Das Fotonexus-Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Georg Jennerwein

Aus Fotonexus.

Wechseln zu: Navigation, Suche

Georg "Girgl" Jennerwein (* 1848; † 6. November 1877) war ein bayerischer Wilderer. Er kam aus ärmlichen Verhältnissen und musste als Zwölfjähriger erleben, wie sein Vater von königlichen Jägern als Wilderer erschossen wurde. Nach dem Krieg 1870/71 nahm er Gelegenheitsarbeiten als Holzknecht an, was für den Lebensunterhalt jedoch nicht ausreichte. Er begann zu wildern. Die Jagdbeute verkaufte er billig an Wirte in der Umgebung oder verteilte sie gratis unter der hungernden Bevölkerung. Das war der erste Schritt zu seiner Popularität.

Er jagte zusammen mit seinem Freund Josef Pföderl unerlaubt in königlichen Wäldern um den Schliersee im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol. Gejagt von königlich bayerischen Forstbeamten, fiel er letztlich einem Verrat zum Opfer und wurde bei der Jagd 1877 angeblich von seinem eigenen Freund hinterrücks erschossen (umstritten; der Täter war nach anderen Quellen ein Jäger). Dieser bestritt die Tat und wurde nur zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Tötungsabsicht unterstellt das Gericht dem Angeklagten nicht. Es wertet dessen „gänzlich ungetrübten Leumund“ als mildernden Umstand. Als Tatmotiv kam Eifersucht in Frage, da der Jennerwein eine Frau geschwängert hatte, welche auch der Angeklagte liebte.

Ein Volkslied, beginnend mit der Zeile „Ein stolzer Schütz in seinen schönsten Jahren“, trug bereits kurz nach seinem Tode zu seiner Verklärung als Volksheld bei. An seinem 99. Todestag wurde eine gewilderte Gams an sein Grabkreuz gehängt.

Georg Jennerwein wird auch häufig mit Robin Hood verglichen. Seine Geschichte wurde u. a. 2003 unter dem Titel Jennerwein verfilmt.

Eine populäre Gaststätte in München-Schwabing erinnert an den Wilderer.


Das Jennerwein-Lied

Ein stolzer Schütz in seinen schönsten Jahren,
er wurde weggeputzt von dieser Erd,
Man fand ihn erst am neunten Tage
bei Tegernsee am Peißenberg.

Auf den Bergen ist die Freiheit,
Auf den Bergen ist es schön,
Doch auf so eine schlechte Weise
Mußte Jennerwein zugrunde gehn!

Auf hartem Stein hat er sein Blut vergossen,
Am Bauche liegend fand man ihn,
Von hinten war er angeschossen,
Zersplittert war sein Unterkinn.

Und es war schrecklich anzusehen;
Als man ihm das Hemd zog aus,
Da dachte jeder bei sich selber:
Jäger, bleib mit'm Selbstmord z'Haus!

Du feiger Jäger, s' ist eine Schande,
Du erwirbst dir wohl kein Ehrenkreuz;
Er fiel mit dir nicht im offnen Kampfe,
Wie es der Schuß von hint' beweist.

Man bracht ihn dann noch auf den Wagen,
Bei finstrer Nacht ging es noch fort,
Begleitet von seinen Kameraden,
Nach Schliersee, seinem Lieblingsort.

Von der Höh ging's langsam runter,
Denn der Weg war schlecht und weit;
Ein Jäger hat es gleich erfunden,
daß er sich hat selbst entleibt.

Und als man ihn dort in den Sarg wollt legen,
Und als man gsagt hat: Ist jetzt alles gut?
O nein! sprach einer von den Herren, o nein!
Auf seiner Brust, da klebt ja frisches Blut!

In Schliersee ruht er, wie ein jeder,
Bis an den großen jüngsten Tag,
Dann zeigt uns Jennerwein den Jäger,
Der ihn von hint' erschossen hat.

Zum Schlusse Dank noch den Vet'ranen,
Da ihr den Trauermarsch so schön gespielt,
Ihr Jäger, tut Euch nun ermahnen,
Daß keiner mehr von hinten zielt.

Am jüngsten Tag da putzt ein jeder
Ja sein Gewissen und sein Gewehr.
Und dann marschiern viel Förster und auch Jäger
Aufs hohe Gamsgebirg, zum Luzifer!

(Verfasser unbekannt, Entstehungszeit: spätes 19. Jahrhundert)

Weblinks

Literatur


[[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]: convert: unable to open image `/var/www/fotonexus/w/images/c/ca/Wikipedia_lexikon3e.jpg': No such file or directory.
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Georg_Jennerwein, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge