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Geschichte Polens
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Dieser Artikel behandelt die Geschichte Polens von der Urzeit bis heute.
Vor- und Frühgeschichte
Neolithikum
Die erste Besiedlung Polens ist im Paläolithikum nachgewiesen. Die ersten Ackerbauern im heutigen Polen gehörten zur Bandkeramischen Kultur (seit etwa 5500 v. Christus). In der Tiefebene begann die Jungsteinzeit erst mit der Trichterbecherkultur.
Bronzezeit
Die Kulturen der frühen Bronzezeit entwickelten sich aus der Kugelamphoren-Kultur und der Kultur der Schnurkeramiker. Die wichtigste Kultur der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit war die Lausitzer Kultur. Die Siedlung Biskupin wurde seit den 1920ern ausgegraben und die Rekonstruktion einer befestigten Siedlung der Lausitzer Kultur zieht heute zahlreiche Besucher an.
Eisenzeit und Antike
Zwischen 1000 und 750 v. Chr. wanderten in den Nordwesten des heutigen Polen germanische Stämme ein, die sich um 500 v. Chr. etwa bis zum Riesengebirge nach Süden ausbreiteten. Der antike Historiker Publius Cornelius Tacitus bezeichnete um 75 die Weichsel als Ostgrenze des germanischen Siedlungsgebietes. Er lokalisierte die Rugier und Gepiden entlang der Ostsee, Burgunden und Goten auf mittlerer Höhe, sowie die Vandalen und Bastarnen im Süden. Die Goten begannen seit Ende des 2. Jahrhunderts in Richtung Süden und Osten zu wandern.
Spätantike und Frühmittelalter
Im 5. Jahrhundert endete die germanische Besiedlung. Ob und inwieweit dies mit dem großen Vorstoß der Hunnen nach Gallien im Jahre 451 zusammenhängt, ist historisch umstritten (siehe auch Spätantike). Vermutlich auf Druck der 550 von Osteuropa kommenden Awaren, begannen sich slawische Stämme in den fast menschenleeren Gebieten anzusiedeln. Wie bereits bei den Hunnen um 375, führte im 6. und 7. Jahrhundert das Vorrücken der Awaren zu Völkerbewegungen und verschob die Grenzen der angestammten Siedlungsräume. Die Slawen wurden aus ihrer Heimat zwischen Karpaten und Don vertrieben und Richtung Süd- und Nordwesten gedrängt. Im Zuge des Vormarsches setzten sich Awaren und die ihnen folgenden Slawen, nachdem sie zuerst 567, im Verbund mit den Langobarden, das Gepidenreich im heutigen Rumänien vernichtet hatten, in der Donau-Theiß-Ebene fest, von wo aus sie den Rest Europas bedrohten. Im Westen waren es vor allem die Reiche der Langobarden und der Franken und im Südosten das mächtige Oströmische Reich, dessen Hauptstadt Konstantinopel sie im Jahr 626 belagerten.
Die Westslawen hatten um 600 die Elbe-Saale-Linie überschritten. Es werden diverse westslawische Stämme erwähnt, wie die Abodrites, Veleti, Liutici, Sorben, sowie der Stamm, aus dem sich die späteren Polen entwickeln sollten, die Polanen. In der althistorischen Forschung wird diskutiert, ob die slawischen Stämme zwischen der Weichsel und der Elbe-Saale-Linie auf germanische Restbevölkerung trafen und wie ein möglicher erster Siedlungskontakt verlief. Der Umstand, dass Flussnamen wie z.B. Weichsel vermutlich germanischen Ursprungs sind, wird als Indiz gedeutet, dass die Slawen Sprechkontakt mit verbliebenen germanischen Bewohnern hatten.
Die ersten Versuche einer Staatenbildung unter den Westslawen fanden südlich des heutigen Polens auf dem Gebiet Tschechiens und der Slowakei statt. Um 626 wurde im Kampf gegen das Awaren- und Frankenreich ein slawischer Staat gegründet, das Reich des Samo. Im Kampf gegen die Franken und ausgelöst durch die fehlgeschlagenen Belagerung der Wogastisburg durch den Frankenkönig Dagobert I., schloss sich Derwan, Herzog der Sorben, Samo an. Er war der erste historisch belegte Herrscher der Nordwestslawen, über den Quellen 632 berichten. Nach dem wahrscheinlichen Auseinanderbrechen des Samo-Reiches um 660, fehlen schriftliche Aufzeichnungen über die Westslawen bis zur Zeit Karls des Großen. Erst Ende des 8. Jahrhunderts, im Zusammenhang des Kampfes der Franken gegen die Awaren zwischen 791 und 803, liegen wieder schriftliche Aufzeichnungen vor. Um 805 wurde zur Sicherung der nördlichen Ostgrenze der Limes Sorabicus an der Elbe, die sorbische Grenzmark errichtet. In den Sachsenkriegen unterwarf Karl der Große das Heimatgebiet der heidnischen Sachsen – Niedersachsen und Westfalen – und gab den östlichen Teil Sachsens, das heutige Wendland, den slawisch-heidnischen Polaben, im Deutschen auch Wenden genannt, welche mit ihm im Kampf gegen die Sachsen verbündet waren, zur Besiedlung frei. In den von Karl eroberten ehemaligen awarischen Gebieten, den Pannonischen Marken, entstanden lose mit dem Frankenreich verbundene slawische Fürstentümer. Bedeutung hatten vor allem das Mährische und das Nitraer Fürstentum, aus denen sich um 830 das spätere Reich der Großmährer herausbildete. Unter Großfürst Sventopluk, gegen Ende des 9. Jahrhunderts, erreichte dieses Reich seine größte Ausdehnung und weitete seine Einflusssphäre auf die Gebiete des heutigen Polens, Schlesien und Kleinpolen, aus. Böhmen und das Gebiet des heutigen Freistaats Sachsen waren ebenfalls ein Teil dieses Reiches. Nach dem Zusammenbruch der Großmährer um 900, geriet die Osthälfte des Reiches, mit dem Zentrum Nitra, unter magyarischen Einfluss und genoss etwa zwei Jahrhunderte eine Sonderstellung innerhalb der Krone Ungarns. Die Westhälfte hingegen, die Provinzen Böhmen und Mähren, wurde vom Sachsen, Heinrich dem Vogler, der ostfränkischen (deutschen) Tributpflicht 929 unterworfen und führte 935 zum Staatsstreich unter Herzog Boleslav I., dem späteren Schwiegervater des polnischen Herzogs Mieszko und Namenspatron vieler polnischer Könige. Kirchlich unterstand Böhmen bis 973 der Administration des ostfränkischen Bistums Regensburg. Nach Gründung des Bistums Prag wurde die böhmische Kirche dem Erzbistum Mainz unterstellt.
Die direkte Grenze mit den christlichen Mährern forcierte die politische Vereinigung polanischer Kräfte in der Hand einer Zentralgewalt. Das Reich der Polanen wurde nach großmährischem Vorbild aufgebaut. Im 9. Jahrhundert berichtete ein bayerischer Geograph erstmalig über slawische Stammesstrukturen auf dem Gebiet des heutigen Polen. Der Slawenapostel Methodius sprach von einem mächtigen Staat der Wislanen, der bereits nach slawisch-griechischem Ritus christianisiert gewesen sein soll. Eine weitere eigenständige staatliche Entwicklung wurde aber durch ungarische Raubzüge zu Beginn des 10. Jahrhunderts behindert. Unter ihrem Fürst Árpád drangen die Magyaren nach Mitteleuropa vor und wüteten dort länger als ein halbes Jahrhundert. Erst ihre vernichtende Niederlage, die sie 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg gegen den deutschen König Otto I. hinnehmen mussten, führte zum vollständigen Rückzug ins ungarische Stammland und erlaubte die Konsolidierung des Staatsgefüges unter den ersten Piasten.
Es wurden in karolingischer Tradition Grenzmarken errichtet, die zu Beginn dem Schutz des Heiligen Römischen Reiches vor den heidnischen Slawen dienen sollten. Die deutschen Könige strebten auch den Königstitel der Langobarden im alten römischen Kernland Italien an, eine Voraussetzung, um die Kaiserwürde zu erhalten und damit die Führungsrolle und das Primat in der abendländischen Christenheit.
Staatsgründung und die ersten Piasten 960–1138
Hauptartikel Königreich Polen und Piasten
Herzog Mieszko I. und die Christianisierung Polens
Hauptartikel Mieszko I.
