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Generalplan Ost
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Der Generalplan Ost (abgekürzt GPO) war das im Laufe der Jahre 1941 und 1942 von einem Planungsstab des Stabshauptamtes des Reichskommissars für die Festigung des deutschen Volkstums (RKF) der SS entworfene Vorhaben, nach der Vernichtung der europäischen Juden weitere von den Nationalsozialisten als "minderwertig" bezeichnete "Rassen" (vor allem slawische Völker) auszurotten. Die Leitung des Planungsstabes lag bei dem Agrarwissenschaftler Konrad Meyer.
Der Plan sah vor, die Bevölkerung Polens und der westlichen Teile der Sowjetunion nach Sibirien zu vertreiben oder zu verbannen. Innerhalb von 25 Jahren sollten die "frei" gewordenen Gebiete mit rund fünf Millionen Deutschen besiedelt und dadurch "germanisiert" werden. Voraussetzung dafür wäre der militärische Sieg gegen die Sowjetunion durch das sogenannte Unternehmen Barbarossa 1941/42 gewesen.
Nach den Niederlagen vor Moskau (Winter 1941/42) und Stalingrad (1942/43) rückte der Plan in seiner ursprünglichen Auslegung jedoch in immer weitere Ferne. Dessen ungeachtet begann 1942 die Deportation der polnischen Landbevölkerung aus dem sogenannten Warthegau im Westen Polens in das weiter östlich gelegene Generalgouvernement (GG) und ein Jahr später aus Teilen des GG in Konzentrations- und Vernichtungslager. Ihre Häuser und Bauernhöfe wurden von deutschen Siedlern übernommen.
Obwohl der Plan in seiner vollen Entfaltung erst nach dem Endsieg hätte gestartet werden sollen, wurden in seinem Rahmen jedoch ca. drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene ermordet. Bedeutende Teile der Bevölkerung Polens, Weißrusslands und der Ukraine wurde zur Zwangsarbeit in das Reich verschleppt. Allein auf dem Gebiet Weißrusslands bauten die Nationalsozialisten ca. 260 Todeslager und 170 Ghettos. Nach modernen Untersuchungen sind während der deutschen Besatzung ca. 25% der zivilen Bevölkerung Weißrusslands ums Leben gekommen.
Faktisch ist der Generalplan Ost ein Indiz dafür, dass im Falle eines deutschen Sieges im Zweiten Weltkrieg die Judenvernichtung der Auftakt zu einem weitaus umfangreicheren Genozid an den Völkern Osteuropas geworden wäre.
Literatur
- Burchard, Matthias (1997): Der Generalplan Ost, ein finsteres Kapitel Berliner Wissenschaftsgeschichte, Berlin: Humboldt-Universität zu Berlin, 36 S.
- Wasser, Bruno (1994): Himmlers Raumplanung im Osten. Der Generalplan Ost in Polen 1940-1944. Basel: Birkhäuser, 350 S., 31 s/w Abb., ISBN 3-7643-2852-5
- Hrsg. v. Madajczyk, Czeslaw (1994):Vom Generalplan Ost zum Generalsiedlungsplan. Dokumente. München: Saur, XXXVI, 576 S., ISBN 3-598-23224-1
- Hrsg. v. Rössler, Mechthild und Schleiermacher, Sabine (1993): Der „Generalplan Ost“. Hauptlinien der nationalsozialistischen Planungs- und Vernichtungspolitik. Berlin: Akademie, 378 S., Ill.
- Aly, Götz und Heim, Susanne (1991): Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen Pläne für eine neue europäische Ordnung. Hamburg: Hoffmann und Campe. ISBN 3-596-11268-0
- behandelt den "Generalplan Ost" nur am Rande (S. 394 - 440); relevant in Bezug auf die Entwicklung und Strukturen der allgemeinen Vernichtungsplanung
Weblinks
- Weitere Details beim Arbeitskreis Shoa.de e.V
- „Wissenschaft - Planung - Vertreibung. Der Generalplan Ost der Nationalsozialisten.“ Eine Ausstellung der der Deutschen Forschungsgemeinschaft vom 28. September bis 27. Oktober 2006 im Foyer des Wissenschaftszentrums Bonn
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