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Geschichte der Stadt Danzig bis 1878
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Vorgeschichte
Polnische Wissenschaftler haben in komplexer Zusammenarbeit seit 1948 archäologische Untersuchungen zur Vorgeschichte Danzigs durchgeführt. Grabungen am Rechtstädtischen Rathaus und am Neptunsbrunnen haben mehrere Schichten von aufeinander folgenden sehr frühen Siedlungsspuren gerade an jener Stelle aufgedeckt, wo innerhalb der stark versumpften Mottlauniederung ein als Baugrund geeigneter Sandrücken vom Hagelsberg im Verlaufe der heutigen Langgasse (pl. długa) zur Mottlau führt.
- Die älteste Schicht könnte auf das 7. Jahrhundert datiert werden. Fragmente einer relativ starken Kulturschicht werden auf die zweite Hälfte des 9. oder den Anfang des 10. Jahrhunderts datiert. Diese Siedlung war mit einem Erdwall mit Faschinenverstärkung umgeben. Die Bewohner trieben Ackerbau, Viehzucht und Fischfang und übten Handwerke aus, wie z. B. das Schmiedehandwerk.
- Hierauf folgt eine Siedlung des 10. bis 12. Jahrhunderts, die ebenfalls durch eine starke Holz-Erde-Befestigung gesichert war, in der sich aber keine Spuren von Tierdung fanden. Sie war demnach eine Siedlung des Hafen-Handelstyps und dürfte auch über einen Markt verfügt haben. Ihre räumliche Ausdehnung wird auf höchstens drei Hektar, ihre Einwohnerzahl auf höchstens 2.000 Bewohner geschätzt, doch das sind sehr hypothetische Annahmen. Demnach dürfte das älteste Siedlungsgebiet Danzigs auf dem Terrain der späteren Rechtstadt gelegen haben.
Viele Fragen bleiben noch offen. So die nach dem Verhältnis der einzelnen Siedlungsschichten zueinander, aber auch die Frage, ob schon die ältesten aufgedeckten Siedlungen von Slawen bewohnt waren. Es ist zu bedenken, dass vor dem Eindringen der Slawen Prußen auch westlich der Weichsel bis hin zur Persante siedelten, wie aus vielen Orts- und Gewässernamen und der Tatsache zu erschließen ist, dass die kaschubische Sprache Substratelemente aus dem Altpreußischen enthält. Und auch in geschichtlicher Zeit lebten noch Prußen in Danzig und es gab noch geschlossene prußische Siedlungen zumindest in der Danziger Gegend. Im Jahre 997 wurden Prußen in der Danzig Gegend getauft, wie es aus der Vita Sankt Adalbert von Prag zu ersehen ist. Obwohl die Ortschaft schon lange vorher besiedelt war, hat man das allgemein bekannte Datum benutzt um '1000 Jahre Polnisch Gdansk' zu feiern. Vielleicht ist der Ort "Praust, pl Pruszcz", ein Hinweis auf seine prußischen Bewohner. Als Mestwin II. 1271 die Brandenburger Markgrafen um Unterstützung gegen seinen Bruder Wartislaw bat, sprach er von den "burgensibus Theutonicis fidelibus sepedicte civitatis Gedanensis, Prutenis quoque et nostris quibusdam specialiter fidelibus Pomeranis", also von den treuen deutschen Bürgern der oft genannten Stadt Danzig, aber auch von den Prußen und den besonders treuen Pomeranen (die also nicht in der deutschen Stadt lebten, sondern in der auf dem Gebiet der späteren Altstadt so genannten Grodstadt).
Ausgrabungen auf dem Gelände der Altstadt haben ergeben, dass an der Mündung der Mottlau in die Weichsel, vermutlich auf einer Insel, die durch zwei Mottlauarme gebildet wurde, "eine Burg mit einer Burgsiedlung entstanden ist, die ein politisch-administratives Zentrum und zugleich einen wirtschaftlichen Mittelpunkt für Handwerk und Handel bildete" (Lingenberg, S. 269). Die Entstehung dieser Burgsiedlung wird für die Mitte des 10., vielleicht schon für das 9. Jahrhundert angenommen. Polnische Forscher vermuten, dass sie im Zuge der Eroberung Pommerns durch einen polnischen Fürsten gebaut worden sei. Dann wäre sie als Zwingburg gegenüber der etwa 300 bis 400 Meter entfernt gelegenen vorgenannten Siedlung anzusehen.
Mittelalter
Die Stadt Danzig, über deren Gründung keine Details bekannt sind, stand schon zu Ende des 10. Jahrhunderts in Blüte und Ansehen und wurde damals die Hauptstadt von Pommerellen. 979 wurde Pommern durch den polnischen Fürsten Mieszko I. erobert, der eine Festung bei Danzig gründete. Auf Betreiben des polnischen Herzogs Bolesław I. Chrobry und seinen weitverbreiteten Eroberungszügen kam Bischof Adalbert von Prag nach Danzig und predigte 997 das Christentum bei dem baltischen Stamm der Pruzzen. Als Polen um 1034 im Chaos einer heidnischen Reaktion zerbrach, konnten sich die slawisch-pommerschen Stämme wieder von der Zentralgewalt aus Gnesen befreien. Viele Eroberungszüge der Polen gegen die Pommern und gegen die Prußen konnten im 11. und 12. Jahrhundert abgewehrt werden. Um 1047 wurde Pommerellen mit Danzig Teil des Piasten-Staates des polnischen Herzogs Kasimir I.. Sein Sohn König Boleslaw II. verlor um 1060 die Kontrolle über Pommerellen und somit den Zugang zur Ostsee, welches unabhängig durch einheimische slawische Regenten bis 1116 regiert wurde. 1116 unterwarf der polnische Herzog Boleslaw III. ganz Pommerellen mit Danzig. Nach dem Tod von Boleslaw brach in Polen der Partikularismus aus, und Danzig wurde im Rahmen der Senioratsverfassungsordnung dem Krakauer Seniorherzog unterstellt. Trotz der Verfassung, die die Einheit Polens sichern sollte, zerbrach das Land in eine Vielzahl, zeitweilig einander bekriegender piastischer Herzogstümer. Um 1180 setzte der polnische Seniorherzog Kasimir II. einen gewissen Sambor I. als Regenten in Danzig ein. Nach dem Tode Sambors übernahm sein Bruder Mestwin I. (Mstivoj) das Danziger Land. Dessen Sohn und Nachfolger Swantopluk (Swietopelk) erreichte nach einem von ihm initiierten Mordanschlag auf den polnischen Seniorherzog Leszek den Weißen (Leszek Bialy) um 1227 die volle politische Selbständigkeit. 1221 eroberte König Waldemar II. von Dänemark Danzig, verlor es aber schon 1225 an den Herzog Swantopluk. Dieser rief gegen die herandringenden Pruzzen, die Danzig 1225 erstürmten, die Hilfe des Deutscher Orden an, aus denen aber aus Helfern bald Unterdrücker wurden.
Ähnlich erging es auch seinem Sohn Mestwin II. mit den gegen seinen Bruder zu Hilfe gerufenen Brandenburgern, von denen er 1271 seine Hauptstadt zurückerobern musste. Kämpfe innerhalb der Dynastie Samboriden, wie auch die wachsende Bedrohung seitens der Mark Brandenburg und des Deutscher Orden führten zu einem engeren Anschluss Pommerellens an Polen. Als Mestwin II. 1294 ohne männliche Erben starb, fiel Danzig, laut dem Vertrag von Kempen (Kepno) von 1282 an den Herzog von Großpolen und König von Polen Przemyslaw II., nach dessen Tod 1296 übernahm sein Erbe der spätere König von Polen und Herzog von Kujawien Wladyslaw IV., der aber um 1300 von den Böhmen (Tschechen) Wenzel II. aus Polen vertrieben wurde. Nach dem Mord am letzten Vorsteher der Przemysliden Wenzel III. 1306 konnte Wladyslaw aus dem ungarischen Exil nach Polen zurückkehren und sich wieder in Teilen Polens und in Pommerellen durchsetzen. 1308 rief dieser den Deutschen Orden gegen die Brandenburger zu Hilfe, die Danzig belagerten. Der Markgraf von Brandenburg wurde nun zwar geschlagen, der Deutsche Orden besetzte aber die Stadt und behielt sie, da die versprochene Entschädigung nicht aufzutreiben war, in seinem Besitz. Um den Besitz Pommerellens mit Danzig rechtlich abzusichern kaufte der Orden im Vertrag von Soldin am 13. September 1309 den Brandenburgern alle ihre, allerdings umstrittene Besitztitel an Pommerellen ab, die sie ab 1269 besassen (siehe auch Vertrag von Arnswalde) für 10000 Mark Silber ab. Die gewaltsame Annexion Pommerellens durch die Ritter des Ordens führte zu einer jahrhundertlangen Feindschaft zwischen dem Königreich Polen und dem Deutschen Orden.