Mit der Machtübernahme durch Herzog Mieszko I. aus der Dynastie der Piasten 960, trat Polen als gefestigter, organisierter Staat auf dem europäischen Kontinent offen in Erscheinung. Das Land, dessen Name sich vom westslawischen Stamm der Polanen ableitet, wurde als Herzogtum im späten 9. Jahrhundert, in der Region um die Städte Posen und Gnesen, gegründet. Die Karte an der rechten Seite repräsentiert die ungefähre Größe des polnischen Staates um das Jahr 960, zu Beginn der Herrschaft Mieszkos.
Im Jahr 963 wurde Mieszko das erste Mal schriftlich erwähnt. Dieses Datum wird oft als Beginn der polnischen Geschichtsschreibung gesehen. Anlass waren die Einfälle der Markgrafen Gero aus der Ostmark und Wichmanns des Jüngeren aus der Mark der Billunger, eines abgefallenen sächsischen Vasalls des deutschen Königs Otto I.. Im Zuge dieser Kämpfe wurde Mieszko von beiden ostmärkischen Grafen besiegt und für einen Teil seines Herrschaftsgebiets, in der Region um Lebus, dem Heiligen Römischen Reich gegenüber tributpflichtig gemacht. Im Jahre 965 verbündete sich Herzog Mieszko mit den christlichen Böhmen, ließ sich 966 nach römisch-katholischem Ritus taufen und heiratete im Anschluss die böhmische Herzogstochter Dobrawa aus dem Geschlecht der Przemysliden. Damit musste auch das polnische Volk dem Beispiel seines Knjas folgen. Die Annahme des Christentums war eine politische Entscheidung, bedingt durch die Einfälle der deutschen Markgrafen unter dem Vorwand der Heidenbekämpfung und -mission einerseits, sowie der kulturellen Stärkung (Gründung von Kirchen und Klostern) und der Aufnahme in die christliche Gemeinschaft europäischer Fürsten andererseits. Für die polnische Kirchenprovinz wurde 968 ein dem Papst unterstehendes Missionsbistum in Posen gegründet.
Die offizielle Annahme des christlichen Glaubens durch den polnischen Fürsten, verminderte dennoch kaum die Einfälle der deutschen Markgrafen. Bereits ein Jahr nach der „Taufe Polens“, 967, begann Graf Wichmann einen Privatkrieg gegen Mieszko. Das böhmisch-polnische Bündnis trug nun die ersten Früchte, als der polnische Fürst mit Hilfe przemyslidischer Reitertruppen Wichmann, der sich zum militärischen Führer des slawischen Wolinerbundes erhob, vernichtend in die Flucht schlug. Das Schwert des Markgrafen wurde vom amicus imperatoris -Freund des Kaisers-, so hieß Mieszko seit seiner Taufe, Kaiser Otto ausgeliefert. Mieszkos Vorstoß nach Pommern stand nun nichts mehr im Weg.
Auf der Grundlage eines im Innern gefestigten Staatswesens, unterwarf Mieszko in den Jahren 967–979 ganz Hinterpommern mit Stettin und Pommerellen mit Danzig. Der Zugang zur Ostsee bedeutete unmittelbaren Kontakt mit Skandinavien. Mieszkos Tochter Świętosława, aus der Ehe mit Dobrawa, heiratete König Sven von Dänemark und wurde die Mutter der dänischen Könige Harald und Knut.
An der Grenze zur deutschen Ostmarken kam es 972 erneut zu Spannungen. Markgraf Odo (Hodo) aus der Mark Niederlausitz forderte Mieszko heraus und drang mit seinen Truppen auf polnisches Gebiet. In der Nähe von Zehden, an der unteren Oder, wurde das Heer des Markgrafen eingekreist und in die Flucht geschlagen, dabei fand der einzige namentlich bekannte Bruder Mieszkos, Czcibor, den Tod. Durch den Sieg über Odo und den folgenden Großen Slawenaufstand von 983, kam die deutsche Ostkolonisation für fast zwei Jahrhunderte zum Erliegen. Kaiser Otto besorgt über die Zustände an seiner Ostgrenze, rief die Kontrahenten, während des Quedlinburger Hoftages von 973, zur Ruh' und Ordnung auf. Mieszko schloss mit Graf Odo Frieden und unterwarf sich anschließend dem deutschen Souverän. Inwieweit Polen damit in ein Lehnsverhältnis zum Heiligen Römischen Reich eintrat, ist historisch umstritten, denn der Kaiser verstarb bereits wenige Wochen nach dem Urteilsspruch.
Nach dem Tod von Mieszkos erster christlichen Frau Dobrawa und seiner Heirat 978 mit der Sächsin Oda von Haldensleben, erfolgte ein Bruch zwischen Polen und Böhmen. Es kam zur Entfremdung zwischen beiden Staaten, was schließlich 986–990 im Krieg mündete. In diesem Konflikt wurden Schlesien, Kleinpolen und wahrscheinlich auch Mähren unterworfen.
Die Tscherwenischen Burgen gingen 981 an den ruthenischen Großfürsten Wladimir von Kiew verloren, der die schwierige militärische Lage der Piasten im Westen ausnutzte. Damit verlor Polen die Kontrolle über eine wichtige Handelspassage mit Osteuropa, deren Erwerb historisch nicht fassbar ist.
Mieszko huldigte 986 dem minderjährigen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Otto III., in Quedlinburg und führte in seinem Namen, als „Markgraf des Reiches“, einen Heidenfeldzug gegen die Elbslawen an. Im Gegenzug unterstütze ihn Kaiserin Theophanu, die als Regentin für ihren Sohn die Macht im Reich übernahm, militärisch im Kampf gegen Böhmen.
Im Jahr 991, kurz vor seinem Tod, stellte der erste historisch belegte Herrscher Polens sein gesamtes Land unter den Schutz des Papstes, der im Mittelalter ein politischer Gegenspieler des Kaisers war. Polen wurde päpstliches Lehen. Er verstarb im Jahr 992 und wurde in der Kathedrale zu Posen begraben. Sein Nachfolger wurde sein ältester Sohn aus der Ehe mit Dobrawa, Bolesław der Tapfere.
König Boleslaw Chrobry und der Aufstieg zur Großmacht
Hauptartikel Boleslaw I.
Mieszko I. teilte sein Reich nach altslawischer Tradition unter seinen Söhnen Boleslaw, aus der Ehe mit Dobrawa, sowie Świętopełk, Lambert und Mieszko, aus der Ehe mit Oda auf. Boleslaw entmachtete, mit Unterstützung einflussreicher Magnaten, seine Stiefmutter und vertrieb sie samt ihrer Söhne aus Polen, wo sie bei Verwandten in Sachsen Aufnahme und Schutz fanden. Die Reichseinheit war somit wiederhergestellt. Boleslaw setzte die Bündnispolitik seines Vaters fort, indem er 995 den für volljährig erklärten Kaiser Otto III. bei der Verteidigung des christlichen Glaubens unterstützte. Er beteiligte sich, gemäß der Quedlinburger Absprache von 991, an dessen Kampf gegen die heidnischen Elbslawen. Dieser Kampf verlief allerdings weitgehend erfolglos. Der östliche Teil der Nordmark mit dem Zentrum Lebus hingegen, blieb bis ins 12. Jahrhundert unter polnischem Einfluss.
Im Rahmen der Christianisierung der baltischen Stämme an der Ostsee kam Bischof Adalbert von Prag nach Polen, von wo er mit polnischer Unterstützung 997 in das Pruzzenland gelangte und dort seinen Märtyrertod fand. Boleslaw löste den Leichnam Adalberts aus und setzte diesen in der Kathedrale zu Gnesen bei. Die sterblichen Überreste wurden im Anschluss an den böhmisch-polnischen Krieg von 1038 nach Prag überführt. Adalbert wurde aufgrund seiner Missionsarbeit und Märtyrertums 999 von der Kurie heiliggesprochen. Daraufhin erteilten der deutsche Monarch und Papst Silvester II. die Zustimmung zur Errichtung einer unabhängigen polnischen Kirchenprovinz.
