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Gemäldegalerie (Berlin)

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Bild:Berlin Kulturforum 2002a.jpg
Kulturforum Berlin, hinten Eingang zur Gemäldegalerie

Die Berliner Gemäldegalerie am Kulturforum Berlin ist eine Spezialsammlung der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz (SMBPK) und beherbergt einen der bedeutendsten Bestände alter europäischer Malerei vom 13. bis zum 18 Jahrhundert. Sie ist in ihrer jetzigen Form das Ergebnis einer ambitionierten Sammlungspolitik, voller Erfolge und auch schmerzlicher Einschnitte, die, anhand ihres Bestandes, auch das politische Geschehen der letzten zweihundert Jahre widerspiegelt.


Inhaltsverzeichnis

Das Gebäude

Foyer der Gemäldegalerie
Foyer der Gemäldegalerie
Wandelhalle mit Ausstellung der Skulpturensammlung
Wandelhalle mit Ausstellung der Skulpturensammlung
Raum mit deutscher sakraler mittelalterlicher Kunst
Raum mit deutscher sakraler mittelalterlicher Kunst

Seit 1998 präsentiert sich die Berliner Gemäldegalerie in einem extra für sie errichteten Museumsbau am Kulturforum. Das Gebäude wurde von den Architekten Heinz Hilmer, Christoph Sattler und Thomas Albrecht unter Einbeziehung der Villa des Verlegers Paul Parey erreichtet. Es hat einen annähernd rechteckigen Grundriss, dessen Nordfassade leicht nach außen gezogen wurde. Die Außenfassaden selbst bestehen aus dicht gefugten Terrakottaplatten, die über einem hohen Rustikalsockel montiert wurden und so ein optisches Bild vermitteln, das sowohl an die italienische Renaissance, als auch an den preußischen Klassizismus erinnert. Kern des Gebäudes ist eine von zwei Säulenreihen durchzogene Wandelhalle, mit flachen Deckenwölbungen und 32 Klarglaskuppeln, in deren Zentrum sich die Brunneninstalation „5–7–9 Serie“ des amerikanischen Konzeptkünstlers Walter de Maria befindet. Die eigentlichen Ausstellungsräume, 18 Säle und 41 Kabinette legen sich hufeisenförmig in zwei Schichten um die Halle und werden im Normalfall nur durch Taglicht (Oberlicht) erleuchtet. Diese umfassen eine Ausstellungsfläche von etwa 7.000 Quadratmetern und bieten auf einem ca. 2 Kilometer langen Rundgang, mit etwa 1.800 laufenden Metern Hängefläche, Platz für rund 900 Gemälde. Weitere 400 Bilder werden in einer zwölf Räume umfassenden Studiengalerie im Sockelgeschoss des Gebäudes gezeigt. Weitere 150 Gemälde werden, zur optischen Verdeutlichung von kunstwissenschaftlichen Zusammenhängen, in der im Bode-Museum ausgestellten Skulpturensammlung gezeigt.


Die Sammlung

Die Gemäldegalerie bewahrt derzeit mehr als 3.500 Gemälde (davon rund 2.900 Bilder eigener Bestand) und weitere 3.000 historische Rahmen auf, die heute organisatorisch in insgesamt 10 Abteilungen aufgegliedert sind:

  • Deutsche Malerei des 13. bis 16. Jahrhunderts
  • Deutsche Malerei des 17 und 18. Jahrhunderts
  • Niederländische Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts
  • Flämische Malerei des 17. Jahrhunderts
  • Holländische Malerei des 17. Jahrhunderts
  • Italienische Malerei des 13. bis 16. Jahrhunderts
  • Italienische Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts
  • Spanische Malerei des 15. bis 18. Jahrhunderts
  • Französische Malerei des 15. bis 18. Jahrhunderts
  • Englische Malerei des 18. Jahrhunderts


Die eigene Bestände

Deutsche Malerei des 13. bis 16. Jahrhunderts

Diese Abteilung der Gemäldegalerie beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen altdeutscher Malerei weltweit, in der alle Schulen und Stilrichtungen der Zeit fast lückenlos präsentiert werden. Zu den Höhepunkten der Sammlung gehören die „Flügel des Wurzacher Altars“ die zu den wenigen malerischen Arbeiten des sonst eher als Bildhauer tätigen Hans Multscher gehören, zwei Bilder von Konrad Witz, zwei Bilder vom Meister des Hausbuchs, ein Martin Schongauer, zwei Bilder von Hans Holbein d. Ä., je acht Bilder von Albrecht Dürer und Hans Baldung, sieben Bilder von Albrecht Altdorfer (darunter ein aus zwei Tafeln bestehendes Diptychon), zweiundzwanzig Bilder von Lucas Cranach d. Ä. und fünf Bilder von Hans Holbein d. J..

Deutsche Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts

In diesem Bereich überschneidet sich die Sammlung teilweise mit den Beständen der Berliner Nationalgalerie. Sie ist nicht ganz so umfangreich wie der Bereich älterer deutscher Malerei, gehört aber trotzdem zu den bedeutenderen ihrer Art. Zum Bestand gehören Maler wie Daniel Chodowiecki, Christian Wilhelm Ernst Dietrich, Adam Elsheimer, Anton Graff Angelika Kauffmann, Christian Bernhardt Rode und Johann Rottenhammer, die mit meist größeren Werkkomplexen vertreten sind.

Niederländische Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts

Ist die in diesem Bereich bedeutendste Sammlung weltweit und liefert einen nahezu lückenlosen Überblick der Kunst von ihren Anfängen bis zum Ende der Renaissance. Den Anfang der Sammlung markieren drei Arbeiten des Jan van Eyck, die zu den besten Werken seines Schaffens gehören. Dem schließen sich vier Bilder von Petrus Christus, drei Bilder von Robert Campin und mit fünf Arbeiten, darunter drei Altäre, die größte Sammlung von Werken Rogier van der Weydens an. Darüber hinaus besitzt die Sammlung das einzige unbestrittene Bild des Aelbert van Ouwater, zwei Bilder von Dieric Bouts, drei Bilder von Hugo van der Goes, vier Bilder von Hans Memling, sechs Bilder von Jan Gossaert und zwei Bilder von Pieter Bruegel d. Ä..

Flämische Malerei des 17. Jahrhunderts

Diese Abteilung bietet einen exemplarischen Überblick über die flämische Malerei dieser Epoche, in deren Mittelpunkt Peter Paul Rubens mit zwanzig Bildern, Anthonis van Dyck mit sieben, Jacob Jordaens mit drei und David Teniers d. J. mit acht Bildern stehen. Um diesen Kern gruppieren sich mehr als zweihundert weitere Bilder, die einen guten Überblick über die flämische Malerei dieser Zeit bieten.

Holländische Malerei des 17. Jahrhunderts

Die holländische Abteilung gehört zu den besten Sammlungen überhaupt und bietet einen hervorragenden Überblick über diese Kunstepoche. Im Zentrum der Sammlung steht Rembrandt, von dessen Bildern die Sammlung derzeit 17 allgemein anerkannte Werke besitzt und damit zu den größten Einzelsammlungen dieses Meisters gehört. Neben einer hervorragenden Kollektion von Arbeiten aus seinem Umkreis und seiner Nachfolge bietet die Sammlung noch einen umfassenden Überblick über die holländische Malerei dieser Epoche insgesamt. Zu den teilweise mit größeren Werkkomplexen präsenten Malern gehören unter anderem Gerard ter Borch, Aelbert Cuyp, Jan van Goyen, Frans Hals, Gerrit van Honthorst, Pieter de Hooch, Willem Kalf, Adriaen van Ostade, Isack van Ostade, Paulus Potter, Jacob van Ruisdael und Jan Steen und Jan Vermeer.

Italienische Malerei des 13. bis 16. Jahrhunderts

Dieser Bereich ist die umfangreichste Abteilung der Gemäldegalerie und bietet einen umfassenden Überblick über die italienische Malerei dieser Zeit. Am Anfang der Trecento-Sammlung stehen zwei der wenigen eigenhändigen Tafelbilder von Giotto di Bondone dem sich unter anderen bedeutende Bilder von Maso di Banco, Agnolo Gaddi, Taddeo Gaddi, Lippo Memmi, Bernardo Daddi, Pietro Lorenzetti, Simone Martini, Lorenzo Monaco und Gentile da Fabriano anschließen. Die Quattrocento-Sammlung wird von der größten Sammlung von Einzeltafeln des Masaccio eingeleitet. Dem folgen ein Bild von Piero della Francesca, fünf Bilder von Fra Angelico, zwei Bilder von Domenico Veneziano, ein Bild von Antonio del Pollaiuolo, zwei von seinem Brüder Piero del Pollaiuolo, fünf Bilder von Fra Filippo Lippi, drei Bilder von Filippino Lippi, drei Bilder von Sandro Botticelli, vier Bilder von Luca Signorelli, sieben Bilder von Giovanni Bellini, zwei Bilder von Domenico Ghirlandaio, drei Bilder von Andrea Mantegna sowie Bilder von Gentile Bellini , Piero di Cosimo, Antonello da Messina und eine der wenigen unbestrittenen Tafeln von Andrea del Verrocchio. Das Cinquecento präsentiert sich mit bedeutenden Arbeiten von Giorgione, Tizian, Palma il Veccio, Lorenzo Lotto, Sebastiano del Piombo, Agnolo Bronzino, Paris Bordone, Paolo Veronese, Jacopo Tintoretto, Giovanni Battista Moroni, Correggio und Parmigianino.

Italienische Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts

Weit weniger geschlossen, dafür mit hervorragenden Beispielen präsentieren sich die späteren Italiener. Neben mehreren Werken der Carracchi-Familie, präsentiert die Sammlung Werke von Caravaggio, Guercino, Bernardo Strozzi, Carlo Dolci, Giuseppe Maria Crespi, Luca Giordano, Jacopo Amigoni, Giovanni Battista Tiepolo, Giovanni Domenico Tiepolo, Canaletto Giovanni Antonio Guardi und Francesco Guardi.

Spanische Malerei des 15. bis 18. Jahrhunderts

Rein zahlenmäßig gehört die spanische Abteilung zu den größeren Sammlungen in Deutschland. Bis auf wenige Ausnahmen sind die vorhandenen Werke aber eher zweit- bis drittklassig. Zu den wenigen bedeutenden Bildern gehören Arbeiten von Bartolomé Esteban Murillo, Luis de Morales, Diego Velázquez und Francisco de Zurbarán. Aufgrund der Lückenhaftigkeit, werden allerdings derzeit nur einzelne spanische Bilder innerhalb der Präsentation italienischer Meister des 17. und 18. Jahrhunderts gezeigt.

Französische Malerei des 15. bis 18. Jahrhunderts

Die französische Abteilung bietet einen oberflächlichen Überblick über die alte französische Malerei, in der eine ganze Reihe hervorragender Werke enthalten sind. Zu den frühen Leuchttürmen der französischen Malerei überhaupt gehören die Werke von Simon Marmion und Jean Fouquet. In Berlin befindet sich des Weiteren das einzige Bild von Georges de La Tour in einer öffentlichen Sammlung in Deutschland. Dem folgen Arbeiten von Nicolas Poussin, Antoine Watteau und François Boucher.

Englische Malerei des 18. Jahrhunderts

Die englische Malerei ist zwar die zahlenmäßig kleinste Abteilung der Berliner Gemäldegalerie, trotzdem bildet sie die größte Kollektion ihrer Art in einem deutschen Museum. Im Zentrum stehen insgesamt fünf Bilder von Thomas Gainsborough. Es folgen unter anderen drei Bilder von Joshua Reynolds, je zwei von John Hoppner und Henry Raeburn sowie ein Bild von Thomas Lawrence.


Die Leihgaben

Neben den eigenen Beständen verwaltet die Gemäldegalerie auch eine große Anzahl von Leihgaben, von denen die Bilder aus der Sammlung des Kaiser Friedrich-Museums-Vereins den bedeutendsten Bestand ausmacht. Weitere bedeutende Leihgaben stammen aus der Streitschen Stiftung (Jacopo Amigoni, Giovanni Antonio Canaletto), der der Kunstbibliothek der SMPK gehörenden Sammlung Lipperheide (Wolf Huber), der Bundesrepublik Deutschland (Paris Bordone, Peter Paul Rubens, Sebastiano Ricci, Antoine Watteau), der Staatsbibliothek SMPK (Lucas Cranach d. Ä.) und zahlreichen ungenannten Privatsammlern (Willem Pietersz. Buytewech).


Die Präsentation im Bodemuseum

Neben den ausgestellten Bildern am Kulturforum ist die Gemäldegalerie seit Oktober 2006 auch mit einer umfangreicheren Kollektion im Bodemuseum präsent. Die dort in der Dauerausstellung der Skulpturensammlung integrierten Werke bieten ebenfalls einen kleinen, wenn auch sehr lückenhaften Gesamtüberblick über die Geschichte der abendländischen Malerei. Dafür stellte die Sammlung mehrere, zuvor meist deponierte Bilder, aus ihrem Gesamtbestand ab. Nur wenige Arbeiten waren vorher am Kulturforum in der Schau- und in der Studiensammlung zu sehen gewesen. Bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich dabei um Werke zweiten oder dritten Ranges. Einige wurden für die Präsentation extra restauriert, darunter auch Bilder, die zur Schausammlung des Kaiser-Friedrich-Museums gehört hatten und seit 1939 nicht mehr öffentlich präsentiert worden waren.

Wie in der Hauptsammlung liegt auch hier der Schwerpunkte der Exponate auf der italienischen, altniederländischen und altdeutschen Malerei. Höhepunkt der Präsentation sind dabei die Tiepolo-Fresken aus der Villa Panigai, die vermutlich eine Gemeinschaftsarbeit von Giovanni Battista und Giovanni Domenico Tiepolo sind. Ihnen zur Seite stehen an italienischen Arbeiten eine Paolo Uccello zugeschriebene „Maria mit dem Kinde“, eine „Beweinung Christi“ von Giovanni Bellini, der „Pfingstaltar“ von Alvise Vivarini, der „Herkules am Scheideweg“ von Niccolò Soggi, mehrere Bildnisse von Alessandro Allori, je einer Altartafel von Francesco Vecellio und Girolamo dai Libri, das „Bildnis des Benedetto de’ Medici“ von Giorgio Vasari, „Der Prophet Bileam auf der Reise“ von Luca Giordano und die „Trunkenheit Noahs“ von Andrea Sacchi. An altniederländischer Malerei präsentiert die Sammlung vor allem Werke weniger bekannter oder anonymer Künstler, von denen der für seine Kopien nach großen Meistern bekannte Michiel Coxie mit mehreren Werken präsent ist. Daneben findet man Arbeiten von Aelbert Bouts und Goswijn van der Weyden. Bedeutendste Arbeiten der altdeutschen Schule sind eine „Adam-und-Eva“-Tafel von Lucas Cranach d. Ä., zwei Bildnisse von Georg Pencz und ein „Herrenbildnis“ von Joachim Martin Falbe. Bekanntere Maler anderer Schulen sind unter anderem Ferdinand Bol, Cornelis Cornelisz. van Haarlem, Hubert Robert und Jean Francois de Troy.


Geschichte der Gemäldegalerie

Planung und Aufbau der Berliner Gemäldegalerie

Schinkel, einer der frühen Förderer Architekt des ersten Berliner Museums
Schinkel, einer der frühen Förderer Architekt des ersten Berliner Museums
Friedrich Wilhelm III. legte mit dem Ankauf der Sammlung Giustiniani den Grundstock für die Gemäldegalerie
Friedrich Wilhelm III. legte mit dem Ankauf der Sammlung Giustiniani den Grundstock für die Gemäldegalerie
Edward Solly, dessen große Sammlung bis heute zum Kernbestand der Gemäldegalerie gehört
Edward Solly, dessen große Sammlung bis heute zum Kernbestand der Gemäldegalerie gehört
Wilhelm von Humboldt entwarf die Organisationsstruktur des Berliner Museums
Wilhelm von Humboldt entwarf die Organisationsstruktur des Berliner Museums

Die Berliner Gemäldesammlung ist die erste Sammlung alter europäischer Malerei, die von Anfang an nach streng kunsthistorischen Gesichtspunkten konzipiert wurde. Bereits im Jahr 1797 hatte der Archäologe Aloys Hirt die Gründung eines öffentlichen Berliner Bildungsmuseums der europäischen Kunstgeschichte angeregt, die sich, im Gegensatz zu repräsentativen Fürstensammlungen, streng an wissenschaftliche Prinzipien und Systematik orientieren sollte. Diese Idee stieß auf ein breites Echo und fand mit dem Architekten Karl Friedrich Schinkel und dem Gelehrten Carl Friedrich von Ruhmor namhafte Befürworter. Doch im Gegensatz zu Hirt waren sie der Meinung, dass in erster Linie die Freude an der Kunst und erst dann die Belehrung stehen sollte. Schnell ging man daran, die Idee, die von Friedrich Wilhelm III. aktiv unterstützt wurde, in die Tat umzusetzen. Großzügig war der König bereit, zahlreiche Objekte aus seinem Besitz, dem neuen Museum zur Verfügung zu stellen. Bei einer ersten Auswahl aus dem königlichen Gemäldebesitz traf Aloys Hirt 1812 eine Auswahl von etwa 650 Bildern, die er für das geplante Museum geeignet hielt. Nach Beendigung der napoleonischen Kriege kehrten zahlreiche Kunstwerke, die von den Franzosen schon vor der Auswahl aus königlichem Besitz verschleppt worden waren, nach Preußen zurück, so dass Hirt, die schon getroffene Auswahl um weitere 113 Bilder ergänzen konnte. Obwohl die königliche Sammlung bereits eine große Anzahl von Bildern hohen künstlerischen Ranges enthielt, wurde sie doch nicht den gestellten Ansprüchen gerecht, die man von einer, nach wissenschaftlichen Prinzipien aufgebauten Sammlung erwartete. Der Bildbestand war weit davon entfernt, einen enzyklopädischen Überblick über alle europäischen Malschulen bis zum 18. Jahrhundert zu bieten. Um diesem Wunsch gerecht zu werden, mussten noch zahlreiche Zukäufe getätigt werden.

1815 bot sich in Paris die erste Gelegenheit zu eine bedeutenden Erweiterung für die geplante Gemäldegalerie. Friedrich Wilhelm III. entdeckte dort die 155 von dem Pariser Kunsthändler Férérol Bonnemaison angebotenen Bilder aus der Sammlung des Vincenzo Guistiniani. Durch einen glücklichen Zufall war der sonst als geizig bekannte Monarch gut bei Kasse und erwarb die Giustinani-Bilder für eine Summe von 540.000 Francs. Für weitere 64.000 Francs kaufte er, ebenfalls bei Bonnemaison, noch 14 weitere Bilder. Durch einen glücklichen Zufall entdeckte der König in Paris noch zwei weitere, ebenfalls zum Verkauf stehende Bilder der Giustiniani-Sammlung, die er ebenfalls noch erwerben konnte. In Berlin wurden die Bilder, die eigentlich zur qualitativen Bereicherung der königlichen Sammlung gedacht waren, erstmal an die Akademie übergeben, die sie 1816 öffentlich präsentierte. Noch im selben Jahr wurden erste Stimmen laut, die forderten, die Giustinani-Bilder sofort dem neuen Museum zuzuführen, und nicht in die königliche Sammlung zu integrieren.