Spätmittelalter: Hansezeit und Deutscher Orden
Bereits im 13. Jahrhundert gewann die Rechtsstadt eine immer stärkere Position in der Hanse, am Ende des 13. Jahrhunderts hatte sie ein Mitspracherecht bei den Gerichtsangelegenheiten des Kontors Peterhof in Nowgorod und in Pommerellen. Danzig wurde zum Vorort des preußischen Quartiers. Um 1350 trat sie dem Bund der Hanse bei. Seit 1361 ist die Teilnahme am Hansetag belegt, bereits 1377 hatte Danzig eine ebenso bedeutende Stellung innerhalb des Hansebundes wie Thorn und Elbing. An den Auseinandersetzungen der Hanse mit Dänemark und Schweden nahm Danzig seit 1367 teil (siehe auch Kölner Konföderation).
Zahlreich waren in der Folgezeit die Spannungen und Streitigkeiten zwischen der Stadt und dem Deutschen Orden um den freien Handel und die Kontrolle über die Schifffahrt. 1343 wurde an Stelle des lübischen Rechtes das im Gebiet des Ordens gültige Kulmer Recht eingeführt. Der Polenkönig Kasimir III. erkannte im Vertrag von Kalisch 1343 die Herrschaft des Deutschen Ordens formell an, ohne jedoch die Rechtstitel an Danzig und Pommerellen preiszugeben.
Der wachsende Reichtum der Stadt zeigte sich in der starken Erweiterung des Stadtareals, die auch wegen der zahlreichen Einwanderer notwendig wurde (Kaufleute und Handwerker, u. a. aus den Hansestädten, aus Brandenburg, Obersachsen und Thüringen). Auf den Fundamenten der alten Burganlage errichtete der Orden um 1340 eine große Burg, die zum Sitz des Danziger Komturs wurde. Aus jener Zeit stammen viele bedeutende Bauten, z. B. die Anlage der Rechtstadt (1340), der Jungstadt (1380) und der Vorstadt (1393). Das Stadtgebiet dehnte sich nach Norden aus, wo die sogenannte Neustadt entstand (Pfarrkirche St. Johannes ca. 1349) und auch nach Süden, wo sich die sog. Vorstadt um die Schiffswerft entwickelte (Filialkirche St. Peter und Paul um 1400). Die Rechtsstadt hatte seit 1378 eine Ratsverfassung; am Langen Markt entstand 1380 das Rathaus, seit 1343 wurde die Marienkirche ausgebaut. Seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts führte die schnelle Entwicklung Danzigs wiederholt zu Konflikten zwischen dem Patriziat, das den Rat bildete, und den Handwerkern sowie den neu zugezogenen Kaufleuten (1363, 1378).