Im Jahre 1000 pilgerte der römisch-deutsche Kaiser Otto III., mit dem Boleslaw ein freundschaftliches Verhältnis unterhielt, zum Grab des Märtyrers Adalbert in Gnesen. In einem Staatsakt verkündete er sein Reichskonzept von der Renovatio Imperii Romanorum, welches Polen neben Gallia und Germania als gleichrangige Stütze des Imperiums vorsah. Für die slawischen Provinzen wurde das Erzbistum Gnesen errichtet, mit Adalberts Bruder Gaudentius als erstem Erzbischof, dem die gegründeten Bistümer Kolberg, Krakau und Breslau unterstanden. Die Errichtung einer unabhängigen Kirchenprovinz spielte in der Folge bei der Emanzipation Polens vom Heiligen Römischen Reich eine wichtige Rolle. Während dieses Besuches erkannte Otto III. offiziell die Souveränität des piastisch-polnischen Herrschers an. Die seit 963 bestehende Tributpflicht entfiel. Der Kaiser versuchte durch die Einbindung der mittlerweile christianisierten Völker des Ostens, ein neues christliches Weltreich unter der Führung des Kaisers als weltliches Oberhaupt der Christenheit zu verfestigen. Bei diesen Überlegungen kam Polen eine Schlüsselposition innerhalb der „Sclavinia“ zu.Der frühe Tod Ottos III. im Jahre 1002 und die darauf folgende Thronbesteigung Heinrichs II., der in Boleslaw bloß einen seiner vielen slawischen Vasallen sah, veränderte die Beziehungen Polens zum Heiligen Römischen Reich grundlegend. Boleslaw trat in Opposition zum Reich, wobei er, durch Otto beeinflusst, anscheinend eigene Idee eines christlichen „Universalreiches“ entwickelte und nunmehr persönliche Ziele der Expansion verfolgte und jedwede Huldigung gegenüber dem neuen König verweigerte. Dies führte zu einem mehrjährigen Krieg Polens mit dem Reich, an dessen Ende sich Polen dank seiner bereits gefestigten Staatlichkeit behaupten konnte und im Frieden von Bautzen einen Ausgleichsfrieden mit dem Kaiser schloss. Dies verdankte Boleslaw seiner dynastischen Politik, den sächsischen Verbündeten im Reich, sowie seinem Schwager König Sven von Dänemark, der dem Kaiser vom Norden drohte.
Die im Jahr 1000 in Gnesen getroffene Absprache zwischen Polen und dem Reich wurde widerwillig von Heinrich bestätigt. Boleslaw forderte, als Bündnispartner des „Westreichs“, vom römisch-deutschen Kaiser militärische Unterstützung für seinen lange geplanten Zug nach Kiew, gegen Jaroslaw, die er letztlich auch bekam. Er konnte dem Kaiser zwar die Mark Meißen nicht abringen, behielt im Gegenzug aber seine Erwerbungen im Westen, das Milzener Land und die Mark Lausitz, die dann bis 1031 bei Polen verblieben. Insgesamt führte der Krieg mit dem Reich zu einem Substanzverlust im Inneren. Boleslaw griff dennoch in die Streitigkeiten der slawischen Stämme in der Nordmark ein und legte in Berlin-Köpenick eine Burg auf der heutigen Schlossinsel an. Für die nächsten 120 Jahre, bis Mitte des 12. Jahrhunderts, war Köpenick der Sitz eines piastischen Vasalls.
Nach dem Friedensschluss mit dem Kaiser, wandte er sich nach Kiew, der reichen Hauptstadt der Kiewer Rus, um seinen Schwiegersohn, Großfürst Swjatopolk, gegen dessen Bruder Jaroslaw zu unterstützen. Nach erfolgreicher Wiedereinsetzung des vertriebenen Fürsten erwarb er 1018 die Tscherwenischen Burgen für Polen zurück. Nach dem Frieden von Bautzen und seinem Zug nach Kiew, war Boleslaw, bis zum Erstarken Jaroslaws des Weisen der Kiewer Rus und des Reiches unter Kaiser Konrad II., der einflussreichste Herrscher in Mittel- und Osteuropa. Im Jahr 1024 verstarb Kaiser Heinrich. Das daraus resultierende deutsche Interregnum, nutzte Boleslaw Chrobry, indem er sich 1025 ein zweites Mal (Wiederholungsakt der Krönungszeremonie aus dem Jahr 1000) zum König krönen ließ. Trotz des Prestigegewinns, konnte sich das Königtum zunächst nicht dauerhaft etablieren.
Boleslaw förderte den christlichen Glauben in Polen, wissend, dass der Papst im 11. Jahrhundert einer der bedeutendsten machtpolitischen Konkurrenten des deutschen Kaisers war. Durch die erfolgreiche Gründung einer unabhängigen polnischen Kirchenprovinz, des Erzbistums Gnesen und seiner Krönung zum ersten polnischen König, trieb er die polnische Emanzipation vom Heiligen Römischen Reich voran. Er war auch der Begründer der polnischen Kastellanverfassungsordnung. Unter seiner Regentschaft wurde das politisch relativ unbedeutende Herzogtum seines Vaters zu einem Machtfaktor in der Region, mit Einflusssphären von der Elbe bis zum Dnepr und von der Ostsee bis an die Donau. In Polen gilt Boleslaw bis heute als eine wichtige historische Persönlichkeit und liegt neben seinem Vater Mieszko I. in der Kathedrale von Posen begraben.
Die Wirren unter König Mieszko II.
Hauptartikel Mieszko II.
Nach dem Tod Boleslaws übernahm sein Sohn Mieszko Lambert die Herrschaft. Dieser beherrschte neben seiner Muttersprache Polnisch auch Latein und Griechisch und galt als sehr gebildet. Er erhob sich und seine deutsche Frau Richeza sofort nach dem Tod des Vaters in den Stand der Könige, um seine Souveränität vor der Lehnsherrschaft der römisch-deutschen Kaiser zu sichern. Dennoch gelang es ihm nicht, die von seinem Vater eroberten Gebiete zu halten. Nach nur fünf Jahren der Herrschaft begann sein Reich aufgrund einer Vielzahl von Faktoren zu zerfallen. Die dem Volk auferlegten Kosten, welche durch Kriege, den Aufbau der Monarchie und die wachsenden kirchlichen Strukturen entstanden, führten zu innerer Instabilität. Die ins Ausland geflüchteten Brüder Mieszkos, Otto und Bezprym, desavouierten Mieszkos Herrschaft ebenfalls.
Der neue Herrscher unternahm in den Jahren 1028 und 1030 Kriegszüge gegen östliche Teile des Heiligen Römischen Reiches, vor allem gegen Thüringen und Sachsen (Einnahme und Zerstörung von Hamburg), weil der neue Kaiser im Reich, Konrad II., ihm die Anerkennung als König verweigerte. Mieszko hatte im Reich der Salier, der Kiewer Rus und Böhmen mächtige Feinde. Mehrere gleichzeitig vorgetragene militärische Aktionen Konrads und des ruthenischen Großfürsten Jaroslaw, der bereits zu den Feinden seines Vaters gehörte, führten zum Verlust großer Gebiete wie Mähren, Slowakei, den Tscherwenischen Burgen und der Mark Lausitz. Diese Allianz stärkte die innere Opposition, da sich die Verwandtschaft Mieszkos jetzt mit den Gegnern des Herrschers verbündete. Schließlich wurde Mieszko 1031 gestürzt, der gezwungen war das Land seinem Halbbruder Bezprym und dem jüngeren Bruder Otto zu überlassen.
Bezpryms Herrschaft dauerte nicht lange. Es kam zum Aufstand gegen den neuen Herrscher, der schließlich 1032 ermordet wurde. Sein Tod eröffnete für Mieszko die Möglichkeit einer Rückkehr in die Heimat. Er verständigte sich mit Otto und kam von Böhmen nach Polen zurück. Nachdem Kaiser Konrad mit einer weiteren militärischen Intervention in Polen drohte, kam es im Rahmen des Hoftags von Merseburg 1033 zu einer Einigung. Mieszko verzichtete auf die Königswürde und teilte sein Reich zunächst mit seinem Bruder Otto und Dietrich, einem Enkel Mieszkos I.. Noch im gleichen Jahr verstarb Herzog Otto und Dietrich verlor aus nicht bekannten Gründen seinen ihm zugewiesenen polnischen Machtbereich, sodass Mieszko die Reichseinheit noch kurz vor seinem Tod, am 10. Mai 1034, errang.
Die machtvolle Stellung, die Polen unter König Boleslaw hatte, ging vorerst verloren. Sein Sohn hinterließ nach seinem Ableben ein geschwächtes Reich, das mangels starker königlicher Autorität in Form von Volksaufständen und heidnischer Reaktion zu erodieren begann. Durch den Verzicht auf königliche Ehren stand Polen ab 1033 für Jahrzehnte in formeller Abhängigkeit zum römisch-deutschen Kaisertum.
Staatskrise, Erneuerung und neue Machtentfaltung
Hauptartikel Kasimir I., Boleslaw II. und Wladyslaw I.
