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Geschichte Österreichs
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Die Jahre 1918 bis 1920 sind in verfassungsrechtlicher Hinsicht
eine bedeutende Zäsur: Die konstitutionelle Monarchie
Österreich-Ungarn wird zur Republik "Österreich".
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Dieser Artikel gibt einen groben Überblick über die Geschichte Österreichs von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Die einzelnen Epochen werden in Vertiefungsartikeln ausführlicher dargestellt.
Erdgeschichte
- Hauptartikel: Erdgeschichte Niederösterreichs.
Die Erdgeschichte des Alpen- und Voralpenraums, der Böhmischen Masse des Waldviertels und der östlichen Ebenen des Wiener Beckens und des Burgenlandes, lässt sich heute bis in das Zeitalter des Proterozoikums zurückverfolgen. Wesentlich für die Geologie und heutige Geographie Österreichs war die Alpidische Gebirgsbildung und die Entwicklung des Randmeers Paratethys seit der Kreidezeit.
Ur- und Frühgeschichte des heutigen Österreichs
Hauptartikel: Urgeschichte Österreichs.
Die ersten vorgeschichtlichen Menschenarten wie der Homo habilis, der 2,5 bis ca. 2,0 mya in Ostafrika lebte, verbreiteten sich nicht bis nach Europa, erst vom Homo erectus lassen sich erste Funde, die nicht älter als 700.000 Jahre sind, in Europa - u. a. in Ungarn - nachweisen.
Paläolithikum
Während der Eiszeiten waren die Alpen vergletschert und wenig bis gar nicht zugänglich. Die ältesten Spuren der Anwesenheit von Menschen in Österreich gehören dem Mittelpaläolithikum, der Zeit des Neandertalers, an. Viele Fundstellen liegen in Niederösterreich, die bekanntesten befinden sich in der Wachau. Darunter auch Fundorte der beiden ältesten österreichischen Kunstwerke, die figürlichen Frauendarstellungen der sogenannten „Tanzenden Fanny“ von Stratzing/Krems-Rehberg (32.000 Jahre alt, Reliefplastik, 7,2 cm, Amphibolit-Schiefer) und der Venus von Willendorf (27.000 Jahre alt, 11 cm, Kalkstein). Eine 2005 entdeckte in Rötel gebettete und unter einem Mammutschulterblatt befindliche Säuglings-Doppelbestattung ergänzt die bisher spärlichen menschlichen Skelettreste auf besonders interessante Weise.
Mesolithikum
Abris aus dem Bodensee-Rheintal, eine Bestattung von Elsbethen und wenige weitere Fundstellen mit mikrolithischen Artefakten sind spärliche Zeugen der Übergangszeit zwischen jägerisch-sammlerisch lebenden Gruppen und sesshaften Ackerbauern und Viehzüchtern.
Neolithikum
Während der Jungsteinzeit werden nach und nach alle Regionen Österreichs, in denen Landwirtschaft möglich ist oder Rohstoffe vorhanden sind, besiedelt. Das älteste Industriedenkmal Österreichs, das Hornsteinbergwerk von Mauer-Antonshöhe, stammt aus dieser Zeit.
Kupferzeit
Die ältesten Kupferobjekte, u. a. Depot von Stollhof (Niederösterreich), haben ihren Ursprung im Karpatenbecken. Höhensiedlungen sind im Osten Österreichs verbreitet. Im Laufe der Kupferzeit werden auch die inneralpinen Gebiete vollständig auf der Suche nach Rohstoffen – insbesondere Kupfer – erschlossen. Der wichtigste Fund ist die Gletschermumie Ötzi (Mann vom Hauslabjoch), der ca. 3300 v. Chr. lebte. Die Mondseekultur ist durch Pfahlbauten um die Alpenseen gekennzeichnet.
Bronzezeit
Die vermehrt entstehenden Wallanlagen, bereits zu Beginn der Bronzezeit, scheinen als Macht- und Handelszentren Abbau, Verarbeitung und Handel von Kupfer und Zinn überwacht zu haben. Der florierende Handel mit Rohmaterial und Halbprodukten spiegelt sich in den Ausstattungen der Gräber (Pitten, Franzhausen, Niederösterreich). In der Urnenfelderzeit wird mit dem Salzabbau in der Nordgruppe des Salzbergwerks von Hallstatt begonnen.
Eisenzeit
Die Eisenzeit Österreichs ist durch die Einflüsse der mediterranen Hochkulturen und der Steppenvölker geprägt. Der Übergang zwischen der älteren Hallstattkultur und der jüngeren – keltischen – Latène-Kultur erfolgte fließend.
Hallstattkultur
Die ältere Eisenzeit wird nach dem berühmten Fundort Hallstatt, (Oberösterreich), Hallstattzeit genannt. Der West- und Osthallstattkreis werden durch die Flüsse Enns, Ybbs und Inn getrennt. Der Westhallstattkreis stand in Kontakt mit den griechischen Kolonien an der ligurischen Küste. In den Alpen werden Kontakte zu den Etruskern und den unter griechischem Einfluss stehenden Regionen in Italien gepflogen. Der Osten hatte enge Verbindungen zu den Steppenvölkern, die vom Karpatenbecken bis zu den südrussischen Steppengebieten beheimatet waren. Die Bevölkerung von Hallstatt wird durch das Salz reich. Importe von Luxusgütern aus dem Nord- und Ostseeraum bis Afrika sind im Gräberfeld von Hallstatt entdeckt worden. Der älteste Nachweis für österreichischen Wein wurde in Zagersdorf (Burgenland) in einem Hügelgrab entdeckt. Der Kultwagen von Strettweg (Steiermark) ist ein Beleg des religiösen Lebens.
Latène-Kultur
Die jüngere Eisenzeit, Latène-Kultur, ist die Zeit der Kelten. Erstmals können Bevölkerungsgruppen mit Namen benannt werden. Es entsteht mit dem Regnum Noricum – einem Zusammenschluss mehrerer keltischer Stämme – unter der Führung der Noricer das erste Staatsgebilde auf österreichischem Boden. Es beschränkte sich auf den Süden und Osten des heutigen Österreich. Der Westen war von verschiedenen rätischen Stämmen besiedelt.
Dürrnberg und Hallein (Salzburg) werden keltische Salzmetropolen. Im Osten Österreichs gewinnt eine blühende Eisenindustrie in der Oberpullendorfer Bucht (Burgenland) das bei den Römern so begehrte, hochwertige Ferrum Noricum (Norisches Eisen). Befestigte Höhensiedlungen (Oppida) wie auf dem Magdalensberg (Kärnten), bei Schwarzenbach oder am Braunsberg bei Hainburg unweit von Carnuntum werden zu Zentren des öffentlich-rechtlichen Lebens.
Römisches Reich
Der größte Teil des heutigen Österreich wurde um 15 v. Chr. vom Römischen Reich besetzt. Der römische Kaiser Claudius richtete während seiner Herrschaft (41–54 n. Chr.) die römische Provinz Regnum Noricum ein, deren Grenzen im Norden bis zur Donau, im Nordosten bis zum Wienerwald, im Osten etwa entlang der heutigen steirischen Ostgrenze sowie im Südosten und Süden jenseits von Eisack und Drau verliefen. Später, unter Diokletian (284–305), wurde die Provinz entlang des Alpenhauptkamms in eine nördliche (Noricum ripense, „Ufernoricum“) und eine südliche (Noricum mediterraneum, „Binnennoricum“) Provinz aufgeteilt. Das am Ziller westlich an das Noricum angrenzende Gebiet der heutigen Bundesländer Vorarlberg und Tirol kam zur Provinz Raetia, im Osten schloss sich Pannonia mit dem heutigen Burgenland an das Noricum an. Die Donau bildete mit dem Donaulimes die Grenze zu den nördlichen Teilen Ober- und Niederösterreichs, die von den Germanen (Markomannen und Quaden) besiedelt wurden.
Einige Städte und Orte Österreichs gehen noch auf die Kelten zurück wie z. B. Linz (Lentos). Zahlreiche weitere Siedlungen entstanden durch die Römer. Die östlich von Wien gelegene Stadt Carnuntum war die größte römische Stadt, weitere wichtige Orte waren Virunum (nördlich des heutigen Klagenfurt) und Teurnia (nahe Spittal an der Drau). Bedeutende Ausgrabungsstätten für die Römerzeit sind heute unter anderem Kleinklein (Steiermark) und das Zollfeld (Magdalensberg).
Im 2. Jahrhundert n. Chr. begann sich das Christentum auszubreiten; die damalige kirchliche Organisation des Landes geht auf das 4. Jahrhundert n. Chr. zurück. Nach der Besiedelung durch die Bajuwaren wurde das Land allerdings neu missioniert, vor allem durch Rupert und Virgil (Iroschottische Mission).