Unter dem Hochmeister Konrad von Jungingen (1393-1407) erscheint Danzig zuerst kriegerisch tätig, indem es für den Schwedenkönig Albrecht Stockholm besetzte und durch seinen Kampf mit den seeräuberischen Vitalienbrüdern auch mit Margarethe von Dänemark in einen Krieg verwickelt wurde. Als infolge der Niederlage Ulrichs von Jungingen bei Tannenberg 1410 die Macht des Deutschen Ordens sank, benutzte Danzig diesen Umstand, um sich vom Orden zu lösen. Der Danziger Rat ging zum polnischen König Wladyslaw II. Jagiello über. Es kam zu blutigen Repressalien gegen die Ratsherren, als der Deutsche Orden die Macht im Kern seines Territoriums im Erster Frieden von Thorn in 1411 zurückerlangte. In der Folgezeit versuchte Danzig, sich finanziellen Leistungen an den Orden zu entziehen. 1416 führten Unruhen in der Stadt zum Eingreifen der Ordensritter und zu einer verstärkten Abhängigkeit Danzigs vom Deutschen Orden in der Mitte des 15. Jahrhunderts.
Die Politik der Stadt Danzig gegenüber der Hanse wurde teilweise durch den Deutschen Orden beeinflusst, der sie zur Neutralität im Krieg der Hanse (1426-1435) gegen Erich von Pommern zwang; innerhalb der Hanse aber betrieb Danzig immer mehr eine eigene Politik, unabhängig von der Stadt Lübeck, zu der ein gewisser Interessengegensatz bestand. Dieser äußerte sich in der Zeit nach dem Frieden von Utrecht (1474) darin, dass Danzig der Politik der Monopolisierung des Ostseehandels zugunsten der Städte des Wendischen Viertels der Hanse und damit insbesondere Lübecks nicht mehr folgte und die mit diesen Städten bislang gemeinsam bekämpften Umlandfahrer, wie die englischen Merchant Adventurer, unterstütze.
Danzig wurde Mitglied im sogenannten Preußischen Bund, zu dem sich 1440 die ständische Mitregierung fordernden Städte und Adligen in Preußen zusammengeschlossen hatten. Als der Preußische Bund den polnischen König um Hilfe gegen den Orden bat, brach ein mehrjähriger Krieg zwischen dem Bund, Polen auf der einen und dem Deutschen Orden auf der anderen Seite, aus. Es gelang die Lossagung Danzigs von dem Orden und die Erwählung des Königs Kasimir IV. von Polen als Schutzherrn 1454. In den dann seit 1452 ausbrechenden Auseinandersetzungen zwischen den Ständen und dem Orden spielte Danzig eine führende Rolle, es finanzierte den Dreizehnjährigen Krieg gegen den Orden. Im Zweiten Frieden von Thorn von 1466 kam Danzig endgültig zurück an Polen und es wurden der Stadt weitgehende Autonomierechte gewährt und durfte gemäß dem ihm erteilten Privilegium Casimirlanum seine Ämter selbst besetzen, erhielt die vollständige Gerichtsbarkeit (nach eigenem Gesetzbuch, Danziger Willkür genannt), Befreiung von allen Zöllen und Abgaben und von der Rechnungslegung über seine Einkünfte, das Münzrecht, das Recht, eigene Besatzung zu halten, und völlig freie Entscheidung über Krieg, Bündnisse und Frieden. Die Oberhoheit des Königs von Polen repräsentierte ein Mitglied des Stadtrats, den Burggrafen. Die Stadt hielt in Warschau ihren Sekretär und stimmte auf Reichstagen und bei Königswahlen mit. Die vier Stadtteile wurden nun zu einem Ganzen vereinigt und dem rechtstädtischen Rat untergeordnet.
Streitigkeiten mit dem König wegen Besetzung des Bistums Ermland führten zu dem achtjährigen Pfaffenkrieg (1472-80), in welchem sich zwar Danzigs Macht, aber auch die polnische Antipathie gegen diese Stadt bewährte.
Reformation und Renaissance
Schon 1523 nahm Danzig die Reformation an, die jedoch nicht ohne heftige innere Kämpfe festen Fuß fassen konnte. Am verderblichsten für die Zukunft der Stadt war die Durchstechung der Großen Kampe, einer Flussinsel vor der Spaltung der Weichsel (in Weichsel und Nogat), seitens der Elbinger und Marienburger, wodurch die Tiefe des Fahrwassers im Verlauf eines Jahres um die Hälfte vermindert wurde.