Mieszkos Sohn, Kasimir, übernahm nach dessen Tod die Herrschaft, der aus der Heimat seiner deutschen Mutter kommend, die Gewalt im Staate übernahm. Er hielt sich jedoch nicht lange an der Macht und musste auf Druck der Opposition 1037 von Polen nach Ungarn flüchten. Nach anderen Quellen kam er erst 1039 das erste Mal nach Polen. In den Jahren 1037 bis 1039 fand ein Auflösungsprozess des polnischen Staates statt. In der Region Großpolen kam es zu Aufständen gegen die Kirche und das Magnatentum. Diese hatten von sozio-politischen Veränderungen wie der Einführung eines dem Zehnten ähnlichen Systems profitiert, während man die bis dato freien Bauern in ein Abhängigkeitsverhältnis zwang; ein Rückfall ins Heidentum folgte. Einzelne Regionen verselbständigten sich, unter anderem Masowien und Pommern.
Den Niedergang der piastischen Zentralgewalt machte sich der böhmische Herzog zunutze, indem er einen Kriegszug nach Polen unternahm und die Gebeine des Heiligen Adalbert erbeutete. Großpolen wurde verwüstet und Schlesien erobert. Hinzu kamen noch Plünderungszüge der heidnischen Pruzzen und Pomoranen. Der neue Kaiser im Reich, Heinrich III., versuchte ein politisches Erstarken Böhmens unter Břetislav I. zu verhindern und erteilte dem Piasten Kasimir 1039 militärische Hilfe. Mit dieser gelangte der Herzog wieder in den Besitz Großpolens und 1040 Kleinpolens. Krakau wurde neue Hauptstadt Polens, da Großpolen nach vielen Aufständen und dem böhmisch-polnischen Krieg zu verwüstet war. Der Kaiser zwang den böhmischen Herrscher 1041 zum Verzicht auf Ansprüche gegenüber Polen, gab jedoch Schlesien nicht an Polen zurück. Um die Grenze im Osten abzusichern, schloss Kasimir im gleichen Jahr ein Bündnis mit Jaroslaw von Kiew und heiratete wenig später dessen Schwester, Fürstin Dobroniega Maria. Jaroslaw gewährte ihm daraufhin 1047 militärische Hilfe bei der Rückeroberung Masowiens und Pommerellens. Gegen den Willen des Kaisers erwarb er um 1046 Schlesien von Böhmen zurück – Restauration des Bischofssitzes in Breslau -. Erst nachdem Břetislav I. um 1053 die „bayrische Rebellion“ gegen den Kaiser unterstützte und bei ihm dadurch in Ungnade fiel, musste er auf Drängen des deutschen Herrschers 1054 in Quedlinburg gegen jährliche Tributzahlungen aus Polen endgültig verzichten, was zum Anlass für weitere böhmisch-polnische Auseinandersetzungen wurde. Die beiden gleichstarken slawischen Staaten wurden so für Jahrzehnte politisch-militärisch geschwächt.
Kasimir gilt als derjenige polnische Herrscher, der mit Hilfe seines Onkels, des Erzbischofs zu Köln, Hermann II., den christlichen Staat der Piasten nach der letzten heidnischen Reaktion wiederaufbaute und zudem durch seine Landvergabe an Krieger zu deren Versorgung das Rittertum in Polen begründete. Unter seinen zahlreichen Benediktinergründungen in Polen befindet sich das Kloster auf dem Berge Tyniec bei Krakau, in das er Mönche aus Köln berief. Diese Verbindung blieb bis zum heutigen Tage erhalten. Das Domkapitel in Krakau trägt noch heute die drei Kronen Kölns im Wappen.
Nach dem Tod Kasimirs, 1058, folgte ihm sein Sohn Boleslaw der Kühne nach. Dieser betrieb eine sehr erfolgreiche Außenpolitik. So entledigte er sich der Tributpflicht für Schlesien an Böhmen. Auch gelang es ihm 1076, mit Erlaubnis des Papstes Gregor VII., die Königswürde wiederherzustellen. Er setzte vor allem im Bereich der kirchlichen Strukturen die Wiederaufbauarbeit seines Vaters fort. Einen Schatten auf seine Herrschaft wirft die Verurteilung und Tötung – unter unklaren Umständen – des Bischofs Stanislaus von Krakau, welche einen Aufstand gegen Boleslaw auslösten, der schließlich zu seiner Flucht nach Ungarn führte, wo er 1082 verstarb.
Boleslaw II. folgte sein jüngerer Bruder Wladyslaw Herman. Bereits wenige Jahre nach seiner Thronbesteigung versöhnte er sich mit dem Sohn seines vertriebenen Bruders, gestattete ihm zurückzukehren und stattete ihn mit einer eigenen Provinz aus. Für einige Jahre zahlte er wieder Tribut an Böhmen für den Besitz Schlesiens. Zum Ende seiner Herrschaft geriet er in Konflikt mit seinen Söhnen, Boleslaw III. und Zbigniew. Er musste ihnen auf Druck der Adelsopposition – sein Neffe war inzwischen verstorben – 1098 eigene Provinzen zuteilen, behielt aber noch die Oberherrschaft mit Hauptsitz in Płock. Während seiner Herrschaft kamen 1096 die ersten Juden in großer Zahl nach Polen, die dort Schutz gegen die Pogrome, die während des Ersten Kreuzzugs in vielen Städten Westeuropas ausbrachen, suchten. Er starb schließlich 1102.
Herzog Boleslaw Schiefmund und sein Testament
Hauptartikel Boleslaw III.
Boleslaw unterwarf 1108 seinen Halbbruder Zbigniew und wehrte 1109 einen Angriff Kaiser Heinrichs V., der damit nicht einverstanden war, erfolgreich ab.
Unter seiner Herrschaft dehnte Polen seinen Machtbereich auf Pommern aus, durch die endgültige Unterwerfung der heidnischen Pomoranen, damit der letzten freien heidnischen Slawengebiete, die er von Otto von Bamberg christianisieren ließ. In Ottos Geleit kamen unter anderen die ersten deutschen Siedler als Mönche nach Pommern. Auch erstreckte sich Boleslaws Einflussbereich bis ins heutige Brandenburg hinein – Gründung des Bistums Lebus –, wodurch Brandenburg bis ins 15. Jahrhundert kirchlich mit dem Erzbistum Gnesen verbunden war. Gegen Ende seiner Regierungszeit verwickelte er Polen in Konflikte mit Ungarn und Böhmen, die wenig erfolgsversprechend waren, auch betrieb er eine erfolgreiche dynastische Politik, in dem er seine Töchter in die skandinavischen, sächsischen und ruthenischen Herrscherhäuser verheiratete.
Da er viele männliche Nachkommen hatte und er Kämpfe unter seinen Söhnen vermeiden wollte, teilte er sein Reich nach slawischem Brauch unter seinen Söhnen auf, indem nur der Älteste des Piastengeschlechts im Rahmen des Senioratsprinzips das Land beherrschen sollte.
Die Zeit der Zersplitterung: Der Partikularismus 1138–1295
Das Scheitern des Senioratsprinzips und die deutsche Ostkolonisation
Hauptartikel Wladyslaw II., Mieszko III. und Leszek I.
Im Jahre 1138 trat die neue Verfassung in Kraft und der Älteste des Piastengeschlechts, Wladyslaw der Vertriebene, wurde Seniorherzog von Polen mit Sitz in Krakau, die jüngeren Brüder herrschten als Juniorherzöge in den ihnen zugeteilten Regionen. Bereits 1146 kam es zum Bruch und Boleslaws ältester Sohn, Wladyslaw, wurde mit Hilfe des Adels von seinen Brüdern aus Polen vertrieben. Die erhoffte Stärkung der Einheit blieb aus. Vielmehr entbrannten dauerhafte Kämpfe um die Kontrolle Krakaus in den nächsten 150 Jahren. Das Land zerbrach in mehrere de facto unabhängige piastische Herzogtümer, die sich um Macht, Territorien und Einfluss gegenseitig befehdeten. Es war die Zeit des Partikularismus, wodurch die politisch-militärische Stellung und Autorität Polens im Europa des 13. Jahrhunderts beträchtlich geschwächt wurde. Die Idee der polnischen Einheit des Regnum Poloniae lebte weiter in der einheitlichen Kirchenorganisation und der Tradition der großen Adelsgeschlechter, sowie in der dynastischen Verbundenheit (Verwandtschaft) aller Herrscher.