Völkerwanderung
Mit der Völkerwanderung begann der Niedergang der römischen Macht. Ab dem 5. Jahrhundert wurde das Römische Reich von germanischen Stämmen bedrängt. Nach mehreren Einfällen in Italien drangen die Goten im Jahr 408 unter Alarich I., von Emona (dem heutigen Ljubljana) über die Karnischen Alpen kommend, erstmals in das durch den römischen Heerführer Stilicho befehligte Noricum ein. Ab 472 kamen Ostgoten und Alemannen durch das Land, ohne es erobern zu können. Selbst nachdem Odoaker 476 den letzten römischen Kaiser abgesetzt hatte, blieb in den Provinzen die römische Verwaltung erhalten. Mit dem Tod des Königs Theoderich zerbrach das Reich der Goten schließlich, ohne dass diese die Kontrolle über das Noricum erlangt hatten.
Ab dem 6. Jahrhundert begann eine kontinuierliche Besiedlung durch die Bajuwaren und im heutigen Vorarlberg durch die Alemannen. Ende des 6. Jahrhunderts zerbrach das römische Reich schließlich. Von Osten zogen die Slawen, durch die Awaren bedrängt, ein und zogen, da sie von der noch verbliebenen keltoromanischen Bevölkerung daran nicht gehindert wurden, entlang der Drau immer weiter nach Westen ein, bis sie um 610 von den Bajuwaren, die zu dieser Zeit von Norden kommend bis ins Pustertal vorgedrungen waren, aufgehalten wurden. Die Besiedlungsgrenze zwischen Slawen und Bajuwaren entspricht in etwa der Linie Freistadt (i.M.), Linz, Salzburg (Lungau), Osttirol (Lesachtal).
Mittelalter
Frühmittelalter (bis 976)
Im Süden des heutigen Österreichs bildeten die slawischen Volksstämme, die sich in den Tälern von Drau, Mur und Save niedergelassen hatten, um das Jahr 600 das erste unabhängige slawische Staatsgebilde Europas, Karantanien; Zentrum Karantaniens war das Zollfeld. Mit den verbliebenen Resten der einheimischen keltoromanischen Bevölkerung verband sie der Wille zum Widerstand gegen ein weiteres Vordringen der benachbarten Franken und Awaren in den südöstlichen Alpenraum.
Im nördlichen Alpenraum hatte sich ab Mitte des 6. Jahrhunderts das baierische Stammesherzogtum gebildet, deren Herrscher aus dem Geschlecht der Agilolfinger stammten. Das Siedlungsgebiet der Baiern wurde in diesem Zeitraum nach Süden bis ins heutige Südtirol und nach Osten bis zur Enns erweitert. Östlich davon und auf dem Gebiet des heutigen Böhmens ließen sich Awaren und später Slawen nieder. Sitz der lange weitgehend unabhängig regierenden baierischen Herzöge war Regensburg.
Unter den Karolingern kam es zu einem Erstarken des Frankenreichs, wodurch die weitgehende Eigenständigkeit des älteren baierischen Stammesherzogtums im späten 8. Jahrhundert beendet wurde, zu dem weite Gebiete des heutigen Österreich gehörten. Der letzte weitgehend unabhängige Herzog der Baiern war Tassilo III.. Ebenfalls in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts zerbrach das Slawenreich Karantanien und kam unter fränkische Oberhoheit.
Zur Abwehr der Awaren errichtete der fränkische Herrscher Karl der Große um 800 eine Grenzmark in der Region des heutigen Niederösterreichs, zwischen den Flüssen Enns, Raab und Drau, die auch als Awarenmark bezeichnet wurde, und südlich davon die Mark Karantanien.
Die Grenzmark gegen die Awaren wurde durch die Einfälle der Ungarn vernichtet. Nach den drei Schlachten von Pressburg im Sommer 907 wurde die Grenze des nachfolgenden Ostfrankenreiches bis an die Enns zurückgenommen. Der anschließende Antritt Arnulfs I. als Herzog von Baiern wird gleichzeitig als Beginn des jüngeren baierischen Stammesherzogtums gesehen, zu dem der gesamte östliche Alpenraum zählte. Nach dem Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld unter dem ostfränkischen König Otto I. war die Bedrohung durch die Ungarn gebannt. Diese wurden danach sesshaft. Anschließend erfolgte eine zweite Welle baierischer Ostansiedlungen mit Gewinn von Gebieten im heutigen Niederösterreich, in Istrien und der Krain. In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts entstand erneut eine dem Herzog von Baiern unterstellte Markgrafschaft östlich der Enns, die Marchia orientalis genannt wurde.
Markgrafschaft Österreich (976–1156)
976 wurde Liutpold (Leopold) aus dem Geschlecht der Babenberger mit dieser Mark belehnt. 996 wird hierfür erstmals urkundlich der Name Ostarrîchi verwendet; daraus entwickelte sich später die Schreibweise Österreich. Daneben ist auch noch sehr lange die Namensform Osterlant (Ostland bzw. Land im Osten) gebräuchlich, die Einwohner sind der Ostermann und die Osterfrau. Die latinisierte Form Austria für dieses Gebiet taucht in den Schriften erst im 13. Jahrhundert auf (siehe auch Austrien als östlicher Teil des Frankenreiches und heute Australien).
Die Babenberger trieben eine zielbewusste Rodungs- und Kolonisierungspolitik und errichteten – in Zusammenarbeit mit anderen Häusern, etwa den Kuenringern – eine gefestigte Landesherrschaft. Die Residenz befand sich anfangs in Pöchlarn, später in Melk. Markgraf Leopold III. gelang es, sich ins Kaiserhaus einzusippen; im Machtkampf zwischen Kaiser Heinrich IV. und König Heinrich V. wechselte er zu Heinrich V. und trug so wesentlich zu dessen Sieg bei. Als Lohn erhielt er die Hand von Heinrichs Schwester Agnes von Hohenstaufen. Er wurde wegen seiner Klostergründungen – vor allem Klosterneuburg – nach seinem Tod heilig gesprochen.
Herzogtum Österreich unter den Babenbergern (1156–1246)
Im Zuge des Konfliktes zwischen den Staufern und den Welfen kam 1139 das Herzogtum Baiern an die Babenberger. Als Friedrich I. diesen Streit beenden wollte, gab er den Welfen das Herzogtum Baiern zurück – als „Trostpreis“ wurde mit dem Privilegium minus 1156 Österreich zum Herzogtum erhoben. Mit der Unabhängigkeit vom bairischen Mutterland beginnt für Österreich die Geschichte als unabhängiges Herrschaftsgebiet innerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Erster Herzog war Heinrich Jasomirgott, der auch 1156 Wien zur Residenzstadt erhob. Auf Grund der Georgenberger Handfeste (1186) fiel auch das Herzogtum Steiermark, das den Traungau, den zentralen Teil des heutigen Oberösterreichs, und die Grafschaft Pitten im südlichen Niederösterreich sowie große Gebiete im heutigen Slowenien umfasste, mit dem Erlöschen der Traungauer 1192 an die Babenberger.
Mit Leopold VI. erreichte das hochmittelalterliche Österreich einen kulturellen Höhepunkt – unter ihm wurde auch die damals revolutionäre Kunst der Gotik eingeführt. Mit seinem Sohn Friedrich II. starb 1246 die männliche Linie der Babenberger aus.
Herzogtum Österreich zwischen Babenbergern und Habsburgern (1246–1278)
Unter den vielen Nachfolgekandidaten konnte sich der König von Böhmen, Ottokar Přemysl, durchsetzen, der 1256 von den Ständen ins Land gerufen worden war, um die Wirren zu beenden. Seine Politik war aber dennoch darauf ausgerichtet, den Adel zurückzudrängen und das städtische Bürgertum zu fördern, weswegen er den Wienern bis tief in die Habsburger-Zeit in guter Erinnerung blieb. Seinem Griff nach der königlichen Macht im Heiligen Römischen Reich wurde von Rudolf von Habsburg begegnet, der ihn 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld besiegte. Die Habsburger konnten sich daraufhin als Herzöge von Österreich und der Steiermark etablieren.
Herzogtum Österreich unter den Habsburgern (1282–1438)
1335 konnten die Habsburger die Meinhardiner in Kärnten und Krain beerben und 1363 fiel auch Tirol von Margarethe von Tirol an Herzog Rudolf IV. Dadurch entstand ein Länderkomplex in den Ostalpen, der Herrschaft zu Österreich genannt wurde.
Rudolf IV. war der umtriebigste Herrscher des Spätmittelalters. Er initiierte vielerlei Maßnahmen, die vor allem die Bedeutung der Stadt Wien heben sollten. Er ließ das Privilegium maius fälschen, das Österreich zum Erzherzogtum erhob und ihm innerhalb des Reiches eine Anzahl von Privilegien sicherte. Anerkannt wurde dies erst von dem Habsburger Friedrich III.
1379 wurde im Vertrag von Neuberg die habsburgische Herrschaft zum ersten Mal geteilt. Danach gab es noch 1406 und 1411 weitere Teilungen. Daraus entstanden drei Länderkomplexe:
- Die Niederösterreichischen Länder (Ober- und Niederösterreich);
- die Innerösterreichischen Länder (Steiermark, Kärnten, Krain und Inner-Istrien sowie Triest);
- die Vorderösterreichischen Länder (Tirol, Vorarlberg und die schwäbischen und elsässischen Vorlande).