Als 1575 Stephan Báthory zum König von Polen gewählt wurde, wollte ihn Danzig nicht anerkennen und erklärte sich für Kaiser Maximilian II., welcher der Stadt bedeutende Handelsvorteile zusichern ließ. Selbst nach dessen Tod 1576 wollte Danzig dem König Stephan die Huldigung nur gegen bedeutende Zugeständnisse leisten. Danzig wurde daher belagert, verteidigte sich aber 1577 so entschlossen, dass der König mit einer Abbitte und der Zahlung von 200.000 Gulden sich begnügte.
1656 belagerten die Schweden die Stadt zu Wasser und zu Lande, wurden aber durch Hilfstruppen des Königs Johann II. Kasimir und durch eine holländische Flotte vertrieben, worauf die Holländer mit dem Großen Kurfürsten den Elbinger Vertrag am 10. September über die Neutralität Danzigs vereinbarten, den Schweden allerdings nicht anerkannte. 1734 wurde Danzig, weil es den König Stanislaus I. Leszczynski aufgenommen hatte, von den Russen und Sachsen unter Münnich belagert und trotz tapferer Gegenwehr nach mehrmonatlicher Einschließung durch ein Bombardement am 9. Juli zur Kapitulation genötigt. Bald darauf entstanden zwischen Magistrat und Bürgerschaft Streitigkeiten, die erst 1752 eine neue Gesetzgebung beilegte.
Bei der Ersten Teilung Polens 1772 behielt die Stadt zwar ihre Freiheit, aber da sie von preußischem Gebiet umschlossen und von starken Zöllen hart bedrückt war, nahmen der Handel, der Kunstfleiß und die Bevölkerung immer mehr ab. Bei der Zweiten Teilung Polens 1793 kam die Stadt an Preußen.
Koalitionskriege
Das Jahr 1806 wurde aber für Danzig wieder sehr verderblich. Schon vor der Kriegserklärung wurde der Hafen von den Schweden blockiert und von England auf die preußischen Schiffe ein Embargo gelegt. Nach den Schlachten bei Jena und Auerstädt wurden in Danzig die Aufrüstung zum Widerstand mit Eifer betrieben. Die 21.700 Mann starke Besatzung genügend verproviantiert, die Niederung unter Wasser gesetzt und die Vorstädte zum Teil demoliert. Schon Anfang März rückten die Franzosen unter Marschall Lefebvre vor die Stadt.
Trotz tapferer Verteidigung durch den Gouverneur Kalckreuth setzten sich die Belagerer am 1. April auf dem Zigankenberg fest und nahmen in der Nacht vom 12. auf den 13. April auch die Kalkschanze an der Weichsel. Sie wurde ihnen zwar wieder entrissen, aber die Danziger sahen sich genötigt, dieses höchst wichtige Werk selbst zu zerstören. In der Nacht vom 23. auf den 24. April begann das Bombardement der Stadt, das, nachdem Lefebvre am 25. April vergeblich zur Übergabe aufgefordert hatte, mit Nachdruck fortgesetzt wurde. Der furchtbarste Angriff der Belagerer am 21. Mai wurde noch einmal abgeschlagen, erschöpfte aber den letzten Pulvervorrat. Als nun auch die Lebensmittel zur Neige gingen, die Besatzung auf 7.000 Mann zusammengeschmolzen war, dagegen die Streitmacht des Feindes durch die Ankunft des Marschalls Edouard-Adolphe Mortier auf 60.000 Mann angewachsen war, kapitulierte die Stadt am 24. Mai.
Die Besatzung verließ am 27. Mai, als auch Weichselmünde kapitulierte, die Festung mit Kriegsehren und der Verpflichtung, ein Jahr lang nicht gegen Frankreich zu dienen. Den Einwohnern aber wurde eine Kriegssteuer von 20 Millionen Franc mit der Bewilligung allmählicher Bezahlung auferlegt.
