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Grudziądz
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| Grudziądz | |||
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| Basisdaten | |||
|---|---|---|---|
| Staat: | Polen | ||
| Woiwodschaft: | Kujawien-Pommern | ||
| Landkreis: | Kreisfreie Stadt | ||
| Fläche: | 59,0 km² | ||
| Geographische Lage: | Koordinaten: 53° 29' N, 18° 46' O53° 29' N, 18° 46' O | ||
| Höhe: | 50 m n.p.m | ||
| Einwohner: | 99.283 () | ||
| Postleitzahl: | 86-300 bis 86-311 | ||
| Telefonvorwahl: | (+48) 56 | ||
| Kfz-Kennzeichen: | CG
| ||
| Wirtschaft & Verkehr | |||
| Zweige: | Schwerindustrie Feinmechanik | ||
| Straße: | Bydgoszcz–Olsztyn Danzig–Toruń | ||
| Schienenweg: | Bydgoszcz–Olsztyn Danzig–Toruń | ||
| Nächster int. Flughafen: | Flughafen Bydgoszcz | ||
| Verwaltung (Stand: 2007) | |||
| Stadtpräsident: | Robert Malinowski | ||
| Adresse: | ul. Ratuszowa 1 86-300 Grudziądz | ||
| Webpräsenz: | www.grudziadz.pl | ||
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Grudziądz [ˈgruʥɔnts] (dt. Graudenz) ist eine polnische Stadt in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern – rund 100 km südlich von Danzig und 200 km nordwestlich der Landeshauptstadt Warschau an der Weichsel gelegen. Sie ist bekannt für ihre schöne landschaftliche Lage und ihre sehenswerte Altstadt mit den alten Speichern an der Weichsel.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Die Stadt Graudenz
Erste Siedlungsspuren stammen aus dem 10. Jahrhundert. Urkundlich erstmals erwähnt wurde Graudenz 1222 als „Grudenc“. Der Ort gehörte zum Kulmer Land, das Konrad von Masowien 1225/1226 dem Deutschen Orden im Tausch gegen die Bekämpfung der Pruzzen anbot und 1230 durch den Vertrag von Kruschwitz an diesen abtrat.
Von der 1231 errichteten Burg und Komturei des Deutschen Ordens sind heute nur noch Reste der Mauern erhalten. 1291 erhielt Graudenz das Stadtrecht (Kulmer Handfeste) und wurde in den folgenden Jahren mit Stadtmauern umgeben. Die Stadt erlebte eine erste Blütezeit und entwickelte sich im 14. Jahrhundert zu einem Zentrum des Getreidehandels. 1466 musste der Deutsche Orden das Kulmer Land im Zweiten Thorner Frieden an Polen abtreten. Aufgrund der günstigen geographischen Lage entwickelte sich Kulm zum Sitz des Landtags von Polnisch-Preußen, ebenso fanden hier die Ständetage und Generalversammlungen statt. Im Rahmen einer Ständeversammlung hielt Nikolaus Kopernikus 1522 einen Vortrag über das Münzwesen. Im 16. Jahrhundert entwickelte sich Graudenz zu einem Zentrum des Handwerks und des Handels, wurde aber durch die Kriege des 17. Jahrhunderts wieder zurückgeworfen. Im Ersten Nordischen Krieg wurde die Stadt 1655 von den Schweden eingenommen und 1659 von polnischen Truppen zurückerobert, wobei sie fast gänzlich zerstört wurde. Trotz der sich fortsetzenden Kriege und inneren Konflikte wurde Graudenz im Barockstil prachtvoll wieder aufgebaut („Graudenzer Barock“).
Durch die Erste Teilung Polens 1772 kam Graudenz unter die Herrschaft Friedrichs II. von Preußen, der hier eine große, später weiter ausgebaute Festung errichten ließ (s.u.). Graudenz war Teil der Provinz Westpreußen und Kreisstadt im Regierungsbezirk Marienwerder. Nach dem Bau der Eisenbahnlinie von Thorn nach Marienburg, der Errichtung einer Brücke über die Weichsel und der Fertigstellung einer west-östlichen Verbindung durch die Eisenbahnlinie Konitz–Preußisch Eylau entwickelte sich die Stadt im 19. Jahrhundert zu einem schnell wachsenden Industriestandort u. a. mit Eisengießereien, Maschinenbau, Wagenbau und Textilindustrie. Zwischen 1880 und 1905 verdoppelten sich die Einwohnerzahlen von 17.321 auf 35.958. 1900 wurde Graudenz kreisfreie Stadt.