Bei der Vertreibung Mieszkos des Alten setzten sich 1177 die jüngeren Vertreter der Dynastie im ganzen Land durch. Zwar blieb eine gewisse Oberhoheit des Herzogs von Krakau – princeps – erhalten, aber das Seniorat, als Herrschaft des Ältesten, wurde abgeschafft. Die Versammlung der polnischen Herzöge und Bischöfe zu Łęczyca hob 1180 das Senioratsprinzip formell auf und verbriefte Vorrechte der Geistlichkeit. Die Einheit Polens wurde nicht erreicht; die Fürstentümer der Piasten bestanden weiterhin als de facto souveräne Regionen nebeneinander. Die Senioratsprovinz Kleinpolen mit Krakau fiel 1194 an Leszek den Weißen und durch den Tod seines Onkels Mieszko, 1202, brach die „Tradition des Senioratsprinzips“ endgültig in Polen zusammen. Seit jener Zeit galt die Herrschaft über Krakau für die jeweiligen Piastenherzöge als Legitimation für Maßnahmen zur Vereinigung des Landes. In seiner Titulatur, dux totius Poloniae, erhob Leszek als letzter Herzog Ansprüche auf die Oberhoheit in ganz Polen, und versuchte diese ab 1217 auch in Pommerellen durchzusetzen. Die polnischen Fürsten trafen sich 1227 in Gąsawa, um sich gegen Herzog Swantopolk von Pommerellen und ihren Vetter, den Piasten Wladyslaw Odonicz von Großpolen zu beraten. Die Versammlung flog auf, während Leszek auf der Flucht vor pommerellischen Häschern den Tod fand. Sein Ableben bewirkte letztlich das völlige Verschwinden einer Zentralgewalt in Polen (es gab weder ein "überprovinzialisches“ Recht noch Institutionen) und es setzte eine verstärkte feudale Zersplitterung und ein Separatismus polnischer Länder ein, die den deutschen und böhmischen Fürsten ab Mitte des 13. Jahrhunderts ihre Expansion in Polen erleichterte.
In diese Zeit fiel eine verstärkte Deutsche Ostkolonisation. Bereits zwischen 1200 und 1250 waren große Teile Pommerns und Schlesiens mit Deutschen und Flamen besiedelt, die durch die einheimischen slawischen Herren, wie die Greifen in Pommern und die Schlesischen Piasten ins Land geholt wurden. Die pommerschen Adligen, ebenso die schlesischen Fürsten versprachen sich eine höhere wirtschaftliche Prosperität und Entwicklung ihrer Ländereien. Aufgrund der Anzahl der Neusiedler und durch den persönlichen Einsatz und Förderung der Ostsiedlung durch die polnischen Dynasten, wurden weite Teile des mittelalterlichen Polens ein Teil des deutschen Sprachraums und verloren im Laufe der Jahrhunderte ihren slawisch-polnischen Charakter. Auch öffneten sich einige Regenten, wie zum Beispiel die Schlesischen Piasten, freiwillig dem Deutschtum – Umgang mit deutschem Klerus (Träger der Kultur und Sprache), Besetzung hoher Ämter mit Deutschen, Heirat mit fast ausschließlich deutschen Prinzessinnen, damit Verwandtschaft zum deutschen Hochadel – was die Ostkolonisation und das Deutschtum in Schlesien und über die Grenzen Schlesiens hinaus – deutsches Patriziat in polnischen Städten z.B. in Posen, Danzig oder Krakau – zusätzlich begünstigte, waren sie in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts nicht nur polnische Seniorherzöge, sondern auch die mächtigsten Landesfürsten des sich im Partikularismus befindenden Polens überhaupt. Die Entslawisierung und die entsprechende Germanisierung vollzog sich, zumindest auf die Gebiete Pommerns und Schlesiens beschränkt, friedlich und war keine brutale deutsche Landnahme polnischer Gebiete – jedoch sind Konflikte zwischen den autochthonen Polen und den mehrheitlich nicht des Slawischen mächtigen Zuwanderern nicht auszuschließen. Erst Ende des 13. Jahrhunderts, besonders seit Beginn des 14. Jahrhunderts, begann eine antagonistische Bewegung, die kulturell-wirtschaftliche Dominanz und den Einfluss des Deutschtums in den Kernprovinzen Polens (Klein- und Großpolen) zurückzudrängen und führte zur Repolinisierung weiter Landstriche und zur Polonisierung des deutschen Bürgertums in den Städten, zum Beispiel in Krakau.
Äußere Eingriffe und territoriale Verluste
Entwicklung Schlesiens im 12. und 13. Jahrhundert und der Mongolensturm von 1241
Der in das Reich geflohene Wladyslaw der Vertriebene gewann die Gunst des Kaisers, welcher für ihn in Polen 1157 militärisch intervenierte. Friedrich Barbarossa zwang den polnischen Seniorherzog Boleslaw IV. zur Herausgabe Schlesiens an die Söhne des geschassten Souveräns und machte ihn für einen Teil seines Reiches lehnspflichtig. Jedoch zögerte Boleslaw einige Jahre, der staufischen Forderung nachzukommen und erst im Jahre 1163, unter der Drohung einer neuen kaiserlichen Intervention, händigte er Schlesien an die Söhne Wladyslaws, Boleslaw den Langen und Mieszko Kreuzbein aus. Mit der Aushändigung dieser Provinz an die Nachkommen Wladyslaws entstand die langlebige Linie der Schlesischen Piasten, die erst Anfang des 18. Jahrhunderts im Mannesstamm ausstarb.
Die einsetzende Einigung Polens durch die schlesische Linie der Piasten nahm mit dem Tod Heinrichs des Frommen ein jähes Ende. Der Herzog verlor im Kampf gegen die mongolischen Horden in der Schlacht bei Liegnitz sein Leben und Schlesien zerfiel nach 1241 in eine Vielzahl feudalistischer Fürstentümer, die nach dem Mongolensturm in den Einflussbereich Böhmens gelangten. Obwohl die Reiterhorden des Großkhans Ugedai, eines Sohnes Dschingis Khans, siegreich blieben, verwüsteten und entvölkerten sie weite Teile Südpolens (vor allem Kleinpolen und Schlesien). Die Mongoleninvasion verlieh der Deutschen Ostkolonisation in Polen und in anderen von ihr betroffenen Regionen Mitteleuropas, zum Beispiel in Ungarn, wo die Hälfte der ungarischen Bevölkerung den Tod fand oder in die mongolische Knechtschaft nach Zentralasien getrieben wurde, zusätzlich an Bedeutung (siehe auch Siebenbürger Sachsen). Die Mongolen, die man auch Tartaren nannte, zogen sich in die von ihnen eroberten russischen Fürstentümer zurück und wurden für über 250 Jahre die neuen Herren des zerfallenden Reiches der Kiewer Rus und ihrer juristischen Nachfolgerin Moskowien. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts blieben sie dennoch eine ständige Bedrohung und unternahmen weitere Raubzüge Richtung Westen, die das politisch zersplitterte Polen wirtschaftlich und militärisch schwächten, sodass die Landesfürsten der Nachbarvölker, wie der Litauer, vor allem aber der Böhmen und der Deutschen (Brandenburg, Deutscher Orden), begannen, ihre eigenen Territorien auf Kosten Polens zu erweitern.
Pommern unter den Greifen
Das Land, das sich mit Zentrum Stettin über die beiden Seiten der Oder ausbreitet, wurde Anfang des 6. Jahrhunderts von den slawischen Pomoranen besiedelt. Seit dem 10. Jahrhundert gerieten die Pomoranen in den Einflussbereich ihrer christlichen Nachbarn. Aus dem Westen drohten ihnen die deutschen (sächsischen) Landesfürsten. Es waren die Sachsen aus der Mark der Billunger und die ostmärkischen Markgrafen aus Brandenburg – beide Teil des Heiligen Römischen Reiches. Aus dem Südosten kamen die Fürsten der Polanen, die Piasten, die die Pomoranen politisch enger an ihre Exekutive binden konnten. Um die pommersche Provinz nicht ganz den Deutschen und den Polen zu überlassen, versuchten in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auch die Dänen, unter ihrem König Knuth VI., Pommern unter ihre Lehnsherrschaft zu bringen, was ihnen erst 1185 erfolgreich gelang. Pommern war von 1185 bis zur Schlacht bei Bornhöved des Jahres 1227 unter dänischer Vorherrschaft.
Die Pomoranen leisteten vehement Widerstand gegen Unterwerfungs- und Christianisierungsbestrebungen ihrer Nachbarn. Nach mehreren erfolgreichen Volksaufständen, in denen sie sich ihre Freiheit kurzzeitig erkämpft hatten, wurden sie schließlich von Boleslaw Schiefmund in drei Feldzügen (zwischen 1116 und 1121) unterworfen. Dieser ließ die Pomoranen durch den Deutschen Otto von Bamberg christianisieren. Der polnische Souverän setzte den Pommernfürsten Wartislaw I. als seinen Vasallen in Stettin ein. Wartislaw gilt als Stammvater der Greifen-Dynastie, die sich bis 1637 in männlicher Linie in Pommern behaupten konnte. Durch die Erfolge des polnischen Fürsten in Mecklenburg und Vorpommern ermutigt und um seinen Einfluss bei den Elbslawen fürchtend, zwang Kaiser Lothar III. Boleslaw, seine kaiserliche Lehnsherrschaft 1135 über Pommern anzuerkennen und vergab dieses mit der Insel Rügen zu Lehen.