Fast das gesamte 15. Jahrhundert ist eine Phase wirrer Erbteilungen und Familienstreitigkeiten, die die politische und wirtschaftliche Bedeutung des Landes weitgehend schwächten. Friedrich V. († 1493) gelang es schließlich die Länder wieder zu einen, indem er alle seine Gegner überlebte und beerbte. Schon Albrecht V. war als Erbe der Luxemburger zum römisch-deutschen König gewählt worden. Diese Position ging in der Folge an Friedrich über, der 1452 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde und sich fortan Friedrich III. nannte.
Die habsburgischen Länder in der frühen Neuzeit
Der Aufstieg Österreichs zur Großmacht
Die Hausmacht des Kaisers im Reich war nicht besonders groß. Die vielen adligen Herrscherhäuser strebten innerhalb und außerhalb des Reiches nach eigener politischer Macht. So hinterließ die glanzlose, aber zähe Politik Friedrichs III. eine gefestigte Herrschaft. Deren Bedeutung wurde erhöht durch die Heirat (1477) seines Sohnes Maximilian mit Maria, der Erbin des burgundischen Länderkomplexes zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Frankreich. Nach dem frühen Tod Marias heiratete Maximilian die bretonische Prinzessin Anne, die einen Erbanspruch auf die Bretagne besaß. Eine Intervention Frankreichs verhinderte jedoch die Machtübernahme der Habsburger in der Bretagne. 1496 verheiratete Kaiser Maximilian seinen Sohn Philipp mit der Prinzessin Johanna von Kastilien und Aragon. Er sicherte den Habsburgern damit nicht nur die Erbrechte auf Spanien, Neapel, Sizilien und Sardinien sondern auch auf die spanischen Kolonien. In dieser Zeit entstand der berühmte Spruch: Bella gerant alii – tu felix austria nube („Kriege mögen andere führen – Du glückliches Österreich heirate“). Im Jahre 1499 endete der Schwabenkrieg. Die Habsburger mussten im Frieden zu Basel ihr Stammland mit der Habichtsburg aufgeben. Damit begann die Ablösung der Schweiz vom Heiligen Römischen Reich, die im Westfälischen Frieden von 1648 endgültig besiegelt wurde. Im Jahr 1500 erbte Maximilian die Grafschaft Görz. Da sein Sohn Philipp der Schöne gleichfalls durch Heirat zum König von Spanien (mit seinen neu eroberten Kolonien) werden konnte, standen die Habsburger kurz davor, nach der Weltmacht zu greifen. Der 1519 gekrönte Karl V. verfehlte dieses Ziel, er musste 1555 abdanken.
Schon 1521 wurden die österreichischen Länder von Kaiser Karl V. an seinen Bruder Ferdinand I. übergeben, der die Anfänge zentraler Verwaltungsstrukturen etablierte. Ferdinand I. heiratete im gleichen Jahr Anna, die Erbfolgerechte in Böhmen und Ungarn besaß. Diese Erbrechte wurden 1526 wirksam. 1524 fügte Karl V. Friesland dem Reich hinzu. 1526 nach der unglücklich verlaufenen Schlacht von Mohács erbte Ferdinand nicht nur die Königreiche Ungarn und Böhmen (mit den Nebenländern Mähren, Schlesien und Lausitz), sondern auch die Bedrohung durch das Osmanische Reich, gegen das Ungarn vorher ein Schutzschild gewesen war. Zudem gerieten die Habsburger zum ersten Mal mit dem ungarischen Adel in Konflikt, der damals den alternativen König Johann Zápolya unterstützte. 1528 geriet Overijssel und Utrecht unter habsburgische Herrschaft. 1531 wurde mit Hilfe von Bestechungsgeldern Ferdinand I. zum römisch-deutschen König gewählt. Das Herzogtum Mailand wurde von Karl V. annektiert. 1538 wurde Ungarn zwischen den Habsburgern, Osmanen und ungarischen Adligen aufgeteilt:
- Das Königliche Ungarn (West- und Nordungarn mit Slowakei) mit Böhmen und Mähren kam zu Habsburg
- Die Mitte des Landes fiel an die Türken
- Siebenbürgen kam unter die Kontrolle rivalisierender ungarischer Adeliger
1555 dankte Karl V. nach dem Augsburger Religionsfrieden ab. Dies führte zur Teilung der Habsburger in eine spanische und in eine österreichische Linie. Die österreichische Linie stellte bis 1806 fast ununterbrochen den römisch-deutschen Kaiser.
Reformation, Gegenreformation und katholische Reform in den habsburgischen Ländern
In den österreichischen Ländern (mit Ausnahme Tirols) trat die Bevölkerung fast geschlossen zum Protestantismus über. Die Re-Katholisierung setzte erst gegen 1600 ein (siehe auch Gegenreformation), dafür aber mit umso größerer Heftigkeit und Gewalttätigkeit. In diesem Prozess taten sich die Jesuiten und der Kardinal Melchior Khlesl, der Kanzler von Erzherzog Matthias, hervor. Ein führender Betreiber dieser Politik war aber Ferdinand II., von dem der Ausspruch stammt, er wolle lieber eine Wüste regieren als ein Land voller Ketzer.
Aufgrund dieser Politik wurden die österreichischen Länder auch in den Dreißigjährigen Krieg verwickelt, der durch den böhmischen Aufstand herbeigeführt wurde. Eine Zeit lang sah es so aus, als könnten die Habsburger das Heilige Römische Reich in eine absolutistische Monarchie umwandeln (siehe auch Schlacht am Weißen Berg); am Ende dieses Krieges waren sie jedoch auf die österreichischen und böhmischen Länder zurückgeworfen. So versuchten sie, aus diesen ein sinnvolles Staatsgebilde zu machen. Schon in den 1680er Jahren gab es ökonomische Theoretiker wie Philipp von Hörnigk oder Johann von Justi, die in diese Richtung drängten.
Das Habsburgerreich und die osmanische Bedrohung
Nachdem es schon seit dem späten 15. Jahrhundert zu Einfällen von türkischen Marodeuren gekommen war, wurde Wien 1529 von der regulären Streitmacht der Osmanen belagert. Nur die Tatsache, dass sie zu spät im Jahr auftauchten, konnte die Stadt damals retten. In der Folge kam es zu einem fast 200-jährigen permanenten Kleinkrieg zwischen kaiserlichen und türkischen Truppen, der nur durch Phasen regulären Krieges unterbrochen wurde.
Die Osmanen belagerten 1683 Wien ein zweites Mal erfolglos. Einen entscheidenden Ausschlag gab das von Herzog Karl von Lothringen geführte Entsatzheer unter dem nominellen Kommando des Königs von Polen, Johann III. Sobieski, das mit seinen Husaren vom Kahlenberg aus den Belagerern in den Rücken fiel. In den Jahren darauf gelang endlich der Befreiungsschlag gegen die osmanische Bedrohung. Mit Hilfe von fähigen Feldherren wie Karl von Lothringen und Prinz Eugen von Savoyen konnten die Osmanen während des Großen Türkenkrieges 1683 - 1699 und einem weiteren Türkenkrieg 1716 - 1718, bis hinter Belgrad zurückgeworfen werden. Die Friedensverträge von Karlowitz (1699) und Passarowitz (1718) bestätigten die gemachten Eroberungen.
Dies ermöglichte nun ein beispielloses Aufblühen der Barockkultur, die eine spezifisch österreichische Ausformung entwickelte und das Land zutiefst prägte.
Erbfolgekriege
Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger 1700 kämpften die österreichischen Habsburger mit Ludwig XIV. um das Spanische Erbe. Der Krieg wurde vor allem von Kaiser Joseph I. mit Verve und Erfolg geführt – nach seinem Tod brach jedoch alles zusammen. Sein Bruder Karl war der letzte lebende Habsburger; er hätte ein Weltreich geerbt, was die anderen europäischen Mächte verhindern wollten. Immerhin kamen mit dem Frieden von Utrecht 1713 aus der Erbmasse alle europäischen Nebenlande Spaniens (Spanische Niederlande, Neapel, die Lombardei) an die Habsburger (siehe auch: Spanischer Erbfolgekrieg).
Im selben Jahr wurde auch die Pragmatische Sanktion erlassen, die als erstes Grundgesetz für die Habsburgermonarchie angesehen werden kann. Die Pragmatische Sanktion bestimmte die Unteilbarkeit und Untrennbarkeit der Monarchie und führte zu diesem Zweck eine einheitliche Thronfolge nach dem Prinzip der Primogenitur und subsidiärer weiblicher Erbfolge ein.
Nach dem erfolgreichen Türkenkrieg (1714-18) erhielten die Habsburger Nordbosnien, Nordserbien (ungefähr das Gebiet der heutigen Vojvodina), das Banat und die kleine Walachei. Mit dem Tausch von Sardinien gegen Sizilien erzielte das Habsburger-Reich seine größte territoriale Ausdehnung.
Die Möglichkeit der weiblichen Thronfolge wurde von Karl VI. unter dem Blickwinkel erlassen, dass er nur eine Tochter, die 1717 geborene Maria Theresia (1740-80), hinterließ. Daher errang diese Bestimmung bereits unmittelbar nach seinem Tod Bedeutung. Da die Habsburger nun im Mannesstamm ausgestorben waren, wurde Maria Theresia mit ihrem Ehemann Franz Stephan von Lothringen die Begründerin einer neuen Dynastie in dem Haus Habsburg-Lothringen.
Dieses Erbe konnte sie im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740-48) überwiegend verteidigen; nur Schlesien fiel an Preußen und konnte trotz vieler angestrengter Bemühungen und zweier weiterer Kriege (1756-63) nicht wiedergewonnen werden.
Die Reformen Maria Theresias
In den darauffolgenden Jahren wurden von Maria Theresia einige grundlegende Änderungen in der Verfassung für die österreichischen und böhmischen Erblande durchgeführt:
- Die Sonderrechte der Monarchie wurden eingeschränkt
- Die Nebenländer verloren das Recht auf eine eigene Verwaltung
- Die Stände verloren das Mitspracherecht in der Wiener Zentrale
- Justiz und Verwaltung wurden getrennt
- Die Hofkammern der österreichischen und böhmischen Lande wurden zu einer zentralen Finanz- und Militärbehörde vereint
- Der Adel wurde zum Dienst für die Monarchie verpflichtet
Es entstand somit ein Österreichisch-ungarischer Dualismus, weil die ungarischen Lande die alte Verfassung behielten.
Unter Maria Theresia begann man die damals sehr dünn besiedelten Gebiete in Galizien, Lodomerien, dem Banat und Siebenbürgen zu besiedeln. Die prägendste Einwanderergruppe waren die Schwaben. Diese Siedlungspolitik wurde bis zum Zerfall der Monarchie weitergeführt und führte unter anderem auch zur Ansiedlung von Juden in der Bukowina, die im späten 19. Jahrhundert die dortige Kultur stark prägten.
Der aufgeklärte Absolutismus
1765 wurde ihr Sohn Joseph II. zum Mitregenten ernannt. Er sollte die Amtsgeschäfte in den Jahren 1780-90 komplett übernehmen.
Joseph II. führte viele Reformen im Rahmen des aufgeklärten Absolutismus durch. So schaffte er 1781 die Leibeigenschaft ab und schloss viele Klöster. Der Versuch, Bayern gegen die österreichischen Niederlande zu tauschen, scheiterte. Weitere Reformen wurden vor allem durch den Widerstand Ungarns und der österreichischen Niederlande verhindert.
Trotzdem gilt Joseph als wichtiger Aufklärer und entscheidender Wegbereiter der bürgerlichen Gesellschaft.
Österreich wirkte 1773 an der ersten und in der Folge 1795 an der dritten Teilung Polens mit. Bei der ersten Teilung erhielt Österreich weite Teile Galiziens und das Gebiet um Lemberg und gründete das Königreich Galizien und Lodomerien. Bei der dritten Teilung konnte Österreich die restlichen Teile Galiziens und Kleinpolen für sich gewinnen.
Josephs Nachfolger wurde sein jüngerer Bruder Leopold II. Seine Hilfe – gemeinsam mit Preußens Friedrich Wilhelm II. – für den französischen König Ludwig XVI. kam nicht mehr zu Stande, Leopold II. starb völlig überraschend im März 1792 mit 44 Jahren.
Die aufklärerischen Ansätze wurden nach dem Schock der Französischen Revolution schnell eingefroren: Leopolds Sohn Franz II. trieb eine geradezu starrköpfige Reaktionspolitik, die vor allem mit dem Namen des Staatskanzlers Metternich verbunden ist. Diese politische Stagnation sollte die gesamte erste Hälfte des 19. Jahrhunderts andauern.
Nach der Französischen Revolution wurde auch Österreich in die Napoleonischen Kriege verwickelt. Die Kaiserkrönung Napoleons 1804 wurde von Franz II. mit der Ausrufung des Kaisertums Österreich beantwortet; Kaiser Franz II. (HRR) war nun als Franz I. auch Kaiser von Österreich. Im Frieden von Pressburg (1805) musste Österreich große Gebiete abtreten, unter anderem Venetien, aber auch Tirol und Vorarlberg an das mit Napoleon verbündete Bayern, dafür kam Salzburg zu Österreich. Auf Drängen Napoleons legte Franz II. 1806 die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches nieder, das damit aufhörte zu existieren.
== Kaisertum Österreich (1804–1866)
- Hauptartikel: Kaisertum Österreich
Gleichzeitig gründeten deutschsprachige Fürsten auf Bestreben Napoleons den ihm zur Heerfolge verpflichteten Rheinbund. Auf Drängen des mittlerweile zum Außenminister aufgerückten Metternich wurde Marie Louise, die Tochter von Franz II., 1810 mit Napoleon I. verheiratet. Napoleon wurde von den vereinten österreichischen, russischen und preußischen Truppen im Oktober 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig vernichtend geschlagen. Im April 1814 dankte Napoleon ab, im September begann der Wiener Kongress zur Neuordnung Europas. Hier erhielt Österreich viele Gebiete zurück und tauschte die schwäbischen Vorlande gegen das Erzbistum Salzburg. Durch Nebenlinien beherrschten die Habsburger nun auch weite Teile Mittelitaliens.
Im März 1815 kehrte Napoleon aus seinem Exil in Elba nach Frankreich zurück, sein Ende war die Niederlage bei Waterloo im Juni 1815. 1815 wurde der Deutsche Bund mit dem Bundestag in Frankfurt, unter dem ständigen Vorsitz Österreichs, als Nachfolger des Heiligen Römischen Reiches gegründet. Gleichzeitig wurde zwischen Preußen, Österreich und Russland das Dreikaiserbündnis geschlossen, das die politische Stabilität in Europa garantieren sollte.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem Erstarken nationalistischer Bewegungen. Die verschiedenen Nationalitäten im Vielvölkerstaat Österreich arbeiteten vehement gegeneinander und konnten so vom Kaiserhaus gegeneinander ausgespielt werden. Diese Uneinigkeit der Nationalitäten rettete auch in der Revolution von 1848 das Kaiserreich vor dem Auseinanderfallen.
Am 13. März 1848 verlangten verschiedenen Gruppen in Petitionen Pressefreiheit, Geschworenengerichte und akademische Freiheiten. Die anschließenden Demonstrationen wurden jedoch blutig niedergeschlagen. In Wien kam es daraufhin zu heftigen Aufständen, Metternich wurde entlassen und floh nach England. Die Zensur wurde aufgehoben, Pressefreiheit und eine Verfassung im formellen Sinn versprochen. Diese wurde am 25. April 1848 verkündet und stieß – vor allem wegen der Bestimmungen über die Zusammensetzung des Parlaments (Reichstages) auf Ablehnung, weshalb es im Mai zu neuerlichen Unruhen kam und die Verfassung revidiert wurde. Auf dieser Grundlage trat am 22. Juli 1848 der Reichstag, das erste österreichische Parlament im modernen Sinne, in Wien zusammen. Da es noch kein Parlamentsgebäude gab, bediente man sich der Winterreitschule als provisorischer Unterkunft.
Inzwischen griff die Revolution auf andere Landesteile (Ungarn, Mailand, Venetien und Prag) über. Der Aufstand in Mailand wurde schließlich von Radetzky niedergeschlagen, der in Prag im Juni von Windischgrätz. Im September übernahm in Ungarn Lajos Kossuth die Macht und stellte eine Armee auf. Als sich in Wien kaiserliche Truppen weigerten, nach Ungarn abzumarschieren, und von Bürgern unterstützt wurden, brachen heftige Kämpfe aus. Ungarn konnte nur mit Hilfe Russlands, das aufgrund des Dreikaiserbündnisses eingreifen musste, zurückerobert werden.
Der Hof floh nach Olmütz und verlegte den Reichstag in das benachbarte Städtchen Kremsier. Wien wurde am 1. November von kaisertreuen Truppen unter Führung von Windischgrätz erobert, 24 Revolutionäre wurden hingerichtet, die Revolution war gescheitert.
In Olmütz dankte Kaiser Ferdinand I. zugunsten seines Neffen Franz Joseph Karl ab, der als Franz Joseph den Thron bestieg. Der Reichstag von Kremsier wurde am 4. März 1849 aufgelöst und am selben Tag eine neue Verfassung vom Kaiser oktroyiert (Oktroyierte Märzverfassung), die jedoch nur zu einem geringen Teil wirksam wurde, insbesondere wurde kein neuer Reichstag einberufen. Nachdem die Aufstände in Italien und in Ungarn vollständig niedergeschlagen worden waren, hob Franz Joseph mit den sog. Silvesterpatenten vom 31. Dezember 1851 auch die Oktroyierte Märzverfassung von 1849 wieder auf und leitete eine Phase des Neoabsolutismus ein.
1853 wurde das Dreikaiserbündnis schwer erschüttert, weil weder Preußen noch Österreich in den Krimkrieg eingriffen. Die Gründe lagen in gegensätzlichen politischen Interessen. Dadurch wurde Russland zum Gegner Österreichs und Preußens.
Diese Ära endete nach den Niederlagen in Italien 1859 gegen die italienische Einigungsbewegung (Risorgimento). Unmittelbare Ergebnisse der Niederlagen in Italien waren Verfassungsexperimente, nämlich das Oktoberdiplom 1860 und das Februarpatent 1861. Die Niederlage von Königgrätz im Deutschen Krieg (Deutscher Bund unter Vorsitz Österreichs gegen Preußen) führte zur Auflösung des Deutschen Bundes. Hintergrund des deutschen Krieges war, dass Bismarck ein deutsches Bündnissystem unter der Hegemonie Preußens anstrebte. Eine solche Hegemonie war nach Einschätzung Bismarcks nur ohne Österreich möglich, da Österreich als bisherige Hegemonialmacht des Deutschen Bundes wirtschaftlich und militärisch zu bedeutend war. Nach dem preußischen Sieg bei Königgrätz konnte Bismarck gegen den Willen Österreichs die Gründung eines Norddeutschen Bundes ohne Österreich durchsetzen.
Österreich-Ungarn (1867–1918)
- Hauptartikel: Österreich-Ungarn
Die Österreichisch-Ungarische Doppelmonarchie, auch K.u.k. Monarchie oder Donaumonarchie, wurde am 8. Juni 1867 infolge des Ungarischen Ausgleichs gegründet. An diesem Tag wurde Kaiser Franz Joseph I. von Österreich in Budapest (Pest-Buda) zum Apostolischen König von Ungarn gekrönt. Die nicht-ungarischen („cisleithanischen“) Länder erhielten am 21. Dezember 1867 die Dezemberverfassung, die im Wesentlichen bis zum Ende der Monarchie Bestand hatte. Die Außenpolitik wurde zuerst durch das Dreikaiserbündnis und in späterer Zeit durch den Zwei- bzw. Dreibund geprägt.
In dieser Zeit begann der – bisher von den Herrscherhäusern unterdrückte – Nationalismus seinen Siegeszug durch die Länder Europas und insbesondere der Habsburger Monarchie. Zur Abschwächung des ungarischen Nationalismus gedacht, verschärfte der Ausgleich von 1867 die Spannungen mehr als er sie kalmierte. Dieser Ausgleich schuf nun die Situation, dass die Ungarn in der Doppelmonarchie als zweites „Herrenvolk“ neben die Deutschsprachigen traten. Die Polen in Galizien waren noch einigermaßen privilegiert, ansonsten fühlten sich jedoch die slawischen Nationalitäten (insbesondere die Tschechen) um ihre Gleichberechtigung geprellt. Vor allem in Böhmen und Mähren nahmen die Differenzen zu. Hier konnte die Einführung der Zweisprachigkeit 1880 in Böhmen und Mähren, 1882 in den slowenischen Gebieten und in Österreichisch-Schlesien auch nicht weiterhelfen. Der Mährische Ausgleich 1911 nahm dem Konflikt zwar einiges an Schärfe, konnte aber keine Wirkung mehr entfalten.
Böhmen profitierte aufgrund seiner Nähe zu Wien überproportional von der Ansiedlung neuer Industrien auf Veranlassung des Kaisers. Die Österreichische Wirtschaft erreichte zur Jahrhundertwende ihre erste große Blütezeit. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Differenzen zwischen den einzelnen Volksgruppen der Donaumonarchie bereits so stark, dass der Reichsrat nicht mehr arbeitsfähig war. Aufgrund der dadurch hervorgerufenen faktischen Lähmung des Staates ging diese Periode als die Zeit des „Fortfrettens und Fortwurschtelns“ (wienerische Ausdrücke für „mühsam weiterkommen“) in die österreichische Geschichtsschreibung ein.
1878 erhielt Österreich das Verwaltungsrecht über Bosnien-Herzegowina, das es 1908 annektierte. Dies führte zu starken Spannungen mit dem Königreich Serbien und war auch ein Grund für das Attentat in Sarajewo. 1879 wurde mit Deutschland der Zweibund und 1882 mit Italien der Dreibund geschlossen. Er sollte noch für den Ersten Weltkrieg ausschlaggebend sein. Der Dreibund hatte von Anfang an mit der italienischen Irredenta zu kämpfen, was vor allem die Beziehungen mit Österreich belastete.
Um 1880 wurde der Wahlzensus gelockert, was die Bildung von neuen Parteien ermöglichte:
- die Christlichsozialen unter Karl Lueger, die zuerst durch das Kleinbürgertum und später von den Bauern geprägt wurden
- die Sozialdemokratische Partei unter Viktor Adler, die 1911 in eine deutschsprachige und tschechische Partei zerfiel
- die Liberale Partei, die sich in eine radikale (Altdeutsche Vereinigung) und eine gemäßigte Gruppe aufteilte.
1903 gab Serbien die Anlehnung an Österreich auf und begann auf die Abtrennung der südslawischen Gebiete Österreichs hinzuarbeiten. Dieses Ziel wurde vor allem von Russland unterstützt.
Bei den ersten freien Wahlen, die 1907 stattfanden, gewannen die Christlichsozialen vor den Sozialdemokraten und den liberalen Parteien.
Um 1900 erlebte Österreich eine kulturelle Blütezeit, die unter anderem mit dem Namen Sigmund Freud verbunden war, dessen Psychoanalyse auf Wissenschaft und Kunst befruchtend wirkte. Auch bei der Entstehung des Films zählte das Österreichische Filmwesen damals zu den Pionieren. 1908 entstand mit „Von Stufe zu Stufe“ der erste abendfüllende Film aus österreichischer Produktion. Bis zu Ausbruch des Krieges entstanden alleine in Wien knapp 200 Kinos.
Am 28. Juni 1914 entluden sich die aufgestauten nationalen Gefühle in dem Attentat von Sarajevo auf Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand durch den serbischen Nationalisten Gavrilo Princip. Das daraufhin von Österreich-Ungarn an Serbien gestellte Ultimatum bewirkte die Aktivierung der europaweit bestehenden Bündnissysteme und Beistandsverpflichtungen und führte so zum Ersten Weltkrieg.
Österreich im Ersten Weltkrieg
Hauptartikel: Erster Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg war für Österreich ein Desaster: Die veraltete k.u.k. Armee konnte nur mit der Unterstützung Bulgariens gegen Serbien siegreich sein. Den durch den Dreibund und die Triple-Entente herbeigeführten Krieg gegen Russland hat Österreich verloren und musste die polnischen Gebiete räumen. Im Krieg gegen Italien musste Österreich ebenfalls eine schwere Niederlage hinnehmen. Diese wurde unter anderem dadurch verursacht, weil die Österreicher 1918 den Waffenstillstand um 48 Stunden zu früh antraten. Der Krieg gegen Frankreich endete nicht nur für Österreich, sondern auch für Deutschland mit einer herben Niederlage.
Die Versorgung der Bevölkerung war in diesen Tagen sehr schlecht und es kam zu großen Hungersnöten. 1916 starb Kaiser Franz-Josef und Karl I. wurde zum letzten Kaiser gekrönt. Er musste nach dem Krieg sein Land verlassen.
Die Erste Republik (1918–1938)
Noch in der Endphase des Weltkrieges 1918 und den damals zutage tretenden Auflösungstendenzen versuchte Kaiser Karl I. durch sein Manifest vom 17. Oktober 1918 den Ententemächten Friedensbereitschaft zu signalisieren: Österreich soll, dem Willen seiner Völker gemäß zu einem Bundesstaat werden, in dem jeder Volksstamm auf seinem Siedlungsgebiet sein eigenes Gemeinwesen bildet. Nachdem sich am 21. Oktober die deutschsprachigen Abgeordneten des Reichsrates im niederösterreichischen Landhaus in der Wiener Herrengasse zu einer provisorischen Nationalversammlung getroffen hatten, verzichtete Kaiser Karl (auch unter dem Eindruck der Ereignisse in Berlin) am 11. November 1918 auf seinen Anteil an den Staatsgeschäften (keine formelle Abdankung). Die Regentschaft der Habsburger endete somit nach 6 Jahrhunderten. Die Donaumonarchie zerfiel in mehrere kleine Staaten. Am 12. November 1918 wurde vor dem Parlamentsgebäude der neue Staat, die demokratische Republik Deutschösterreich, ausgerufen. Erster Staatskanzler wurde Karl Renner. Am 16. Februar 1919 fand die Wahl der konstituierenden Nationalversammlung statt.
Sowohl große Teile der Bevölkerung, wie auch die meisten Vertreter der politischen Parteien, sahen die neue Republik Deutschösterreich als Teil einer gesamtdeutschen Republik. Es wurde die Auffassung vertreten, dass dieser deutsche „Rest-“ bzw. „Rumpfstaat“ – ohne die ungarische Agrarwirtschaft und die böhmische Industrie – alleine nicht lebensfähig sei. Der Publizist Hellmut Andics drückte die vorherrschende Meinung in einem Buchtitel folgendermaßen aus: Der Staat, den keiner wollte. Der „Anschluss“ an die Deutsche Republik (später Weimarer Republik) wurde aber von den alliierten Siegermächten im Vertrag von St. Germain verboten. Dieser Zusammenschluss hätte möglicherweise das Deutsche Reich zu sehr gestärkt. Vor diesem Hintergrund wurde auch der Name „Deutschösterreich“ verboten. Am 21. Oktober 1919, mit Ratifizierung des Friedensvertrages, wurde der Name in „Republik Österreich“ geändert. Nochmals erklärt wurde dies in der von Bundeskanzler Ignaz Seipel mit dem Völkerbund ausgehandelten „Genfer Sanierung“ zur Stützung des inflationsgeschüttelten Staatshaushaltes. Auch die Pläne Österreichs für eine Zollunion mit dem Deutschen Reich wurden 1931 mit Hinweis auf die Bestimmungen des Friedensvertrages verboten.
