bildersammlung des Kreisarchivs Gumbinnen ausgewählt, zusammengestellt und erläutert. Band I und II. Bielefeld: 1985
- Bruno Moritz: Geschichte der reformierten Gemeinde Gumbinnen. Festschrift zum 200jährigen Bestehen der Kirche 1739 - 1939. Sonderdruck aus dem "Evangelischen Volksblatt für die Ostmark" 1939
- Gumbinner Heimatbrief. Nachrichtenblatt für die Stadt und den Kreis Gumbinnen. Organ der Kreisgemeinschaft Gumbinnen/Ostpreußen. Erscheinen seit etwa 1952 ca. 2 mal im Jahr.
- Mitteilungen dür die ehemaligen Angehörigen der Friedrichsschule und Cecilienschule Gumbinnen. 1954 ff.
Siehe auch
Weblinks
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