Während der Wendenkreuzzüge unterwarf Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen, die Fürsten von Stettin und zwang sie ab 1164 in ein Abhängigkeitsverhältnis. Er unterwarf sich schließlich 1181 nach einem verlorenen Reichskrieg seinem Vetter Kaiser Friedrich Barbarossa; damit verlor er seine Macht im Reich und alle seine slawischen Lehnsherrschaften und ging einige Jahre ins Exil nach England, der Heimat seiner Ehefrau. Der pommersche Herzog Bogislaw I., jahrelang vom Dänen Waldemar I. bedrängt, und da er von Polen keine Hilfe erwarten konnte (Treffen mit Seniorherzog Mieszko von Polen 1177 in Gnesen), stellte er sich 1181 unter den Schutz des Kaisers. Pommern wurde kaiserliches Lehen, die pommerschen Herzöge in den Rang deutscher Reichsfürsten erhoben.
Pommerellen unter den Samboriden
Pommerellen stand seit 1138 nominell unter dem Einfluss des polnischen Senior-Herzogs und seit 1269 kurzzeitig auch Brandenburgs. Am Ende des 12. Jahrhunderts entstand die slawische Samboriden-Dynastie, die bis 1294 über Pommerellen herrschte. Mit dem Tod Leszeks des Weißen, Seniorherzog von Polen, wurden die pommerellischen Herzöge 1227 de facto von Krakau unabhängig. Der letzte unabhängige Herrscher Pommerellens, Herzog Mestwin II., schloss 1282 mit dem großpolnischen Herzog und späteren König von Polen, Przemyslaw, in Kempen einen Vertrag, auf dessen Grundlage dieser nach seinem Tod, am 25. Dezember 1294, sein Erbe in Pommerellen und Danzig antrat. Schließlich wurde das Land 1308 vom Deutschen Orden erobert und war damit für Polen bis 1466 verloren. Um der Okkupation den Anschein der Legalität zu verleihen, kaufte der Orden 1309 den Brandenburgern ihre Ansprüche an Pommerellen ab, die jedoch umstritten waren. Die Annexion vergiftete für fast zwei Jahrhunderte das deutsch-polnische Verhältnis in dieser Region und führte zu juristischen, aber auch kriegerischen Auseinandersetzungen Polens mit den Deutschordensrittern.
Lebus und Entstehung der Neumark
Die Expansion der Mark Brandenburg nach Osten auf polnisch-piastische Gebiete führte 1250 zum Verlust von Lebus und zur Entstehung der Neumark als Gegenstück zur Altmark. Polen wurde um 1250 für Jahrhunderte von der heutigen Odergrenze abgedrängt, trotz Rückeroberungsversuchen unter König Wladyslaw Ellenlang Anfang des 14. Jahrhunderts.
Herzog Konrad von Masowien und der Deutsche Orden
Hauptartikel Konrad I. und Deutscher Orden
Der polnische Herzog Konrad von Masowien begann seinen Machtbereich auf eigene Hand zu erweitern. Das pruzzische Gebiet um Kulm war sein Kriegsziel. Die Expansion auf Kosten seiner heidnischen Nachbarn wurde jedoch zu einem Fiasko. Er verlor seine Eroberungen wieder und wurde nun seinerseits vom erwachten Nachbarn bedroht. Da er zudem in Konflikte mit den anderen Piastenherrschaften verwickelt war, richtete er den Blick auf den Deutschen Orden, der 1225 aus Ungarn vertrieben wurde, weil dieser in Siebenbürgen im Kampf gegen heidnische Steppenvölker, die Kumanen, einen eigenen Staat gründen wollte. Im Jahre 1226 bat Konrad von Masowien den Deutschen Orden um Hilfe und versprach ihm das Kulmer Land als herzögliches Lehen, als Gegenleistung und Ausgangsbasis für ihren Kampf gegen die Heiden. Ob und inwieweit die zu erobernden Gebiete gemäß der Vereinbarung dem Orden zustanden, ist bis heute unklar und hat in der Vergangenheit zu Streitigkeiten zwischen deutschen und polnischen Historikern geführt. Um sich gegen eine ähnliche Entwicklung wie in Ungarn abzusichern, ließ sich der Hochmeister des Deutschen Ordens, Hermann von Salza, vom Kaiser Friedrich II. im März 1226 den Besitz des Kulmer Landes und aller zu erobernden Gebiete mit der Goldenen Bulle von Rimini bestätigen. Zusätzlich schloss der Orden mit dem Herzog am 16. Juni 1230 den Vertrag von Kruschwitz, der ihm das Land zur freien Verfügung stellte. Zwischen dem Deutschen Ritterorden im Pruzzenland und Polen, später auch Litauen, entwickelte sich eine jahrhundertelange Feindschaft.
Wiedervereinigung, die letzten Piasten und das Haus Anjou 1295–1386
Vereinigungsversuche und die böhmischen Přemysliden
Erneuerte Wiedervereinigungsversuche wurden aus Posen und Gnesen unternommen. Herzog Przemyslaw II. von Großpolen übernahm Ende des 13. Jahrhunderts die Führungsrolle bei der Vereinigung piastisch-polnischer Herzogtümer. Er gelangte zwar nie in den dauerhaften Besitz von Kleinpolen, regierte dort etwa ein Jahr und musste es auf Druck der Böhmen 1291 Richtung Posen verlassen, jedoch im Besitz der Krakauer Königsinsignien und der polnischen Provinz Großpolen und seit 1294 auch von Pommerellen, wurde er 1295 vom polnischen Erzbischof Jakub Swinka in Gnesen zum vierten polnischen König seit Boleslaw dem Kühnen gekrönt. Mit diesem symbolischen Akt beendete er den polnischen Partikularismus und fokussierte mit seiner Krönung die Kräfte des polnischen Adels und der Kirche zur Wiedererlangung der staatlichen Einheit im Kampf des bedrängten Polen gegen die deutschen und böhmischen Landesfürsten.
Von dieser neuen Machtpräsenz bedroht, wurde er jedoch bereits 1296 im Auftrag des Markgrafen von Brandenburg und seiner polnischen Helfershelfer ermordet (brandenburgische Erwerbungen ehemaliger piastisch-polnischer Gebiete: Lebus, die Neumark, Streitobjekt Pommerellen). Mit ihm starb die großpolnische Linie der Piasten, die durch Mieszko den Alten begründet worden war, aus. Im Rahmen des Bündnisvertrages von 1293, gegen Wenzel II., vermachte Przemyslaw Großpolen und Pommerellen seinem Vetter, Wladyslaw Ellenlang, Herzog von Kujawien, der diese beiden Provinzen bis 1300 gegen Böhmen behaupten konnte. Nach dem Tod des Königs eigneten sich die Brandenburger im Verbund mit dem Fürsten von Glogau, Heinrich III., einige Warthe- und Netzedistrikte Großpolens an.
Nach Przemyslaws gewaltsamem Tod, gelangte der böhmische König Wenzel II. mit Hilfe der polnischen Kirche (Jakub Swinka) und des in Polen ansässigen deutschen Bürgertums in den Besitz des Landes. Er war bereits ab 1291 Herr von Kleinpolen und Krakau, neun Jahre später, 1300, folgte die Erhebung in den Stand eines polnischen Königs. Um seiner Herrschaft in Polen legalen Eindruck zu verleihen, heiratete Wenzel 1303 Przemyslaws Tochter, Elisabeth Richza. Nach seiner Krönung drängte der Böhme seinen politischen Gegenspieler Wladyslaw ganz aus Polen, der gezwungen war Schutz und Hilfe im ungarischen Exil zu suchen.
Der böhmische Besitz Polens, wie auch der polnischen Krone, wurde jedoch durch Papst Bonifatius VIII. für illegal erklärt. Durch den Tod Wenzels III., eines polnischen Titularkönigs, im Jahr 1306 – er wurde ermordet –, erlosch das alte tschechische Geschlecht die Přemysliden im Mannesstamm und die erste deutsche Dynastie, nämlich die der Luxemburger, kam in Böhmen an die Macht. Erst nach der Ermordung des böhmischen Herrschers war die Herrschaft der Piasten vorerst gesichert und Wladyslaw Ellenlang wurde als Herrscher allgemein anerkannt. Unter seiner Ägide wurde Polen, in einer etwas verkleinerten Form, wiedervereinigt.
