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Frieden von Tilsit
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Am 7. und am 9. Juli 1807 wurde durch die Friedensverträge von Tilsit zwischen Kaiser Napoleon I., Zar Alexander I. von Russland und König Friedrich-Wilhelm III. von Preußen der Vierte Koalitionskrieg (1806/07) beendet. Am 7. Juli trafen sich Napoleon I. und Alexander I. auf einem in der Mitte der Memel schwimmenden Pontonboot, das die Demarkationslinie zwischen der französischen und der russischen Einflusszone markierte. Der russisch-französische Friedensschluss teilte Osteuropa in eine französische und eine russische Interessensphäre; das preußisch-französische Abkommen stufte Preußen auf den Status einer europäischen Mittelmacht zurück.
Das Franko-Russische Abkommen
Der Zar akzeptierte den Rheinbund und das neu gegründete Herzogtum Warschau als napoleonische Vasallen und trat der Kontinentalsperre bei. Napoleon ermunterte Alexander zu einer konfrontativen Politik gegenüber England, worüber es (nach dem englischen Flottenangriff auf Kopenhagen) zum Englisch-Russischen Krieg (1807-1812) kam. Russland erhielt freie Hand für eine aggressive Expansionspolitik gegenüber Schweden und dem Osmanischen Reich. Darauf erzwang das Zarenreich im Russisch-Schwedischen Krieg (1808/1809) die Abtretung Finnlands und den Beitritt Schwedens zur Kontinentalsperre.
Aus der Walachei und Moldavien zog sich Russland zunächst zurück, eroberte aber im Russisch-Türkischen Krieg (1806-1812) vom Osmanischen Reich bis 1810 große Teile des Kaukasus, (Georgien) und sicherte sich 1812 Bessarabien. Die Ionischen Inseln und Cattaro, die von den russischen Admiralen Uschakow und Senjawin besetzt waren, kamen an Frankreich. Im Gegenzug garantierte Napoleon die Souveränität des Herzogtums Oldenburg und einiger anderer Kleinfürstentümer, die von deutschen Verwandten des Zaren regiert wurden.
Das Franko-Preußische Abkommen
War das franko-russische Abkommen vom 7. Juli noch ein Abkommen unter Gleichen, hatte der mit Preußen zwei Tage später geschlossene Vertrag den Charakter eines Diktatfriedens. Zwar verhinderte die Intervention des Zaren die von Napoleon angestrebte endgültige Liquidation Preußens, doch wurden der Gebietsbestand und die Zahl der preußischen Untertanen um nahezu die Hälfte reduziert. Danzig wurde Freie Stadt, an Sachsen fiel der preußische Kreis Cottbus.
Die westelbischen Ländereien gingen sämtlich verlustig und wurden dem neu gegründeten Königreich Westphalen einverleibt. Ebenso musste Preußen auf den Großteil seiner in den Teilungen Polens erworbenen Gebiete verzichten; aus diesen Territorien wurde das Herzogtum Warschau gebildet, das der König von Sachsen in Personalunion regierte. Die wichtigsten Festungen, darunter Magdeburg, erhielten französische Garnisonen. Das Heer wurde von vormals 200.000 Mann auf 42.000 Mann reduziert. Außerdem durfte Preußen nur noch Landeskinder als Soldaten anwerben. Der 4,94 Millionen Einwohner zählende preußische Reststaat hatte eine Kriegskontribution von 120 Millionen Francs (über 32 Millionen Preußische Reichstaler) zu leisten und musste der Kontinentalsperre beitreten.
Berühmt geworden ist in diesem Zusammenhang der Bittgang der Königin Luise zu Napoleon, in dem sie diesen vergeblich um eine Milderung der Preußen auferlegten Gebietsverluste und Kontributionen anflehte. Das Abkommen war ein Auslöser für grundlegende Reformen des Staates Preußen (Preußische Reformen).
Seit 1810 unterlief Russland das Vertragswerk, indem es neutralen Schiffen erlaubte, britische Waren in seinen Häfen zu löschen, womit gleichzeitig der Weg für den russisch-englischen Frieden von 1812 vorbereitet wurde. Die daraus entstandenen Spannungen mit Frankreich lösten 1812 Napoleons Russlandfeldzug aus.
Siehe auch: Liste bedeutender Friedensschlüsse
Weblinks
- Friedens-Traktat mit Frankreich in Volltext („Tilsiter Frieden“)
- http://www.napoleon.historicum-archiv.net/themen/kriege/tilsit.html
- http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Aufbruch/themen_start/politik/nation/vereinheitlichungen/waehrung/probleme/index2_html Umrechnungsverhältnis deutscher und französischer Münzen im Jahr 1808 am Beispiel des Kgr. Westfalen (Website des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe)]
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