Zur Ergänzung der Giustiniani-Sammlung, die bis auf wenige Ausnahmen vorwiegend Werke des italienischen Frühbarocks enthielt, darunter Arbeiten von Caravaggio, den Carracci und Guido Reni, wurde nun der Erwerb der bekannten Heidelberger Sammlung Boisserée mit ihrer „vaterländischen Kunst“ vorgeschlagen. Trotz ernsthafter Bemühungen des preußischen Staates, schlugen die Verhandlungen fehl. Stattdessen entschied man sich für den Ankauf der sehr viel bedeutenderen Gemäldesammlung des in Berlin lebenden englischen Kaufmanns Edward Solly, der ein guter Freund von Hirt und Schinkel war und von diesen beraten wurde. Zu seinen weiteren Beratern gehörten noch Ruhmor und Gustav Friedrich Waagen. Bereits 1819 hatte er seine etwa 3000 Bilder umfassende Bildersammlung, für einen Kredit, an Preußen verpfändet. Unfähig, diesen zurückzuzahlen, begannen 1820 durch Vermittlung von Benjamin Wegner, Freund und Agent Sollys, die Verhandlungen über einen Ankauf der Sammlung, die 1821 abgeschlossen wurden. Für 500.000 Reichstaler gingen die Gemälde in preußischen Besitz über. Damit gelangte eine große Sammlung italienischer Bilder des 13. bis 16. Jahrhunderts, sowie eine bedeutende Anzahl altniederländischer, altdeutscher und eine kleine Anzahl von Werken anderer Malschulen in den Besitz des geplanten Museums.

Etwa zur gleichen Zeit begannen auch die Planungen für einen repräsentativen Museumsbau, der die Sammlung später aufnehmen sollte. Anfänglich hatte man noch mit dem Gedanken gespielt, die Bilder dauerhaft im Akademiegebäude unterzubringen, doch dann setzten sich die Befürworter eines Neubaus durch. An ihrer Spitze stand unter anderem Schinkel, der ein Konzept für einen prächtigen Museumsbau vorlegte. Seine Pläne fanden eine Mehrheit, so dass am 24. April 1823 endgültig der Bau des heute so genannten Alten Museums beschlossen wurde. Gleichzeitig nahm eine Expertenkommission ihre Arbeit auf, die eine Auswahl der später auszustellenden Bilder treffen sollte. Neben Schinkel und Hirt gehörte ihr, anfänglich noch als Gehilfe, Waagen an. Ab 1828 wurde er dann festes Mitglied. Durch Diskrepanzen zwischen Schinkel und Hirt, es ging noch immer um die Frage, ob Bildung oder Freude an den Kunstwerken selbst den Vorrang haben sollten, wurde die Kommission aufgelöst und 1829 durch eine neue ersetzt. Neben Schinkel und Waagen gehörten ihr nun auch Wilhelm von Humboldt, Christian Daniel Rauch, Richard Dähling, Wilhelm Wach, Jakob Schlesinger und Friedrich Tieck an. Federführend war dabei der zum Vorsitzenden ernannte Humboldt, der die künftige Organisationsstruktur des Museums entwarf. Gustav Friedrich Waagen fiel die direkte Auswahl für die auszustellenden Gemälde zu, womit er die Voraussetzung dafür schaffte, dass er zum ersten Direktor der Gemäldeabteilung ernannt wurde. Unterstützt wurde er dabei von Carl Friedrich von Rumohr.

Parallel zu der Auswahl der Ausstellungsstücke wurden noch einmal etwa 110 Bilder, darunter viele Einzelerwerbungen, angekauft. Bei einer abermaligen Durchsicht der Königlichen Sammlung traf man nun eine endgültige Auswahl für das Museum, die durch die zahlreichen eigenen Zugänge geringer ausfiel, als von Hirt veranschlagt. Die dort durch die Entnahme entstandenen Lücken füllte man mit Bildern aus den Sammlungen Giustiniani und Solly auf, die man als für das eigene Museum nicht geeignet ausgemustert hatte.

Am 3. August 1830 wurde das Museum eröffnet. Die Gemäldesammlung umfasste damals 1198 Gemälde, die in der oberen Etage des Schinkelschen Museumsbau ausgestellt wurden. Von den ausgestellten Gemälden kamen 378 aus der zuvor über zahlreiche Schlösser verstreuten Königlichen Sammlung, 677 Bilder aus der Sammlung Solly, 76 Bilder aus der Sammlung Giustiniani und der Rest aus sonstigen Erwerbungen. Präsentiert wurden die Bilder in die drei Abteilungen, die Waagen folgendermaßen klassifizierte:

  • Erste Abteilung. Italienische Schulen und denselben verwandte Kunstrichtungen. Die Akademiker.
  • Zweite Abteilung. Die niederländischen und deutschen Schulen.
  • Dritte Abteilung. Altertümer und kunsthistorische Merkwürdigkeiten.

Während die ersten beiden Abteilungen dem historischen Kontext der Schulen nach ihrer Entstehungszeit folgten, enthielt die dritte Abteilung jene Werke, die man aus verschiedenen, meist ästhetischen oder moralischen Gründen ausgesondert hatte und nur ausgewählten Besuchern zugänglich machte.

Der Eintritt in das Museum war frei, musste aber anfänglich vorher angemeldet werden.

Die Ära Gustav Friedrich Waagen

Bild:Berlin Altes Museum Friedrich Thiele 1830.jpg
Das Alte Museum in Berlin gegen 1830 – Erste Heimat der Berliner Gemäldegalerie
Bild:Gg altesmuseum1.jpg
Grundrissplan der Gemäldegalerie im Obergeschoss des Alten Museums von 1830

Schon kurz nach der Eröffnung war klar, dass das neue Museum keine abgeschlossene Sammlung sein würde. Wilhelm von Humboldt forderte darum einen jährlichen Etat für Neuerwerbungen, um die jetzt noch bestehende Lücken schließen zu können. Der König genehmigte einen Etat von jährlich 20.000 Talern, von denen allerdings jeweils 1000 Taler an jährlichen Gehaltszahlungen abgingen. Dieser Etat blieb im Wesentlichen bis 1872 bestehen, wurde aber zwischendurch hin und wieder durch Sonderzuwendungen für bedeutende Kunstobjekte aufgestockt. Trotzdem stagnierte die Sammeltätigkeit. Zum einen war der Etat für das gesamte Museum bestimmt, also auch für die im Erdgeschoss angesiedelte Antikenabteilung und zum anderen mussten damit auch andere Kosten beglichen werden, wie z.B. Leibrenten für Personen, die dem Museum später ihre Kunstsammlung in Aussicht stellten, deren Objekte dann aber oftmals nicht dem Wert der tatsächlich geleisteten Zahlungen entsprachen. Ein weiteres Hindernis war, das Ankäufe über 1000 Taler jeweils vom König, später vom Kaiser genehmigt werden mussten. Um trotzdem Ankäufe tätigen zu können, musste die Gemäldesammlung wiederholt Kredite aufnehmen, die dann teilweise über Jahre hinweg aus dem regulären Ankaufsetat getilgt werden mussten. Der erste Kredit dieser Art wurde 1832 für den Erwerb von Tizians „Mädchen mit der Fruchtschale“ und einem damals dem Pordenone zugeschriebenes Altarbild des Antonio Badile aufgenommen.