König Wladyslaw Ellenlang und sein Kampf um die Einheit
Wladyslaw kehrte 1304 mit ungarischer Hilfe aus dem Exil nach Polen zurück und übernahm um 1305 die Herrschaft in Kleinpolen, über das Land von Sieradz-Łęczyca, Pommerellen und Kujawien.
Gegen seinen Willen und infolge des offenen Bruchs der vorher getroffenen Absprache – Vertreibung der Brandenburger aus Danzig – erfolgte 1308 die gewaltsame Annexion ganz Pommerellens mit Danzig durch den Deutschen Ritterorden. Die Sicherung der Weichselmündung erlaubte die Verlegung der Ordenshauptstadt von Venedig nach Marienburg. Mit diesem aggressiven Akt, der gegen einen christlichen Staat gerichtet war, verlor der Orden faktisch seine Heidenmission und wurde nunmehr zu einer Territorialmacht. Polen wurde der Zugang zur Ostsee versperrt. Es entstand die Korridorfrage, sowie eine jahrhundertelange Feindschaft zwischen dem Königreich Polen und dem Deutschen Ritterorden, die erst 1466 mit dem Zweiten Thorner Frieden ihr Ende fand. Nach Reinhold Curicke, „Der Stadt Danzig historische Beschreibung“ (Amsterdam und Danzig 1687), behielt der Deutsche Ritterorden Danzig und Pommerellen, weil der König seine Kriegsschulden für die Unterstützung des Ordens nicht bezahlen konnte, ein damals durchaus nicht unübliches Vorgehen.
Während einer Rebellion des großpolnischen Adels 1314, gegen die Herrschaft der Fürsten von Glogau, wurde die Region Großpolen an das Reich Wladyslaws angeschlossen. Sechs Jahre später, im Jahr 1320, erfolgte seine Krönung zum König von Polen. Fünf Jahre danach, versuchte Wladyslaw die unklare Situation in der Mark Brandenburg, die nach dem Aussterben der brandenburgischen Linie der Askanier 1320 entstand, im Bündnis mit Litauen auszunutzen und in den Jahren 1325 bis 1329 den Herrschaftsbereich der märkischen Grafen auf das Gebiet westlich der Oder zu begrenzen. Unterstützt wurde er dabei offen vom Lebuser Bischof Stephan, der sich auf die Seite des polnischen Königs schlug, zum Verdruss seines neuen Landesherrn, des Markgrafen Ludwig aus dem Haus der Wittelsbacher. Die kriegerische Auseinandersetzung brachte jedoch kaum Landgewinne für Polen und hinterließ in der Neumark ein Gebiet der verbrannten Erde. Es wurde 1329 mit den Brandenburgern Frieden geschlossen, da sich die Luxemburger mit den Deutschordensrittern gegen ihn verbündet hatten. Bereits im Winter 1327 zog König Johann von Luxemburg gegen Krakau, musste aber auf ungarischen Druck zurückweichen, dennoch huldigten ihm, aufgrund seiner militärischen Übermacht, viele Herzöge von Schlesien. Nach dem Jahr 1331 erkannten (fast) alle Piasten-Fürsten Schlesiens die böhmische Lehnshoheit an, nur einige wenige widersetzten sich erfolgreich.
Eine gegen Polen gerichtete Expansionspolitik des Deutschen Ritterordens im Bündnis mit König Johann, führte zum Verlust des Dobriner Ländchens 1329 und von Kujawien 1332, die Region Großpolen wurde verwüstet. Trotz des Sieges über die Heere der Ordensritter und der Böhmen in der Schlacht bei Plowce 1331, wo der Nimbus der Unbesiegbarkeit der Ordensritter einen ersten Kratzer bekam, konnte der polnische Souverän die gewaltsame Annexion beider Gebiete nicht verhindern. In Anbetracht der Lage leistete der Piasten-Fürst von Płock, Waclaw, dem böhmischen König den Lehnseid. Während eines Waffenstillstands, der im Sommer 1332 auf Vermittlung des päpstlichen Legaten Peter von Alvernia für ein Jahr zustande kam, starb der König. Die Macht ging an seinen Sohn Kasimir über, der sich sofort nach dem Tode des Vaters zum polnischen König krönen ließ und ein schwieriges Erbe übernahm.
Wladyslaw ging in die polnische Geschichtsschreibung als Reichseiniger Polens ein. Die „deutsche Umklammerung“ durch den Deutschen Orden, Brandenburg, deutsches Patriziat in polnischen Städten, versuchte er durch Bündnisse mit dem Großfürstentum Litauen und dem Königreich Ungarn zu umgehen. Er fand im Kampf gegen die deutschen Autoritäten ebenso starke Unterstützung beim Papsttum. Auch kann man das mehrheitlich slawische Böhmen zu dieser Umklammerung und Gefahr für das erneuerte polnische Königtum zählen, wurde es doch nach dem Ableben der Přemysliden seit 1310 das erste Mal von einer deutschen Dynastie, nämlich der der Luxemburger regiert. Als Erben der vorherigen Dynastie, leiteten sie Ansprüche auf Polen und Schlesien ab und selbst die „slawisch“-böhmischen Přemysliden in persona, waren in ihrem Endstadium mit Wenzel II. und Wenzel III. dem Deutschtum viel näher als dem Slawentum ihres Urvaters Přemysl. Die Amtssprache Böhmens wurde Deutsch (siehe auch Sudetendeutsche) und besonders unter den Luxemburgern verstärkte sich die kulturelle Dominanz der deutschen Kirche und des Adels, die zu Beginn des 15. Jahrhunderts in einer ersten antideutschen Reaktion der slawischen Tschechen gegen die weltlich-geistliche Obrigkeit der Deutschen gipfelte, den Hussitenkriegen (siehe auch Jan Hus oder Jan Žižka). Trotz dieser und anderer widriger Umstände, konnte er sein Werk mit einer Krönung zum polnischen König festigen. Wladyslaw verfehlte jedoch sein Ziel, die alten piastischen Grenzen zurückzugewinnen. Er vermachte seinem Sohn nur zwei alte Herrschaftsbereiche der Piasten, Großpolen mit dem Zentrum Posen und Kleinpolen mit Krakau.
König Kasimir der Große
Vom politischen Erbe seines Vaters übernahm Kasimir das Bündnis mit Ungarn, verstärkt durch die Heirat seiner Schwester Elisabeth mit Karl von Anjou und die Konflikte mit dem Deutschen Orden um Pommerellen und mit den Luxemburgern Johann und Karl IV. um die Oberherrschaft in Schlesien, sowie mit Johann, der als König von Böhmen auch auf die polnische Königskrone Anspruch erhob. Die Ländereien, die Kasimir erbte, waren relativ klein im Vergleich zu den Grenzen des Staates von 1138. Die westliche Grenze des Reiches, vor dem Partikularismus, war weit nach Osten, fast in die Kerngebiete der alten Polanen, zurückgedrängt. Pommern verselbständigte sich unter den Greifen bereits im 12. Jahrhundert und wurde nach 1227 endgültig reichsunmittelbares Fürstentum des Heiligen Römischen Reiches. Westliche Gebiete des Herzogtums Großpolen, im Oder-Warthe-Land, wurden in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts durch die Markgrafen aus Brandenburg teilweise erobert, teilweise käuflich erworben (Verkauf von Lebus an die Askanier um 1250 durch den Piasten Boleslaw von Schlesien, Grundlegung der Neumark). Ebenso verhielt es sich im Norden, wo sich zwischen 1309 und 1332 die Ritter des Deutschen Ordens Pommerellen, Kujawien und das Dobriner Ländchen aneigneten. Bereits 1327–1331, unter der Regierungszeit seines Vaters, unterwarfen sich die meisten Schlesischen Piasten dem Haus Luxemburg aus Böhmen. Das aus Großpolen, Kleinpolen und einigen mittelpolnischen Ländern bestehende Königreich, erhielt den Namen Corona Regni Poloniae, als transpersonalen Staatsbegriff, der die Zusammengehörigkeit der polnischen Länder (darunter fielen auch die verlustig gegangenen Provinzen, vor allem Pommern und Schlesien) und der lehnsabhängigen Fürsten dokumentierte. Aufgrund seiner militärisch-politischen Unterlegenheit gegenüber den böhmischen und deutschen Landesfürsten, befand sich Polen weiterhin in einer äußerst kritischen Lage, doch während sein Vater durch militärische Entscheidungen Lösungen erzwingen wollte, strebte Kasimir eher nach friedlichen und diplomatischen Auswegen.