1920 wurde Graudenz mit etwa 40.300 Einwohnern (1910) trotz der deutschen Bevölkerungsmehrheit (84 % in der Stadt, 58 % im Landkreis Graudenz) aufgrund des verlorenen Ersten Weltkrieges (Vertrag von Versailles) als Teil des Polnischen Korridors ohne Volksabstimmung von Deutschland abgetrennt und der polnischen Provinz Pommern zugeschlagen. Graudenz entwickelte sich zwischen den Kriegen zum wirtschaftlichen Zentrum Pommerns. Daneben war die Stadt ein bedeutendes Kultur- und Bildungszentrum und einer der größten Militärstützpunkte Polens, u. a. mit einem in Polen berühmten Ausbildungszentrum für die Kavallerie. Am 3. September 1939 eroberte die deutsche Wehrmacht Graudenz, das als Teil des Reichsgaus Danzig-Westpreußen wieder in das Deutsche Reich eingegliedert wurde. Die Stadt wurde am 9. Februar 1945 zur Festung erklärt, nachdem die Stadt von der Roten Armee eingekesselt worden war. Die etwa 9.000 Mann umfassenden Verteidiger unter Generalleutnant Ludwig Fricke kapitulierten nach schweren Kämpfen am 6. März 1945. Im Zuge der Kampfhandlungen während der Belagerung war die Stadt zu etwa 60 % zerstört worden. Grudziądz wurde nun wieder ein Bestandteil des polnischen Staates, die deutsche Bevölkerung wurde – soweit sie noch nicht geflohen war – vertrieben.
Die Festung Graudenz
Da nach der ersten Teilung Polens die beiden Hauptfestungen in Westpreußen, Danzig und Thorn, in polnischem Besitz geblieben waren, ordnete König Friedrich II. den Bau einer Festung auf einer Anhöhe an der Weichsel zwischen Graudenz und Marienwerder an. Die Bauarbeiten begannen 1774, mussten an diesem Standort jedoch wieder aufgegeben werden, da er sich als hochwassergefährdet erwies. Deshalb verlegte man den Standort der Festung auf eine Erhöhung des Weichselufers ca. 1,5 km nördlich der Stadt Graudenz. Die 1776 in Anwesenheit Friedrichs II. begonnenen Arbeiten dauerten bis 1789. Der Grundriss des an die Weichsel angelehnten Festungswerks zeigte die Form eines halben Achtecks. Zu den eigentlichen Festungsbauten kamen Außenwerke, die dem Schutz der Hauptwerke dienten, z. B. das „Hornwerk“, eine Befestigung, die den Zugang von Norden her absicherte.
Belagert wurde die Festung nur einmal, während der Napoleonischen Kriege. Von Januar bis Dezember 1807 verteidigte sich die Garnison unter General Wilhelm de Courbière erfolgreich gegen französische Truppen, während die meisten anderen preußischen Festungen kapitulierten. Die Belagerung wurde zwar formell bereits am 9. Juli 1807 mit Unterzeichnung des Tilsiter Friedens beendet, dauerte jedoch noch bis Dezember desselben Jahres an. Nach seinem Tod 1811 wurde Courbiére auf dem Festungsgelände bestattet. Nach dem Ende des Kriegs erfolgten weiter Ausbauten u.a. um die sog. Courbiére-Schanze auf dem gegenüberliegenden, linken Weichselufer. 1872 kam die zeitweilige Abrüstung der Festung, die aber weiterhin Garnison und Truppenübungsplatz blieb. Durch den Bau der Weichselbrücke von Graudenz 1885/1886 wuchs die strategische Bedeutung, weshalb die Festung modernisiert und 1889–1905 mit einem neuen Befestigungsring aus Forts und gepanzerten Artillerieunterständen umgeben wurde. Seit 1893 trug sie den Namen „Feste Courbière“. Der 1913 gefällte Beschluss zum weiteren Ausbau der Festung wurde aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges nur noch in Ansätzen ausgeführt.
Im 19. Jahrhundert diente die Festung auch als Gefängnis, u. a. wurden polnische Unabhängigkeitskämpfer inhaftiert. Aufsehen erregte 1862 ein Zwischenfall, bei dem Soldaten polnischer Herkunft aus Protest gegen Schikanen und Misshandlungen den militärischen Gruß verweigerten, wofür harte Strafen von bis zu 20 Jahren Haft verhängt wurden. Im Ersten Weltkrieges diente sie als Kriegsgefangenenlager für Offiziere der Entente. Nach dem Übergang an Polen übernahm die polnische Armee die Festung. Überlegungen, sie zur Beschäftigung von Arbeitslosen abzutragen, wurden nicht umgesetzt, stattdessen wurde sie Garnison eines polnischen Kavallerieregiments.
Im Zweiten Weltkrieg spielten die Festungsanlagen keine nennenswerte Rolle und wurden von der deutschen Wehrmacht ohne große Mühe eingenommen. Danach dienten sie erneut als Depot, für Manöver und als Gefängnis. In den Befestigungsanlagen auf den Pfaffenbergen (Księże Góry) entstand eine Hinrichtungsstätte. Beim Angriff der Roten Armee Anfang 1945 erwiesen sich die alten Befestigungswerke teilweise noch als ernsthafte Hindernisse für die Eroberung der Stadt. Nach der Kapitulation der Verteidiger am 6. März 1945 brachte man im Fort nun deutsche Kriegsgefangene unter. Danach standen die Festungswerke jahrelang leer, bis sie erneut von der polnischen Armee übernommen wurden. Zwar wurden Teile der Festung zugeschüttet, abgetragen oder sind stark zerfallen, doch ist Graudenz auch heute noch ein bedeutendes Beispiel für die europäische Festungsarchitektur des 18. und 19. Jahrhunderts.