Ebenfalls scheiterten die Abspaltungsversuche der Länder Salzburg, Tirol und Vorarlberg. In Salzburg (Bundesland) gab es Bestrebungen, sich Deutschland anzuschließen. Dies wurde von Deutschland abgelehnt. In Tirol gab es Bestrebungen, sich Italien anzuschließen, um die Einheit Tirols zu wahren. Eine andere politische Linie erstrebte den Anschluss an Deutschland. Beide Möglichkeiten wurden durch die Siegermächte vereitelt. In Vorarlberg bestand der Wunsch, sich der Schweiz anzuschließen. In einer Volksabstimmung erhielt diese Idee in Vorarlberg und in der Schweiz die Mehrheit. Die eigentliche Angliederung wurde jedoch von der Schweizer Regierung vereitelt. Diese fürchtete um das Gleichgewicht zwischen Protestanten und Katholiken.
Die Verfassung vom September 1920 markiert den Beginn der Ersten Republik Österreich. Der beauftragte Jurist Hans Kelsen versuchte darin Grundsätze des Föderalismus und des Zentralismus zu verbinden. Bedingt durch das zerstrittene Parteienspektrum, erfolgte 1929 eine Novelle, die durch eine direkte Volkswahl die Stellung des Bundespräsidenten stärkte. Sie wurde in dieser Form auch 1945 in der Zweiten Republik Österreich wieder eingeführt.
Nach dem Krieg beanspruchte der neue Staat alle Gebiete der ehemaligen Monarchie mit deutschsprachiger Bevölkerungsmehrheit für sich, doch wurde das Staatsgebiet von den Siegermächten vorgegeben. Immerhin konnte das deutschsprachige Westungarn, das spätere Burgenland, gewonnen werden. Die Siegermächte waren vorerst uneinig, welchem Staat dieses Gebiet zugeteilt werden sollte, der Vorschlag einer Aufteilung zwischen der Tschechoslowakei und Jugoslawien wurde nicht einmal von diesen Staaten selbst ernsthaft verfolgt. Man gab es Österreich, in der Hoffnung, einen Keil zwischen zwei Staaten zu treiben, die an einer Revision der Friedensverträge potentiell interessiert waren. Für die Einwohner der Stadt Ödenburg (Sopron) gab es eine Volksabstimmung über die künftige Staatszugehörigkeit, welche zugunsten Ungarns ausging. Ohne Abstimmung behielt die Tschechoslowakei Südmähren mit der Stadt Znaim (Znojmo). Die Volksabstimmung in Südkärnten, das vom SHS-Königreich beansprucht wurde, ging am 10. Oktober 1920 dagegen eindeutig für eine Zugehörigkeit des Abstimmungsgebietes südlich der Drau zur Republik Österreich aus. Dieser Abstimmung waren heftige Kämpfe von Kärntner Heimwehrverbänden gegen SHS-Einheiten vorausgegangen. Da die Masse der SHS-Truppen in Ungarn gebunden war und Italien Österreichs Position unterstützte, hatten die Siegermächte sich für diese Abstimmung entschieden. Keine Chance hatte die Republik, das seit Kriegsende (Waffenstillstand 3. und 4. November 1918) von Italien besetzte Südtirol zurückzubekommen. (Erst 1969 konnte mit dem „Südtirol-Paket“ eine befriedigende zwischenstaatliche Lösung – als Autonomie – gefunden werden.)
Die Wirtschaft des jungen Staates lag aufgrund der Kriegsfolgen (Reparationen, Gebietsverluste) entsprechend darnieder. Die damit zusammenhängende Hyperinflation („galoppierende Inflation“) konnte erst Anfang 1924 durch eine Währungsreform mit Einführung des im November 1924 beschlossenen Schillings ab 1. März statt der Krone beendet werden; Voraussetzung war eine Anleihe des Völkerbundes. Für 10.000 Kronen bekam man 1914 noch einen Häuserblock, wogegen man im Dezember 1922 nur noch einen Laib Brot erhielt. Erst danach begann ein zaghafter wirtschaftlicher Aufschwung, der jedoch lediglich ein Zwischenhoch Mitte der 1920er Jahre darstellte und mit der Weltwirtschaftskrise 1929 ein jähes Ende fand. Zur latenten Strukturkrise war die große Konjunkturkrise gekommen. Durch den Zusammenbruch der Creditanstalt, die damals die größte Bank Mitteleuropas war, im Jahr 1931, drohte die Währung zusammenzubrechen. 1932 erhielt Österreich eine Völkerbundanleihe von 300 Millionen Schilling. Als Gegenleistung wurde das Anschlussverbot während der Laufzeit von 20 Jahren bei der Konferenz von Lausanne bekräftigt. 1933 war etwa ein Drittel der Arbeitskräfte ohne Arbeit.
Mit den Unruhen der unmittelbaren Nachkriegszeit und den wirtschaftlichen Problemen ging eine immer schärfere politische Polarisierung einher: Hauptgegner waren einerseits die auf Bundesebene regierende Christlichsoziale Partei und die in der Stadt Wien regierenden Sozialdemokraten. Gegner dieser beiden waren wiederum die österreichischen Nationalsozialisten, die vor allem außerhalb Wiens (etwa in der Steiermark) eine große Anhängerschaft hatten. Zeitweise gab es Kooperationen zwischen christlichsozialen und nationalsozialistischen Politikern. Bei den Nationalratswahlen 1927 bildeten Christlichsoziale, Großdeutsche, die nationalsozialistische Riehl- und Schulzgruppe und andere Gruppierungen eine Einheitsliste.
Darüber hinaus spielten paramilitärische Einheiten, wie die Heimwehr (der Christlichsozialen Partei nahestehend, aber ohne klare Parteibindung) und der Republikanische Schutzbund, verhängnisvolle Rollen. Die politischen Gegensätze in Österreich waren groß und eskalierten schließlich 1927: In Schattendorf (Burgenland) schossen Mitglieder rechtsstehender „Frontkämpfer“ auf die Teilnehmer einer gegen sie gerichteten Demonstration des Republikanischen Schutzbundes und töteten einen 14-Jährigen sowie einen Kriegsinvaliden. Mit dem Schattendorfer Urteil wurden die mutmaßlichen Täter von einem Geschworenengericht freigesprochen. Die darauf folgende Julirevolte konnte die sozialdemokratische Parteiführung nicht mehr kontrollieren. Der Justizpalast – neben dem Parlament – wurde von der Menge gestürmt und in Brand gesetzt. Nachdem auch Polizeiwachzimmer gestürmt worden waren, bekam die Polizei von ihrem Präsidenten Johann Schober den Befehl, die Demonstration mit Waffengewalt aufzulösen. Die Bilanz: 89 Tote, 1.057 Verwundete. In den Wochen nach der Niederschlagung der Julirevolte kam es zu 1.000 Neubeitritten zu den austrofaschistisch ausgerichteten Heimwehren unter ihrem Führer Graf Starhemberg, und – wegen der unnachgiebigen Haltung des christlichsozialen Bundeskanzlers Ignaz Seipel – bis Jahresende zu 28.000 Kirchenaustritten. Die endgültige Polarisierung war vollzogen. Durch diese Ereignisse wurde die Sozialdemokratie entscheidend geschwächt. Trotzdem wurde die SDAP bei den letzten demokratischen Nationalratswahlen im Jahre 1930 stimmenstärkste Fraktion.
Austrofaschismus
- Hauptartikel: Austrofaschismus, Ständestaat
Anfang der 1930er Jahre begannen sich in einer Reihe von Staaten Europas faschistische Bewegungen durchzusetzen. Auch Österreich blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Vor allem die Heimwehr vertrat faschistische Ideen nach dem Vorbild Italiens. Mussolini wurde auch von der im Ausland isolierten Regierung als wichtigste Unterstützung gesehen.
Im März 1933 schaltete der christlichsoziale Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß das Parlament aus. Eine patt ausgehende Abstimmung über die Eisenbahnergehälter und taktisch bedingte Rücktritte der drei Parlamentspräsidenten nützte Dollfuß, um das Parlament als handlungsunfähig zu erklären. Das Notverordnungsrecht von 1917 wurde (wie auch in der deutschen Innenpolitik dieser Jahre) dazu verwendet, um ohne die parlamentarische Volksvertretung zu regieren. Am 7. März 1933 erließ der Ministerrat ein Versammlungs- und Aufmarschverbot und führte die Zensur für österreichische Zeitungen wieder ein. Ein neuerliches Zusammentreten des Nationalrats wurde für illegal erklärt und mit Polizeigewalt unterbunden. Zusätzlich legte Dollfuß durch den Rückzug der christlichsozialen Mitglieder den Verfassungsgerichtshof lahm.