König Kasimir bemühte sich um eine Beilegung des Konflikts mit Johann. Im Vertrag von Trentschin und dem Ausgleich von Visegrád des Jahres 1335 (in Krakau 1339 bestätigt, darauf gab Johann gegen eine Geldzahlung seine Ansprüche auf die polnische Krone auf und schränkte seine Unterstützung für den Deutschen Orden ein), sowie nach einem böhmisch-polnischen Grenzkrieg 1345 und dem Tod seines Verbündeten im Reich gegen Böhmen, Kaiser Ludwig IV., 1347, hatte der polnische Souverän im Vertrag von Namslau endgültig die böhmische Lehnsherrschaft über Schlesien anerkannt. Mit ihm gab Kasimir seine dynastischen Ansprüche auf Schlesien auf und erkannte die böhmische Oberhoheit über diese Provinz an. Die schlesisch-piastischen Vettern des Königs wieder unter die Botmäßigkeit des polnischen Souveräns zu bringen (im Kampf gegen Böhmen fand Kasimir beträchtliche Unterstützung bei seinem schlesischen Vetter Bolko von Schweidnitz), scheiterte damit. Dies war zweifellos eine große außenpolitische Niederlage für Kasimir. Sie offenbarte, dass das erneuerte Königreich nicht in der Lage war, die alten piastischen Gebiete zurückzugewinnen, was ein Hauptziel der Außenpolitik der letzten Piasten war. Schließlich inkorporierte der böhmische König Karl IV., seit 1346 auch römisch-deutscher (Gegen-)König, Schlesien 1348 in die Länder der böhmischen Krone. Mit der Anerkennung der böhmischen Herrschaft über Schlesien bildete sich eine Westgrenze zwischen dem Heiligen Römischen Reich (Deutschland) und dem Königreich Polen, die ihren Bestand in etwa bis 1945 haben sollte. Die einzige Verbindung, die zwischen der schlesischen Provinz und Polen über die Jahrhunderte bestand, war ihre bis ins 19. Jahrhundert dauernde kirchliche Zugehörigkeit zum Erzbistum Gnesen.
Da die alten piastischen Gebiete im Westen Polens völkerrechtlich ein Teil des Heiligen Römischen Reiches wurden, auch ethnisch im Rahmen der deutschen Ostkolonisation, orientierten sich die polnischen Herrscher ostwärts. Kasimir unterwarf in den Jahren 1340–1366, nach dem Aussterben des Hauses Roman, das von Ruthenen bewohnte Galizien. Unter Verzicht auf Pommerellen und des Kulmer Landes, ohne jedoch die Rechtstitel preiszugeben, schloss Kasimir 1343 in Kalisch Frieden mit dem Deutschen Orden. Hierfür bekam er Kujawien und das Dobriner Ländchen zurück. Auch suchte er im gleichen Jahr seinen Einfluss in Pommern durch ein Bündnis mit den Greifen der Stettiner und der Wolgaster Linie zu festigen, was zur Besetzung einiger Netze- und Neumarkdistrikte führte. Im Jahr 1347 wurde das polnische Recht kodifiziert. Ein Jahr später, 1348, breitete sich rasant die Pest in Europa aus, auch Schwarzer Tod genannt und wütete auf dem Kontinent einige Jahre. Kasimir begegnete dieser Katastrophe durch die Verhängung einer Quarantäne über sein Reich, sodass die Seuche weitgehend abgewehrt werden konnte; jedoch tauchte sie in den nächsten Jahrhunderten lokal immer wieder auf und zog Tausende in den Tod. Im Norden seines Reiches wurde Masowien 1351 unterworfen. Die piastisch-masowschen Herzogtümer, mit den Hauptburgen Płock und Warschau, wurden nach dem Aussterben der jeweiligen Herrscher, teils direkt, teils als königliches Lehen in das Königreich angegliedert. Auf seine Veranlassung, wurde 1364 eine Akademie in Krakau gegründet, die zweite in Mitteleuropa nach Prag, später Jagiellonen-Universität genannt. Der König verstarb 1370. Er hinterließ keinen männlichen Erben in der erbberechtigten Linie.
Kasimir förderte die Städte durch zahlreiche Baumaßnahmen, darunter die Sicherung der Grenzen seines Reiches mit 50 befestigten Burgen, sowie die Aufnahme von Deutschen und Gewährung deutschen Stadtrechts. Er lud nach dem Pogromen in Westeuropa im Zuge der Pest die Juden nach Polen ein (Erlass von Judenprivilegien 1334). Er reformierte das Militärwesen, bekämpfte das Raubrittertum, ließ das polnische Rechts- und Münzwesen vereinheitlichen, sicherte neue Handelswege und begünstigte die Eröffnung von Salinen. Die wirtschaftlichen Reformen erforderten die verfassungsrechtliche Kodifikation des Landrechtes, die Statuten Kasimirs des Großen und die Einführung der Generalstarosteien mit administrativen und gerichtlichen Befugnissen, Staatsrat und Kanzleiführung. Er schuf eigene Appellationsgerichtshöfe für deutsches Recht und verbot die Appellation nach Magdeburg (siehe auch Magdeburger Stadtrecht). Er war der Begründer der ersten polnischen Universität und der einzige polnische König mit dem Beinamen „der Große“. Mit ihm starben die Piasten in königlicher Linie aus (in Masowien im 16. Jahrhundert und in Schlesien im 18. Jahrhundert in männlicher Linie). Als seinen Nachfolger bestimmte er seinen Neffen, den ungarischen König Ludwig den Großen, der Polen mit Ungarn bis 1382 in einer Personalunion verband.
König Ludwig von Anjou und das Problem seiner Nachfolge
Nach Kasimirs Tod wurde Polen 1370 mit dem ungarischen Königshaus verbunden. Der ungarische König, der in männlicher Linie dem Haus Capet-Anjou abstammte, war der Sohn von Kasimirs Schwester Elisabeth von Polen.
Seine Regierungszeit war nicht sonderlich beliebt, weil er fast gar nicht in Polen anwesend war. Er überließ die Geschäfte Polens seiner polnischen Mutter Elisabeth als Regentin. Auch begann er das polnische Galizien für Ungarn zu beanspruchen, was bei der polnischen Aristokratie auf Widerstand stieß. Da er, wie Kasimir, keine „legalen“ Söhne hatte, wurden dem polnischen Adel 1374 im Kaschauer Privileg politische Vorrechte gewährt, der dafür die weibliche Thronfolge bestätigte und durchsetzte. Das Kaschauer Privileg wurde zur Grundlage der späteren „Adelsdemokratie“ in Polen.
Ludwig starb 1382 und die Regierungsgeschäfte in Polen gingen an seine Tochter, Hedwig von Anjou, über. Sie wurde 1384 kraft des polnischen Rechts zum regierenden polnischen „König“ gekrönt. Sie musste jedoch ihre Verlobung mit dem Prinzen Wilhelm von Habsburg lösen, denn der polnische Adel wollte keine deutsche Aristokraten zu seinen Königen, hießen sie Habsburger oder Luxemburger, es herrschte damals ein antideutsches Klima in Polen, bedingt durch das Phänomen der deutschen Ostkolonisation, vor allem aber das vergiftete Verhältnis zu den Deutschordensrittern und aus Staatsräson musste sie, im Rahmen der Union von Krewo, im Alter von 12 Jahren den viel älteren Großfürsten von Litauen, Jogaila, heiraten. Beide wurden 1386, Hedwig ein zweites Mal, zu Regenten Polens gekrönt.
Jogaila ließ sich nach römisch-katholischem Ritus taufen und als Wladyslaw II. Jagiello wurde er der Begründer einer der mächtigsten Dynastien Europas, unter der Polen nicht nur sein Goldenes Zeitalter erleben, sondern für die nächsten 300 Jahre zu einer der führenden Kontinentalmächte Europas aufsteigen sollte, deren Einflusssphäre sich vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer und von der Adria bis an die Tore Moskaus erstreckte und er legte auch den Grund der jagiellonischen Idee, die noch im 20. Jahrhundert in der Vorstellung von „Polen von Meer zu Meer“ weiterlebte.
Litauisch-Polnische Personalunion: Die Jagiellonen 1386–1569
König Wladyslaw Jagiello und der Kampf gegen den Deutschen Orden
Durch die Heirat der polnischen Thronerbin Hedwig mit dem Großfürsten von Litauen wurde die Personalunion Polens mit Litauen verwirklicht. Polen-Litauen war zur Zeit seines Zusammenschlusses unter den Jagiellonen der größte Flächenstaat in Europa. Die Einflußs