Sehenswürdigkeiten
Marktplatz, Pfarrkirche St. Mikołaj, Jesuitenkirche und -kloster, Speicher, Wassertor, Benediktinerinnenkloster, Festung, Rathaus mit Festsaal, Hauptpostamt, Rudniksee, Tarpnosee, Stadtpark, Trynka Kanal, Planetarium in der ehemaligen Goetheschule
Partnerstädte
- Gütersloh (Deutschland)
- Falun (Schweden)
- Tschernjachowsk (früher Insterburg) (Oblast Kaliningrad, Russland)
Historisch
Aus Meyers Konversationslexikon von 1888:
"Graudenz, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Marienwerder, auf dem rechten, hohen Ufer der Weichsel, über welche eine Eisenbahnbrücke führt, Knotenpunkt der Linien Laskowitz–Jablonowo und Thorn–Marienburg der Preußischen Staatsbahn, erstere mit fester Weichselbrücke, hat eine evangelische und eine kath. Pfarrkirche, eine Garnisonkirche und 2 Synagogen.
Die Zahl der Einwohner beträgt (1885) mit Garnison (1 Infanterieregiment Nr. 44 und 1 Abteilung Feldartillerie Nr. 16) 17.336 Seelen, darunter 10.935 Evangelische, 5196 Katholiken und 930 Juden.
Als Industriezweige sind zu nennen: Eisengießerei und Maschinenfabrikation, Fabrikation von Tapisseriewaren, Zigarren u. Tabak, Bürsten, Schuhwaren, Wagen, der Betrieb von Mahl- u. Schneidemühlen etc. Der Handel in Getreide, Wolle u. Vieh ist bedeutend.
G. ist Sitz eines Landgerichts (für die fünf Amtsgerichte zu G., Marienwerder, Mewe, Neuenburg und Schwetz) und einer Reichsbanknebenstelle, hat ein Gymnasium, ein katholisches Lehrer- und ein Lehrerinnen-Seminar, eine Taubstummenanstalt, ein städtisches Museum, 3 Waisenhäuser, 3 Hospitäler, ein Zuchthaus, ferner Gas-und Wasserleitung.
In G. erscheint "Der Gesellige", die verbreitetste Zeitung von Westpreußen. Dicht an der Weichsel liegt der Schloßberg mit den Resten einer alten Ritterburg, schönen Anlagen uud hübscher Rundsicht. G., das alte Grodeck, erhielt 1291 Stadtrechte.
Die Festung G., 2 km nördlich von der Stadt, an der Weichsel auf einem 86 m hohen Hügel, als Festung 1874 aufgegeben, bildet einen besondern Gutsbezirk mit (1885) 2072 Einw., meist Militärpersonen. Sie wurde von Friedrich II. 1772–76 angelegt und ward berühmt durch die ruhmvolle Verteidigung unter Courbière gegen die Franzosen vom 22. Jan. bis 9. Juli 1807."
Familienkunde
Filme der Mormonen in Salt Lake City [1]
Söhne und Töchter der Stadt
- Erich Basarke, Architekt
- Herbert Grasemann, Schachkomponist und -schriftsteller
- Johannes Gronowski, deutscher Politiker
- Ernst Hardt, deutscher Schriftsteller
- Uwe Holtz, deutscher Politologe
- Waldemar Kophamel, deutscher U-Boot-Kommandant
- Erwin Levy, deutscher Psychologe
- Karl Rudolf von Ollech, preußischer General
- Johann Stobäus 1580-1646 preußischer Komponist
- Gerhard Witting, deutscher Opernsänger
- Alfred Wohl, Chemiker
Literatur
- Wiesław Sieradzan: Die Stadtpläne von Graudenz aus dem 17.–20. Jahrhundert. Perspektiven zur Veröffentlichung eines geschichtlichen Atlasses, in: Beiträge zur Geschichte Westpreußens 14 (1995), S. 55–68
- Horst-Dieter von Enzberg: Die Goetheschule in Graudenz und das deutsch-polnische Verhältnis (1920–1945) (= Beiträge zur Schulgeschichte, Bd. 5), Lüneburg 1994 [Diss. FU Berlin 1992]
- Dienst-Koerber, Dr. Nordewin von et al: Die Stadt und der Landkreis Graudenz - Aus sieben Jahrhunderten deutscher Geschichte, Köln-Porz 1976
- Xaver Froehlich, Geschichte des Graudenzer Kreises, 1868
Weblinks
| <imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden | Commons: Grudziądz – Bilder, Videos und/oder Audiodateien |
- Offizielle Seite der Stadt Grudziądz (Polnisch, Deutsch, Englisch)
- Aktuelle Bilder aus Graudenz/Grudziądz und Kurzgeschichte als Gründung des Deutschen Ordens
- Graudenz. Artikel in: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl. 1888 ff., Bd. 7, S. 638 f.
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