Der Weg in einen autoritären Ständestaat nach dem Vorbild des faschistischen Italien war damit beschritten. Als politisches Sammelbecken gründete Dollfuß die Vaterländische Front, eine Vereinigung der Christlichsozialen mit der Heimwehr, dem Landbund und einigen anderen Wehrverbänden. Es kam zur Verhaftung politischer Gegner. Mit dem 31. März 1933 löste die Regierung den Republikanischen Schutzbund auf. Am 10. Mai 1933 verordnete die Regierung die Aussetzung aller Wahlen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene. Am 26. Mai wurde die Kommunistische Partei Österreichs aufgelöst, am 19. Juni schließlich auch die NSDAP.
- Hauptartikel: Österreichischer Bürgerkrieg
In Folge einer Hausdurchsuchung nach Waffen im Hotel Schiff, einem Parteiheim der Sozialdemokraten in Linz, kam es am 12. Februar 1934 zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten und der Heimwehr bzw. dem Bundesheer. Diese weiteten sich zum Generalstreik und zu einem Bürgerkrieg aus. Insbesondere in Wien und den verstreuten Industriezentren (Steyr, Obersteiermark, Linz) wurde einige Tage lang heftig gekämpft. Polizei, Bundesheer und die sie unterstützenden Heimwehrabteilungen konnten den damals schon desorientierten, verzweifelt kämpfenden Republikanischen Schutzbund relativ leicht niederkämpfen. Die sozialdemokratische Parteileitung unter Dr. Otto Bauer, Julius Deutsch u.a. flüchtete in die Tschechoslowakei. Am Ende waren die Sozialdemokraten als Partei besiegt. Am 1. Mai 1934 trat eine neue ständische Verfassung in Kraft. Eine wichtige Rolle hatte dabei der Einfluss Mussolinis gespielt.
In einer letzten Nationalratssitzung wurde am 30. April 1934 von den Abgeordneten der Vaterländischen Front ein Gesetz beschlossen, das die Regierung mit allen Befugnissen ausstattete, die zuvor Nationalrat und Bundesrat oblagen. Die Mandate der Sozialdemokraten wurden vor dem Zusammentreten des „Rumpfparlaments“ für erloschen erklärt.
Am 25. Juli 1934 kam es zu einem nationalsozialistischen Putschversuch, dem so genannten Juliputsch. 154 als Soldaten und Polizisten verkleidete österreichische SS-Männer stürmten das Bundeskanzleramt, Engelbert Dollfuß wurde angeschossen und verblutete kurze Zeit später an den Folgen der Schussverletzungen. Eine zweite Gruppe der Putschisten besetzte die Rundfunkstudios der RAVAG und verbreitete die Falschnachricht, Dollfuß habe die Regierungsgeschäfte Anton Rintelen übergeben. Dies war das vereinbarte Zeichen für einen nationalsozialistischen Aufstand in ganz Österreich, insbesondere in der Steiermark, der allerdings nach wenigen Tagen von Polizei und Bundesheer niedergeschlagen werden konnte. Der Unterrichtsminister des Dollfuß-Regimes, Kurt Schuschnigg, übernahm die Regierungsmacht.
Unterstützung bekam Schuschnigg von Mussolinis Italien, das Österreich wie auch Ungarn an sich binden wollte und so gegen das Deutsche Reich auszuspielen versuchte. Drohend marschierten italienische Truppen am Brenner auf, worauf Adolf Hitler, der in Österreich geborene Diktator des Deutschen Reiches, jeden Einfluss auf die Vorgänge in Österreich energisch bestritt.
Schuschnigg orientierte sich zwar an der Selbstständigkeit eines „freien und deutschen Österreichs”, stieß aber auf wachsenden Widerstand, zumal Italiens Diktator Benito Mussolini zunehmend in Abhängigkeit zum Deutschen Reich geriet und daher immer weniger in der Lage war, seine auf die Selbständigkeit Österreichs ausgerichtete Politik aufrechtzuerhalten. 1936 wurde die Achse Rom-Berlin geschmiedet. Kurt Schuschnigg schloss im Juli 1936 ein Abkommen mit dem Deutschen Reich, in dessen Folge 17.000 österreichische Nazis amnestiert wurden und der Nationalsozialist Arthur Seyß-Inquart als Staatsrat in das austrofaschistische Regierungskabinett kam. Weiters wurde ein „Volkspolitisches Referat“ als Teilorganisation der Vaterländischen Front geschaffen, mit der man die illegale nationalsozialistische Opposition in die Partei eingliederte. Zahlreiche zuvor verbotene nationalsozialistische Zeitungen wurden legalisiert. Die alten großdeutschen Ideen gewannen zusehends an Gewicht. Viele Menschen erhofften sich eine wirtschaftlich bessere Zukunft, da das Land weiterhin unter hoher Arbeitslosigkeit in einer Wirtschaftskrise litt. So bekamen die – freilich weiterhin illegalen – österreichischen Nationalsozialisten Zulauf und einen größeren Rückhalt bei den Bürgern.
„Anschluss“ an das Deutsche Reich
- Hauptartikel: Anschluss (Österreich)
Seit der Machtergreifung seiner NSDAP im vormals demokratischen Deutschen Reich (siehe auch Zeit des Nationalsozialismus) ließ Adolf Hitler den Anschluss Österreichs vorbereiten. Er bezeichnete es als seine Heimat, obwohl er die österreichische Staatsbürgerschaft abgelegt und die deutsche angenommen hatte. Unterdessen war aber auch in Österreich ein autoritäres Regime entstanden, der Ständestaat (siehe auch Austrofaschismus), das sich allerdings für die Selbständigkeit Österreichs aussprach und nationalsozialistische Organisationen verboten hatte.
Hitler forderte 1938 – unter Androhung des Einmarsches der Wehrmacht – die Aufhebung des NSDAP-Verbots und die Beteiligung der österreichischen Nationalsozialisten an der Regierung. Bundeskanzler Kurt Schuschnigg beugte sich dem Diktat. Den schnellen Aufstieg der Nationalsozialisten versuchte er jedoch mit einer Volksabstimmung für ein „freies, unabhängiges, deutsches und christliches Österreich“ zu verhindern, die für den 13. März 1938 angesetzt war. Am 12. März, ließ Hitler die Wehrmacht in Österreich einmarschieren. Die Soldaten wurden unter dem Jubel großer Teile der österreichischen Bevölkerung empfangen. Der nationalsozialistische Innenminister Arthur Seyß-Inquart bildete sofort eine nationalsozialistische Regierung und vollzog den Anschluss an das Deutsche Reich. Zuvor war Hitler in Wien vor einer begeisterten Menschenmenge aufgetreten, die ihren „Sohn” willkommen hieß und hatte „den Eintritt meiner österreichischen Heimat in das Deutsche Reich“ erklärt. Den Anschluss ließ er nachträglich, am 10. April, durch eine Volksabstimmung bestätigen (offizielles Ergebnis: 99,73 % dafür). Bis dahin waren rund 8 % der Wahlberechtigten bereits von der Wahl ausgeschlossen worden (Juden, „Mischlinge“, verhaftete Gegner der Nationalsozialisten).
Hitler ließ den (ungeliebten) Namen Österreich durch die, vom mittelalterlichen marcha orientalis hergeleitete, Bezeichnung „Ostmark“ ersetzen, später durch „Donau- und Alpenreichsgaue“ und das vergrößerte Deutsche Reich später als „Großdeutsches Reich“ bezeichnen. Am 1. Mai 1939 wurde das sogenannte Ostmarkgesetz verabschiedet, mit dem die Befugnisse vom Reichsstatthalter an den Reichskommissar übergeben werden sollten. Der Vollzug dieses Gesetzes war am 31. März 1940 beendet. Damit war das Gebiet der jungen und souveränen (1.) Republik Österreich zu einem in Reichsgaue aufgeteilten Land im Großdeutschen Reich geworden, das dessen Geschichte bis zum Zusammenbruch 1945 teilte.
Österreich im Deutschen Reich (1938–1945)
- Hauptartikel: Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
Österreich, das während des Zweiten Weltkrieges zum Deutschen Reich gehörte, musste, da es proportional gleich viele Wehrmachtsangehörige zu stellen hatte, ebenfalls schwere Verluste an Menschenleben hinnehmen. Die Kriegsereignisse und die NS-Rassenideologie forderten in Österreich ca. 300.000 Todesopfer. Neben den Toten der deutschen Wehrmacht waren darunter auch sehr viele politisch (z.B. Kommunisten) und rassisch (Juden, Roma und Sinti, u.a.) Verfolgte, die in den Konzentrationslagern von den Nazis ermordet wurden.
Es waren jedoch auch viele Österreicher an Kriegsverbrechen beteiligt, was durch deren überproportionale Anzahl in leitenden Positionen der SS und der deutschen Armee gefördert wurde. Die von Österreichern begangenen NS-Verbrechen hatten zum Teil auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Zweite Republik.
Aus dieser Zeit sind noch viele Gebäude erhalten, die jetzt z. T. unter Denkmalschutz gestellt sind. Das prominenteste Beispiel ist hierfür das Hitlerzimmer im Wiener Volkstheater.