Der Marschall Lefebvre erhielt den Titel eines Herzogs von Danzig. Im Tilsiter Frieden vom 9. Juli 1807 wurde Danzig als Freistaat mit einem Gebiet von 2 Lieues, die durch die willkürliche Erklärung Napoleons I. aus 2 deutsche Meilen im Umkreis ausgedehnt wurden, unter Frankreichs, Preußens und Sachsens Schutz anerkannt, doch blieb fortwährend ein französischer Gouverneur in der Garnison, und durch die Kontinentalsperre war der Handel mit England zerstört. Beim Rückzug aus Russland gelang es den französischen und polnischen Truppen des 10. französischen Armeekorps, sich in die Stadt zu retten.
Da erschien gegen Ende Januar 1813 ein aus 6.000 Kosaken bestehendes russisches Einschließungskorps, welches jedoch bald durch ein Korps von 7.000 Mann Infanterie und 2.500 Mann Kavallerie mit 60 Feldgeschützen unter dem Kommando des Generalleutnants von Loewis abgelöst wurde. Die elfmonatige Belagerung brachte wieder schwere Not über die Stadt. Die heftigsten Ausfälle und Angriffe fanden am 4. Februar, 5. März, 27. April und, nachdem am 1. Juni das Belagerungsheer durch 8.000 Mann preußischer Landwehr unter dem Grafen Dohna verstärkt worden war, am 9. Juli statt. Nach dem Waffenstillstand vom 24. August übernahm der Herzog Alexander von Württemberg den Oberbefehl der Belagerungsarmee und fügte am 28. und 29. August, 1., 7. und 17. September und 1. November den Belagerten große Nachteile zu, während ein englisches Geschwader die Stadt von der Seeseite her beschoss.
Endlich kam am 17. November eine Kapitulation zu stande, nach welcher die Garnison am 1. Januar 1814 mit der Verpflichtung, ein Jahr lang nicht gegen die Verbündeten zu dienen, nach Frankreich entlassen werden sollte. Diese Bedingungen erhielten jedoch die Genehmigung des Kaisers Alexander I. nicht, und General Rapp musste die Bedingung eingehen, dass alle Franzosen nach Russland abgeführt wurden.
Nach dem Wiener Kongress: Eingliederung in das moderne Preußen
Mit dem 3. Februar 1814 kehrte Danzig unter Preußens Oberherrschaft zurück; worauf die alte Verfassung wiederhergestellt wurde. 1816 wurde Danzig der Sitz der Regierung des Danziger Bezirks, des Konsistoriums und des Oberpräsidiums von Westpreußen. Rasch erfolgten nun, namentlich auf Veranlagung des Oberpräsidenten von Schön, zahlreiche und in alle Zweige tief eingreifende Verbesserungen. Großen Schaden erlitt die Stadt 1829 durch einen Durchbruch der Weichsel 1831, durch die asiatische Cholera und durch einen Brand im Juni 1858. Seit 1863 hat die städtische Verwaltung einen neuen, großartigen Aufschwung genommen, hervorgerufen durch die Amtstätigkeit des Oberbürgermeisters v. Winter. Ihm verdankt die Stadt die Anlage einer Wasserleitung und die Kanalisation, die hier zuerst auf dem Kontinent gebaut wurde. Seitdem haben sich die Gesundheitsverhältnisse der Stadt erheblich verbessert.
Nach der Teilung der ehemaligen Provinz Preußen am 1. Juli 1878 ist Danzig Hauptstadt der Provinz Westpreußen geworden.
Literatur
- Werner Neugebauer, Neue polnische Forschungen zur Vor- und Frühgeschichte Westpreußens, Westpreußen Jahrbuch 1953, Leer/Ostfriesland
- Andrzej Zbierski, Początki Gdańska w świetle najnowszych badań (Die Anfänge Danzigs im Lichte der neuesten Forschungen) in: Gdańsk, jego dzieje i kultura, Warschau 1969, S. 11 – 27
- Wilhelm Brauer, Prußische Siedlungen westlich der Weichsel, Siegen 1983, J. G. Herder-Bibliothek Siegerland e. V.
- Heinz Lingenberg, Die Anfänge des Klosters Oliva und die Entstehung der deutschen Stadt Danzig, Stuttgart, Klett-Cotta, 1982, ISBN 3-12-914900-7
Weblinks
- [[1] Historie, Danziger Verfassung und Recht]
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