Nachteilige für die Gemäldegalerie war neben dem zu gering bemessenen Ankaufsetat auch die Tatsache, dass Waagen, während seiner gesamten Amtszeit, gegen Bürokratismus und Inkompetenz der zuständigen Entscheidungsstellen anzukämpfen hatte. Abgesehen von der Tatsache, dass bedeutende Summen z.B. für Abgüsse klassischer Skulpturen ausgegeben wurden, unterschätzte man auch die rapide Preisentwicklung auf dem internationalen Kunstmarkt, so dass die Galerie, bei den Versteigerungen bedeutender Privatsammlungen in London und Paris nur selten zum Zug kam. Im Inland war man zwar erfolgreicher, doch hatte das angebotene Material bei weitem nicht die Qualität, die über die großen internationalen Auktionshäuser zu erwerben gewesen wäre. Als weiteres Manko stellte sich bereits nach kurzer Zeit heraus, dass sich die moderne Kunstgeschichtsschreibung noch in der Entwicklung befand und viele Kunstwerke, die als Werke großer Meister angeboten wurden, gar nicht von diesen gemalt sein konnten. Außerdem wurde nicht selten erst nach den Ankauf erkannt, dass sich Bilder in schlechtem Zustand befanden. Ein typisches Beispiel, wo schlechter Zustand und falsche Zuschreibung zusammentrafen, war das damals als „Raffael Ancaini“ bekannte Altarbild mit der „Anbetung der Könige“, das als eines der bedeutendsten Frühwerke von Raffael galt. 1833 wurde es durch Kreditaufnahme für 22.705 Mark in Rom erworben und stellte sich dann, bei der Ankunft in Berlin, als Ruine heraus, die unmöglich von Raffael gemalt worden sein konnte. Heute wird das Bild dem Giovanni di Pietro, gen. Lo Spagna zugeschrieben.

Gustav Friedrich von Waagen musste schon bald erkennen, dass es unmöglich war, die Lücken in der Sammlung nur durch Angebote an das Museum oder Ankäufe auf Auktionen zu schließen.

So entwickelte er 1841 Pläne für eine Italienreise, um dort direkt Werke aus Kirchen und Fürstenhäusern zu erwerben. Er fand beim jungen König Friedrich Wilhelm IV. ein offenes Ohr und konnte noch im gleichen Jahr, ausgestattet mit einem Sonderetat von 100.000 Talern, eine Einkaufsreise nach Italien durchführen, die dem Museum zwar nicht ganz den erhofften Erfolg, aber doch immerhin den Gewinn einiger bedeutender Kunstwerke einbrachte. Zu Waagens Erwerbungen in Italien zählen Werke von Fra Bartolomeo, Domenico Veneziano, Lorenzo Lotto, Giovanni Battista Moroni, Palma il Vecchio, Raffael, Jacopo Tintoretto, Tizian und Paolo Veronese. Doch schon bei seiner Rückkehr nach Berlin bemerkte Waagen, dass man dort mit seinen Ankäufen nicht sehr glücklich war. Seine Expertenmeinung wurde immer mehr infrage gestellt, so dass man seine weiteren Gestaltungsmöglichkeiten für die Sammlung drastisch einschränkte. Niemand trug dabei dem Umstand Rechnung, dass Waagen vielfach gerade einmal erste lockere Kontakte geknüpft hatte und dass mögliche Anbieter durchaus längere Zeit umworben werden wollten. Auch fehlte dem Berliner Museum ein europaweites Netz von Kunstagenten, die bedeutende Werke und ihre Verfügbarkeit im Auge behalten konnten. Aufgrund solcher Kurzsichtigkeiten kam die Sammeltätigkeit noch weiter ins Stocken und kam, bis zur Reichsgründung fast völlig zum erliegen. Die Wertigkeit, die man der Sammlung zu dieser Zeit zuwies, wird dadurch verdeutlicht, dass sie nach Waagens Tod 1868 erstmal nur durch Kommissarische Direktoren im jährlichen Wechsel betreut wurde.

Trotz der schlechten Voraussetzungen gelang es der Gemäldegalerie in der Amtszeit Waagens, mehr als 400 Bilder zu erwerben. Neben zahlreichen Werken italienischer Künstler zählt vor allem der weitere Aufbau der Sammlung altniederländischer Bilder, die heute die bedeutendste weltweit ist, zu den Glanzpunkten seiner Amtszeit. Zu den erworbenen Gemälden dieser Schulen gehörten Werke von Dieric Bouts, Petrus Christus, Joos van Cleve, Jan Gossaert, Hans Memling und Rogier van der Weyden.


Die Gemäldegalerie von der Reichsgründung bis 1904

Bild:Altes Museum, Berlin 1900.png
Das Alte Museum in Berlin gegen 1900

Ab den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts begannen für die Berliner Museen und damit auch für die Gemäldegalerie neue Zeiten. Am Anfang des Jahrzehnts kam es in Europa zu massiven politischen Veränderungen, die auch an den Kunstsammlungen nicht spurlos vorbeigingen. Infolge des Sieges über Frankreich und der Gründung des Deutschen Reiches mit Berlin als Hauptstadt sah sich die ehemalige Preußenmetropole mehr als vorher in der Pflicht, mit den anderen großen Hauptstädten Europas konkurrieren zu können. Um sich im großen Prestigewettkampf der Metropolen behaupten zu können, unternahm man vielfältige Bemühungen, um auch die Berliner Museen zu einer Sammlung auszubauen, die denen in London und Paris vergleichbar war. Hatte man sich in Berlin bisher damit abgefunden, dass sich die bedeutendsten deutschen Gemäldesammlungen in Dresden und München befanden, entwickelte man nun den Ehrgeiz, diesen, aus fürstlichem Sammeleifer entstandenen Kollektionen, den Rang ablaufen zu wollen.

Dieser Wunsch ging mit einer zeitgleichen Umorientierung des internationalen Kunstmarktes vor sich. Bisher hatte die Gemäldegalerie vor allem mit der National Gallery in London, dem Louvre in Paris, dem Zarenhof in St. Petersburg und im deutschsprachigen Raum mit dem ebenfalls sehr ambitionierten Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt/M. im Wettstreit gestanden. Nun aber kamen zahlreiche neue Konkurrenten hinzu.

Angeregt durch den Wettkampf der Museen um herausragende Kunstwerke, etablierte sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eine neue Generation von privaten bürgerlichen Sammlern, die oft über erhebliche Geldmittel verfügten, die die Museumsetats oft weit überstiegen. Dies hatte zur Folge, dass die hohen Marktpreise, die von Berlin bisher nur als eine zeitlich begrenzte Modeerscheinung eingeschätzt worden waren, noch weiter explodierten und damit alle Museen vor erhebliche finanzielle Schwierigkeiten stellte. Diese Preisentwicklung hatte aber auch zur Folge, dass nun viele alte, vorwiegend adlige Sammler dazu bereit waren, sich von ihren Schätzen zu trennen, so dass jetzt auch viel mehr Kunstwerke auf den Markt kamen.

Bild:Max Liebermann Bildnis Wilhelm Bode.jpg
Wilhelm von Bode, der bis heute bedeutendste Direktor der Berliner Gemäldegalerie

In dieser Situation übernahm mit Julius Meyer ein Mann die Führung der Gemäldegalerie, der wieder über Durchsetzungskraft verfügte und auch bereit war, neue Wege zu beschreiten. Ihm zur Seite stand ab 1872 sein neuer Assistent Wilhelm von Bode. Beide betrachteten es als ihre vorrangige Aufgabe, die noch immer bestehenden Lücken der Sammlung zu schließen, wobei sie sich darin einig waren, dass es im Endeffekt wichtiger war, mit einer zur Verfügung stehenden Summe lieber ein bedeutendes Werk zu kaufen, anstatt viele mittelklassige Bilder, wie es bisher meist der Fall gewesen war. Um ihren Plänen Taten folgen zu lassen, beantragten sie für die Jahre 1872/73 eine erneute Einkaufsreise nach Italien, die auch genehmigt wurde. Ausgestattet mit 100.000 Talern und wie sie glaubten besser vorbereitet als Waagen, traten sie ihre Reise an und erlebten eine riesige Enttäuschung. Die massenhafte Ausfuhr italienischer Kunstwerke in den letzten Jahrzehnten hatte die dortige Bevölkerung mobilisiert und sie begannen sich, gegen die ausländischen Käufer zu organisieren. Trotz angelaufener Verhandlungen über den Ankauf mehrerer kirchlicher Altarbilder, mussten diese aufgrund massiver Proteste abgebrochen werden. Lediglich der Ankauf aus Privatsammlungen und über Kunsthändler war noch problemlos möglich. Allerdings zeigte sich schnell, das Ankäufe aus privaten Sammlungen meist nicht ohne lange Vorbereitungen (manchmal dauerten sie mehrere Jahre) möglich waren und Kunsthändler nur selten die gesuchte Qualität anboten. Dementsprechend mager fiel die Ausbeute für die Berliner Gemäldegalerie aus. Immerhin konnten einige wenige gute Bilder von Künstlern wie Luca Signorelli, Giovanni Battista Tiepolo, Jacopo Tintoretto und Andrea del Verrocchio angekauft werden.

Als Konsequenz aus der eher enttäuschenden Reise begannen Meyer und Bode, schon in Italien, an einem neuen Konzept für zukünftige Erwerbungen zu arbeiten. Man beschloss, ein europaweites Netz von Kunstagenten aufzubauen, die den Markt, im Dienst der Berliner Galerie, im Auge behalten und bevorstehende Verkäufe rechtzeitig melden sollten. Darüber hinaus begann man langfristige Kontakte zu englischen Kunsthändlern zu knüpfen, was man zu Waagens Zeit, wegen der angeblich überhöhten Preise, noch weitgehend abgelehnt hatte. Diese Bemühungen trugen bald erste Früchte und brachten dem Museum in den folgenden Jahren zahlreiche Bilder ersten Ranges ein, für die nun aber meist auch sehr hohe Preise gezahlt werden mussten.

Obwohl man sich in der Erwerbungspolitik verstärkt Einzelerwerbungen zugewandt hatte, gelang es der Galerie 1874 mit der Sammlung des Aachener Industriellen Barthold Suermondt noch einmal eine bedeutende Kunstsammlung im Stück zu erwerben. Dabei handelte es sich um die damals größte deutsche Privatsammlung, die vor allem Werke der nordeuropäischen Schulen enthielt. Zu den dadurch erworbenen Bildern gehörten beispielsweise Jan van Eycks „Kirchenmadonna“ und Jan Vermeers „Junge Dame mit Perlenhalsband“. Weite Werke waren von Frans Hals, Hans Holbein d. J., Peter Paul Rubens und Jan Steen. Des weiteren gab es in der Sammlung auch mehrere Werke spanischer Malerei, die in Berlin bisher nur durch einige unbedeutende Bilder vertreten war, so dass in der Folgezeit, der Ankauf weiterer Gemälde, ganz oben auf der Liste der gewünschten Erwerbungen standen. Trotz zahlreicher Bemühungen und einer Spanienreise von Bode im Jahr 1881 gelangten bis heute nur wenige weitere spanische Bilder in den Besitz der Sammlung. Darunter nur eine Handvoll Spitzenwerke.