Luftangriffe fanden in Österreich erst am Ende des Krieges statt, da es aufgrund seiner weiten Entfernung von der Front mit den damaligen Flugzeugen schwer zu erreichen war.
Die zweite Republik (seit 1945)
Österreich unter alliierter Besatzung (1945–1955)
- Hauptartikel: Besetztes Nachkriegsösterreich
Als am 8. Mai 1945 die Bedingungslose Gesamtkapitulation der Wehrmacht in Kraft trat und der Zweite Weltkrieg in Europa damit sein Ende fand, waren alliierte Truppen bereits weit in die so genannten „Donau- und Alpenreichsgaue“ vorgedrungen. Am 13. April 1945 hatten die sowjetischen Truppen den Kampf um Wien, der rund 19.000 deutsche und 18.000 sowjetische Soldaten das Leben gekostet hatte, für sich entschieden. Im späten April und Anfang Mai drangen die Westalliierten von Westen her vor.
Bereits am 1. April hatte Karl Renner, der erste Staatskanzler der 1. Republik, Kontakt mit den sowjetischen Truppen aufgenommen, die in das Burgenland vorgedrungen waren. Schon seit 1941 gab es sowjetische Pläne, nach Kriegsende den Staat Österreich wieder herzustellen. 1943 stellten die Alliierten (USA, Großbritannien, Sowjetunion, wenig später auch das „Französisches Komitee für die Nationale Befreiung“) in der Moskauer Deklaration fest, dass sie den Anschluss Österreichs und des Sudetenlandes 1938 an das Deutsche Reich Hitlers für null und nichtig ansehen und die Befreiung Österreichs eines ihrer Kriegsziele sei. Zuvor hatte es, vor allem in Großbritannien, auch andere Denkmodelle gegeben, die neben einem eigenen Staat auch einen föderalistischen „Alpenstaat“ mit Bayern oder eine „Donaukonföderation“, ähnlich der ehemaligen Donaumonarchie, beinhalteten. [1]
Renner wurde von den Sowjets mit der Bildung einer provisorischen Staatsregierung beauftragt. Ursprünglich wollte Renner nur behilflich sein, eine Regierung zu bilden. Von Stalin wurde er aber direkt beauftragt, einer Regierung vorzustehen. Daher stand er bei den West-Alliierten im Verdacht mit den Sowjets zu kollaborieren. In der Folge kam es am 14. April zur Gründung der SPÖ (aus Sozialdemokraten und „Revolutionären Sozialisten“) sowie am 17. April der ÖVP (Christlichsoziale und Landbund) und der KPÖ. Am 27. April 1945 – also noch vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges – wurde die Unabhängigkeit Österreichs erklärt. Am 29. April trat die provisorische österreichische Staatsregierung zusammen (zehn Vertreter der SPÖ, neun ÖVP, sieben KPÖ und drei unabhängige). Die Abgeordneten der KPÖ kamen zumeist direkt aus Moskau, wo sie im Exil gelebt hatten. Anfangs war die Regierung nur von der Sowjetunion anerkannt; die USA, Großbritannien und Frankreich folgten aber im Verlauf des Jahres. Ziel der Regierung war die Wiederherstellung der österreichischen Republik auf der Grundlage der Verfassung von 1920. Am 25. November 1945 fanden die ersten Nationalratswahlen statt.
Als vormaliger Teil des Deutschen Reiches war Österreich in vier Besatzungszonen aufgeteilt: Vorarlberg und Tirol gehörten zur französischen Zone, Kärnten, die Steiermark und Osttirol zur britischen, Salzburg und der südlich der Donau gelegene Teil Oberösterreichs zur US-amerikanischen und Oberösterreich nördlich der Donau, Niederösterreich und das Burgenland zur sowjetischen Zone. Wien wurde, wie Berlin, in vier Besatzungszonen aufgeteilt, wobei die „Innere Stadt” (der erste Bezirk) von den Alliierten gemeinsam verwaltet wurde.
Die sowjetische Besatzungsmacht demontierte in ihrer Zone Industriekomplexe und vieles, was als „Deutsches Eigentum” deklariert worden war, wurde unter dem Namen USIA beschlagnahmt. In den westlichen Besatzungszonen der USA, Großbritanniens und Frankreichs wurde hingegen der so genannte Marshall-Plan aufgelegt. Um an die finanziellen Mittel zu gelangen war eine Währungsreform notwendig. Nicht zuletzt deshalb kam es in der Folge zu den Oktoberstreiks 1950. Wegen der ungleichen Mittelverteilung kam es im Westen des Landes erstmals zu einer eigenständigen Industrieentwicklung.
Mit dem Niedergang und der Auflösung des Deutschen Reiches verbunden war die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus ihren angestammten Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa und deren Zuzug auch nach Österreich.
Österreich vom Staatsvertrag bis zum EU-Beitritt (1955–1995)
Außenpolitik
1955 erhielt die Republik Österreich durch den Staatsvertrag mit den vier Besatzungsmächten – anders als die BRD und die DDR – ihre volle staatliche Souveränität zurück. Als Gegenleistung dafür musste die Zweite Republik ihre „Immerwährende Neutralität“ erklären und per Verfassungsgesetz festschreiben. Im September 1955 verließen die letzten sowjetischen Soldaten das Staatsgebiet, diejenigen der Westalliierten folgten am 25. Oktober. Am 26. Oktober 1955 beschloss der Nationalrat das Neutralitätsgesetz. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die österreichische Wirtschaft ähnlich wie die bundesdeutsche, wobei die Wirtschaft in der ehemaligen Sowjetzone einen großen Nachholbedarf gegenüber den westlichen Bundesländern hatte und sich dieses Ost-West-Gefälle erst nach Jahrzehnten ausglich (siehe auch Wirtschaftswunder).
Österreich versuchte in seiner Neutralitätspolitik auch eine Brückenfunktion zwischen den Blöcken im Kalten Krieg einzunehmen. So kam es am 3. und 4. Juni 1961 in Wien zu einem historischen Gipfeltreffen zwischen Kennedy und Chruschtschow. Unter anderem durch die Beitritte zu den Vereinten Nationen am 14. Dezember 1955 und zum Europarat am 16. April 1956 integrierte sich Österreich schon kurz nach der Wiederherstellung der Souveränität in die internationale Staatengemeinschaft. Durch seine politisch neutrale Position wurde Österreich ein wichtiger Zufluchtsort für Beteiligte des Aufstandes in Ungarn (1956) und für viele Mitwirkende des Prager Frühlings (1968). Besonders im Jahr 1956, wo vor allem Ostösterreich noch stark durch die Besatzung in Mitleidenschaft gezogen war, war die humanitäre Hilfe für das Nachbarland sehr groß. Ganze Siedlungen wurden für Flüchtlinge aus dem Boden gestampft. Obwohl ein großer Teil der Flüchtlinge vor allem von Überseeländern aufgenommen wurde, blieben doch auch sehr viele in Österreich. Auch das Bundesheer, das erst neu aufgestellt worden war, hatte seine erste Bewährungsprobe. In beiden Fällen spielte auch der ORF eine große Rolle, die Bevölkerung in den jeweils betroffenen Nachbarländern als Staatsrundfunk möglichst neutral zu informieren.
Bundeskanzler Bruno Kreisky, der als einer der ersten westlichen Politiker mit Arafat und Gaddafi Gespräche führte, beteiligte sich an der internationalen Diskussion zur Lösung des Nahostkonflikts. Wien wurde Sitz vieler internationaler Organisationen wie der UNO (Vienna International Centre), der IAEO und der OPEC.
Als Folge der jüngeren Geschichte, der Erfahrungen nach dem „Anschluss”, der Verbrechen der Nationalsozialisten und der vollständigen Niederlage des Hitlerreiches im Zweiten Weltkrieg, wandelte sich auch das Verständnis der staatlichen Identität. War das Selbstverständnis und das Verhältnis zum Staat in der Ersten Republik noch in weiten Teilen durch deutschnationale Gedanken geprägt, trat dieser Gedanke nun zunehmend in den Hintergrund. Dieses österreichische Nationalbewusstsein, das sich auch mit einer Abgrenzung zur neuen Bundesrepublik Deutschland verband, hatte allerdings auch zur Folge, dass sich viele Österreicher, „Normalbürger“ wie Politiker, jetzt als erstes Opfer des Nationalsozialismus sehen wollten (auch als „Opfermythos” bezeichnet), obwohl Hitler unter dem Jubel und mit Zustimmung weiter Teile der Bevölkerung den „Anschluss“ herbeigeführt hatte. Die Beteiligung an den Verbrechen des Dritten Reiches wurde auch deshalb lange Zeit kaum aufgearbeitet. Dieser „blinde Fleck” im Geschichtsbewusstsein fand im Bundespräsidentschaftswahlkampf 1986 besonderen Ausdruck, als Kurt Waldheim seine SA-Mitgliedschaft bzw. seine Rolle in der Wehrmacht verschwieg. Trotz weltweiter Empörung gewann er die Präsidentenwahl im zweiten Wahlgang. Erst unter der Regierung von Bundeskanzler Franz Vranitzky kam es zu einem ausdrücklichen Bekenntnis zur Mitverantwo