Bild:Gg altesmuseum2.jpg
Der östliche Saal im Südflügel der Gemäldegalerie mit Werken der holländischen und flämischen Schule des 17. Jahrhunderts

Bode selbst entwickelte sich, im Dienst des Museums, zu einem manischen Sammler, dem es in den Folgejahren gelang, die Sammlung nicht nur auszubauen, sondern ihre Qualität erheblich zu erhöhen. Seinem Geschick ist es zu verdanken, dass die Gemäldegalerie zu einem der führenden Institute alter europäischer Malerei heranwuchs. Sein Sammeleifer bescherte Berlin eine der besten Sammlungen von italienischen Quadrocento-Gemälden, eine der größten Sammlungen von Bildern Rembrandts und eine gut ausgebaute und repräsentative Rubens-Sammlung. Dies hatte zur Folge, dass der Bilderbestand Ausmaße annahm, der sich kaum noch vernünftig ausstellen ließ. Da die Bilder bereits Rahmen an Rahmen an den Wänden hingen, mussten bei Neuerwerbungen alte Bilder weichen. Die ausgesonderten Bilder wurden in ein provisorisches Depot verbracht, das sich unter dem Dach des Alten Museums befand und ebenfalls schon hoffnungslos überfüllt war. Unter den dort schon eingelagerten Bildern befanden sich unter anderem noch mehr als 1.000 Bilder der Solly-Sammlung, die seit dem Ankauf noch nicht systematisch erfasst und untersucht worden waren. Um der Platznot Herr zu werden, beschlossen Meyer und Bode, 1886, einen Großteil dieser Bilder aus der Sammlung abzugeben. Nach einer oberflächlichen Durchsicht wurde eine Auswahl von 1.062 Gemälden getroffen, neben Werken aus der Solly-Sammlung vermutlich auch einige heute nicht mehr nachweisbare Werke, die erst nach 1830 angekauft worden waren und unter denen sich Bilder befanden, die bei ihrer Erwerbung unter anderem Paris Bordone, Guercino, Tizian und Paolo Veronese zugeschrieben wurden. Leider wurden die Bilder nur mit solch dürftigen Beschreibungen wie „Italienisch, 14. Jahrhundert“ oder „Niederländisch, 15. Jahrhundert“ ohne genaue Bildbeschreibung und Maße an das Auktionshaus Rudolph Lepke abgegeben, wo sie 1887, unter den übernommenen bescheidenen Angaben, versteigert wurden, so dass es heute nahezu unmöglich ist, einzelne dieser Werke in anderen Sammlungen zu identifizieren.

Trotz dieser, aus heutiger Sicht eher zweifelhaften Aktion, die zu damaliger Zeit aber durchaus gängige Praxis war, waren es vor allem die positiven Verdineste Bodes für die Gemäldesammlung und die Berliner Museen im Ganzen, die die Verantwortlichen dazu bewogen, ihm 1890 zu Direktor von Gemäldegalerie und Skulpturensammlung zu ernennen.

Seine dringendste Aufgabe im neuen Amt sah Bode vor allem darin, einen gangbaren Weg aus dem akuten Raummangel der von ihm betreuten Sammlungen zu finden, der im Übrigen alle Berliner Sammlungen betraf. Schon in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts hatte man damit begonnen gehabt, dem Platzmangel im Alten Museum durch umfangreiche Umbauarbeiten, dazu gehörte unter anderem der Einbau von Oberlicht, Herr zu werden. Trotzdem war es sowohl Meyer als auch Bode klar, dass man auf lange Sicht nicht um einen Museumsneubau herumkommen würde. So begann man spätestens 1880 mit den Planungen für einen solchen. Dabei griff man auf eine ältere Idee des Generaldirektors Guido von Usedom zurück, der die Idee hatte, dass schon bestehende Museumsensemble durch ein weiteres Museum für Abgüsse von Skulpturen des Mittelalters und der Renaissance zu erweitern. Ausgehend von dieser Idee entwickelte wohl erst Meyer und dann hauptsächlich Bode, ab den 90er Jahren, das Konzept für ein Renaissancemuseum, in dem verschiedene Kunstgattungen integrativ in gemeinsamen Räumen präsentiert werden sollten. Bodes Absicht war es, Gemälde, Skulpturen, ausgesuchte Möbel und Gobelins nebeneinander in Räumen zu präsentieren, die mit originalen Wandverkleidungen, Decken, Fußböden, Portalen, Kaminen und Simsen ausgestattet waren und so ein ideales Gesamtbild einer Epoche zeigen sollten. Um seinen Plan, gegen den es viele Widerstände gab, umsetzen zu können, bemühte er sich um möglichst prominente Unterstützung. Eine gute Gelegenheit bot sich ihm, als er 1896 für die Kaiserin Viktoria deren Kunstsammlung im Schloss Friedrichshof, genau nach diesem Konzept, umgestaltete und damit ihr Wohlwollen und ihre Unterstützung beim Kaiser erlangte. Dieser gab am 6. März 1896 seine Zustimmung für den Neubau. Im Folgejahr wurde dann auch das Geld für den Neubau im Abgeordnetenhaus bewilligt. Der Auftrag für Planung und Bau ging an den Architekten Ernst von Ihne. Anlässlich der Neueröffnung erhielt die Sammlung eine Reihe von Schenkungen aus denen vor allem die von Alfred Thiem und James Simon gestifteten Bilder herausragen. Am 18. Oktober 1904 wurde das Museum, das zu Ehren des Kaisers Friedrich III. Kaiser-Friedrich-Museum benannt wurde, feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Der Eintritt blieb, wie schon seit der Eröffnung, erstmal noch frei.


Unterstützung privater Sammler und Mäzene im Dienst der Gemäldegalerie

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James Simon, der bis heute bedeutendste Mäzen der Berliner Museen

Da Bodes Sammeleifer sowohl finanzielle als auch organisatorische Grenzen gesetzt waren, bemühte er sich aktiv darum, für die Gemäldegalerie interessante Kunstwerke, deren Erwerb derzeit nicht möglich war, in die Hände ihm befreundeter privater Sammler zu vermitteln, die er aktiv förderte und beriet. So entstand unter seiner Mithilfe in Berlin eines der dichtesten Netze von finanzstarken Kunstsammlern, in deren Besitz sich Schätze von unermesslichem Wert befanden. Bodes Einsatz in diesem Bereich blieb aber nicht allein auf Berlin und Deutschland beschränkt sondern dehnte sich auch auf einige englische und französische Privatsammlungen aus. Er verband mit seinem Engagement die Hoffnung, dass die Sammler ihre Kollektionen irgendwann, so wie es zur gleichen Zeit vielfach in den Vereinigten Staaten von Amerika geschah, eines Tages den Berliner Museen stiften würden. Dies brachte der Gemäldegalerie in den nächsten Jahrzehnten zwar einige Zuwächse ein, jedoch nicht in dem von Bode erhofften Maß. Viele deutsche Kunstsammlungen, an deren Aufbau er maßgeblich beteiligt war, wurden während des Ersten Weltkrieges oder in den Jahren danach veräußert, in denen ihre Besitzer sie, um nicht an den Kriegsfolgen oder den Folgen der Inflation Bankrott zu gehen, meist für amerikanische Dollar oder britische Pfund abgaben. Und ausländische Kunstsammler, wie der deutschstämmige, in England lebende Alfred Beit, konnten es durch nationalistisch aufgepeitschte Presseartikel nicht wagen, ihren Besitz an ein deutsches Museum abzutreten, wenn sie nicht riskieren wollten, erhebliche Imageschäden für ihre Unternehmen hinzunehmen. Eine Ausnahme bildete einzig und allein der Industrielle James Simon, der den Berliner Museen, darunter der Gemäldegalerie, zahlreiche wertvolle Kunstwerke stiftete. Da aber sein Unternehmen, infolge des Krieges, schwer angeschlagen war, musste auch er ab 1919 einen Teil seiner Sammlung auf dem internationalen Kunstmarkt verkaufen. Dabei handelte es sich vorwiegend um seine Sammlung holländischer Bilder des 17. Jahrhunderts, zu der unter anderem Bilder von Rembrandt, Frans Hals und Jan Vermeers „Frau mit Magd, die einen Brief überbringt“, heute ein Hauptwerk in der Frick Collection in New York, gehörten.

Weitaus erfolgreicher waren Bodes Bemühungen, potente Geldgeber für einen Förderverein zu finden, der für die Sammlung bedeutende Werke vorfinanzieren konnten. Dies war nötig, weil das erforderliche Geld nicht immer sofort zur Verfügung stand und weil jede Erwerbung über 5.000 Mark vom Kaiser genehmigt werden musste. Ein weiterer Grund bestand darin, weil besonders amerikanische Sammler in immer größerem Umfang bedeutende europäische Werke ankauften. Das Ergebnis dieser Bemühungen war der 1897 gegründete Kaiser Friedrich-Museums-Verein, dessen Zuwendungen sich schon bald nicht mehr nur auf die bloße Bereitstellung von Geld beschränkte, da man damit begann, eine eigene Kunstsammlung aufzubauen, die der Gemäldegalerie unentgeltlich als dauerhafte Leihgabe zur Verfügung steht.

Kaiser-Friedrich-Museum und Deutsches Museum bis 1939

Das Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum) in Berlin
Das Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum) in Berlin
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Ein typischer Ausstellungsraum für italienische Kunst des 15. Jahrhunderts im Kaiser-Friedrich-Museum um 1905–1907

Mit der Eröffnung des Kaiser-Friedrich-Museums präsentierte sich die Sammlung in einem völlig neuen Bild. Im Wesentlichen wurden die Gemälde im Ober- und die Skulpturen im Untergeschoss präsentiert. Besonders im Bereich des Quattrocento kam es aber zu jener integrativen Durchmischung der verschiedenen Kunstgattungen, für die Bode im Vorfeld so sehr geworben hatte. Diese Durchmischung war für ein öffentliches Museum etwas völlig Neues und fand auch international starke Beachtung. Besonders viele nordamerikanische Museen waren von diesem Konzept so angetan, dass sie es ebenfalls für ihre Häuser übernahmen und für diese Form der Präsentation den Begriff Period Rooms prägten. In den Bereichen der holländischen und flämischen Malerei blieben aber auch im Kaiser-Friedrich-Museum die Bilder unter sich.

Obwohl sich Bodes Traum von einem neuen Haus für die Gemäldesammlung erfüllt hatte, wurde der Platzmangel auch hier nur für den Anfang behoben. Auch jetzt konnte nur ein Teil der vorhandenen Bilder ausgestellt werden, so dass bereits 1910 eine erste größere Umstrukturierung der Schausammlung stattfand. Im gleichen Jahr begannen die ersten Planungen für einen weiteren Museumsbau, dessen nördlichen Flügel Bode für die Einrichtung des von ihm geplanten Deutschen Museums vorsah, in dem er nach dem Vorbild der italienischen Renaissancesammlung im Kaiser-Friedrich-Museum nun auch die deutschen Bestände in integrativen Schauräumen präsentieren wollte. Um diesen Plan langfristig vorzubereiten, wurden vor allem deutsche Kunstwerke im großen Stil angekauft und auch diese Abteilung zu einer der bedeutendsten Kollektionen ihrer Art weltweit ausgebaut.

Zur Finanzierung all dieser Maßnahmen, beschloss man, den Eintritt für die Museen künftig nur noch gegen ein Eintrittsgeld zu gewähren. Spätestens 1909 konnte das Kaiser-Friedrich-Museum nur noch gegen Zahlung von 50 Pfennig besucht werden.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs begann die Sammeltätigkeit, erstmalig seit der Reichsgründung, wieder zu stagnieren. 1920 kam es zu einem entscheidenden ersten Einschnitt im Bestand der Schausammlung. Aufgrund des Vertrags von Versailles wurde das Museum dazu gezwungen, sämtliche im Inventar vorhandenen Tafeln von Jan van Eycks „Genter Altar“ sowie „Der Prophet Elias in der Wüste“ und „Die Feier des Passahfestes“ von Dieric Bouts an den belgischen Staat abzugeben. Mit der Abgabe der bedeutenden Bilder ging eine erneute Umstrukturierung der Schausammlung einher.

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Vorderansicht des Pergamonmuseums – Der Nordflügel (links im Bild) beherbergte das Deutsche Museum

In den Folgejahren gelang es Bode nur noch bedingt an die Erfolge der Vorkriegsjahre anzuschließen. Aus Mangel an finanziellen Mitteln gelangen nur noch gelegentlich Erwerbungen von hochkarätigen Gemälden. Gleichzeitig wurden zahlreiche in Deutschland befindliche bedeutende Gemälde ins Ausland, vorwiegend in die Vereinigten Staaten von Amerika verkauft.

1930 wurden mit der Eröffnung des Deutschen Museums (im Nordflügel des von Alfred Messel entworfenen heutigen Pergamonmuseums) die deutschen, altniederländischen und die vorbarocken französischen Gemälde aus dem Kaiser-Friedrich-Museum ausgelagert und zusammen mit den gleichzeitigen Skulpturen in den Museumsneubau überführt.

1936 erhielt die Galerie noch einmal einen größeren Zuwachs durch die ministerielle Überweisung der im Pfandgut der Dresdner Bank eingelagerten Altmeistergemälde, von denen ein Großteil aber bereits im Folgejahr wieder veräußert wurde, so dass nur etwa die Hälfte der Bilder in der Sammlung verblieb. Darüber hinaus musste sich das Museum auch von dem einzigen in der Sammlung befindlichen Bild von Duccio di Buoninsegna trennen. Mit dem Erlös wurde das als „deutschnational“ wichtig betrachtete „Bildnis eines Mannes mit Laute“ von Hans Holbein d. J. aus einer englischen Sammlung finanziert.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde die Gemäldegalerie, wie auch alle anderen Museen auf der Museumsinsel geschlossen.